Ausstellung «Gerhard Richter Landschaft»

Kunsthaus Zürich vom 26.3. bis 25.7.2021

 

Gerhard Richter: Landschaft


Ist das nicht der mit den unscharfen Fotos? Nein und ja. Er arbeitet tatsächlich mit Fotos, aber er stellt keine Fotos aus, sondern Ölgemälde. Ölgemälde, die von weitem aussehen wie unscharfe Fotos. Dabei ist jedes einzelne seiner Werke ein akribisch gemaltes Kunstwerk.

 

 

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Ab 1962 sammelt er systematisch alles, was ihm an Illustrationen in die Hände kommt. Fotografien, Skizzen, Zeitungsausschnitte. Kein Thema, das er auslässt. Banale Familienfotos, Alltag, Krieg, Sex, Mode, sogar Horroraufnahmen des Holocausts. Alles Vorlagen zu neuen Ideen. Dazu kommen Fotos, die er selbst aufgenommen hat. Er klebt das alles fein säuberlich auf grosse Blätter. Über 800 solcher Blätter sind bis heute zusammen gekommen. «Atlas» nennt er seine Blätter- und Vorlagensammlung.

Daraus malt er Ölbilder. Und wenn die Fotovorlage unscharf ist, dann malt er auch das Bild unscharf. Er hat dafür zahlreiche Wisch- und Soft-Techniken entwickelt.

 

Das Thema der Zürcher Ausstellung heisst Landschaft. In den 1960er- und 70er-Jahren fertigt Richter vor allem abstrahierte Gebirgs-, Park- und Stadtbilder. Später auch Landschaften mit fiktionalem Charakter. Landschaftsbilder, die das Auge erfreuen. Egal, ob es sie in Wirklichkeit gibt oder nicht. Wolken und Meer, Eislandschaften und Gebirgszüge. Nicht alle kommen unscharf daher, und bei einigen ist sogar zu erkennen, woher sie stammen.

 

Die Ausstellung zeigt Gemälde, Zeichnungen, Fotocollagen, übermalte Fotografien, Druckgrafiken und Künstlerbücher. Die Werke bilden den Schaffensprozess des Künstlers von 1957 bis 2018 ab.

 

 

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Gerhard Richter (*1932) mit 60.

 

 

Was würden Sie tun, wenn Sie nicht Maler wären? fragt man ihn, als er etwa 60 ist. «Ich bin unfähig, etwas anderes zu tun als zu malen. Und wenn ich nicht male, dann bin ich unglücklich» lautet die Antwort des heute «teuersten» lebendenden Malers Deutschlands – und wahrscheinlich Europas. Seine Werke werden in Millionenbeträgen gehandelt.

 

 

 

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Titelbild (Ausschnitt)

Gerhard Richter (1932).

Teide-Landschaft, 1971.

Sammlung Hauser & Wirth.

 

 

 

 

 

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Gerhard Richter (1932).
Waldhaus, 2004. Öl auf Leinwand. Privatsammlung.

 

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Gerhard Richter (1932). Vierwaldstätter-see, 1969. Öl auf Leinwand.
Daros Collection Schweiz.

 

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Detail des Ölgemäldes.

 

Die unscharfen Gemälde des Gerhard Richter.

 

Seine verwischten Abbildungen sind so etwas wie sein Markenzeichen. Begonnen hat alles mit unscharfen Fotografien, die er zeitlebens sammelt und auch selbst aufnimmt.

 

Das sind aber nicht nur Landschaften, sondern auch Menschen, Tiere, Gegenstände. In einigen Werken ist kaum noch Gegenständliches zu erkennen, sie wirken dann fast abstrakt.

 

Bei einigen seiner Landschaften ist diese aber noch gut zu erkennen. Da geht es dann wohl – ganz klassisch – um die Schönheit der Natur.

 

Die Unschärfe seines Ausgangsmaterials (Fotos) überträgt der Künstler dann in seine Ölbilder. Er sagt dazu: «Ich verwische, um alles gleich zu machen, alles gleich wichtig und alles gleich unwichtig. Ich verwische, damit alle Teile etwas ineinander rücken. Ich wische vielleicht auch das Zuviel an unwichtiger Information aus.»

 

Bei seinen Ölbildern verwendet er verschiedene Wischtechniken. Mal macht er das mit einem Spachtel, mal mit einer selbstgebauten Rakel aus Kunststoff – so gross wie das ganze Werk – die er quer über das Gemälde zieht. Manchmal benutzt er auch einen grossen trockenen Pinsel, mit dem er nur weich über die noch feuchte Farbe wischt, sodass eine feine Unschärfe entsteht, wie man sie von Fotografien her kennt.

 

 

   

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Gerhard Richter (1932). Sankt Gallen, 1989. Universität St. Gallen.

 

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Detail.

Der geplante Zufall.

Seine «Landschaftsmalerei» interpretiert er ziemlich frei. Das können auch Stadtlandschaften sein oder abstrakte Farbgebilde, die zufällig zustande kommen. «Sankt Gallen» heisst dieses monumentale Werk aus dem Jahr 1989. Eine Farbkomposition, in der absolut nichts Gegenständliches zu erkennen ist – St. Gallen als Stadt schon gar nicht.

 

Auch dieses imposante Werk ist mit Spachtel und einer grossen Kunststoff-Rakel überarbeitet. Man kann nur erahnen, wie es zuvor ausgesehen hat.

Auf den ersten Blick ist es eine aus wenigen Farbtönen (rot, grau, weiss) bestehende Komposition. Bei näherer Betrachtung kommen aber noch kleinflächige Grün-, Gelb- und Brauntöne zum Vorschein. Die faszinierende – zufällige – Struktur erhält das Gemälde dann durch die Bearbeitung mit Spachtel und Rakel.

 

   

 

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Gerhard Richter (1932).
Park, 1990. Privatsammlung.

 

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Gerhard Richter (1932). 5. Sept. 2009, 2009.
Olbricht Collection.

 

Öl auf Farbfotografien und Drucken.

 

Der Grossteil der an der Ausstellung gezeigten Werke besteht aus Öl auf Leinwand. Zur Palette des Künstlers gehören aber auch Arbeiten, die als Träger eine Farbfotografie haben und dann mit Farbe abstrakt übermalt werden. Richter malt aber auch auf Offsetdrucke oder auf Aluminium. Bei allen werden mehrere Techniken angewandt: Aufspachteln, Abschaben, Spachteln, Rakeln.

 

Im Ergebnis ist nur noch schwer zu erkennen, was Fotografie und was Malerei ist. Im oberen Beispiel hilft der Titel weiter: Park. Die Basis muss also die Fotografie eines Parkes sein, darüber die abstrakte Malerei. Die Blumenwiese hingegen erscheint wie ein Gesamtwerk. Nur wenn man ganz nah ran geht (was man ja im Museum nicht darf, sonst gibts Alarm...) erkennt man den Farbauftrag.

 

 

   

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Gerhard Richter (1932). Abstraktes Bild, 1984. Privatbesitz Schweiz.

 

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Gerhard Richter (1932). Abstraktes Bild, 1984. Privatbesitz Schweiz.

Der Reiz von Abstraktionen.

Könnten das Landschaften sein? Die Vermutung liegt nahe – aber nur, weil das Gemälde an einer Ausstellung gezeigt wird, die «Landschaft» heisst. Damit hat es sich dann aber schon.

 

Nein, die Bilder stellen gar nichts dar, es sind beides reine Abstraktionen.

 

In den 1960er-Jahren hat der Künstler dazu mal gesagt: «Ich finde jene Bilder schlecht, die ich begreifen kann».

 

Und er philosophiert weiter über abstrakte Bilder: «Täuschung und Enttäuschung spielen immer mit. Man sucht in diesen Bildern eine Assoziation, man findet schliesslich etwas und stellt dann fest, dass es nicht das ist, was man erwartet hat. Dann stellt sich Enttäuschung ein».

 

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