Das Battisterio in Florenz


Battisterio heisst Taufkirche. Das war sie allerdings nicht immer. Und niemand weiss, wie die Basis dieses Baus zustande kam. Lange dachte man, es handle sich um einen Mars-Tempel aus der Epoche von Kaiser Augustus. Ihr heutiges Aussehen als achteckiger Bau erhielt sie erst im 11. Jahrhundert. 1059 wurde sie dem heiligen Johannes (San Giovanni) geweiht und durch Papst Nikolaus II in Betrieb genommen.

 

 

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Das Bauwerk mit einer Verkleidung aus weissem und grünen Marmor ist ja schon von aussen sehenswert, aber der echte Hit ist die Decke der Kuppel von innen. Dieses gewaltige Mosaik muss man einfach live erleben, da hilft keine Beschreibung und keine Fotografie!

 

Die Fotos können vielleicht den Inhalt des Werks zeigen, aber nie die Wirkung rüberbringen, die das himmlische, golden glänzende Mosaik oben an der Decke auf die Gläubigen ausgeübt haben muss. Plastisch wurde ihnen vor Augen geführt, was blüht, wenn sie nicht spuren und zur Strafe in die Hölle geschickt werden. Wenn das kein Eindruck gemacht hat! In einer Zeit, wo es ausser solchen Abbildungen keinerlei Orientierung über die Welt gab. Man darf davon ausgehen, dass die Bilder etliche Sünder auf den «richtigen Weg» gebracht haben...

 

Zu besonderem Ruhm haben es die drei Bronzeportale des Battisterio gebracht. Sie wurden allerdings nicht gleichzeitig geschaffen. Die ältere stammt von Andrea Pisano, der von 1290 bis 1348 lebte.

 

Erst rund 100 Jahre später kamen die zwei anderen Türen dazu. Vom Bildhauer und Goldschmied Lorenzo Ghiberti (1378-1455). Es sind nicht einfach Türen, es sind Kunstwerke. Am Battisterio sind nur Kopien zu sehen. Die Originale wurden ins Dom-Museum gezügelt, damit sie nicht weiter Wind und Wetter ausgesetzt sind. Für den Betrachter macht das keinen Unterschied, die Kopie ist (optisch) so gut wie das Original.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Das Jüngste Gericht an der Kuppeldecke

 

Jesus als Weltenrichter dominiert die Decke des Battisterios. Als Herrscher über die Himmelsmächte richtet er über die Menschen. Die Guten lässt er in den Himmel aufsteigen, die Bösen schickt er ins Höllenreich. Dort werden sie von grausligen Monstern verschlungen...

 

>mehr über das Jüngste Gericht

 

Das Mosaik wurde über einen sehr langen Zeitraum erschaffen, von 1220 bis 1330. Von wem die Werke stammen, ist unsicher. Drei Namen stehen im Vordergrund: Coppo di Marcovaldo (1225-1276),

 

>Cimabue (1240-1302) und

 

>Giotto (1266-1337).

 

 

   

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Das Battisterio vom Campanile aus gesehen

 

Um die spezielle oktagonale Form des Baus gut zu erkennen, klettert man am besten auf den Campanile des Duomo. 414 Stufen, enge, steile Treppen – aber der Aufwand lohnt sich. Der Blick über die Stadt ist atemberaubend.

 

Die Laterne auf dem Dach kam erst 100 Jahre nach der Einweihung dazu (1150).

 

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Pisano

 

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Die Paradiestür von Ghiberti

Die Bronzetüren von Pisano und Ghiberti

 

Die älteste Türe stammt von Andrea Pisano (1290-1348), es ist das Südportal. Auftraggeber war die Zunft der Kaufleute, die für die Kosten aufkam. Sie erteilten dem Künstler den Auftrag am 30. Januar 1330 – es ist das erste Dokument, in dem Pisano erwähnt wird. Das Thema auf der Türe ist dem Leben von Giovanni Battista (Johannes der Täufer) gewidmet.

 

Die beiden anderen Tore (Nord- und Ostportal) stammen von Lorenzo Ghiberti (1378-1455). Im Kampf um den Auftrag für die Nordtür musste er sich 1401 gegen Filippino Brunelleschi durchsetzen, der auch einen Entwurf unterbreitet hatte.

 

Fürs Ostportal, der so genannten Paradiestür, erhielt Ghiberti den Auftrag 1424. Für die Herstellung der Wachsfiguren, für Guss, Ziselieren, Feuervergolden und Montieren der einzelnen Reliefs vergingen nicht weniger als 28 Jahre.

 

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Entwurf von Donatello
(1386-1466).
Von Michelozzo stammen die Figuren unten.

Das Grab des Gegenpapstes Giovanni XXIII

 

Er stammt aus einer vornehmen Napolitanerfamilie und hiess Baldassarre Cossa. Papst wurde er in einer Zeit des «abendländischen Schismas», als es gleich drei Päpste gab. Giovanni war 1410 von einem Konzil in Pisa eingesetzt worden, die anderen zwei sassen in Rom und in Avignon.

 

Erst mit dem Konzil von Konstanz 1414–1418 konnte mit Martin V ein allgemein anerkannter Papst gewählt werden. Johannes XXIII unterwarf sich 1419 dem neuen Papst und wurde für die letzten Monate seines Lebens zum Dekan des Kardinalskollegiums ernannt.

 

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Fotos / Diashow

 

   

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