Museo Ruso, Malaga.


Hinter dem Hafen von Malaga, im Industriequartier Huelin aus dem 19. Jahrhundert, befindet sich ein künstlerischer Leckerbissen: Die Filiale der Eremitage, des weltberühmten St. Petersburgers Museums.

 

Es ist die erste europäische Niederlassung des russischen Staatsmuseums. Als Sitz hat sie ein Gebäude der ehemaligen königlichen Tabakfabrik gewählt.

 

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Das Museo Ruso San Petersburgo
im Industriequartier Huelin.

 

 

Aber die Sammlungen sind nicht in der ehemaligen Tabakfabrik zu sehen – diese dient nur als Fassade und der Beherbergung der Verwaltung. Die Kunstwerke selbst sind hinter dem geschichtsträchtigen Haus in einem neu erbauten, topmodernen Gebäude untergebracht, das den höchsten Ansprüchen eines Kunstmuseums genügt.

 

 

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Das Entree zum Museum.

 

 

Das Museo Ruso St. Petersburg wurde 2015 eröffnet und basiert zunächst auf einer 10-jährigen Vereinbarung, die aber auch verlängert werden kann. Aus Russland werden einmal pro Jahr rund hundert Werke angeliefert und gegen die bisherigen ausgetauscht. Länger als ein Jahr dürfen die Bilder nicht im Ausland bleiben – das verbietet die russische Gesetzgebung.

 

Zusätzlich zu dieser Sammlung liefert das russische Museum aber auch noch Werke zu jährlichen oder halbjährlichen Sonderausstellungen.

 

 

 

 

Titelbild (Ausschnitt)

Aleksei Venetsianov (1780-1847).
Bäuerin aus der Provinz, 1840.
Museo Ruso Malaga.

 

 

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Die Sammlung 2019 (Februar 2019 bis Februar 2020):
Bilder von Frauen in der russischen Kunst.

 

«Heilige, Kaiserinnen, Arbeiterinnen»

 

Zeitreise durch Russland vor und nach der Revolution 1918.
Eine Bilderschau der russischen Frau. Sie zeigt eine Welt, wie
man sie bei uns nicht kennt:
Mit Kaiserinnen, Heldinnen der
Arbeit und politisch verfolgten Dichterinnen.

 

 

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Heilige Maria – die Mutter aller Mütter.

Natürlich gehört ein Abbild der berühmtesten Mutter der Welt an den Anfang einer Ausstellung, die der russischen Frau gewidmet ist: Die Heilige Maria mit dem Jesuskind. Ein unbekannter Künstler hat dieses prächtige und mit Gold verzierte Bild geschaffen. Es stammt aus dem 18. Jahrhundert.

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Ivan Kramskoi (1837-1887). Porträt der Kaiserin Maria Feodorowna, 1882.

Die Kaiserin von Russland.

Eine dänische Prinzessin, in Kopenhagen geboren, wird russische Kaiserin. Von Marie Sophie Frederikke Dagmar zu Maria Feodorowna. Sie hätte eigentlich Nikolai, einen Sohn von Zar Alexander II heiraten sollen, aber dieser starb kurz nach der Verlobung. Also heiratete sie dessen jüngeren Bruder, der dann Zar Alexander III wurde. Maria konvertierte zum russisch-orthodoxen Glauben und war von 1881 bis 1894 Kaiserin von Russland. Sie ist auch die Mutter des letzten russischen Zaren, Nikolaus II, der nach der Revolution von den Bolschewiken ermordet wurde – zusammen mit der ganzen Familie der Romanovs. Maria verliess nach der Revolution Russland und kehrte 1919 nach Dänemark zurück.

 

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Alexei Kivshenko (1851-1895). Federlesen, 1891.

Idyll der Arbeit – Frauen beim Federlesen.

Zum Bild der russischen Frau gehört natürlich die Arbeiterin. Die Ausstellung zeigt eine eindrückliche Reihe von solchen Bildern. Dieses Gemälde vermittelt den Eindruck, die Frauen hätten ihren Spass an der Arbeit – vielleicht war's ja auch so.

 

Alexei Kivshenko (1851-1895) studierte Kunst in der St. Petersburger Kaiserlichen Gesellschaft zur Förderung der Künste. Er war auch in Deutschland tätig, er starb 1895 in Heidelberg.

 

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Grigory Myasoyedov (1834-1911). Inspektion der Braut, 2. Hälfte 19. Jahrhundert.

Nackt zur Begutachtung.

Beeindruckende russische Sitten und Gebräuche. Offenbar war es üblich, dass die Familie bei der Wahl einer Braut ein gewichtiges Wort mitzureden hatte. Und bevor man sie dem Bräutigam anvertraute, war eine «Inspektion» nötig. Hier wird die nackte Braut von den Familienmitgliedern begutachtet. Aus den Gesichtern ist zu lesen, dass einige ziemlich skeptisch sind.

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Werke 19. Jahrhundert

 

20. Jahrhundert: Frauen in der Sowjetunion.

 

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Vladimir Lebedev (1891-1967). Nadeschda Nadeschdina, 1927.

 

 

Nadeschdina – eine «Heldin der Arbeit».

Genauer: der «sozialistischen Arbeit». Nadeschda Nadeschdina war Tänzerin. Ihre Ballettausbildung erhielt sie in Petrograd und wurde dann Ballerina beim Bolschoi in Moskau. Dort arbeitete sie ab 1941 als Ballettmeisterin und gründete 1948 die Tanzgruppe Beryozka. Unter Stalin hatte sie ein gutes Leben, erhielt 1950 sogar den Stalinpreis, dann 1959 die Joliot-Curie Goldmedaille des Weltfriedensrats. 1966 wurde sie zum «Volkskünstler der UdSSR» ernannt und 1978 als «Heldin der sozialistischen Arbeit» geehrt. Sie starb 1979 in Moskau. Mit dem Künstler dieses Gemäldes, Vladimir Lebedev, war sie in den 1930er-Jahren verheiratet.

 

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Vladimir Lebedev (1891-1967). Das Modell, 1935.

 

Vladimir Lebedev – auf Renoirs Spuren.

Lebedev hatte vor allem einen klingenden Namen für Illustrationen in Kinder- und Gedichtsbüchern. Als Maler experimentierte er mit verschiedenen Stilen – von Kubismus bis zu naturalistischen Porträts. In den 30er-Jahren, während er mit der Ballettänzerin Nadeschdina verheiratet war, porträtierte er viele seiner Freunde, Sportler und Modelle. Dabei versuchte er auch, dem Stil von Renoir nahe zu kommen. Dass es nicht beim Versuch blieb, zeigt dieses Gemälde.

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Victor Oreshnikov (1904-1987). Portrait von Alla Shelest, 1947.

 

Weit über die Mutterrolle hinaus.

Vor der Revolution 1918 ist die Rolle der Frau einfach definiert: Sie ist in erster Linie Mutter. Mit dem Beginn der UdSSR ändert sich das. Frauen können nun auch studieren und Akademikerinnen werden. Oder Regisseurin. Oder Direktorin. Wie die hier porträtierte Tänzerin Alla Shelest.

 

Sie kam 1919 zur Welt und machte ihren Weg bis ganz nach oben: Als Solotänzerin im Kirov-Ballett, später als Choreografin, dann sogar als Direktorin des Balletts. 1953 wurde sie als «Künstlerin der UdSSR» geehrt. Sie starb 1998 in St. Petersburg.

 

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Natan Altman (1889-1970). Anna Achmatova (1889-1966), 1915.

 

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Alexander Sitnikov (1945). Poetess, 1981.

Anna Achmatowa – die verfolgte Dichterin.

Sie gehört zu den Verliererinnen der Revolution. 1889 in Odessa geboren, zog sie 1890 mit ihrer Familie nach Zarskoje Selo bei St. Petersburg. Dort führte sie ein privilegiertes Leben in der High Society und auf der Pferderennbahn, pendelte zwischen St. Petersburg und dem Schwarzen Meer und durfte in in Kiew Jura studieren. Und begann, Gedichte zu schreiben. Dann heiratete sie Nikolai Gumiljow und zog mit diesem nach Paris.

 

Ihre Dichtkunst eckte in der neuen Sowjetunion an. Die Bolschewiken fanden die Schriften zu wenig linientreu, zu religiös, zu mystisch und zu erotisch. Die Dichterin wurde drangsaliert, verfolgt, verhaftet, auch ihr Sohn. Noch schlechter erging es ihrem ersten Mann: Gumiljow wurde 1921 als Konterrevolutionär erschossen. Ihr zweiter Ehemann kam in einem Arbeitslager um. Erst nach Stalins Tod 1953 durfte Achmatowa wieder schreiben. 1965 erhielt sie von der Universität Oxford den Ehrendoktor, im gleichen Jahr wurde sie für den Literaturnobelpreis nominiert. 1966 starb sie 77-jährig in der Nähe von Moskau.

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Werke 20. Jahrhundert

 

Sonderausstellung September 2019 bis Februar 2020

 

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Nikolai Roerich (1874-1947). Midnight Time, 1940. Museo Ruso St. Petersburg, Malaga.

 

 

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Nikolai Roerich (1847-1947).

«In Search for Shambhala»

Roerich wird 1874 in St. Petersburg geboren. Dort studiert er Kunst und Recht (noch zu Zeiten von Zar Nikolaus II). Er wird Maler, Bühnenbildner, Schriftsteller, Archäologe, Wissenschaftler, Reisender, Philosoph.

 

Nach Ausbruch der russischen Revolution emigriert er in die USA. 1921 gründet er in New York das «Master Institute of United Arts». Ab 1923 bereist er Indien, Tibet, China, Sibirien und erforscht die Mongolei und die Himalaya-Region.

 

Der «Roerich-Pakt», ein Vorläufer der Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten, geht auf Nikolai Roerich zurück. Roerich wurde mehrfach für den Nobelpreis nominiert.

 

 

 

 

 

   
   

 

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