John Constable (1776-1837)


Er ist berühmt für seine romantischen Landschaftsbilder, die hauptsächlich aus der Gegend um Suffolk stammen. Als Grundlage dienen ihm Skizzen, die er «plein-air» erstellt, und die er dann im Atelier zu grossen Gemälden verarbeitet. Seine Arbeiten kommen allerdings in England während seiner Lebzeiten nicht besonders gut an. In Paris dagegen feiert er beachtliche Erfolge.

 

 

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Portrait of John Constable, 1796.

Von Daniel Gardner (1750-1805).

©Victoria and Albert Museum, London.

 

 

Constable wird 1776 in East Bergholt, Suffolk, geboren (etwa 120 km nordöstlich von London). Er arbeitet zunächst im Betrieb seines Vaters, der mit Getreide und Kohle handelt. Mit 18 zieht er nach Norfolk, wo er mit Zeichnen beginnt – grösstenteils autodidakt. Um 1800 herum erhält er die Zustimmung seiner Eltern, in London Kunst zu studieren und wird Schüler an der Royal Academy. Dort stellt er ab 1802 aus, später auch im Salon de Paris. 1803 kann er sich in seiner Heimatstadt in East Bergholt, Suffolk, ein Atelier leisten.

 

Niederländische Künstler wie Jacob van Ruisdael oder Peter Paul Rubens beeinflussen sein Schaffen, aber auch französische wie >Claude Lorrain (1600-1682). Von diesem übernimmt er die Technik für die Herstellung von Kompositionen – naturalistisch erscheinende Werke, die in der Natur gar nicht existieren. Solche Gemälde bilden aber in seinem Werk eher die Ausnahme, die grosse Mehrzahl ist «echt» naturalistisch – oder wirkt wenigstens so. Zudem ist er dafür bekannt, dass er an seinen Skizzen besonders gewissenhaft arbeitet. Er malt jedes einzelne Blatt nach der Natur, jeden Baum skizziert er ein dutzendmal, bevor er ihn im Atelier auf die Leinwand bringt – man nennt ihn einen «romantischen Wahrheitssucher».

 

Constables romantische Werke beeinflussen die

>Schule von Barbizon und haben auch generell Auswirkungen auf die französische Romantik.

 

Mit vierzig heiratet Constable Maria Bricknell und zeugt mit ihr sieben Kinder. Bei der Geburt ihres Sohnes Lionel 1828 verstirbt sie erst 41-jährig. Constable soll von diesem Zeitpunkt an nur noch Schwarz getragen haben.

 

Mit 52 wird Constable in die Royal Academy gewählt und hält Vorträge über die Geschichte der Landschaftsmalerei. Sein Credo: Naturalismus kann nicht durch Vorstellungskraft erzeugt werden. Er vertritt auch die Ansicht, dass eine akademische Ausbildung zum Maler nötig sei, denn ein Autodidakt könne niemals ein grosser Künstler werden. In seinem letzten Vortrag vor Studenten lobt er 1835 die Royal Academy als «Wiege der britischen Kunst».

 

In der Nacht zum 31. März 1837 stirbt er an Herzversagen. Er wird auf dem Friedhof der St. John-at-Hampstead-Kathedrale in London beigesetzt, zusammen im Grab mit seiner Gattin Maria.

 

 

 

 

 

 

Titelbild (Ausschnitt)

John Constable (1776-1837).

The Hay Wain, 1821.

National Gallery London.

 

 

 

 

 

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John Constable (1776-1837). Wivenhoe Park, Essex, 1816. National Gallery of Art, Washington.

 

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John Constable (1776-1837). The Cornfield, 1826. National Gallery London.

 

 

Die Sehnsucht nach der heilen Welt

 

Durch seine Bilder, die mehrheitlich in der Gegend seiner Kindheit – Suffolk – entstehen, zieht sich ein roter Faden: es ist die Sehnsucht nach der heilen Welt. Zu seinen Lebzeiten kommen diese Werke nicht besonders gut an, heute gehören sie zu den populärsten in der britischen Kunst.

 

Seine melancholischen Bilder zeigen das einfache, natürliche Leben, in dem Mensch und Tier im Einklang mit der Natur sind. Er malt sie am Beginn der industriellen Revolution, die dieses Idyll zu zerstören droht. So stellt er seine Landschaften dem städtischen Leben gegenüber, dessen Hektik und Wachstum ihm nicht geheuer sind.

 

Er vermeidet in seinen Bildern Katastrophen, Ruinen, dramatische Effekte und extreme Gefühlsausbrüche eines >William Turner und setzt auf ruhige Countryside, Licht und Wolken.

 

 

   

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John Constable (1776-1837). The Hay Wain, 1821. National Gallery London.

 

 

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Flatford-Mill in Suffolk heute. Foto tripadviser.

Der Heuwagen – das Idyll am Fluss

 

Dieses Gemälde wirkt nicht nur naturalistisch – es ist auch nach der Natur gemalt. Die Landschaft ist klar identifizierbar und befindet sich in der Nähe von Flatford Mill. Die linke Uferzone liegt in Suffolk, die rechte in Essex. Flatford Mill gehörte John Constables Vater, das Haus links daneben seinem Nachbarn Willy Lott. Lotts Haus gibt es heute noch, in fast unveränderter Form, nur die mächtigen Bäume im Gemälde stehen nicht mehr. Dank dieses Constable-Gemäldes ist Flatford-Mill heute eine Touristenattraktion. Generell wird heute Suffolk als «Constable-Land» verehrt.

 

Das Gemälde ist zu seiner Zeit kein Renner. Es wird 1821 in der Royal Academy ausgestellt und heisst «Noon», findet aber damals keinen Käufer. Erst am Pariser Salon 1824 kommt es zu Ehren und wird von König Charles mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Zudem findet es einen Käufer.

 

 

 

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John Constable (1776-1837). The White Horse, 1819. The Frick Collection New York.

 

 

 

 

 

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John Constable (1776-1837). Salisbury Cathedral from the Bishop's Ground, 1823. Victoria and Albert Museum London.

 

 

 

 

The White Horse – Constables Lieblingsbild

 

Das Gemälde markiert einen Wendepunkt in der Karriere des Künstlers. Es ist das erste einer Reihe von sechs so genannten «Six-Footers», die Szenen auf dem Fluss Stour zeigten (darunter sein berühmtes Werk «The Hay Wain», siehe oben). Das Gemälde zeigt ein Schlepppferd, das bei der Schleuse über den Fluss gefahren wird. Es misst solze 131 x 188 cm und gehört so zu den «Six-Footers».

 

Das Gemälde wird 1819 in der Royal Academy ausgestellt. Es gefällt so gut, dass Constable daraufhin zum Associate der Royal Academy gewählt wird. Zudem kann er es für 100 Guineen dem Bischof von Salisbury verkaufen.

 

Bischof John Fisher gibt später auch den Auftrag für das Gemälde Salisbury Cathedral from the Bishops Ground. Das bedeutet für den Künstler ein wichtiger Beitrag zu seiner finanziellen Absicherung.

 

«The White Horse» ist Constables Lieblingsbild. Als zehn Jahre später der Bischof hoch verschuldet ist, kauft er von ihm das Bild zurück – für die gleichen 100 Guineen. Er behält es bis zu seinem Tod. Danach kauft es der Financier J.P. Morgan und bringt es in die USA. Heute ist es wieder in London: Im >Victoria & Albert Museum.

 

 

   

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John Constable (1776-1837). Maria Bricknell, Mrs John Constable, 1816. National Gallery London.

Maria Bicknell – Mrs Constable

 

Constable ist zwar für seine Landschaften berühmt, aber er malt auch Stills und Porträts. Dieses hier zeigt seine Ehefrau Maria, die er 1816 als Vierzigjähriger heiratet.

 

Die Heirat ist nicht ganz einfach, denn Marias Grossvater lehnt die Verbindung ab, weil sie nicht standesgemäss ist. Er, Doktor Rhudde, ist immerhin Rektor von East Bergholt (eine Art Geistlicher in der Kirchenverwaltung). Da kann doch seine Maria keinen mittellosen Maler heiraten! Die Heirat findet trotzdem statt und – Ironie der Geschichte – als Maria früh stirbt (1828), erbt Constable einen Fünftel des Familienunternehmens Bricknell.

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Fotos / Diashow

 

   
   

 

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