Lucas Cranach d.Ä. (1472-1553).


Cranach findet man in fast jedem Museum, das alte Meister zeigt. Das hat vor allem damit zu tun, dass dieser Mann mit seiner Malerwerkstatt unerhört produktiv war. Der Künstler und seine Werkstatt sollen rund 5000 Gemälde produziert haben, von denen heute noch über tausend erhalten sind.

 

 

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Lucas Cranach d.Ä. um 1550.

Gemälde von Lucas Cranach d.J. (1515-1586).
Galleria degli Uffizi Firenze.

 

 

Sein Vater ist Maler. Der möchte, dass auch sein Sohn Maler wird. Also nennt er ihn nach dem Schutzpatron der Maler: Lukas. Den Namen Cranach gibt sich dann der Künstler später selbst, nach seinem Geburtsort Kronach (Baden-Württemberg). Wann genau er geboren wird, ist unbekannt. Die Ausbildung zum Maler erhält er vom Vater. Dann geht er auf Wanderschaft. Die Quellen sind dürftig, aber sicher ist, dass er sich von 1502 bis 1504 in Wien aufhält.

 

1505 bekommt er eine Anstellung in Wittenberg bei Sachsens Kurfürsten Friedrich III «dem Weisen» – als Hofmaler. Cranach wird aber mehr als das, er wird ein Vertrauter des Kurfürsten. Der beauftragt den Künstler nicht nur mit der Ausgestaltung seiner Schlösser und Kirchen und mit der Organisation seiner Feste und Feierlichkeiten – er vertraut ihm auch diplomatische Aufgaben im Ausland an.

 

Nach dem Tod Friedrichs des Weisen 1525 wird Cranach von dessen nächsten zwei kurfürstlichen Nachfolgern weiter als Hofmaler beschäftigt.

 

In Wittenberg erhält Cranach das Privileg, eine Apotheke zu führen und eine Buchdruckerei einzurichten. Er ist auch mehrfach als Bürgermeister von Wittenberg tätig, so in den Jahren 1537 bis 1544.

 

 

 

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Das «Cranachhaus» in Weimar.
Foto Most Curious, WikiCommons.

 

 

1547 geht Cranachs Karriere als Hofmaler zu Ende, denn sein Dienstherr Herzog Johann Friedrich wird in der berühmten Schlacht bei Mühlberg von den kaiserlichen Truppen besiegt. Er wird gefangen genommen. Auf seinen Wunsch hin folgt ihm Cranach drei Jahre später in die Gefangenschaft nach Augsburg.

 

1552 begleitet er den Herzog in dessen neue Residenz nach Weimar. Dort wohnt er im Haus seiner Tochter Barbara Cranach – im «Cranachhaus».

Er stirbt am 16. Oktober 1553.

 

 

 

 

Titelbild (Ausschnitt)

Lucas Cranach d.Ä. (1472-1553).

Christus segnet die Kinder, 1538.

Kunsthalle Hamburg.

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Friedrich III «der Weise», Kurfürst
von Sachsen,
1532.
Historisches
Museum
Regensburg.

Hofmaler für drei Fürsten.

Schon 1505 bekommt er beim Kurfürsten von Sachsen, Friedrich III «dem Weisen», eine Anstellung als Hofmaler, da ist Cranach erst 33-jährig. Zwei Jahrzehnte lang ist er für Friedrich III tätig – bis zu dessen Tod 1525.

 

In diese Zeit fällt auch die berühmte Episode, in der sich der Kurfürst weigert, das 1518 von Rom gefällte Ketzerurteil gegen Martin Luther anzuerkennen. Im Gegenteil: Er bietet Luther freies Geleit zum Reichstag von Worms und dann Schutz auf seinem Schloss Wartburg.

 

Nach dem Tod Friedrichs III wird Lucas Cranach Hofmaler für seinen Nachfolger Kurfürst Johann «den Beständigen» und nach dessen Tod für Herzog Johann Friedrich «den Grossmütigen».

 

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Porträt Martin Luther, ca. 1540.
Lucas Cranach d.Ä. oder Werkstatt. Gemäldegalerie Berlin.

 

 

Cranachs enge Beziehung zu Luther.

1525 ist er Trauzeuge bei Luthers Hochzeit mit Katharina von Bora und dann Taufpate von Luthers ältestem Sohn Johannes.

 

Mit dem Reformator Philipp Melanchthon ist Cranach sogar familiär verbandelt: Die Gattin seines Sohnes Lucas ist eine Nichte Melanchthons.

 

Cranach ist der wichtigste Porträtist für Luther und malt hunderte von Luther-Porträts. Er illustriert auch Luthers Bibel mit seinen Holzschnitten und ist der Drucker von Luthers Bibelübersetzung.

 

>mehr über Martin Luther

 

 

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Kardinal Albrecht vor dem Gekreuzigten, 1520. Alte Pinakothek München.

 

Weiterhin auch katholische Motive.

Die engen Beziehungen zu den Reformatoren Martin Luther und Philipp Melanchthon bedeuten nicht, dass Cranach jetzt nur noch protestantische Themen malt.

 

Er arbeitet auch weiterhin für katholische Auftraggeber, so zum Beispiel für den erklärten Luthergegner Kardinal Albrecht von Brandenburg. Für diesen schafft er einen ganzen Altarzyklus für dessen Stiftskirche in Halle.

 

Das Bild hier geht auf einen Stich Albrecht Dürers zurück. Der Kardinal, ziemlich mächtig dargestellt, kniet vor dem gekreuzigten Christus.

 

 

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Hans Cranach (1513-1537). Herkules am Hof der Omphale, 1537. Museo Thyssen-Bornemisza,
Madrid.

 

 

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Lucas Cranach der Jüngere (1515-1586). Caritas, 1537. Kunsthalle Hamburg.

 

 

Cranachs Söhne und die Werkstatt.

Cranach ist als «Schnellmaler» berühmt. Das hat vor allem mit seiner Werkstatt zu tun, in der er nicht nur zahlreiche Gesellen beschäftigte, sondern auch seine zwei Söhne. Es sollen mehr als 5000 Bilder in der Wittenberger Produktionsstätte entstanden sein. Sein Sohn Hans wird nur 24 Jahre alt und stirbt schon 1537. Lucas geht als «Lucas der Jüngere» in die Kunstgeschichte ein. Dieser übernimmt etwa ab 1550 die Werkstatt seines Vaters und führt sie weiter. Dazu gehören auch eine Druckerei und ein Buchhandel.

 

Lucas der Jüngere (1515-1586) steht lange im Schatten seines Vaters, bis heute. Lange glaubte man, dass er eine untergeordnete Rolle spielte. Erst nach modernen Forschungen ist man zur Erkenntnis gelangt, dass auch er ein bedeutender Maler der Renaissance ist. Viele seiner Werke wurden ihm erst sehr spät zugeschrieben. Generell war (und ist es noch) sehr schwierig, die Cranach-Werke dem wirklichen Urheber zuzuordnen.

 

>Werke von Hans, Lucas d.J. und Werkstatt

 

 

   

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Lucas Cranach d.Ä. (1472-1553). Lucretia, 1535-40. Kunstmuseum Basel.

Liebliche Nackedeien.

Akte bilden einen wichtigen Bestandteil in Cranachs Schaffen – er produziert davon hunderte. Seine bevorzugten Motive stammen aus der Bibel und aus der Mythologie – sie reichen von Adam und Eva bis zu Venus.

 

Auch der Selbstmord der Lukrezia muss ihn stark beschäftigt haben – er malt davon unzählige Varianten – in einer Version erdolcht sie sich sogar doppelhändig. Aber in einem Punkt gleichen sie sich alle: Sie wirken irgendwie zu lieblich und entsprechen in keiner Weise der dramatischen, blutigen Handlung.

 

prinzessinnen

Prinzessinnen Sibylla, Emilia und Sidonia von Sachsen, 1535. Kunsthistorisches Museum Wien.

Die drei Prinzessinnen-Püppchen.

Es sind die drei Töchter von Heinrich dem Frommen, der von 1473 bis 1541 lebte und Herzog von Sachsen war. Die Prinzessinnen sind Sibylla (1515-1592), Emilia (1516-1591) und Sidonia (1518-1575).

 

Die Figuren in diesem Dreierporträt sind typisch für Cranachs Stil. Fast alle seine Frauenporträts zeigen puppenhaft zierliche Körper und Porzellan-Gesichtchen – ziemlich entfernt von der Natur. Farbigkeit, Kleidung und Dekoration spielen eine wichtige Rolle.

 

jungbrunnen

Der Jungbrunnen, 1546. Lucas
Cranach d.Ä.,
ev. Werkstatt.
Gemäldegalerie Berlin.

 

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Pikante Details.

Der Jungbrunnen, 1546.

Eines der bekanntesten Bilder des Künstlers. Es thematisiert ein weit verbreitetes Wunschdenken des Mittelalters: den Jungbrunnen.

 

Interessant ist, dass Cranach das Problem des Alterns nur bei den Frauen ansiedelt. Im Bad ist kein einziger Mann. Die jungen, galanten Herren warten am Schwimmbadrand darauf, dass die alten Weiber zu Jungfrauen werden. Hinter den Büschen und in den Zelten können diese dann vernascht werden. Solche Männerfantasien waren damals noch salonfähig. Nicht auszudenken, welchen Shitstorm dieses Bild heute verursachen würde.

 

Ob das grosse Gemälde (120 x 186 cm) von Lucas Cranach d.Ä. stammt, ist unsicher. Möglicherweise war auch die Werkstatt daran mitbeteiligt. Auch der Auftraggeber ist unbekannt.

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Fotos / Diashow

 

   
   

 

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