Albrecht Dürer (1471-1528).


Deutschlands berühmtester Maler. Ein Pionier. Er bringt die Selbstporträt-Malerei auf eine neue Stufe und erfindet das Künstler-Marketing, indem er seine Kupferstiche grossflächig streut. Das ist nicht nur Werbung in eigener Sache – es hilft auch der Anerkennung der Künstler, die bisher nur als Handwerker betrachtet werden.

 

Albrecht Dürer kommt am 21. Mai 1471 in Nürnberg zur Welt. Sein Vater stammt aus Ungarn und führt in Nürnberg ein Goldschmiedgeschäft. In diesem macht der junge Albrecht die Lehre. Schon in der Lehrzeit beginnt er zu zeichnen. 1486 tritt er bei Michael Wolgemut eine Lehre als Maler an und macht seine ersten Erfahrungen mit Holzschnitten.

 

Mit 19 geht er auf Wanderschaft – wo genau, weiss niemand. 1492 zieht er ins Elsass, hält sich dort in Colmar und Strassbourg auf, lebt eine zeitlang auch in Basel. 1494 kehrt er nach Nürnberg zurück und heiratet Agnes Frey. Schon drei Monate später verreist er wieder. Diesmal heisst das Ziel Italien, die Wiege der Renaissance. Hier stellt er fest, dass die Künstler ein viel höheres Ansehen haben als nördlich der Alpen, wo sie noch immer bloss als Handwerker gelten.

 

Dürer will das ändern. Er macht sich selbständig und strotzt vor Selbstvertrauen, wie sein berühmtestes Selbstporträt von 1500 belegt (Bild rechts). In diesem malt er sich im Pelzrock – und in der Pose von Jesus. Er schafft zahlreiche Porträts von sich, seiner Familie und von Adligen. Hauptsächlich widmet er sich aber dem Kupferstich, seinem Spezialgebiet. Der Kupferstich bietet einem ehrgeizigen Künstler enorme Vorteile gegenüber Gemälden: Die Stiche können beliebig vervielfältigt und in grosser Auflage gestreut werden. Gut fürs Marketing.

 

 

portrait_1493

Albrecht Dürer, Selbstbildnis, 1493.

Ausschnitt. Musée du Louvre, Paris.

 

 

1505 bis 1507 ist Dürer in Venedig unterwegs. Er lernt die Werke von Tizian, Giorgione und vor allem von Giovanni Bellini kennen. Den hält er für den Grössten. Deutsche Kaufleute, darunter Jakob Fugger, bestellen bei Dürer Gemälde für Kirchen.

 

Ab 1509 ist er Gesandter des Grossen Rates von Nürnberg. Er arbeitet auch im Auftrag von Kaiser Maximilian I, einem seiner grossen Förderer. Für ihn malt er eines der berühmtesten Porträts (1519).

 

Als 1520 in Nürnberg die Pest wütet, zieht er mit seiner Frau Agnes in die Niederlande. In seinem Gepäck Kunstwerke, die er zum Verkauf anbietet. Im Herbst des gleichen Jahres macht er sich nach Aachen auf, um dort der Krönung von >Kaiser Karl V beizuwohnen. Von diesem lässt er sich die Privilegien bestätigen, die er von Maximilian erhalten hatte.

 

1521 leitet er die Ausschmückung des Nürnberger Rathauses – mit dem grössten Wand- und Deckengemälde Europas. Das existiert aber nicht mehr, es wurde im Zweiten Weltkrieg durch Bomben zerstört.

 

1526 malt er sein letztes grosses Werk: Ein Dipytchon, das die vier Apostel in Lebensgrösse zeigt. Während des Dreissigjährigen Krieges wird es vom Bayrischen Kurfürsten Maximilian nach München verschleppt. Die Nürnberger hätten es gerne zurück, sind aber bis heute mit ihrem Anliegen nicht durchgekommen.

 

Albrecht Dürer stirbt unerwartet am 6. April 1528 mit noch nicht einmal 57 Jahren. Die Todesursache ist unbekannt, er soll einem seltsamen Fieber erlegen sein.

 

 

 

 

 

Titelbild (Ausschnitt)

Albrecht Dürer, Selbstbildnis im Pelzrock, 1500.

Alte Pinakothek München.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Selbstporträt, 1484. Albertina, Wien.

1484: Sein erstes Selbsporträt – mit 13.

Das älteste erhaltene Selbstporträt stammt aus dem Jahr 1484, gezeichnet mit Silberstift auf weiss grundiertem Papier. Die Arbeit mit dem Silberstift ist nicht einfach, Korrekturen sind nur schwer möglich, jeder Strich muss sitzen. Auf sein Werk muss der junge Dürer stolz gewesen sein. Er beschriftet es mit den Worten: «Dez hab Ich aus eim spigel nach mir selbs kunterfet im 1484 Jar. Do ich noch ein kint war.»

pelzrock-portrait

Selbstbildnis im Pelzrock, 1500. Alte Pinakothek München.

1500: Im Pelzrock und jesusgleich.

Das Porträt von 1500 ist eine Sensation. Es gilt als das ungewöhnlichste Selbstbildnis der Geschichte. Die frontale Darstellung, der Blick, die schöpferische Hand als Werkzeug des Künstlers und die extreme Idealisierung erinnern an Christusdarstellungen. Und das in einer Zeit, wo man rasch der Blasphemie bezichtigt wurde. Dürer ist selbstbewusst genug, um sich darum nicht zu kümmern. Seine Inschrift ist auf lateinisch verfasst und heisst übersetzt etwa «So schuf ich, Albrecht Dürer aus Nürnberg, mich selbst mit charakteristischen Farben im Alter von achtundzwanzig Jahren».

 

hase

Der Feldhase, 1502.

 

grashalme

Das grosse
Rasenstück,
1503.

1502-03: Geniale Naturstudien.

«Der Feldhase» ist Dürers berühmteste und bekannteste Naturstudie. Sie zeigt sein malerisches Können und seine Fähigkeiten, die Natur genau abzubilden. Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass dem Künstler ein lebender Feldhase als Modell gedient hat. Dass er das Bild im Atelier gemalt hat, kann man auch an der Spiegelung des Fensters in den Augen des Hasen erkennen.

 

Der Feldhase ist eines der Top-Highlights der
>Albertina
in Wien. Das Original bekommt man aber praktisch nie zu sehen – ausgestellt ist eine Kopie. Nur alle fünf Jahre wird das Original für wenige Stunden gezeigt, sonst bleibt es sicher verwahrt im Tresor des Museums.

 

Ein weiteres eindrückliches Beispiel von Dürers perfekten Naturdarstellungen ist «Das grosse Rasenstück» von 1503. Auch dieses Werk ist in der Albertina in Wien zu sehen.

marter

Marter der
zehntausend
Christen, 1508. Kunsthistorisches Museum Wien.

 

1508: Die Marter der zehntausend Christen.

Den Auftrag zu diesem Ölgemälde von 99 x 87 cm erhält Dürer vom sächsischen Kurfürsten Friedrich dem Weisen. Es ist für die Schlosskirche Wittenberg bestimmt. Dargestellt wird die Hinrichtung von «zehntausend» Soldaten, die den legendären Märtyrertod sterben. Geschichtlicher Hintergrund könnte der Kampf von Kaiser Hadrian gegen aufständische Christen um 120 n.Chr. sein. Dabei sollen tausend Soldaten Hadrians ebenfalls zum Christentum übergelaufen und hingerichtet worden sein.

madonna

Maria mit der Birnenschnitte,
1512.
 

1512: Maria mit der Birnenschnitte.

«Maria mit Kind» ist eines der Lieblingsthemen des Künstlers. Mögicherweise malte Dürer das relativ kleine Bild von 49 x 37 cm zunächst für sich ohne Bestellung – ein Auftraggeber für dieses Werk ist jedenfalls nicht bekannt. Das hier verwendete Attribut der Birnenschnitte, ein Verweis auf Jesus, hat seinen Ursprung in der venezianischen Malerei.

 

Das Gemälde kam um 1600 in die Kunstsammlung von Kaiser Rudolf II (1576–1612) und später dann ins >Kunsthistorische Museum Wien.

 

kupferstich

Der Heilige
Hieronymus im
Gehäus, 1514. Kupferstich-
kabinett Dresden.

1507-1514: Kupferstiche und Holzschnitte.

Dürer erkennt als einer der ersten den Kupferstich als mächtiges Marketinginstrument. Sein Vorbild ist Martin Schongauer, der als Kupferstecher einen weit herum bekannten Namen hatte. Aber Dürer ist es, der die Kunst des Holzschnitts und des Kupferstichs revolutioniert und perfektioniert. Er macht auch Versuche, mit der kalten Nadel auf Kupfer zu ritzen – mit Erfolg. Indem er seine Werke x-fach reproduziert und streut, verschafft er sich Ansehen und Bekanntheit. Von seinem Gönner Kaiser Maximilian I erhält er einen Schutzbrief vor der Nachbildung seiner Holzschnitte und Kupferstiche.

 

maximilian

Porträt Kaiser Maximilian I,
1519. Kunsthistorisches Museum Wien.

1519: Dürers Gönner Kaiser Maximilian I.

Für Kaiser Maximilian I arbeitet Dürer oft. Der Künstler versteht es, Werke zu schaffen, die der Ehre und dem Ruhm des Kaisers dienen – wie das berühmte Porträt von 1519, das heute im Kunsthistorischen Museum von Wien hängt. Das Bild ensteht allerdings erst nach dem Tode des Kaisers (1459-1519) nach einer Zeichnung, die Dürer 1518 bei einem Treffen mit Maximilian in Augsburg erstellte (die Zeichnung ist heute im Besitz der Albertina in Wien).

 

vier_apostel

Die vier Apostel, 1526. Alte Pinakothek München.

1526: Die vier Apostel.

Dürers letztes grosses Werk ist ein Dipytchon, also ein zweiteiliges Gemälde, deren beide Hälften mit Scharnieren verbunden sind. Die vier Figuren in Lebensgrösse sind: Apostel Johannes (mit Buch), Apostel Petrus (mit Schlüssel), Evangelist Markus (mit Schriftrolle) und Apostel Paulus (mit dem geschlossenen Buch). Offenbar stand Dürer zu dieser Zeit den Ideen der Reformation nahe. In seiner Inschrift heisst es nämlich, dass die weltlichen Regenten «das reine Bibelwort zu achten» hätten und dass sie sich «vor religiösen Verführern und falschen Propheten» hüten sollten.

 

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