Edward Hopper (1882-1967).


Er ist die Verkörperung des amerikanischen Realismus in der Malerei. Seine Gemälde strahlen eine seltsame Kühle aus und fokussieren auf die Leere des Lebens und auf die Einsamkeit des Menschen.

 

 

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Edward Hopper, Selfportrait 1925-1930.
Whitney Museum of American Art, New York.

 

 

Hopper kommt 1882 in Nyack zur Welt – in einem Kaff mit ein paar hundert Einwohnern im Bundesstaat New York am Hudson River. Sein Vater führt einen Kurzwarenladen. Edward liebt zwei Dinge: Segeln und Zeichnen. Er soll schon mit elf seine Zeichnungen signiert haben. Er will Künstler werden, das steht fest. Ab 1900 besucht er die New York School of Art and Design.

 

1906 bis 1910 darf er mit finanzieller Unterstützung seiner Eltern mehrmals Europa bereisen, ist in London, Berlin, Madrid, Brüssel, Amsterdam unterwegs. Und natürlich in Paris. Dort lebt er bei einer französischen Familie, besucht den Salon d'Automne und lernt den Impressionismus kennen.

 

Zuhause arbeitet er freiberuflich als Illustrator für Werbeagenturen – von der Malerei kann er noch nicht leben. Immerhin verkauft er 1913 sein erstes Bild, es bringt 250 Dollar. Sein zweites erwirbt 1923 das Brooklyn Museum of Art, für 100 Dollar.

 

Den Durchbruch zum anerkannten Künstler schafft er erstaunlicherweise in der Zeit der Wirtschaftskrise, die nicht nur die USA, sondern die ganze Welt erfasst hat. Anfangs der 1930er-Jahre beginnen sich wichtige New Yorker Museen für seine Kunst zu interessieren und kaufen Bilder von ihm: das MoMA und das Whitney Museum. Eine Wende für den Künstler – ab jetzt kann er von der Malerei leben.

 

Nach dem Krieg wird Hopper in die American Academy of Arts and Letters gewählt.

 

In seinen letzten Jahren kommt er nochmals in den Genuss von drei grosse Ausstellungen. Eine in Hartford Connecticut, eine Retrospektive in Philadelphia und eine weitere im Whitney Museum of American Art.

 

Edward Hopper stirbt am 15. Mai 1967 in seinem New Yorker Atelier am Washington Square, in dem er seit 1913 gearbeitet und gewohnt hat. Weniger als ein Jahr später, am 6. März 1968, stirbt auch seine Ehefrau Josephine «Jo». Sie werden beide 85 Jahre alt.

 

Der Grossteil von Hoppers Nachlass fällt dem Whitney Museum of American Art in New York zu. Es soll heute im Besitz von mehr als 3000 Gemälden, Zeichnungen und Aquarellen von Edward Hopper sein.

 

 

 

>Ausstellung Hopper 2020, Fondation Beyeler

 

 

 

 

 

 

 

 

Titelbild (Ausschnitt)
Edward Hopper (1882-1967).

Nighthawks, 1942.

Art Institute of Chicago.

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Woman at Café Table, 1906-07. Whitney Museum of American Art, New York.

 

1906: New York School of Art and Design.

Nach dem Studium arbeitet Hopper freiberuflich und in Teilzeit als Illustrator für Werbeagenturen – das ist aber nicht sein Ding. Sein Ziel wäre eigentlich, von der Malerei leben zu können, doch das erweist sich als schwierig. Immerhin kann er von seinen Zeichnungen Radierungen herstellen und einige davon verkaufen. Damit bessert er sein Budget auf.

 

Bis er von der Malerei leben kann, wird es noch ein Vierteljahrhundert dauern.

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Sailing, 1911. Carnegie Museum of Art. WikiArt.

 

1913: Das erste verkaufte Gemälde.

Er zeigt seine Arbeiten an der Armory Show in New York City – und hat Erfolg. Für 250 Dollar kauft ihm ein Textilkaufmann sein Werk «Sailing» von 1911 ab. Es ist das erste verkaufte Bild in seiner Malerkarriere – und wird für die nächsten zehn Jahre das letzte bleiben. Aber er gibt nicht auf und bleibt dran.

 

1914 wird Hopper Mitglied des Whitney Studio Clubs, den Gertrude Vanderbilt-Whitney gegründet hat. Die steinreiche Tochter aus der Familie des Eisenbahnkönigs Vanderbilt – selbst Bildhauerin und Kunstmäzenin – wird 1931 den Grundstein legen für das Whitney Museum of American Art in New York.

 

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Jo Sketching at Good Harbor Beach, 1923-24. Whitney Museum of American Art, New York.

1915: Hoppers Lieblingsmodell – «Jo».

Hopper lernt 1915 die Malerin und Schauspielerin Josephine «Jo» Verstille Nivision kennen. Sie wird sein liebstes Modell und kommt in vielen seiner Werke vor.

 

Jo ist selbst Malerin und vermittelt Hopper Kontakte zum Brooklyn Museum of Art. Dieses kauft ihm 1923 ein Gemälde ab (The Mansard Roof) – das zweite Werk, das er verkaufen kann. 1923 bietet ihm die Galerie Rehn die erste Einzelausstellung – er ist jetzt immerhin schon 33.

 

1924 heiratet er seine Jo.

 

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Hotel Room, 1931. Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid.

1930: Anerkennung als Künstler.

Ab 1930 gehts aufwärts. Hopper wird als Künstler anerkannt. Das New Yorker Museum of Modern Art kauft mehrere Werke von ihm (obwohl man sich mit der Frage befasst, ob seine Arbeiten für das MoMA «modern genug» seien). Aber mit diesem Problem hält man sich nicht lange auf.

 

1933 bietet im das Museum of Modern Art seine erste Retrospektive. Seine Werke kommen beim Publikum gut an, die Kritiker sind des Lobes voll. Auch das Whitney Museum of American Art kauft jetzt Hopper-Werke. Es ist sein Durchbruch. Nun werden die Bilderpreise vierstellig. Ab jetzt kann er von der Malerei leben.

 

 

 

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Nighthawks, 1942. Art Institute of Chicago.

 

1942: Hoppers berühmtestes Bild –
Nighthawks.

 

Mehr als das: Es gilt als eine der Ikonen der modernen amerikanischen Malerei. Das Gemälde misst 84 x 152 cm und hat eine Ausstrahlung wie kein zweites Werk Hoppers.

 

Der Künstler beginnt mit der Arbeit an «Nighthawks» (Nachtschwärmer) ein paar Tage nach dem Angriff der Japaner auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941. Ganz Amerika ist bestürzt, Krieg liegt in der Luft, die Stimmung ist gedämpft bis pessimistisch. In seinem Gemälde setzt Hopper das förmlich greifbar um.

 

Inspiriert hat den Künstler ein Restaurant in der New Yorker Greenwich Avenue. Ganz in der Nähe liegt auch seine Wohnung und sein Atelier: am Washington Square in West Village, nicht weit vom Hudson River.

 

Für die männlichen Personen soll er sich selbst als Vorbild genommen haben, und für die Frau sass seine Ehefrau Josephine «Jo» Modell. Jo soll es auch gewesen sein, die die Idee für den Titel «Nighthawks» einbrachte.

 

 

   

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High Noon, 1949. The Dayton Art Institute.

 

1950: Ehrendoktor.

Das New Yorker Whitney Museum organisiert für Hopper eine grosse Retrospektive – nun wird er als Star gefeiert. Diese Show wird danach auch noch in Boston und Detroit gezeigt.

 

Im selben Jahr verleiht ihm das Art Institute of Chicago die Ehrendoktorwürde. 1952 kann er bei der Biennale in Venedig die USA vertreten.

 

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Woman in the Sun, 1961. Whitney Museum of American Art, New York.

1961: Woman in the Sun.

Ein Werk aus seinen reifen Lebensjahren. Er verzichtet auf die feine Ausführung von Details und reduziert den Raum aufs Minimum. Dafür macht er die nackte Frau zum Mittelpunkt. Als Modell dient ihm – nach wie vor – seine inzwischen 78-jährige Josephine. Der Künstler, der selbst auch gegen die 80 geht, malt seine «Jo» etwas jünger – so wie er sie aus guten alten Tagen vor Augen hat.

 

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Two Comedians, 1965. Privatbesitz. WikiArt Fair Use.

1965: The two Comedians.

Des Künstlers letztes Gemälde. Die beiden «Comedians» sind er selbst und seine Gattin Josephine, die sich mit einer Verbeugung von ihrem Publikum verabschieden. Beide sind jetzt über 80 und bereits kränklich. Er lebt noch ein Jahr, sie noch zwei Jahre.

 

Bemerkenswert an dem Bild: Es dürfte das einzige sein, in dem sich zwei Menschen die Hand reichen. In fast allen anderen seiner Werke dominiert die Einsamkeit und die insgesamt erdrückende Leere des Lebens.

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Fotos / Diashow Hopper Werke

 

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Werke in der Hopper-Ausstellung 2020
Fondation Beyeler, Riehen-Basel

 

 

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