Wien-Museum, Wien.


Nicht gerade die erste Adresse für Kunstfreunde – würde man meinen. «Wien-Museum» klingt eher nach Stadtgeschichte und Schulklassen. Natürlich ist es das auch. Aber nicht nur.

 

Das Haus verfügt auch über eine erstaunlich starke Kunstsammlung. Der Grundstein dazu wurde 1894 gelegt. Durch Fürst Johann II von Liechtenstein, der dem Museum eine schöne Sammlung von Biedermeier-Werken vermachte.

 

Nur drei Jahre später, 1897, wurde die Künstlergruppe um Gustav Klimt – die Wiener Secession – tätig. Die brachte eine neue Stilrichtung, den Jugendstil. Auch aus dieser Epoche ist das Museum überraschend gut bestückt. Klimt, Gerstl, Moll – und vor allem Spitzenwerke von Egon Schiele. Solche würde man eher in einem Museum für moderne Kunst erwarten.

 

Das Wien-Museum ist ein Universalmuseum mit einem breiten Spektrum: Ausstellungen zur Stadtgeschichte, von den Anfängen der Besiedelung bis zur Gegenwart. Von Alltagskultur bis Mode und Kunst. Das Haupthaus am Karlsplatz (der Bau stammt aus den 1950er-Jahren) wird durch mehrere «Filialen» ergänzt, darunter sind Villen, Musikerwohnungen und Ausgrabungsstätten.

 

Die Gemäldesammlung findet man im Haupthaus

am Karlsplatz.

 

 

museum

Für das kaiserliche Wien ein eher bescheidenes
Museumsgebäude aus den 1950er-Jahren.

 

 

karlsplatz

 

 

 

 

Titelbild:

Friedrich von Amerling (1803-1887). Die drei köstlichsten Dinge: Wein, Weib und Gesang,

1838.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Josef Ziegler
(1785-1852). Milchhändlerin
und Losverkäufer 1836.

 

klimt

Gustav Klimt
(1862-1918).
Pallas Athene,
1898.

Vom Biedermeier zur Wiener Secession.

Als Biedermeier bezeichnet man die Zeitspanne vom Ende des Wiener Kongresses 1815 bis zum Beginn der bürgerlichen Revolution 1848. Die gemalte ländliche Idylle ist indes trügerisch und clichéhaft. Denn in diese Epoche fielen grosse Umwälzungen politischer und technischer Art. Zudem waren gesellschaftliche Kämpfe im Gange. Grosse Künstler der Biedermeierzeit: Friedrich von Amerling, Ferdinand Georg Waldmüller.

 

Mit der Wiener >Secession ab 1897 änderte sich der Stil radikal. Totale Abkehr von der akademischen Malerei, Spiel mit Ornamenten, freie Gestaltung («Der Zeit ihre Kunst – der Kunst ihre Freiheit»). Ein Name sticht hier besonders hervor:
>
Gustav Klimt. Das Museum zeigt aber auch Werke anderer Secessionsmitglieder wie Carl Moll – die man sonst eher selten zu Gesicht bekommt.

waldmüller

Ferdiand Georg Waldmüller (1793-1865).

Die Malkunst des bekanntesten Wiener Biedermeiermalers erinnert stark an «unseren» Albert Anker (1831-1910): Fotorealistische Porträts und viele Abbildungen aus dem gemeinen Volk, mit einer Vorliebe für Kinder. Bild: Junge Dame bei der Toilette, 1840.

 

 

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Gustav Klimt (1862-1918).

Emilie Flöge, 1902. Eines der Highlights der Sammlung. Emilie Flöge (1874-1952) spielte im Leben von Gustav Klimt eine wichtige Rolle. Sie war nicht nur seine Muse und sein Modell, sondern auch Unternehmerin und Modeschöpferin. Klimt entwarf für Flöges Modesalon so genannte «Reformkleider», die von Frauenrechtlerinnen propagiert wurden. Ziel war die Abschaffung des Korsetts und die Einführung von bequemen Schnitten. Die Zeit war aber noch nicht reif dafür, Flöge konnte nur wenige solcher Kleider verkaufen und musste ihr Geld mit der konventionellen Mode verdienen.

schiele

Egon Schiele (1890-1918).

Junge Mutter, 1914. Auf dieses Gemälde ist man im Wien Museum besonders stolz und bezeichnet es als «einzigartigen Kulturschatz». Man konnte es erst 2007 erwerben. >mehr über Schiele

roessler

Egon Schiele (1890-1918).

Porträt Arthur Roessler, 1910. Roessler war der grösste Förderer des jungen Schiele. Er war Schriftsteller und Kunstkritiker und versorgte den aufstrebenden Künstler mit Porträtaufträgen, verschaffte ihm Kontakte zu Kunsthändlern und organisierte Ausstellungen für ihn.

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Fotos / Diashow

 

   
   

 

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