Museum Berggruen, Berlin

 

Ist es ein Geheimtipp? Nicht wirklich. Aber bei den Stichworten Museum und Berlin denkt der Normalbesucher wohl eher an die Museumsinsel als an dieses Kleinod im Berliner Ortsteil Charlottenburg. Dabei hat es das Berggruen-Museum ganz dick hinter den Ohren. Es gibt nur wenige Häuser – weltweit – die sich mit einer solch umfangreichen Sammlung von Picassos brüsten können. 120 Werke sollen es sein! Und dazu kommen noch die Werke von Paul Klee, Alberto Giacometti, Henri Matisse und Paul Cézanne. Ein bisschen Geheimtipp ist es also schon!

 

Heinz Berggruen (1914-2007) war einer der bedeutendsten Kunstsammler Deutschlands. 1935 musste er – als Jude – aus Nazideutschland flüchten. In den USA erhielt er ein Stipendium an der Berkeley University in Kalifornien. Dort arbeitete er zunächst als Kunstkritiker und wurde dann Assistant Director am San Francisco Museum of Modern Art. Mit Frida Kahlo hatte er eine kurze Affäre. 1940 kaufte er in Chicago sein erstes Bild. Von einem deutschen Emigranten. Es war ein Klee. 100 Dollar.

 

Als Sergeant der US Army kam er zurück nach Europa. Nach dem Krieg arbeitete er in der Kulturabteilung der UNESCO in Paris. In den Kunsthandel schaffte er es durch Zufall: Er hatte eine Mappe von Toulouse-Lautrec gekauft – und diese dann zum doppelten Preis wieder veräussert. In Paris eröffnete Berggruen eine Galerie. Dann hatte er das Glück, Pablo Picasso kennenzulernen, und wurde sein Händler – und Freund. Als Sammler konzentrierte er sich auf wenige Namen, dafür grosse: Picasso, Klee, Matisse, Cézanne, Giacometti.

 

Seine bedeutende Sammlung zeigte er zunächst in der National Gallery in London, wurde dann aber vom Direktor der Staatlichen Museen zu Berlin so lange bearbeitet, bis er endlich einwilligte, nach Berlin zurückzukehren. 1996 stellte man ihm ein nobles Gebäude gegenüber dem Schloss Charlottenburg für sein Museum zur Vefügung. 2000 kaufte ihm die Stiftung «Preussischer Kulturbesitz» die Sammlung ab. Über den Kaufpreis gehen die Angaben stark auseinander. Heute wird ihr Wert auf rund eine Milliarde Euro geschätzt.

 

Sieben Jahre nach dem Verkauf der Sammlung starb Heinz Berggruen, 2007, im Alter von 93. Er liegt in einem Ehrengrab der Stadt Berlin auf dem Waldfriedhof Dahlem.

 

 

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Museum Berggruen gegenüber des

Schlosses Charlottenburg.

 

 

 

 

 

picasso

Pablo Picasso (1881-1973).

Mehr als 120 Werke von Picasso soll es im Museum Berggruen geben. Eines der Juwelen ist dieser «Sitzende Harlekin auf rotem Grund» aus Picassos «Rosa Periode». Es stammt aus dem Jahr 1905 und dürfte zu den kostbarsten Werken der Sammlung gehören.

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Pablo Picasso: Dora Maar, 1936.

Dora Maar ist sein bekanntestes Modell (natürlich auch Muse und Geliebte), sieben Jahre lang, bis 1943. Die bekennende Kommunistin hatte Malerei und Fotografie studiert. In ihrem Pariser Atelier fotografierte sie auch Werbung, später wurde sie durch ihre surrealistischen Aufnahmen bekannt. Und gar berühmt, als sie 1937 die Arbeit Picassos an seinem Gemälde «Guernica» fotografisch dokumentierte.

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Alberto Giacometti (1901-1966).

Seine dürren Figuren stehen in zahllosen Museen dieser Welt. Meist klein und zierlich. Nicht aber hier in Berlin: Da gibt es im Entrée des Museums Berggruen ein beeindruckendes Exemplar in Übergrösse, zu der man im wahrsten Sinne des Wortes aufblicken kann. Sie heisst – wie sonst – «Stehende Frau III» und stammt aus dem Jahr 1960.

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Henri Matisse (1869-1954).

«Die bestickte grüne Bluse, 1936». Neben mehreren Gemälden sind von Matisse auch Werbeplakate und seine heute berühmten Scherenschnitte zu sehen. Als Heinz Berggruen zu sammeln begann, waren diese noch nicht begehrt – und für ein paar Dollar zu haben.

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Paul Klee (1879-1940).

«Nekropolis» nennt er diese geniale Komposition, entstanden 1929. Die Klee-Sammlung von Heinz Berggruen ist beeindruckend. Seinen ersten Klee kaufte er 1940 in Chicago (für 100 Dollar von einem deutschen Emigranten) und war von diesem Künstler begeistert. Man sieht es. Mit sicherem Auge hat er sich die schönsten Stücke zusammengekauft.

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Paul Cézanne (1839-1906)

«Madame Cézanne», 1885. Berggruens Sammlermotto hiess: Nur wenige Namen, dafür grosse. Paul Cézanne gehörte dazu.

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