Napoleon II – der König von Rom.
Museo Napoleonico.


Was hat denn Napoleon in Rom zu suchen?

Hier dreht es sich nicht um den grossen Napoleon, sondern um den kleinen, genauer: um seinen Sohn. Um seinen Thronfolger. Dieser kam 1811 in Paris zur Welt. Der Kaiser gab ihm den Namen François-Joseph-Charles Bonaparte. Und Geschichtsschreiber nannten ihn dann später Napoleon II.

 

 

napoleon mit sohn

Napoleon mit seinem Sohn François.
Von Alexandre Vincent Sixdeniers (1795-1846).

Nach Charles de Steuben (1788-1856).
Museo Napoleonico.

 

 

Napoleon stand damals auf dem Gipfel seiner Macht. Er hatte halb Europa in seiner Hand, auch Italien – und so ernannte er seinen Sprössling zum «König vom Rom». Der Kleine hatte allerdings keine Ahnung davon, dass er König war. Und wusste auch nicht, dass seine Mutter die Habsburgerin Marie-Louise war, eine Tochter des österreichischen Kaisers, Franz I, und Urenkelin von Maria Theresia.

 

 

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Die Mutter des Königs von Rom: Marie-Louise

von Oesterreich. Gemälde von François Gérard
(1770-1837), 1810. Musée du Louvre, Paris.

 

 

Im schmucken Museum in Rom hängen
Familiengemälde der Bonapartes aus der römischen Periode, die vom Fall Napoleons bis zum Aufstieg von Napoleon III reicht. Gemalt von Grössen wie Jaques-Louis David, Léopold Robert oder Pierre-Paul Prud‘hon. Mehrere Räume sind mit den Möbeln von damals ausstaffiert, gezeigt werden auch Schmuck und Kleinode der Familie.

 

Das Spannendste an diesem Museum ist aber die Geschichte von Napoleon Junior, den kaum jemand kennt, weil er nie eine Rolle gespielt hat. König von Rom war er zwar, sogar Kaiser der Franzosen – aber alles nur auf dem Papier und nur für ein paar Tage. Er verstarb sehr jung, mit gerade mal 21 Jahren.

 

 

 

Titelbild (Ausschnitt):

Der König von Rom. Gemälde von

Pierre-Paul Prud'hon (1758-1823).

Museo Napoleonico Roma.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Kaiser Napoleon.
Anonym.

 

Napoleon braucht einen Thronfolger.

Das ist die Ausgangslage: Von 1796 bis 1810 ist Napoleon mit Joséphine de Beauharnais verheiratet, aber das Paar bleibt kinderlos.

 

Um doch noch zu einem Thronfolger zu kommen, heiratet Napoleon die Habsburgerin Marie-Louise, Tochter des österreichischen Kaisers Franz I und Urenkelin von Maria Theresia.

 

Der gewünschte Thronfolger kommt 1811 zur Welt: François-Joseph-Charles. Kaiser Napoleon ernennt ihn zum «König von Rom».

 

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Marie-Louise mit
dem König von
Rom. Von François Gérard (1770-1837). Versailles Palast.

 

Eine politische Heirat.

Marie-Louise ist verliebt in den Herzog von Modena, – aber als Tochter des Kaisers sucht man sich den Ehemann nicht aus. Kaiserliche Hochzeiten sind Bündnispolitik. Der österreichische >Kaiser Franz I kann Napoleon keinen Korb geben, als dieser in einem Brief vom 23. Februar 1810 um die Hand seiner Tochter bittet.

 

Und Marie-Louise weiss, dass sie sich nicht verweigern kann. Sie schickt sich in die Heirat, obwohl sie Napoleon nicht ausstehen kann, – zu sehr hat er die Oesterreicher militärisch mehrmals gedemütigt. Immerhin klappt die Verbindung: am 20. März 1811 bringt Marie-Louise in Paris den von Napoleon erhofften Thronfolger zur Welt:

François-Joseph-Charles Bonaparte.

 

Nach dem Sturz Napoleons 1814 flieht Marie-Louise mit ihrem Söhnchen nach Wien und zieht dort in Schönbrunn ein.

 

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François-Joseph-Charles Bonaparte,
König von Rom. Von Pierre-Paul Prud'hon (1758-1823). Museo Napoleonico Roma.

 

 

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Napoleon II als Herzog von Reichstatt. Aquarell von Moritz Daffinger (1790-1949).

Klein-Napoleon – König von Rom.

François-Joseph-Charles Bonaparte wird von Napoleon zum König von Rom bestimmt. Lange ist er das aber nicht, denn Napoleons Stern ist bereits am Sinken. Zuerst die verheerende Niederlage im Russlandfeldzug 1812/13, dann die Absetzung als Kaiser 1815.

 

Dem jetzt 4-jährigen König von Rom reicht es gerade noch, ganz kurz Kaiser der Franzosen zu werden – auf dem Papier. Für genau zwei Wochen. Als nämlich Napoleon 1815 abgedankt hat (und von den Engländern ins Exil auf die Atlantikinsel St. Helena verbannt wird), ruft man den Vierjährigen zum Kaiser der Franzosen aus. Vom 22. Juni bis 7. Juli 1815 ist er das «offiziell».

 

Doch dann kommt der ehemalige französische
>König Louis XVIII aus dem Exil in England zurück und übernimmt die Macht in Frankreich wieder.

 

Klein-Napoleon braucht das nicht zu interessieren. Er lebt inzwischen in Wien bei seiner Mutter und wird von Kaiser Franz I zum Herzog von Reichstatt befördert. Ein Abstellgleis. Sein weiteres Leben verläuft wenig spektakulär. Mit gerade mal 21 stirbt er an Tuberkulose.

 

Dafür bekommt er ein spektakuläres Begräbnis: Er erhält eine sogenannte «getrennte Bestattung», heisst: Seine Leiche wird in der Kaisergruft der Wiener Kapuzinerkirche beerdigt, sein Herz in der Herzgruft und seine Eingeweide (!) separat im Stefansdom.

 

Heute ist sein Grab im Invalidendom in Paris. Und dies auf Anweisung von Adolf Hitler (!). 1940, als dieser Paris besetzt hat, lässt er die Leiche des Napoleon-Thronfolgers von Wien nach Paris überführen. Ins Hôtel des Invalides. Punktgenau 100 Jahre nach der Überführung der Leiche des grossen Napoleons. Das war 1840.

 

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