Roy Lichtenstein (1923-1997).


Er ist – neben Warhol – der bedeutendste Vertreter der amerikanischen Pop-Art. Berühmt wird er vor allem durch die Verwendung von Comics-Vorlagen, die er in seine Werken einfliessen lässt.

 

Das ist aber nicht von Anfang sein Stil. In den 1950er-Jahren malt er expressionistisch und kubistisch – doch damit hat er keinen Erfolg. 1961 kommt er dann auf Idee mit den ölgemalten Comics. Sein erstes Werk heisst «Look Mickey». Es zeigt Donald Duck beim Fischen. Es ist Lichtensteins Durchbruch.

 

 

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Roy Lichtenstein, 1967 im Stedelijk Museum
Amsterdam vor seinem Werk Whaam!

Foto Eric Koch, Nationaal Archief.
Creative Commons.

 

 

Roy Lichtenstein wird 1923 in Manhattan in eine Mittelschichtfamilie geboren. Er darf eine Privatschule besuchen, doch auf der wird kein Kunstunterricht angeboten. Er macht Zeichnen zu seinem Hobby.

 

1940 kann er ein Kunststudium an der Ohio State beginnen, muss aber 1943 für drei Jahre in die Army nach Europa. Erst 1949 macht er seinen «Master of Fine Arts». Eine erste Ausstellung hat er 1951 in New York, doch das Echo ist schwach. 1958 nimmt er an der State University of New York eine Lehrtätigkeit auf.

 

Das Jahr 1961 krempelt sein Leben als Künstler komplett um. Die Idee, Comics in grosse Ölbilder zu verwandeln, schlägt ein. Der New Yorker Galerist Leo Castelli findet Gefallen daran, stellt «Look Mickey» aus. Der Künstler malt im gleichen Jahr nochmals sechs solcher Comics-Szenen und übergibt sie Castelli. Schon 1962 sind alle verkauft. Lichtenstein hat es geschafft: Er kann jetzt von seiner Kunst leben.

 

In den folgenden Jahren experimentiert er auch mit Plastiken und Installationen, als Vorlagen dienen ihm auch hier Comicsfiguren. Dann fliessen auch Comics mit Kriegsmotiven in sein Werk ein – er will sie aber weder als politische Botschaft noch als Kritik an den Militärs verstanden wissen.

 

Auch berühmte Gemälde dienen ihm als Vorlage, zum Beispiel von Picasso, Monet und van Gogh. In seinen späten Jahren kehrt er künstlerisch zu seinen Anfängen zurück und malt expressionistisch und surreal.

 

1979 wird er Mitglied in der renommierten American Academy of Arts and Sciences. 1995 erhält er den Kyoto-Preis und 1996 verleiht ihm die George Washington University den Titel eines Ehrendoktors. Roy Lichtenstein stirbt 1997 im Alter von 74 Jahren in Manhattan an den Folgen einer Lungenentzündung.

 

 

 

 

 

 

Titelbild (Ausschnitt, seitenverkehrt)

Roy Lichtenstein (1923-1997).
Woman in Bath, 1963.
Museo Thyssen-Bornemisza, Madrid.

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Roy Lichtenstein
(1923-1997). Look Mickey, 1961. Dorothy and Roy Lichtenstein, Gift of the Artist, in Honor of the 50th Anniversary of the National Gallery of Art, Washington.
Foto Wikipedia,
Fair Use.

 

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Andy Warhol Marilyn Diptych, 1962. Tate Modern London.

1961: Look Mickey.

Mit diesem Ölgemälde in Grossformat (121.9 cm auf 175.3 cm) schafft Lichtenstein den Durchbruch. Seine Masche: Comicfiguren als Vorbild. Hier steht Donald Duck auf einem Bootssteg und sagt «Look Mickey, I've hooked a big one!!» – dabei hat sich der Angelhaken nur in seiner Jacke verfangen.

 

1961 malt der Künstler noch weitere sechs Ölgemälde in diesem Stil und legt sie dem New Yorker Galeristen Leo Castelli vor, der sie in seine Galerie aufnimmt.

 

Ein paar Wochen später taucht bei Castelli auch der andere grosse Star der Pop-Art, Andy Warhol, mit Comicbildern auf – aber Castelli lehnt sie ab. Und Warhol erkennt: Die Marktnische Comics ist schon von Lichtenstein besetzt. Also gibt er diese Idee auf und sucht sich eine neue Nische. Zuerst sind es seine berühmten Campbell's Suppendosen, dann verlegt er sich auf seine heute weltbekannten Siebdrucke mit Wiederholungen.

 

>mehr über Andy Warhol

 

 

blam

Roy Lichtenstein
(1923-1997). Blam, 1962. Yale University Art Gallery. WikiArt Fair Use.

 

1962: Comics mit Kriegsmotiven.

Kritiker werfen dem Künstler vor, er wolle eine Antikriegshaltung propagieren. Lichtenstein sagt dazu: «Persönlich finde ich, unsere Aussenpolitik ist in vieler Hinsicht barbarisch gewesen, aber das ist es nicht, worum es mir bei meiner Arbeit geht. Ich will diese weitverbreitete Position auch nicht ausschlachten. Das Thema meiner Arbeit betrifft eher unsere amerikanische Definition von Bildern und visueller Kommunikation».

 

Werke Lichtensteins nach Vorlagen berühmter Künstler

 

picasso

Roy Lichtenstein (1923-1997). Woman with flowered Hat, 1963. WikiArt
Fair Use.

 

Pablo Picasso: Frau mit Hut.

Als Gemäldevorlagen verwendet Lichtenstein auch Werke grosser Künstler. In diesem Fall die verzerrte Darstellung von Picassos Gattin Olga Khokhlova. Picassos Bild >Frau mit Hut enstand 1939 nach einem Streit um die Scheidungsmodalitäten. Picasso war so in Rage, dass er die schöne Frau völlig verzerrt und hässlich malte.

 

Lichtensteins «Women with Flowered Hat» wurde im Mai 2013 bei einer Versteigerung von Christie's in New York für mehr als 56 Mio US-Dollar verkauft. Der allererste Käufer war – wie schon bei den Comics – 1962 der New Yorker Galerist Leo Castelli.

 

vangogh

Bedroom at Arles, 1992. WikiArt
Fair Use.

 

Vincent van Gogh: Bedroom in Arles.

Dieses berühmte Gemälde von Vincent van Gogh eignet sich besonders gut, um in Lichtensteins Stil kopiert bzw. umgesetzt zu werden – es besitzt von Haus aus fast Comics-Charakter.

 

>mehr über das Original van Goghs

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The red horseman, 1974. Museum Moderne Kunst, Stiftung Ludwig, Wien.

Carlo Carrà: The Red Horseman.

Auch dieses Werk enstand nach einer Vorlage eines Künstlerkollegen. Carlo Carrà (1881-1966) war ein italienischer Maler und Kunstschriftsteller, der sich dem Futurismus verschrieben hatte.

 

Er wandte sich später der >Pittura Metafisica zu. Carràs «Roter Reiter» enstand 1913 und ist in kubistischem Stil gemalt.

 

 

 

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Roy Lichtenstein (1923-1997). The Head, 1991-92. Foto Mutari, WikiCommons.

 

1992: Das Gesicht Barcelonas.

Zu Lichtensteins Werk gehören auch Plastiken. In zahlreichen Städten der USA und Europas stehen seine Skulpturen, so auch in New York und Kopenhagen. Für die Olympischen Spiele von Barcelona im Jahr 1992 entwirft er die zweidimensional wirkende Monumentalskulptur «El Cap de Barcelona» (das Gesicht von Barcelona). Die Ausführung der 15 Meter grossen Figur übernimmt der spanische Bildhauer Diego Delgado Rajado.

 

Die Figur zeigt das abstrahierte Gesicht einer Frau. Lichtensteins Hommage an den einheimischen Künstler Antoni Gaudì manifestiert sich in der Verwendung von gaudì-typischen Keramik-Bruchstücken.

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Fotos / Diashow

 

   
   

 

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