Mark Rothko (1903-1970).


Der berühmteste Farbfeldmaler der Welt – und der erfolgreichste. Seine Werke werden (heute) mit zweistelligen Millionenbeträgen gehandelt. Aber der Mensch dahinter war eine tragische Figur. Er wurde von Depressionen geplagt und nahm sich am Schluss das Leben.

 

 

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Mark Rothko, 1936.
Selbstporträt. WikiArt Fair Use.

 

 

Er kommt 1903 als Marcus Rothkowitz im (heute) lettischen Daugavpils zur Welt. Sein jüdischer Vater ist Apotheker. Die russischen antisemitischen Pogrome im Zarenreich zwingen die Familie, in die USA auszuwandern. Ab 1913 lebt sie in Portland, Oregon. Dann zieht Rothko nach New York. Er beginnt ein Studium an der Yale University in New Haven, schliesst dieses aber nicht ab. Malerei studiert er dann beim Maler und Bildhauer Max Weber bis 1927.

In den frühen 1930er-Jahren trifft er sich mit einer Künstlergruppe um den Maler Milton Avery. Dieser soll ihm die Idee vermittelt haben, dass «ein Leben als professioneller Künstler eine Möglichkeit» wäre.

 

1933 bekommt er seine erste Einzelausstellung in der Contemporary Arts Gallery. Er präsentiert dort fünfzehn Ölgemälde, vorwiegend Porträts und Landschaften. 1934 wird er Mitbegründer der Artists Union of New York und der Künstlergruppe «The Ten», die sich dem Abstrakten Expressionismus verschreibt.

 

1938 erhält er die amerikanische Staatsbürgerschaft. Zwei Jahre später ändert er seinen Namen zu Rothko. In >Peggy Guggenheims Galerie «Art of This Century» in New York hat er zwar eine Einzelausstellung, aber auch die bringt keinen finanziellen Erfolg. Dazu gesellen sich Eheprobleme mit Edith Sachar – es stellen sich Depressionen ein. Der Künstler legt eine Malpause ein. 1943 erleidet er einen Nervenzusammenbruch und weist sich selbst in eine Klinik ein.

Ab 1949 gibt er die figurative Malerei zugunsten der abstrakten völlig auf – etwa gleichzeitig mit Pollock und Newman. In grossformatigen Gemälden – teils bis drei Meter gross – lässt er Farbflächen miteinander verschmelzen, in zahllosen Varianten und Farbkombinationen. Erklärungen zu seinen Werken gibt er keine ab, er kommentiert sie auch nicht. Sein Credo heisst: «Bilder müssen geheimnisvoll sein».

 

Die Gemälde, die ab dieser Zeit entstehen, gehören zu seinem Hauptwerk. Mitte der 50er-Jahre werden die Galerien auf ihn aufmerksam, Rothkos Werke werden jetzt gekauft. Auch der bekannte Kunstsammler Duncan Phillips erwirbt Arbeiten von ihm. Ab 1955 kann Rothko von seiner Kunst gut leben.

 

1968 verschlechtert sich seine Gesundheit, man diagnostiziert ein Aortenaneurysma (Aussackung der Hauptschlagader), er wird impotent, alkoholabhängig und manisch-depressiv. Am 25. Februar 1970 schneidet er sich in seinem Atelier mit einer Rasierklinge eine Arterie am Ellbogen auf und nimmt sich so das Leben. Einen Abschiedsbrief hinterlässt er nicht.

 

Depressionsforscher wollen später herausgefunden haben, dass sich seine depressiven Phasen in der Anwendung wechselnder Farben seiner Werke nachweisen lassen.

 

 

 

 

 

 

 

Titelbild (Ausschnitt)

Mark Rothko (1903-1970).

Untitled (Orange, plum, yellow), 1950.

Museo Reina Sofia, Madrid.

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Mark Rothko (1903-1970). Three Nudes, 1933-34. WikiArt Fair Use.

 

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Mark Rothko (1903-1970). Entrance to Subway, 1938. WikiArt Fair Use..

Frühwerke.

Im Rahmen seiner Studien besucht Rothko ab 1925 eine Klasse an der Art Student‘s League in New York. Sein Lehrmeister Max Weber (1881-1961) ist ein amerikanischer Maler und Bildhauer der Avantgarde (Kubismus) und wie Rothko ein Einwanderer. Er stammt aus Polen, studiert in Paris und kommt dort mit Matisse, Picasso, Rousseau und Apollinaire in Kontakt.

 

Rothkos frühe Werke zeigen deshalb nicht nur Einflüsse seines Lehrmeisters Max Weber, sondern auch von dessen Vorbildern. Dazu gehören auch französische Künstler wie Paul Cézanne und Yves Tanguy, deutsche Expressionisten und Surrealisten wie Max Ernst oder Paul Klee.

 

Rothkos Arbeiten werden zwar anerkannt und gelobt, aber zum Leben reicht das nicht. Er bessert sein Einkommen auf, indem er ab 1929 im «Brooklyn Jewish Center» an Schulkinder Unterricht erteilt – in Zeichnen und Malen.

 

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Mark Rothko (1903-1970). Hierarchical Birds, 1944. National Gallery of Art, Washington.

 

 

Symbolismus, Surrealismus.

In den 1940er Jahren werden Rothkos Bilder mehr und mehr symbolistisch und surrealistisch. Er setzt sich auch mit mythologischen Themen auseinander. Antike Motive fliessen in sein Werk ein, auch Vögel und Pflanzen, ebenso Gräuelszenen des gerade wütenden Weltkriegs.

 

Als ab 1942 die nach New York geflohenen Surrealisten Salvador Dalí, Max Ernst, Joan Miró, Yves Tanguy oder Piet Mondrian durchschlagende Erfolge feiern, setzt sich auch Rothko mit deren Ideen auseinander.

 

 

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Mark Rothko (1903-1970).
No 3 / No 13 Magenta, Black, Green on Orange, 1949. Museum of Modern Art New York.

 

 

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Mark Rothko (1903-1970).
White Center with Yellow, Pink and Lavender on Rose, 1950.
Royal Family al-Thani of Qatar.

 

 

luzern

Mark Rothko (1903-1970). Red Over Black, 1961. Ausstellung Sekula and friends,
Luzern 2017.

 

 

 

 

Farbfeldmalerei – Rothkos Markenzeichen.

 

Ab 1949 schlägt Rothko neue Wege ein. Er verlässt die figurative Malerei und schwenkt auf totale Abstraktion um – auf das Color Field Painting, wie die Farbflächenmalerei in Englisch heisst.

 

Nun malt er grossformatige Bilder, die aus Flächen bestehen, deren Farben übereinander liegen und ineinander fliessen. Gemälde, die teils bis zu drei Meter gross sind. Rothko malt hunderte solcher Werke in allen möglichen Farbkombinationen.

 

In der Regel wird die Leinwand auf den Boden gelegt und die Farbe wird darauf geleert oder geschüttet, manchmal auch gesprayt. Sie dringt dann in die Leinwand ein und vermischt sich zum Teil mit der anderen «Nachbar»-Farbe. Manchmal werden sie auch mit Pinsel nachbearbeitet.

 

Die Bezeichnung «Color Field Painting» stammt nicht von Rothko, sondern vom amerikanischen Kunstkritiker Clement Greenberg.

 

Rothko entwickelt sich in den 1950er-Jahren zum Branchenführer dieser Sparte. Auch Barnett Newman, Clifford Still und Robert Motherwell machen sich damit einen Namen und viele weitere Künstler experimentieren mit dieser neuen Art der Malerei. Aber der erfolgreichste ist Rothko, der ab 1955 mit seiner Kunst gutes Geld macht.

 

So richtig durch die Decke gehen dann aber die Preise für Rothko-Werke nach dem Jahr 2000 und erzielen jetzt zweistellige Millionenerträge.

 

Das erste «Rekord»-Gemälde ist das Werk «White Center with Yellow, Pink and Lavender on Rose» aus dem Jahr 1950, das 2007 bei einer Auktion von Sotheby's New York für 72.9 Mio Dollar versteigert wird. Es ist das (damals) teuerste Gemälde, das je für ein zeitgenössisches Bild bezahlt wird und geht an die Royal Family al-Thani von Qatar, die in diesem Zeitraum rund eine halbe Milliarde für westliche Kunst verschiedener Künstler ausgibt, darunter auch Werke von Jeff Koons.

 

Der Rekord hält nicht lange. 2012 geht das Bild «Orange, Red, Yellow» für 86.9 Mio Dollar an einen (unbekannten) Käufer. Ein Ende der Preisspirale ist nicht abzusehen.

 

 

   

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Mark Rothko (1903-1970). Untitled, 1952. Lavender and Green, 1952. Sammlung Beyeler.

 

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Mark Rothko (1903-1970). Untitled (White, Blacks, Grays on Maroon), 1963. Kunsthaus Zürich.

Rothko in Schweizer Museen.

 

Eine sehr schöne Sammlung von Rothko-Werken zeigt die Fondation Beyeler in Riehen-Basel. Allerdings sind nie alle Werke zu sehen, denn sie werden abwechselnd gehängt. Ein guter Grund, das Museum immer wieder zu besuchen.

 

Im Kunsthaus Zürich ist das Werk von 1963 «Untitled (White, Blacks, Grays on Maroon)» zu finden.

 

Auf den ersten Blick sieht es aus wie eine schwarze Fläche mit einem weissen Balken. Tatsächlich besteht es aber aus verschiedenen Nuancen von Schwarz- und Grautönen. Seine Umrandung besteht aus Ölfarbe, das Material des Innenlebens ist lasierend (=stark verdünnt) und eine Struktur wird erkennbar. Sie ist ohne Begrenzung, fliessend.

 

Und was soll dieses dunkle Bild mit dem grauen Guckloch darstellen oder aussagen? Der Künstler schweigt sich aus.

 

Ab 1950 weigert er sich standfest, seine Werke zu kommentieren. Heisst: Der Betrachter soll sich selbst mit dem Bild auseinander setzen und seine eigenen Schlüsse ziehen. Das passt dann zum Credo des Künstlers: «Bilder müssen geheimnisvoll sein».

 

 

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Fotos / Diashow

 

   
   

 

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