Jan Vermeer (1632-1675).


Der grosse Meister der Genre-Malerei. Er lebt in einer Epoche, als die Niederlande gerade ihre politische, wirtschaftliche und kulturelle Blüte durchleben. Im >Golden Age des 17. Jahrhunderts.

 

 

kupplerin

Jan Vermeer, 1656. «Bei der Kupplerin».

Am linken Bildrand eventuell ein
Selbstporträt des Künstlers.
Gemäldegalerie Dresden.

 

 

Jan Vermeer wird 1632 im niederländischen Delft getauft – sein Geburtsdatum ist unsicher. Auch weiss man nicht, wo und bei wem er seine künstlerische Ausbildung bekommen hat. Es gibt auch kein offizielles Selbstporträt von ihm. Möglicherweise hat er sich im Gemälde von 1656 «Bei der Kupplerin» verewigt.

 

Sein Vater stammt aus Antwerpen und ist in zwei Berufen tätig: Als Gastwirt und als Kunsthändler. Ziemlich ungewöhnlich. Erst ab 1652 gibt es Hinweise auf Jan Vermeer, als er – 20jährig – der Delfter Malerzunft beitritt. Im Delfter Maler Leonard Bramer findet er einen frühen Förderer. 1653 wird er Mitglied der St-Lukas-Gilde.

 

Vermeer soll in seinem ganzen Leben nur gerade 37 Gemälde fabriziert haben. Die Qualität seiner Werke ist aber derart überwältigend, dass er heute als einer der grössten Niederländer aller Zeiten gilt.

 

Privat ist von ihm soviel bekannt, dass er 1653 die katholische Catharina Bolnes heiratet, obwohl er selbst calvinistisch getauft ist. Später tritt er zum Katholizismus über und hat mit Catharina fünfzehn Kinder.

 

Seine Mutter erbt nach Vaters Tod dessen Schänke am Delfter Markt. Dort hilft auch Sohn Jan mit und erhält damit einen guten Einblick ins Alltagsleben der Delfter, was seinen Gemälden zugute kommt. Schon früh kann er seine Werke gut verkaufen. Daneben arbeitet er auch als Kunstexperte und prüft Gemälde italienischer Künstler auf ihre Echtheit.

 

Nach 1672, da ist er 40jährig, verschlechtert sich seine wirtschaftliche Situation, weil zwischen Frankreich und den Niederlanden der Krieg ausbricht. Der Handel mit Kunst kommt zum Erliegen.

 

1675 wird er plötzlich krank und stirbt innerhalb weniger Tage in seinem 43. Lebensjahr. Die Art der Erkrankung ist unbekannt.

 

 

 

 

 

 

Titelbild (Ausschnitt)

Jan Vermeer, Allegorie der Malerei, 1666-68.

Kunsthistorisches Museum Wien.

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Jan Vermeer (1632-1675). Diana and her Companions, 1653-54. Mauritshuis,
Den Haag.

Vermeers Frühwerk: Mythologische Szenen.

Zu Beginn seiner Künstlerkarriere malt Vermeer biblische und mythologische Motive. Auffallend dabei ist, dass es relativ grosse Bilder sind. «Diana und ihre Gefährten» misst 100 x 105 cm.

 

Im Gegensatz dazu sind seine berühmtesten Bilder gerade noch 45x40 cm klein. Zum Beispiel das «Mädchen mit den Perl-Ohrringen» oder der Tophit im Rijksmuseum, «Der Milchkrug».

 

Nur wenige Jahre später ist die biblische und mythologische Phase vorbei. Jetzt beginnt Vermeer mit seiner Genre-Malerei zu brillieren.

 

 

 

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Jan Vermeer.
Das Glas Wein,
1658-60. Gemäldegalerie
Berlin.

 

Was ist Genre-Malerei?

 

Man versteht darunter die Abbildung von Szenen aus dem Alltag. Das können häusliche Tätigkeiten sein oder derbe Wirtshausszenen, aber auch volkstümliche Feierlichkeiten, Strassenszenen oder arbeitende Bauern.

 

Das Hauptmerkmal eines Genrebildes liegt darin, dass die Szene weder idealisiert noch heroisch dargestellt wird, sondern einfach realistisch – wie im richtigen Alltag eben.

 

Jan Vermeer ist einer der bedeutendsten Vertreter der Genre-Malerei. Auch >Pieter Brueghel gehört dazu. Dieser ist vor allem für seine lebensechten Bauerndarstellungen bekannt.

 

   

milchkrug

Jan Vermeer. The Milkmaid, 1660. Rijksmuseum Amsterdam.

1660: Das Milchmädchen.

Vermeers Tophit im Rijksmuseum Amsterdam. Man steht davor und staunt zunächst einmal über das kleine Format. Es misst nur 45 x 40 cm, sodass es nur von einer Person aufs Mal betrachtet werden kann. Hinter einem stehen die Leute Schlange.

 

Das Bild ist ein echter Hingucker. Wie der Künstler diese Details hingekriegt hat – zum Beispiel den Ausfluss der Milch – einfach nur grossartig.

 

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Girl with a Pearl Earring, 1665. Mauritshuis,
Den Haag.

1665: Das Mädchen mit dem Perl-Ohrring.

Das mit Abstand bekannteste Gemälde Vermeers – ebenfalls sehr klein: 45 x 39 cm. Bis heute ist unbekannt, wer das hübsche Mädchen ist, das den Betrachter so intensiv anschaut. Vielleicht ist es die Magd Griet, wie sie in Tracy Chevaliers Roman beschrieben ist, der 2003 auch verfilmt und für drei Oscars nominiert wurde.

 

Details: Der Perlohrring wird im Auge gespiegelt. Der Turban ist eine Hommage an die damalige Mode, die sich für alles interessierte, was aus dem Morgenland kam. Die Türkenkriege waren gerade im Gange. 1881 wurde das Bild auf einer Versteigerung in Den Haag angeboten und ging für 1 Euro weg – weil niemand ahnte, dass es sich um einen echten Vermeer handelte. Heute ist es unbezahlbar.

 

mistress

Mistress and Maid, 1666-67. Frick Collection New York.

 

1666: Mistress and Maid.

90 x 80 cm. Zum Inhalt des Gemäldes gibt es dutzende von Spekulationen und Abhandlungen. Im Vordergrund die Mistress, die ihr Schreiben unterbricht, um den versiegelten (Liebes?)brief zu betrachten, den die Magd überbringt. Es liegt etwas Geheimnisvolles in der Luft. Unklar sind auch die verstohlenen Blicke zwischen Magd und Herrin.

 

Genial ist die Lichtführung des Bildes in diesem chiaro-scuro, wie es >Caravaggio ein halbes Jahrhundert vorher begründet hat.

 

 

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Jan Vermeer.
View on Delft,
1660-61.
Mauritshuis,
Den Haag.

 

Wann war das «Golden Age»?

Es war die Epoche im 17. Jahrhundert, in der die Niederlande auf ihrem wirtschaftlichen und kulturellen Höhepunkt standen. Sie wurden in dieser Zeit zur weltumspannenden See- und Handelsmacht und besassen Kolonien in Asien und Südamerika – nie zuvor hatte es solchen Reichtum gegeben.

 

>wie es zum Golden Age kam

 

 

liebesbrief

Der Liebesbrief, 1669. Rijksmuseum Amsterdam.

 

 

1669: Der Liebesbrief.

Noch so eine Liebesbriefsituation zwischen Magd und Herrin. Diesmal wird die Herrin beim Musizieren unterbrochen, als sie den noch geschlossenen Brief erhält. Sie scheint zu fragen: «Von wem ist der?» und die Magd setzt ein Lächeln auf, als würde sie das süsse Geheimnis ihrer Herrin kennen.

 

Das Ölgemälde ist 44 x 38 cm klein und seit 1893 im Besitz des Rijksmuseums Amsterdam.

virginal

A young woman seated at a virginal, 1670-72. National Gallery London.

 

1670: Young Woman seated at a Virginal.

51 x 45 cm. Vermeer malte eine ganze Reihe von Gemälden mit Musikinstrumenten. Was ist ein Virginal? Wikipedia weiss es: Es ist ein kleines Cembalo. Seine Saiten werden über eine von der Klaviatur betätigte Mechanik gezupft. Virginale kommen in Tischform (fest montierte Beine) und in Box-Form (ohne montierte Beine) vor. Aha.

 

Das Instrument im Vordergrund ist eine Viola da gamba, eine Kniegeige, und gehört zur Familie von Violinen. Die Bezeichnung «da gamba» (Bein) leitet sich von der Spielhaltung ab.

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Fotos / Diashow

 

   
   

 

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