Klimt im Burgtheater Wien.

 

Ein architektonisches Highlight auf der Ringstrasse. Dieser Prachtsbau entstand zur gleichen Zeit wie das Parlament und das Ratshaus, so um 1880 herum. «Die Burg», wie die Wiener ihr Theater liebevoll nennen, konnte 1888 eröffnet werden.

 

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Ein Wiener Theater gab es allerdings schon vorher – seit 1748 am Michaelerplatz. Kaiser Joseph II (1741-1790) – ein Sohn von >Maria Theresia – war ein Theaterfan. Er wollte nicht nur die Adligen im Theater sehen, sondern auch das gemeine Volk. So senkte er die Eintrittspreise, damit sich jedermann «Kultur» leisten konnte. Aber in seinem Bestreben, alle glücklich zu machen, ging er wohl einen Schritt zu weit: Die Leute sollten nie traurig aus dem Theater kommen. Deshalb liess er alle Stücke, die ein tragisches Ende hatten, umschreiben. Und so kam dann in der Hamlet-Katastrophe am Ende niemand mehr ums Leben, und Romeo und Julia wurden ein glückliches Paar.

 

Natürlich hatte des Kaisers Eingriff auch einen handfesten politischen Hintergrund. Er lebte ja in einer Zeit, wo die Forderungen nach Menschenrechten und Freiheit geradezu boomten – die französische Revolution von 1789 stand kurz bevor. Also verbot er alle Stücke, die irgendwelche Kritik am Herrscherhaus oder am System der Monarchie enthielten.

 

 

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1944, gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, musste das Theater infolge der «allgemeinen Theatersperre» geschlossen werden. Als sich anfangs 1945 die Rote Armee Wien näherte, lagerte eine Einheit der Wehrmacht im Theater, ein Teil davon wurde sogar als Waffenlager benutzt. Bei einem Bombenangriff wurde das Haus schwer beschädigt. Die Deckengemälde blieben aber nahezu intakt. 1955 konnten die Restaurationsarbeiten abgeschlossen werden. Bei der Wiedereröffnung wurde Mozarts «Kleine Nachtmusik» gespielt, am Tag danach erfolgte die erste Aufführung. Es war «König Ottokars Glück und Ende» von Österreichs beliebtestem Dichter Franz Grillparzer.

 

 

 

Titel: Gustav Klimt,

Altar des Dionysos, 1888.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Feststiege.

 

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Theater in Taormina.

Die Fresken von Gustav Klimt.

Den Auftrag für die Deckenbemalung erhielt nicht Gustav Klimt allein, sondern die «Künstler Compagnie», zu der auch sein Bruder Ernst Klimt und Franz Matsch gehörten. Für die drei Künstler war ein solcher Staatsauftrag – vom Kaiser – der Hammer, denn alle drei waren noch sehr jung, um die 20. Es bedeutete den Durchbruch für ihre Künstlerkarrieren. >mehr über Klimt

 

Von insgesamt zehn Bildern stammen vier von Gustav Klimt. Zu besonderem Ruhm hat es das Sujet «Theater in Taormina» an der Decke der Feststiege gebracht. Kritiker monierten, dass vom Theater nicht viel zu sehen sei, dafür umso mehr von der Dekadenz der römischen Gesellschaft zur Zeit der Cäsaren.

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Die übermalte nackte Adlige.

Im Original waren auf dem Taormina-Bild alle drei Frauen nackt. Zwei sind es noch, die dritte musste überpinselt werden. Eine Adlige (Name unbekannt) war Klimt Modell gestanden. Als sie sich dann nackt gemalt sah, bekam sie kalte Füsse und verlangte vom Künstler, dass er sie bekleidet abbilde. Klimt verpasste ihr lustlos einen roten Umhang.

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Kaiserstiege für Franz Josef I.

Für den Kaiser baute man einen exklusiven Aufgang zum Theater, die Kaiserstiege. Franz Josef muss mit den Arbeiten der «Künstler Compagnie» zufrieden gewesen sein – die drei erhielten von ihm als Anerkennung das Goldene Verdienstkreuz.

>mehr über Franz Josef I

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Der Altar des Dionysos.

Das Bild zeigt die Treppenanlage eines Tempels, an dessen Ende der Altar des Dionysos errichtet ist. Das Deckengemälde entstand 1886-87 – also etwa ein Jahr vor der Eröffnung des Theaters. Es ziert die Feststiege auf der Volksgartenseite.

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Shakespeares Globetheater.

Das einzige Bild, auf dem Klimt keinen antiken Stoff thematisiert. Es zeigt die Gruftszene von «Romeo und Julia». Speziell: Es enthält das einzig gemalte Selbstporträt des Künstlers. Gemeinsam mit Ernst Klimt und Franz Matsch hat sich Gustav Klimt hier verewigt: rechts im Bild, unterhalb der Loge.

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Fotos / Diashow

 

   
   

 

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