Sonderausstellung im Kunsthaus Zürich:

Grossstadtrausch / Naturidyll / Die Berliner Jahre.
Vom 10. Februar bis 7. Mai 2017.

 

Ernst Ludwig Kirchner (1880-1938)


Was für ein Farbenrausch! Die Nummer 1 unter den deutschen Expressionisten fasziniert. Die Ausstellung widmet sich seinem Lebensabschnitt von 1911 bis 1917 in Berlin. Wer dabei nur Städtisches erwartet, wird freudig überrascht. Seine Werke, die er auf «dem Land» geschaffen hat, genauer gesagt auf der Ostseeinsel Fehmarn, sind eindrücklich und voller Lebensfreude. Die Ausstellung zeigt auch Gemälde aus seiner frühen Zeit in Dresden sowie Werke, die in Davos entstanden sind.

 

 

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Ernst Ludwig Kirchner kommt am 6. Mai 1880 in Aschaffenburg zur Welt. Ab 1901 studiert er in Chemnitz Architektur. Sein Studium schliesst er 1905 zwar mit einer Diplomarbeit ab, entschliesst sich dann aber, nicht Architekt, sondern Maler zu werden.

 

In Dresden gründet er zusammen mit Heckel, Bleyl und Schmidt-Rottluff die Künstlergruppe >Brücke. Er entwickelt sich zum Expressionisten und malt Landschaften und Stadtansichten, am liebsten aber Aktbilder. Erfolge kann er (noch) keine feiern. 1911 zieht er deshalb nach Berlin, was seine Lage als Künstler aber nicht verbessert – er bleibt mittellos und muss unten durch. 1915, im zweiten Kriegsjahr, tritt Kirchner als Freiwilliger ins Militär ein. Er kommt aber mit dem harten Drill nicht zurecht. Erleidet einen nervlichen Zusammenbruch, wird medikamenten- und drogenabhängig, hat Lähmungserscheinungen.

 

1917 zieht er in die Schweiz, um seine physischen und psychischen Leiden behandeln zu lassen. In Davos. Seine Lebensgefährtin Erna Schilling weibelt derweil in Berlin für ihn, kurbelt (erfolgreich!) den Verkauf seiner Werke an und sichert ihm damit die finanzielle Lebensgrundlage. Nun ist Kirchner plötzlich gefragt, er könnte jetzt als anerkannter Künstler gut leben. Doch 1937 machen ihm die Nazis einen Strich durch die Rechnung. Sie bezeichnen seine Werke als «entartet», werfen ihn aus der Preussischen Akademie der Künste und beschlagnahmen über 600 seiner Werke.

 

Kirchner leidet. Die Diffamierung seiner Arbeit macht ihm zu schaffen, zudem ist er morphiumsüchtig. Im Mai 1938 beantragt er bei der Gemeinde Davos das Aufgebot für die Heirat mit Erna Schilling, am 12. Juni 1938 zieht er dieses wieder zurück und tötet sich drei Tage später mit einem Herzschuss.

 

 

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Erna Schilling, Walter Kirchner und
Ernst Ludwig Kirchner vor dem Haus
«In den Lärchen», 1923.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Selbstbildnis 1913.

Ernst Ludwig Kirchner ist bereits 31-jährig, als er 1911 von Dresden nach Berlin zieht – mit dem Ziel, sich in der Hauptstadt einen Namen als Künstler zu machen. Vergebens. Er malt zwar in dieser Phase seine stärksten Bilder. Jene, die heute zu den gesuchtesten zählen. Aber die Zeit ist noch nicht reif dafür – sie finden kaum Interessenten.

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Zwei weibliche Akte, 1911-12.

Kurz nach seiner Ankunft in Berlin lernt Kirchner die Schwestern Gerda und Erna Schilling kennen. Beide halten sich als Tänzerinnen über Wasser, werden Kirchners liebste Modelle. Erna wählt er zu seiner Lebensgefährtin. Und beinahe hätte er sie 1938 geheiratet: Den Antrag für das Aufgebot hat er der Gemeinde Davos bereits eingereicht, als er dieses am 12. Juni 1938 wieder zurückzieht und sich drei Tage später erschiesst.

 

Erna stehend und Gerda sitzend in Kirchners Atelierwohnung.

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Berlin: Strassenbahn und Eisenbahn, 1912-13.

Ausblick aus seiner Atelierwohnung. Züge und Strassenbahnen Berlins sind ein beliebtes Sujet des Künstlers.

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Berlin: Frauen auf der Strasse, 1913-14.

Strassenszenen spielen in seinem Werk eine bedeutende Rolle. Auch wenn sie damals kaum jemand erwerben wollte – heute gehören sie zu den gefragtesten Kirchner-Bilder.

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Drei Badende, 1913.

Die Ausstellung im Kunsthaus Zürich zeigt eine grosse Anzahl von Akten. Kein Wunder, denn Kirchner war auf diesem Sektor sehr produktiv. Es dürfte sein Lieblingsgenre gewesen sein.

 

Zu diesem Gemälde, das normalerweise in Sydney (!) hängt – in der Art Gallery of New South Wales –, gibt es auch eine vorbereitende Skizze. Diese gehört Eberhard W. Kornfeld, Kunstsammler in Bern. Kornfeld war auch massgeblich am Aufbau des Kirchner Museums in Davos beteiligt.

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Zwei Frauen mit Waschbecken, 1913.

Dieses farbenfrohe Gemälde heisst im zweiten Titel «Die Schwestern». Gut möglich, dass es sich bei den beiden Frauen um Erna und Gerda Schilling handelt. So viele Modelle hatte Kirchner damals ja nicht...

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Stafelalp im Schnee, Davos 1917.

Eines seiner typischen Landschaftsbilder. Entstanden im ersten Aufenthaltsjahr Kirchners in Davos. Eigentum der Sammlung Eberhard W. Kornfeld, Bern/Davos.

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Sonntag am Zürichsee, 1925.

Als das Kunsthaus Zürich 1935 sein 25-jähriges Jubiläum feierte, überreichte Ernst Ludwig Kirchner der Zürcher Kunstgesellschaft dieses Gemälde als Geschenk.

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Fotos / Diashow Ausstellung

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Kirchner und die Künstlergruppe «Brücke»

   
   
   

 

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