Ausstellung Vilhelm Hammershøi
«Maler des stillen Klangs», 3.7. bis 25.10.26
Kunsthaus Zürich
Die Ruhe seiner melancholischen Bilder fasziniert.
Vilhelm Hammershøi ist ein dänischer Aussenseiter der Malerei. Sein Markenzeichen: Er malt leere Räume in fahlem Licht. Wohnzimmer mit kahlen Wänden, kaum möbliert, menschenleer. In Dänemark ist er eine Maler-Ikone, man nennt ihn «Maler der Stille» oder «Meister der Einsamkeit». International lange unbemerkt, wird er erst in den 1980er‑Jahren wiederentdeckt – in London, Paris, Madrid. Jetzt bietet ihm auch das Kunsthaus Zürich eine umfassende Ausstellung.
Ausstellungsplakat
Vilhelm Hammershøi um 1911 in seiner
Wohnung in
Kopenhagen. Fotografie Det
Kongelige Bibliothek Kopenhagen.
Hammershøi wird 1864 in eine bürgerliche Familie in Kopenhagen geboren. Schon als Kind bekommt er Zeichenunterricht, später studiert er an der Königlichen Kunstakademie und an den «Freien Kunstschulen».
1885 zeigt er sein erstes Bild in der Frühjahrsausstellung in Charlottenborg, ein Porträt einer jungen Frau. Dieses fällt auf, weil es ruhiger, farblich gedämpfter und zurückhaltender ist als alle anderen in der Schau.
Hammershøi gehört zu den Aussenseitern im dänischen Kunstbetrieb. 1888 wird ein Bild von ihm für eine Ausstellung in Charlottenborg abgelehnt – seine Kunst kommt nicht gut an. Also gründet er 1891 mit anderen die «Freie Ausstellung», eine Plattform für Künstler, die nicht ins klassische Schema passen.
Zwar zeigen seine frühen Bilder klassische Porträts und symbolistische Motive. Aber bald schon malt er seine erste Interieurs, in denen der aufs Nötigste reduzierte Raum im Zentrum steht.
1891 heiratet er Ida Ilsted. Das Paar reist zwar viel (Paris, London, Rom), lebt aber sonst abgeschieden in Kopenhagen, an verschiedenen Adressen und in mehreren Wohnungen, die zum Hauptmotiv seines Werks werden: Er konzentriert sich auf leere Wohnzimmer in fahlem Licht.
Vilhelm Hammershøi (1864-1916). Strasse in
London, 1906. Ny Carlsberg Glyptotek, Copenhagen.
Daneben malt er ebenso fahle Stadtansichten und stille, farbarme Landschaften. Die Küsten Falsters, graue Parks, Seen im Regen – alles genauso zurückgenommen wie seine Innenräume.
Im Jahr 1900 bekommt er in Kopenhagen eine erste Retrospektive, 1911 erhält er in Rom den Hauptpreis einer grossen Kunstausstellung.
Hammershøi erkrankt in seinen letzten Jahren schwer und stirbt 1916 mit 51 Jahren in Kopenhagen.
Die Ausstellung im Kunsthaus Zürich wird in
Kooperation mit dem >Museo Nacional Thyssen-Bornemisza in Madrid ausgerichtet.
Titelbild (Ausschnitt)
Vilhelm Hammershøi (1864-1916).
Sonne im Wohnzimmer III, 1903.
Nationalmuseum Stockholm.
Vilhelm Hammershøi (1864-1916). Selbstporträt um 1892. Ausschnitt aus Doppelporträt mit seiner Frau Ida. The David Collection.
Ida, seine Ehefrau. Ausschnitt aus Doppelporträt mit seiner Frau Ida. The David Collection.
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Menschenleere Interieurs –
Hammershøi ist eine dänische National-Ikone. Berühmt wird er mit seinen Darstellungen von menschenleeren Interieurs, die er in fahlem Licht und dämmriger Stimmung malt.
Schon 1907 sagt er: «Ich hatte immer die Vorstellung, dass viel Schönheit in so einem Raum lag, selbst wenn keine Menschen darin waren – oder vielleicht gerade dann.»
In jener Zeit (1898-1908) lebt er mit seiner Frau Ida in einer Wohnung im 1. Stock der Strandgade 30 in Kopenhagen. Hier entstehen mehr als sechzig Bilder von Innenräumen. 1909 zieht das Paar um, (Kopenhagen, Bredgade 25), 1913 ein weiteres Mal an die Strandgade 25. Für kurze Zeit wohnt das Paar auch in London. In jeder dieser Wohnungen findet der Künstler neue Motive für seine einzigartige gedämpfte und Interieurmalerei.
Farben mag er nicht. Das ist bemerkenswert, denn zu jener Zeit machen gerade die >Fauvisten Matisse, Derain & Co mit knalligen und farbprächtigen Werken Furore. Vilhelm Hammershøi sieht das ganz anders und malt seine Bilder in fahlem Licht, ob das nun Innenräume sind oder Landschaften.
Sein Statement lautet: «Ich bin zutiefst überzeugt, dass ein Bild den besten Effekt im farblichen Sinne erzielt, je weniger Farben es hat.»
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Offene Türen, 1905. The David Collection.
Im Sonnenlicht, 1906. The David Collection.
Interieur mit Topfpflanze, Bredgade 25, 1910-11. Malmö Kunstmuseum. |
Hammershøis leere Räume
Ab den 1890er-Jahren wendet er sich konsequent den Interieurs seiner eigenen Wohnungen in Kopenhagen zu. Ob diese wirklich so spärlich eingerichtet waren wie auf den Bildern dargestellt, darf man bezweifeln. Aber der Künstler sieht in dieser Reduktion ein stilistisches Mittel.
Die Bilder sind in dezenten Grau‑, Braun‑ und Blautönen gehalten. Nichts sticht hervor und so wird eine Tür, ein Fenster oder ein Stuhl zum Hauptakteur des Gemäldes. Der Künstler will auch keine Geschichte erzählen, sondern einfach den Raum zeigen. Ihm geht es um Raumstruktur, Lichtführung und Spannung zwischen Innen und Aussen. So zum Beispiel mit den Offenen Türen, die sich zu Nebenräumen öffnen, ohne zu verraten, wohin sie führen. Und mit Fenstern, bei denen nicht der Blick nach draussen zentral ist, sondern die Lichtstimmung.
Das Gemälde Interieur mit Topfpflanze markiert Hammershois spätere Phase, in der seine ansonsten extrem leeren Räume leicht belebt werden – hier mit einem Bild an der Wand und mit einer Topfpflanze auf einem kleinen Tisch. Aber es ist immer noch nur ein Raum ohne menschliche Seele.
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Die hohen Fenster, 1913. Ordrupgaard, Copenhagen.
Interieur mit einer lesenden Frau, 1911. Stockholm Nationalmuseum.
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Menschlichen Figuren als Nebensache
Erfolgt in seiner späten Phase ein Trendwechsel zu Räumen mit Figuren? Nein, es handelt sich eher um Variationen, denn Figuren gehörten von Anfang an zu seinem Repertoire, z.B. in Porträts.
Was sich aber (leicht) verändert: Der Künstler beginnt, seine Räume zu beleben. Allerdings so, dass die dargestellten Menschen keine tragende Rolle spielen. Er malt sie gerne von hinten, abgewandt oder mit gesenktem Blick. Die Hauptrolle gehört weiterhin dem Raum.
Auch im Bild der lesenden Frau (vermutlich seine Ehefrau Ida) steht diese nicht wirklich im Zentrum. Sie wird von der Architektur umrahmt – von Wandflächen und Möbeln – und «dient» allenfalls dazu, die geometrische Strenge des Raumes etwas zu mildern. Die Frau wirkt wie ein Bestandteil des Raumes. Sie ist einfach da, ohne individuelle Identität, sie erzählt auch keine Geschichte. Vielmehr unterstreicht ihre abwesende Versunkenheit ins Buch die introvertierte Stille des Interieurs.
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Landschaft (Falster), 1890. Fuglsang Kunstmuseum, Dänemark.
Sonnenregen, Gentofte-See, 1903. Ordrup-gaard, Copenhagen
Drei Schiffe, Christianshavn-Kanal, 1905. The David Collection. |
Fahle, triste Landschaftsbilder
In seinen Landschaftsbildern überträgt Hammershøi gewissermassen seine Interieur‑Ästhetik in die Aussenwelt. Die Farbskala beschränkt sich auf fahle Grau‑ und Grün-Töne. Narrative Details oder Figuren fehlen, die Landschaft wirkt trostlos. Der Maler sieht das anders. Für ihn geht es um die stille Ruhe.
Sogar beim mit Sonnenregen betitelten Bild fehlt das (Sonnen)licht. Hammershøi behandelt diese Regenstimmung wie das in seine Interieurs einfallende Licht: als eigenständiges Bildthema.
Die «ausgedünnte Welt» zeigt sich auch im Werk
Viele Bilder von Hammershøi wirken melancholisch, introvertiert, einsam. Stellt sich die Frage: War der Künstler depressiv veranlagt? Über seine inneren Zustände ist wenig bekannt. Es heisst, dass er kaum Briefe schrieb und nur wenig theoretische Texte hinterliess. Seine biografischen Quellen geben keine Hinweise auf eine medizinisch fassbare Depression. Vielleicht fühlte er sich einsam. In einigen Quellen nennt man ihn «great painter of loneliness».
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Drei junge Frauen, 1895. Ribe Art Museum.
Ida Ilsted, später die Frau des Künstlers, 1890. SMK, National Gallery of Denmark.
Doppelporträt des Künstlers und seiner Frau, 1892. The David Collection. |
Frühe Porträts und Selfies
Viele seiner Porträts stammen aus seiner frühen Phase. Sie bilden aber keinen Schwerpunkt in seinem Schaffen, die Reputation schafft er später mit seinen Interieurs. Die Drei jungen Frauen malt er sehr nüchtern. Alle drei wirken melancholisch und in sich gekehrt. Wie später in seinen Interieurs geizt er auch hier mit Emotionen – und auch mit Farbe.
Das Porträt Ida Ilsted ist eines der wenigen Bilder, das sie frontal zeigt und ihr Gesicht erkennen lässt. Die beiden heiraten 1891 und leben fast ihr ganzes Leben in mehreren Wohnungen in Kopenhagen – ziemlich zurückgezogen, wie es heisst. Und ohne ausgeprägtes gesellschaftliches Leben. Ida Ilsted (1869–1949) stammt aus einer Kaufmannsfamilie und ist die Schwester des Malers Peter Ilsted, mit dem Hammershøi befreundet ist. Das Paar bleibt kinderlos.
Ein Brief des Künstlers an seine Mutter deutet an, dass die Heirat auch dazu diente, Ida aus einer schwierigen Familiensituation zu befreien. Einem Bericht der BBC zufolge soll Idas Mutter «ziemlich verrückt» gewesen sein.
Nach der Hochzeit im September 1891 reisen die beiden über die Niederlande und Belgien nach Paris und verbringen ein halbes Jahr dort. Hammershoi arbeitet intensiv im Louvre. 1892 entsteht das Doppelporträt von sich und Ida.
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Hammershøi-Werke in der Ausstellung 2026
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