Ausstellung «Mit Liebe zum Detail – indische Malerei
aus der Sammlung des Museums Rietberg»
27.2.bis 29.6.2025
Nur wenige Museen besitzen so viele indische Miniaturen wie das Rietberg Zürich – es sollen über zweitausend sein, die hier in drei Jahrzehnten zusammen getragen wurden.
Die Ausstellung in der historischen Park-Villa zeigt
rund sechzig dieser kleinen Meisterwerke. Aus der Sicht des Besuchers stellt sich die Frage weniger, wer die Erschaffer dieser feinen Gemälde sind – als «normaler» Kunstfreund kennt man eh kaum Namen von indischen Künstlern. Also kann man sich ganz dem Betrachten dieser Kleinode widmen. Und staunen, wie detailliert sie ausgearbeitet sind. Und sich dabei Gedanken machen, welche Geschichten dahinter stecken mögen.
Park-Villa Rieter.
Die kleinen Kunstwerke werden in drei Räumen präsentiert. Sie sind so fein und detailliert ausgeführt, dass man zum Betrachten eine Lupe braucht. Eine starke Lupe bekommt man auf Wunsch in der Rezeption der Park-Villa ausgehändigt.
Viele der gezeigten Bilder stammen aus Alben und Serien, von denen man inzwischen die Herkunft und das Entstehungsjahr eruieren konnte, bei einigen Werken ist sogar der Name des Künstlers bekannt.
Die wissenschaftliche Erforschung der indischen Malerei ist herausfordernd. Sie stützt sich grossenteils auf das 1916 erschienene Werk «Rajput-Malerei» eines gewissen A.K. Coomaraswamy (1877-1947). In diesem Werk geht es zunächst um die Unterscheidung zwischen den hinduistisch geprägten Rajput-Höfen und den Höfen der muslimischen Mogule.
Die Mogul-Malerei wird dabei als «naturalistischer» eingestuft; die Rajput-Malerei als «stilisierter» und mehr auf religiöse Themen bezogen.
Ein weiterer Unterschied besteht in diesem Punkt: Viele der Mogulkünstler signierten ihre Arbeit mit ihrem Namen; bei den hinduistischen Rajput-Malern war das weniger der Fall.
Dass überhaupt Künstlernamen bekannt sind, verdankt das Museum Rietberg dem indischen Kunsthistoriker
Prof. B.N.Goswamy (1933-2023), der die Namen der bedeutensten Künstlerfamilien aus Guler entdeckte.
Auch der ehemalige Direktor des Museums Rietberg,
Dr. Eberhard Fischer, war an diesen Forschungen eng beteiligt.
Titelbild (Ausschnitt)
Dharam Das (zugeschrieben).Die flüchtende Begum wird angegriffen. Doppelseitiges Folio mit einer Szene aus dem «Chester-Beatty-British-Library-Akbarnama» Indien, 1593–1596. Museum Rietberg Zürich.
Meister der Punktiertechnik. Maharana Amar Sing II reitet zum Tempel von Eklingji, 1710. Rajasthan. Museum Rietberg Zürich.
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Meister der Punktiertechnik - was ist das?
Ein indischer Miniaturenmaler, der sich durch ganz besonders präzise Arbeit in Punktiertechnik (=Punkt für Punkt statt Striche) auszeichnet.
Ein solcher Meister verwendete extrem feine Werkzeuge. Um sich das vorzustellen: Der feinste Pinsel dieser Könner bestand aus einem einzigen Eichhörnchenhaar. Durch präziseste Anordnung der Punkte und durch unterschiedliche Dichte und Grösse schufen diese Meister Werke von einmaliger Feinheit.
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Kota-Meister. Beim Bad überrascht. Rajasthan, Kota, 1770. Museum Rietberg Zürich.
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Der voyeuristische Krishna
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Kota-Meister. Shravana, der Regenmonat. Folio einer Barahmasa-Serie Indien, Rajasthan, Kota, 1770. Museum Rietberg Zürich. |
Romantik im Regenmonat Shravana
«Shravana, der Regenmonat» ist Teil einer Barahmasa-Serie, die um 1770 in Kota, Rajasthan, von einem Künstler geschaffen wurde, den man als «Kota-Meister» bezeichnet.
Shravana ist ein Monat in der Regenzeit des indischen Kalenders, der in etwa dem Zeitraum von Ende Juli bis Mitte August entspricht.
In Barahmasa-Darstellungen wird dieser Monat typischerweise mit Regen, üppiger Vegetation und romantischen Szenen assoziiert. Das ist auch in diesem Bild der Fall: Im Wald hinten küsst Krishna (wer sonst) ein Mädchen, und im ersten Stock des Hauses ist mit einer weiteren Geliebten zu sehen.
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Meister der ersten Generation nach Manaku und Nainsukh von Guler. Folio 13 aus der «zweiten Guler-Gitagovinda-Serie» Indien, Pahari-Gebiet, Guler,ca. 1770-1775 Museum Rietberg. |
Krishna mit seiner Geliebten Radha
«Der mir loslöste der Hüftwölbung Hülle» heisst es in Folio 13 aus der zweiten Guler-Gitagovinda-Serie. Die Gitagovinda ist die populärste Liebesgeschichte Indiens.
Sie erzählt die Story zwischen dem hinduistischen Gott >Krishna und dem Hirtenmädchen Radha. Das Bild zeigt die beiden in ihrer ersten Liebesnacht. Später erzählt Radha ihrer Freundin davon. Und erlebt dann ihre erste grosse Enttäuschung, als sie von ihrer Freundin erfährt, dass Krishna sich auch mit anderen Mädchen vergnügt.
>mehr über Krishna in der Gitagovinda
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Nikka von Guler. Ein verrufener Ort. Indien, Pahari-Gebiet oder Panjab, Kangra, ca. 1775-1780. Museum Rietberg. |
Der verrufene Ort
In dieser Epoche schufen Künstler aus Guler Miniaturen für kunstliebende Fürsten, oft mit Darstellungen aus dem Leben Krishnas oder den Taten von Göttinnen. Und offenbar auch von «verrufenen Orten», denen sich auch Männer untereinander vergnügten.
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Shahid Malik.Ohne Titel. Pakistan, Lahore, 2018-2019. Museum Rietberg. |
Moderne Umweltsünden in Miniaturen
In dieser Arbeit stellt Malik in feiner Miniaturmalerei Müllberge im Gebirge dar. Sie ist beispielhaft dafür, wie junge pakistanische Künstler eine zeitgenössische Bildsprache entwickeln, die in ihrer eigenen Kultur verwurzelt ist, aber gleichzeitig globale Probleme thematisiert.
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Indische Miniaturen in der Ausstellung
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