Präsentation im Kunstmuseum Basel 2019/2020.

Neue Hängung der permanenten Sammlung in Kombination mit Werken aus der Familiensammlung Esther Grether.

 

Kunstmuseum Basel: Highlights

der Moderne mit Werken der Sammlung Grether.


Wer Kunst der klassischen Moderne mag, kommt schon bei der «normalen» Basler Sammlung ins Schwärmen. Da hängt ein Leckerbissen neben dem anderen. Von Braque bis Picasso, von Marc bis Malewitsch, von Léger bis Mondrian.

 

Nun kommen auch noch exklusive Surrealisten wie Magritte, Dalì und Bacon dazu. Für ein halbes Jahr (Herbst 2019 bis etwa Mai 2020). Sie stammen aus der Privatsammlung von Esther Grether.

 

 

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Gezeigt werden neunzehn der rund 600 Werke starken Kollektion Grether. Darunter Highlights, die man sonst kaum je im Original zu Gesicht bekommt. Denn bisher sah man die Sammlung nur in Form von Fotos zwischen Buchdeckeln.

 

In Basel rätselt man, warum Esther Grether diese Werke jetzt dem breiten Publikum zugänglich macht. Und wieso dem Kunstmuseum Basel. Und nicht der Fondation Beyeler. Zumal bekannt ist, dass ihr 1975 verstorbener Ehemann, Hans Grether, einen hervorragenden Draht zu Kunsthändler Ernst Beyeler hatte. Grether war nicht nur sein Kunde, sondern half diesem auch als «Bankier» aus, wenn er grössere Beträge für Kunstkäufe benötigte.

 

Ist das heute noch von Bedeutung? Wird Esther Grethers Sammlung dereinst in Basel zuhause sein oder in Basel-Riehen? Oder in beiden Museen? Oder wird die wertvolle Sammlung in Einzelstücke aufgeteilt und auf den Kunstmarkt geworfen? Niemand weiss es. Ausser Esther Grether. Vielleicht hat sie ja die Entscheidung schon getroffen und hält sie noch unter Verschluss. Es wird spannend werden.

 

 

 

Titelbild (Ausschnitt)
René Magritte (1898-1967).
Le mouvement perpétuel, 1935.

Sammlung Esther Grether.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Persönliche Geschenke
von Pablo Picasso an das
Kunstmuseum Basel:

 

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Pablo Picasso (1881-1973).
Venus et l'Amour, 1967.

 

 

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Pablo Picasso (1881-1973).

Le couple, 1967.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Werke aus der Sammlung Grether im Kunstmuseum Basel

 

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René Magritte (1898-1967).
La grande guerre, 1964. Sammlung
Esther Grether.

 

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Wer ist Esther Grether?

Sie ist die Inhaberin der Kosmetikfirma Doetsch-Grether und Besitzerin einer Kunstsammlung von rund 600 Weltklassewerken. Deren Wert wird mit «hunderten von Millionen» beschrieben – was wohl eher untertrieben ist. Sie ist die Witwe des 1975 verstorbenen Firmengründers Hans Grether und übernahm als 39-jährige die Leitung der Firma – sehr erfolgreich.

 

Aber nicht nur das. Sie bewies auch als Kunstsammlerin ein geschicktes Händchen und erwarb Werke der klassischen Moderne, als diese noch nicht den heutigen Stellenwert hatten. Und folglich zu günstigen Preisen erworben werden konnten. Esther Grethers Privatsammlung zählt heute zu den weltweit bedeutendsten.

 

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Salvador Dalì (1904-1989). Cygnes se reflétant en éléphants, 1937. Sammlung
Esther Grether.

Salvador Dalì: Die Elefanten-Schwäne.

Ein typischer Dalì: Drei elegante Schwäne auf einem Teich spiegeln sich im Wasser... und mutieren im Reflex zu Elefanten. Schwanenhälse alias Rüssel. Auf solche Ideen kann nur ein Surrealist wie Dalì kommen. Es ist eine fantastische optische Spielerei, magisch, traumweltartig. Ein Gemälde zum Verweilen. Je länger man die Details betrachtet, desto mehr neue surreale Spielereien kommen zum Vorschein.

 

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Man Ray (1890-1976). Le violon d'Ingres, 1924. Sammlung
Esther Grether.

 

Man Ray und die «Violon d'Ingres».

Der amerikanische Fotograf, Filmregisseur und Objektkünstler nimmt sich für dieses Sujet einen Rückenakt von Jean-Auguste-Dominique Ingres (1780-1867) zum Vorbild. Ingres Gemälde heisst >Grande Baigneuse und kommt in klassisch-akademischer Malweise daher, gemalt 1808.

 

Man Ray verwandelt den Frauenkörper in eine Violine, indem er an den richtigen Stellen zwei Schalllöcher aufmalt. Seinem Modell Kiki de Montparnasse verpasst er einen Turban, und fertig ist das Werk von 1924, das heute eine fotografische Ikone ist.

bacon

Francis Bacon (1909-1992). Four Studies for a Selfportrait 1967. Sammlung
Esther Grether.

 

Francis Bacon: Studie für ein Selfie.

Francis Bacon (1909-1992) wird in Dublin geboren und macht sich einen Namen mit Darstellungen von deformierten Körpern und Gesichtern. Dabei macht er auch vor verzerrten Selbstdarstellungen nicht Halt. Und vor grossen Persönlichenkeiten schon gar nicht. Weltberühmt ist Bacon für seine skurrilen Papstbilder, für blasphemische Darstellungen von Kreuzigungen und grotesk verzerrten Porträts seiner engsten Freunde.

 

Künstlerisch ist er ein Autodidakt, der in den 1920er-Jahren mit Malen beginnt. Er ist berüchtigt für sein lockeres Leben als bon vivant und für seine Spielsucht. Als sich 1971 sein Lover George Dyer das Leben nimmt, verfinstert sich seine Kunst, sie handelt jetzt zunehmend vom Tod. Obwohl seine Werke nicht gerade erbauend sind, erzielen sie auf dem Kunstmarkt horrende Preise. 2013 wurde das Triptychon «Lucian Freud» aus dem Jahr 1969 bei einer Christie's Auktion in New York für 142 Mio US-Dollar ersteigert.

 

 

Highlights aus der Sammlung der klassischen Moderne

des Kunstmuseums Basel

 

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Alberto Giacometti (1901-1966). Le chat, 1951. Kunstmuseum Basel.

 

Giacometti-Sammlung: Echt stark.

Das Kunstmuseum Basel zeigt 22 Werke aus der Giacometti-Stiftung, die 1965 gegründet wurde. Die Idee zu einer Stiftung kam vom Direktor des Kunsthauses Zürich, René Wehrli. Dieser hatte vom Basler Galeristen Ernst Beyeler erfahren, dass eine bedeutende Giacometti-Sammlung des Amerikaners David Thompson zu erwerben sei. Wehrli wollte diese Werke in die Schweiz holen. Preis: drei Millionen Franken. Die Kunstsammler Hans und Walter Bechtler machten sich für die Stiftung stark und beschafften die nötigen Kredite bei Bund, Kanton und Banken. Alberto Giacometti durfte die Gründung seiner Stiftung am 16. Dezember 1965 noch miterleben und schenkte ihr drei Skulpturen, neun Gemälde, sechs Zeichnungen und neunzehn Litografien. Kurz danach verstarb er.

 

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Franz Marc (1880-1916). Tierschicksale 1913. Kunstmuseum Basel.

 

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Ergänzung durch Paul Klee.

 

Tierisches von Franz Marc und Paul Klee.

Eines der grossartigsten Werke des Franz Marc, der 1916 im Ersten Weltkrieg umkam >mehr. Der ganze Titel dieses monumentalen Gemäldes aus dem Jahr 1913 heisst «Tierschicksale – Die Bäume zeigten ihre Ringe, die Tiere ihre Adern». Es hätte kurz nach dem Tod des Künstlers 1916 in einer Ausstellung gezeigt werden sollen. Im Lager der Spedition brach ein Brand aus; die rechte Hälfte des Werkes wurde dabei teilweise zerstört.

 

Die angesengten Teile hat dann 1919 Paul Klee restauriert. Er ergänzte sie nach Fotografien und hielt sich dabei vornehm zurück, malte «seine Stellen» in bräunlichen Tönen und liess die Brandkante bewusst stehen.

 

Das Werk kam 1930 ins Museum von Halle und wurde dann 1937 von den Nazis als «entartet» beschlagnahmt. 1939 konnte es vom Kunstmuseum Basel erworben werden.

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Salvador Dalì
(1904-1989).
Girafe en feu,
1936-37.
Kunstmuseum
Basel.

 

Salvador Dalì: Die brennende Giraffe.

Die brennende Giraffe hält sich klein im Hintergrund. Dominiert wird das Gemälde von einer Frauenfigur ohne Gesicht, dafür mit Schubladen ausgestattet. Was bedeuten diese Schubladen? Nur der Künstler weiss es, und er hat sein Wissen 1989 mit in den Tod genommen. Es soll eine Hommage an Sigmund Freud sein, heisst es. Und was sagt die brennende Giraffe aus? Müssig, sich mit den Fantasien eines Surrealisten auseinander zu setzen. Vielleicht hat er ja mal so etwas geträumt. Surrealismus kommt schliesslich von «sur réal», also über dem normalen Leben stehend. >mehr über Dalì

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Pablo Picasso (1881-1973).
Les deux frères, 1906. Kunstmuseum Basel.

 

Wie die Basler für ihre Picassos kämpften.

1967 war die Basler Kunstwelt in Aufruhr: Dieses Bild und ein weiteres («Sitzender Harlekin») hingen als Leihgaben im Kunstmuseum. Sie gehörten der Unternehmerfamilie Staechelin. Als diese in einen finanziellen Engpass geriet, sollten die Bilder ins Ausland verkauft werden. Panik machte sich breit: Nur das nicht! Picasso muss in Basel bleiben!

 

Die Basler Kunstfreunde organisierten sich und lancierten eine Volksabstimmung: die Stadt Basel solle einen Kredit von sechs Millionen Franken für den Kauf der Bilder sprechen. Das Volk sagte ja. Der Kaufpreis war auf 8.4 Mio Franken festgelegt. Der Rest von 2.4 Mio kam mit Spenden zusammen – die Bilder waren gerettet.

 

Und der damals 86-jährige Pablo Picasso war vom Engagement der Basler für seine Bilder so gerührt, dass er dem Kunstmuseum gleich drei weitere Gemälde schenkte (zwei davon in der Spalte links).

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Fotos / Diashow

   
   

 

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