Haarlems Altstadt ist ein historisches Juwel.
Geradezu spektakulär ist der Sitz des Frans Hals Museums in der Groot-Heiligland-Strasse. Nicht im architektonischen Sinn – aber in diesem Gebäude war einst das «Armenhaus für alte Männer» untergebracht.
Es wurde schon 1609 als städtisches Armen- und Altersheim für unverheiratete Männer über sechzig eingerichtet, die als «ehrbar» galten.
Darunter verstand man Männer, die «moralisch zuverlässig, ordentlich und sozial angepasst» waren.
Sie mussten ein «ehrliches Leben» geführt haben,
heisst: sie sollten keine Bettler oder Diebe sein und durften kein anstössiges Leben wegen Trunkenheit geführt haben. Zudem verlangte man von ihnen einen regelmässigen Kirchgang und verbot ihnen unerlaubte Frauenbesuche. Rauchen in der Unterkunft konnte eine Geldstrafe, Anketten an einen Block (!) oder eine Wasser-und-Brot-Ration nach sich ziehen. Nachts wurden die Tore des Altmännerhauses geschlossen...
Das «oudemannenhuis» wurde dann zu Beginn des
19. Jahrhunderts zum Waisenhaus umfunktioniert und diente als solches bis 1913, als es zum Museum Frans Hals wurde.
Das Haarlemer Museum Frans Hals im
ehemaligen «Alt-Männer-Haus»...
...an der Groot Heiligland-Strasse
Der Hauptsaal mit Frans Hals' Regenten-
und Schützenstücken
Die städtische Kunstsammlung wurde erstmals 1862
im Prinsenhof des Haarlemer Rathauses öffentlich präsentiert. Die Sammlung selbst reicht aber wesentlich weiter zurück. Etwa auf das Jahr 1581, als Haarlem im Zuge der Reformation Kunstwerke aus aufgehobenen kirchlichen Einrichtungen und Klöstern übernahm.
Der Einzug in das heutige Gebäude erfolgte 1913.
Die Eröffnung als Frans Hals Museum fand am
14. Mai 1913 statt.
Das Museum beherbergt die historische Kunstsammlung der Stadt Haarlem. Ihr Kern ist die weltweit bedeutendste Werkgruppe von Frans Hals, insbesondere seine Schützen- und Regentenstücke.
Frans Hals wird in diesem Museum in seinem künstlerischen Umfeld gezeigt: mit Werken von weiteren grossen Haarlemer Künstlern wie Cornelis van Haarlem und anderen Zeitgenossen. Das Museum vermittelt die Entwicklung der Haarlemer Kunst vom Manierismus bis zur realistischen Malerei des 17. Jahrhunderts – dem >Golden Age der niederländischen Kunst und darüber hinaus.
Pieter van Roestraten (1630-1700).
Drinking in the Kitchen, 1655.
Frans Hals Museum Haarlem.
Ergänzt wird die Sammlung durch Haarlemer Malerei
des 16. und 17. Jahrhunderts sowie durch moderne und zeitgenössische Kunst ab 1880 bis in die Gegenwart.
Jan Sluijters (1881-1957). Female Nude
on Sofa, 1919. Frans Hals Museum Haarlem.
Titelbild (Ausschnitt)
Frans Hals (1582 - 1666). Meeting of the Officers
and Sergeants of the Calivermen Civic Guard ,1633.
Frans Hals Museum Haarlem.
Frans Hals (1582-1666). Banquet of the Officers of the St George Civic Guard, 1616. Frans Hals Museum.
Detail: ein lockeres Zusammensein am Bankett.Frans Hals (1582-1666). Officers and Sergeants of the
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Museums-Highlight: Frans Hals' Schützenstücke
Das Herz der historischen Sammlung besteht vor allem aus Gruppenbildnissen Frans Hals', den so genannten Schützen- und Regentenstücken. Diese bilden Offiziere von Bürgerwehren und sozialen Institutionen ab. Die Institutionen waren auch die Auftraggeber für diese Art von Gruppenporträts.
Frans Hals' berühmtestes Gruppenbildnis ist das
Der Künstler ordnete die Offiziere nicht mehr schematisch aufgereiht an – wie früher üblich –, sondern inszenierte sie bei ihren Anlassen. Hier beim Schlussbankett am Ende ihrer dreijährigen Amtszeit. Neu war, dass die Offiziere miteinander kommunizieren und gestikulieren. So ergibt sich der Eindruck eines lebhaften gesellschaftlichen Augenblicks. Dennoch bleibt die Rangordnung bestehen und lesbar: Oberst, Hauptleute, Leutnants und Fähnriche sind durch Sitzordnung, Kleidung und Fahnen zu erkennen.
In seinem Schützenstück «Offiziere und Unteroffiziere der St. Georg-Schützengilde» von 1639 schmuggelt Frans Hals ein Selfie von sich ins Bild: als kleine Figur oben links im Hintergrund, über die Schulter eines Fähnrichs blickend. Das Museum bezeichnet diese Abbildung als sein einziges bekanntes Selbstporträt.
Als Regentenstück bezeichnet man Abbildungen von Vorstehern einer wohltätigen Organisation wie z.B. ein Armenhaus oder eines Hospitals. Die Künstler erhielten den Auftrag, die Chefs solcher Einrichtungen im Gemälde darzustellen. Die Bilder wurden dann in der Institution aufgehängt. Hier die Regenten des «Altenmännerhauses» (oudemannenhuis) von 1664, in dem seit 1913 das Museum Frans Hals untergebracht ist.
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Johannes Cornelisz Verspronck (1601-1662). Portrait eines Mädchens im blauen Kleid, 1641. Frans Hals Museum Haarlem.
Details.
Johannes Cornelisz Verspronck (1601-1662). Portrait of a Woman (Mutter des Mädchens mit dem blauen Kleid), 1640. Rijksmuseum Twenthe, Enschede. |
Johannes Verspronck's berühmtes Mädchen
Für Verspronck war Frans Hals ein Vorbild und (vielleicht) auch sein Lehrer – die beiden waren aber auch lokale Konkurrenten. Sie arbeiteten als Porträtisten und stritten sich über Aufträge von Regentenbildern. 1640 entstanden für das St. Elisabeth Hospital zwei Gruppenporträts: Hals malte die fünf männlichen Regenten, Verspronck die vier Regentinnen.
Versproncks Meisterwerk ist aber das Mädchen mit dem blauen Kleid. Es gehört zwar dem Rijksmuseum in Amsterdam, war aber im Sommer 2026 kurzfristig ans Frans Hals Museum ausgeliehen, weil es in Haarlem enstanden ist. Es gehört zu einem Dreierpack, denn Verspronck porträtierte auch die Mutter und den Vater des Mädchens.
Das Mädchen gibt Rätsel auf. Wieso ist es so reich ausgestattet? Ihr Kleid besteht aus glänzendem Damast mit Blumenmuster, Goldstickerei und einem weissen Spitzenkragen und Spitzenmanschetten, wie es damals voll in Mode war. Dazu Perlenketten, Ohrringe und einen Ring – genau wie ihre Mutter. Auf der Brust trägt sie ein goldenes Schmuckstück, das mit dunklen Steinen und einer Perle besetzt ist. Mit ihren sittsam gefalteten Händen, dem ernsten Lächeln, dem prächtigen Schmuck und der modischen Kleidung wirkt das Mädchen wie eine Miniaturausgabe einer Erwachsenen – und wie ein Abbild ihrer Mutter. Wie alt ist sie auf dem Gemälde? Experten schätzen ihr Alter auf 6 bis 9 Jahre. Und verweisen dabei auf ihre Hände, die noch den typischen «Babyspeck» aufweisen.
Wer war das Mädchen, das aus einer sehr wohlhabenden Familie stammen muss? Niemand weiss es bis heute, obwohl intensive Forschungen darüber laufen. Sicher ist nur: Dieses Gemälde ist ein Highlight für jedes Museum. Deshalb ist es auch nur kurze Zeit nach Haarlem ausgeliehen. Ab Oktober 2026 wird es wieder in Amsterdam zu sehen sein, im Rijksmuseum.
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Cornelis Cornelisz Van Haarlem (1562-1638). Drapers Altarpiece (Mitte), 1591. Frans Hals Museum.
Detail aus dem Mittelteil.
Detail 2. |
Cornelis van Haarlem's Manieriusmus
Die dargestellte Szene im Mittelteil ist dramatisch. König Herodes lässt in Bethlehem alle Knaben bis zum Alter von zwei Jahren töten, weil er in dem neugeborenen Christus einen möglichen Rivalen fürchtet. Cornelis gestaltet das Geschehen als eine Serie individueller Tragödien. Soldaten töten Kinder, Mütter versuchen verzweifelt, ihre Kinder zu schützen. Das Ganze stellt der Künstler im überdrehten >Manierismus dar, mit extremen Körperverdrehungen und heroisch-nackt.
Das Altarretabel war ursprünglich für die Haarlemer Zunft der Tuchhändler und Wollweber bestimmt. Maarten van Heemskerck hatte 1546 die beiden Flügel geschaffen: Innen die Anbetung der Hirten und die Anbetung der Könige, und aussen – sichtbar im geschlossenen Zustand – die Verkündigung.
Das ursprüngliche Mittelbild ging in den religiös-politischen Wirren der Reformationszeit verloren. 1591 erhielt Cornelis van Haarlem vom Stadtmagistrat den Auftrag für ein neues Mittelteil, fast quadratisch (268x257 cm).
Dieser Auftrag könnte durchaus einen politischen Hintergrund gehabt haben: Es ging um die spanische Herrschaft und den niederländischen Aufstand. Herodes könnte dabei als abschreckendes Beispiel eines Tyrannen gedient haben. Und der von ihm befohlene Kindermord als Symbol einer gewalttätigen (spanischen) Regierung. Von dieser wollte sich das protestantische Haarlem lösen.
>mehr über Cornelis van Haarlem
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Hendrik Vroom (1562-1640). The Ankunft Friedrichs V von der Pfalz und Elisabeth Stuart in Vlissingen am
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Hendrick Vroom: Schiffe wie Porträts
Schiffsabbildungen spielen in der niederländischen Malerei eine grosse Rolle. Dieses hier ist speziell. Hendrick Vroom gilt als «Vater» der niederländischen Marinemalerei. Er arbeitete die Details so genau heraus, dass man jeden einzelnen Schiffstyp problemlos identifizieren konnte. Hier handelt es sich um eine Komposition, die der Künstler zehn Jahre nach dem Ereignis in seinem Atelier erstellte.
Und zwar als Erinnerung an einen Moment grosser Hoffnung, den die Geschichte bitter widerlegte. Bei ihrer Ankunft in Vlissingen 1613 waren Friedrich V und Elisabeth Stuart ein junges, prestigeträchtiges Paar. Ihre Ehe verband den calvinistischen Kurfürsten mit der Tochter Jakobs I von England und erschien den niederländischen Zeitgenossen als Stärkung der protestantischen Machtstellung in Europa.
Friedrich V von der Pfalz hatte 1619 die ihm angebotene böhmische Krone angenommen, wurde aber nach der Niederlage seiner Truppen am Weissen Berg 1620 aus Prag vertrieben. Die Katholiken siegten, Friedrich und Elisabeth mussten ins Exil nach Den Haag fliehen.
Das Gemälde von 1623 schaut also auf das Jahr 1613 zurück und soll Ausdruck dafür sein, dass man diesem Paar trotz Niederlagen und Exil weiterhin ihren politischen Anspruch attestiert.
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Pieter Brueghel d.J. (1564-1638). Die niederländischen Sprichwörter, 1625. Frans Hals Museum Haarlem.
Jemandem den blauen Mantel umhängen.
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Brueghel d.J.: Die niederländischen Sprichwörter
Pieter Brueghel d. J. zeigt mit den niederländischen Sprichwörtern eine scheinbar heitere Dorfwelt, die sich bei genauerem Hinsehen als Morallehre erweist.
Die berühmtere Urfassung von Pieter Brueghels d. Ä. entstand 1559 und befindet sich in Berlin. Die Haarlemer Version des Sohnes ist keine Kopie, sondern eine eigenständige Weiterführung der Bildidee, in der Pieter Brueghel d. J. den erzählerischen Reichtum der Urfassung beibehält. Die Werkstatt und die Familie Brueghel schufen mehrere Fassungen dieses Motivs.
Brueghel hält dem Betrachter den Spiegel vor. Dieser
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Sammlung Frans Hals Museum Haarlem |
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