Bronzino (1503-1572)


Bekannt und berühmt ist er für seine überragende Fähigkeit, Porträts zu malen. Das erkennen auch die >Medici und holen ihn an den Hof, wo er es bis zum Hofmaler schafft. Bronzino soll er heissen, weil er rötliche Haare hat. Sicher ist das aber nicht. Es gibt kein Selbstporträt von ihm, das seine Haarfarbe erkennen lässt.

 

 

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Portrait of a Young Man, 1530.
Vielleicht ein Selbstporträt.

Metropolitan Museum of Art,

New York.

 

 

 

Agnolo di Cosimo, genannt Bronzino, kommt 1503 in Florenz zur Welt. Er wird ein Schüler von Jacopo da Pontormo (1494-1557). Zusammen mit diesem arbeitet er von 1522 bis 1525 an den Fresken in der Kartause von Galluzzo bei Florenz, dann in der Villa Medici di Careggi und Castello.

 

Zwei Jahre lang ist er am Hof des Herzogs von Urbino tätig und in einer Villa in Pesara, wo er allegorische und mythologische Fresken malt.

 

1533 wird er Hofmaler bei den Medici. Herzog

Cosimo I holt ihn aber nicht nur wegen seiner Malkunst an den Hof, sondern auch als Literaten – beide lieben Gedichte.

 

Bei den Medici ist er nicht nur für Porträts zuständig, sondern auch für die Herstellung von Festdekorationen. Feste und Feierlichkeiten gibt es mehr als genug.

 

1539 wird es eine grossartige Hochzeit: Es geht um den feierlichen Einzug der Eleonora von Toledo, die der Herzog Cosimo I zu seiner Gemahlin macht. Im Palazzo Vecchio hat Eleonora ihre eigene Kapelle. Dort malt Bronzino Szenen aus der Genesis.

 

Viele religiöse Arbeiten Bronzinos fallen in die Zeit der Gegenreformation. Während im nördlichen Europa die Protestanten Bilder aus den Kirchen schleppen und verbrennen, gilt es jetzt, den Katholiken ihren Glauben mit den schönsten Geschichten aus der Bibel schmackhaft zu machen – um sie bei der Stange zu halten. Bronzino trägt mit seinen prächtigen und erzählerischen Werken stark dazu bei.

 

Er stirbt 1572 im Alter von 69 Jahren in seiner Heimatstadt Florenz.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Titelbild (Ausschnitt)
Bronzino (1503-1572)

Beweinung Christi, 1540-45.

Musée des Beaux-Arts, Besançon

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Allegorie der Liebe, 1540-45. National Gallery, London.

 

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Allegorie der Liebe, 1540.

Eines der berühmtesten Werke Bronzinos. Venus hält in ihrer Linken den goldenen Apfel, den ihr Paris als Preis für ihre einzigartige Schönheit überreicht hatte.

 

Amor – von Bronzino als Jüngling mit knackigem Hintern dargestellt – spielt mit ihrer Brustwarze und küsst sie auf den Mund. Das Bild wäre zweifellos ein Schocker gewesen, wenn es das Publikum zu sehen bekommen hätte. Immerhin ist die schöne Venus ja Amors Mutter...

 

Der Kunsthistoriker >Giorgio Vasari, ein Zeitgenosse Bronzinos, sah das aber neutral und unaufgeregt: «Ein Bild von einzigartiger Schönheit. Auf ihm ist eine nackte Venus mit Amor, der sie küsst. Auf der einen Seite des Bildes das Vergnügen sowie das Spiel, auf der anderen Seite die Tücke, die Eifersucht und andere Leidenschaften der Liebe».

 

Und die Leute sahen das Gemälde eh nicht – es ging als Geschenk von Herzog Cosimo I an den französischen König Franz I.

 

 

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Jacopo Pontormo (1494-1557). Kreuzabnahme, 1525-28. Capponi-Kapelle in Santa Felicità, Firenze.

 

 

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Bronzino
(1503-1572). Durchquerung des Roten Meeres, 1540-45. Palazzo Vecchio, Florenz.

 

 

Pontormo, Bronzino und der Manierismus.

 

>Jacopo Pontormo (1494-1557) ist Bronzinos Lehrer. Beide werden als Manieristen bezeichnet.

 

 

Was versteht man unter >Manierismus?

 

Im Begriff steckt das Wort Maniera, also Stil oder Malweise des Künstlers. Eingeführt wurde der Begriff durch den Kunsthistoriker >Giorgio Vasari im 16. Jahrhundert. Die Epoche des Manierismus erstreckt sich etwa von 1520 bis 1600.

 

Der Manierismus will sich vom Stil der
Renaissance abgrenzen, dessen wichtigste Elemente die Zentralperspektive, die Einheit der Komposition, die Dreidimensionalität, die Ordnung, die Virtuosität und die Gefälligkeit sind.

 

Den Manierismus charakterisieren dagegen Unordnung, Übertreibungen, Deformationen, Geziertheit, Posen, Abartiges und Ausgeburten der Fantasie. Sowohl im Schönen: Lebensfreude, Eleganz, Farbigkeit, Nacktheit, Freude am Spiel – als auch im Hässlichen: Melancholie, Grausamkeit, Okkultismus, Dämonen, Dunkelheit.

 

Von den Manieristen sagt man, dass sie ihre persönliche Malweise extrem auslegen. Zum Beispiel mit eigenwilligen Darstellungen des menschlichen Körpers in anatomisch verdrehten, unnatürlich dramatischen Haltungen. Man kann das auch mit «gekünstelt» ausdrücken.

 

Der Manierismus ist kein rein italienischer Stil, er fasste auch fast gleichzeitig im Norden Fuss.

 

 

>mehr über Manierismus

 

>der niederländische Manierismus

 

 

 

medici

Cosimo I, 1545.

 

 

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Alessandro Allori.

Bronzino als Hofmaler bei den Medici.

Das Porträt von Cosimo I, dem Grossherzog der Toscana, ist eines von vielen, die Bronzino für die Medici-Familie erstellt hat. Es stammt aus dem Jahr 1545. >mehr über die Medici

 

Bronzino betreibt in Florenz eine eigene Werkstatt, in der auch seine Schüler Porträts für die Medici produzieren. Darunter sein späterer Adoptivsohn, Alessandro Allori. Auch er macht sich später als Meister des Manierismus einen Namen und wird danach Aufseher der grossherzoglichen Teppichweberei in Florenz.

 

Bild links: Von Alessandro Allori (1535-1607), Entwaffnung des Cupid (Eros) durch Venus. Los Angeles County Museum of Art.

 

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Eleonora von Toledo, die Ehefrau von Cosimo I.

 

Meister der Porträtmalerei.

Für den Herzog Cosimo I und die ganze Medici-Familie malt Bronzino eine Reihe von grossartigen Porträts. Aber auch von anderen Florentiner Adligen, Dichtern, Schriftstellern und Musikern.

 

Seine Werke sind so beeindruckend, dass zahlreiche Repliken davon entstehen, gemalt von seinen Schülern, aber auch von nachfolgenden Künstlern. Zum Glück, denn etliche der Originale von Bronzino sind verschollen. Bild: Eleonora von Toledo und Sohn Giovanni de Medici. Entstanden 1544-45. Galleria degli Uffizi, Florenz.

 

 

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Beweinung Christi. 1540-45. Musée des Beaux-Arts de Besançon.

 

Religiöse Meisterwerke.

Altarbilder und Fresken malt Bronzino während seines ganzen Lebens. Die meisten entstehen in den Kirchen von Florenz. In vielen ist der spezielle florentinische Manierismus zu erkennen: Die Brillanz der Farben, dramatische Darstellungen. Auffallend ist auch die häufige Verwendung von teuren Materialien wie der intensiv blaue Lapislazuli.

 

Bronzinos Werke beeindrucken aber nicht nur durch ihre Farbbrillanz, sondern auch und vor allem durch einen starken erzählerischen Wert, der den Menschen die Geschichten der Bibel näher bringt.

 

 

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Fotos / Diashow

 

 

>Ausstellung «Il Cinquecento a Firenze»

 

   

 

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