Marie Laurencin (1883-1956).


Ihre Bilder sind ein Augenschmaus. Zartes Aquarell, feine Pastelltöne und lyrische Motive mit grazilen jungen Mädchen, Katzen und Hunden. Sie kommt schon sehr früh mit Kubisten wie Braque und Picasso in Kontakt, aber davon lässt sie sich nicht beeinflussen und entwickelt ihren eigenen verträumten Stil.

 

 

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Marie Laurencin (1883-1956).

Autoportrait 1928. Foto WikiArt Fair Use.

 

 

 

Marie Laurencin kommt in Paris zur Welt. Ihre Mutter schickt sie mit 18 nach Sèvres, um dort in einer Porzellanfabrik die Porzellanmalerei zu erlernen. Eine erste Ausbildung zur Malerin erhält sie im Pariser Lycée Lamartine, danach kann sie an der Académie Humbert studieren. Hier trifft sie auf Georges Braque und macht auch die Bekanntschaft mit Pablo Picasso. Beide werden zu ihrer Förderin.

 

An einem Bankett lernt sie 1907 den Lyriker Guillaume Apollinaire kennen. Sie wird seine Muse. Die beiden gehen eine stürmische Liebesbeziehung ein, die bis 1912 dauert, als sie ihn verlässt. Dennoch bleiben die beiden bis zu Apollinaires Tod 1918 verbunden.

 

1913 nimmt sie der bekannte Kunsthändler Paul Rosenberg unter Vertrag – er wird sie bis 1940 betreuen. Auch die Kunstsammlerin Gertrude Stein findet Interesse an ihrer Arbeit und erwirbt von ihr 1908 ein erstes Bild.

 

Im Herbst 1913 lernt sie den deutschen Maler Otto von Wätjen kennen. Die beiden heiraten kurz vor dem Krieg – Marie Laurencin erhält dadurch die deutsche Staatsbürgerschaft. Um einer Ausweisung zuvorzukommen, zieht das Paar zu Beginn des Ersten Weltkriegs nach Spanien.

 

Ab 1918 lebt das Ehepaar Wätjen in Düsseldorf. Die beiden lassen sich aber schon 1921 scheiden. Laurencin kehrt nach Paris zurück und erhält 1922 die französische Staatsbürgerschaft zurück. Ab 1924 beschäftigt sie sich mit Bühnenentwürfen, u.a. für Sergej Djagilews Ballett und dem Ballets Russes, später auch für die Comédie Française.

 

Sie veröffentlicht jetzt auch erfolgreich Buchillustrationen, z.B. Alice im Wunderland. Von 1932 bis 1935 erteilt sie Unterricht an der Kunstakademie Villa Malakoff, und 1935 wird ihr das Band der Légion d'Honneur verliehen.

 

In der Nacht zum 8. Juni 1956 stirbt sie an Herzversagen. Auf ihren Wunsch wird sie in einem weissen Kleid bestattet, in der Hand eine Rose, und Apollinaires Liebesbriefe bedecken ihr Herz. Ihre Grabstätte liegt auf dem Pariser Friedhof Père-Lachaise – wo auch Guillaume Apollinaire beerdigt ist.

 

 

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Titelbild (Ausschnitt)

Marie Laurencin (1883-1956).

Femmes au Chien, 1924-25.

Musée de l'Orangerie, Paris.

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Marie Laurencin (1883-1956). Danseuses espagnoles, 1920-21. Musée de l'Orangerie Paris.

 

Lyrisch-träumerische Malerei.

Zu Beginn ihrer Malerkarriere trifft sie mit den Kubisten Georges Braque und Pablo Picasso zusammen. Es wird viel über die neue Kunstrichtung >Kubismus gesprochen und theoretisiert, aber Marie Laurencin lässt sich davon weder beeindrucken noch beeinflussen.

 

Sie entwickelt ihren eigenen, unverkennbaren Stil. In ihren lyrisch-verträumten Werken bildet sie in zarten Pastelltönen und blassen Farben meist junge schlanke Mädchen ab, oftmals zusammen mit Katzen und Hunden.

 

Die meisten Werke von Marie Laurencin sind mit Wasserfarben (Aquarell) oder mit Pastellfarbe gemalt. Für ihren Farbaufbau verwendet sie eine begrenzte Palette aus Schwarz, Weiss, Ocker und Kobaltblau, manchmal auch ein zartes Smaragdgrün.

 

 

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Henri Rousseau (1844-1910). La muse inspirant le poète, 1909. Kunstmuseum Basel.

 

Stürmische Liebe zu Guillaume Apollinaire.

 

An einem von Pablo Picasso organisierten Bankett zu Ehren des Malers Henri Rousseau lernt die Künstlerin 1908 den Literaten Guillaume Apollinaire kennen. Es entwickelt sich eine stürmische Liebesbeziehung; Marie Laurencin wird seine heiss geliebte Muse (was Rousseau dann ein Jahr später in diesem Bild festhält).

 

Die Beziehung Laurencin-Apollinaire dauert bis 1912. Es ist die Künstlerin, die den Poeten verlässt. Aber doch nicht ganz. Die beiden bleiben auch danach noch verbunden, und als Apollinaire 1918 an der spanischen Grippe stirbt, gibt sich Marie Laurencin verzweifelt.

 

Als Laurencin 1956 stirbt, wird sie am gleichen Ort wie Apollinaire beerdigt: Auf dem Pariser Friedhof Père-Lachaise.

 

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Marie Laurencin (1883-1956). Portrait de Mademoiselle Chanel, 1923.
Musée de l'Orangerie Paris.

 

Kein Happy-End mit Coco Chanel.

Das Porträt der Modezarin Coco Chanel (1883-1971) entsteht 1923, als Laurencin sich mit Bühnenbildern und -Kostümen befasst.

 

Chanel arbeitet gerade an den Kostümen für die Operette «Le train bleu». Sie beauftragt Laurencin mit einem Porträt von ihr. Die Künsterlin bereichert es mit zwei Hunden und einer Taube.

 

Es gibt kein Happy-End: Coco Chanel mag das Bild nicht und lehnt die Annahme ab. Und Laurencin ist sauer: Sie weigert sich, ein zweites zu malen und behält dieses schöne Gemälde für sich.

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Marie Laurencin (1883-1956). Les Biches, 1923. Orangerie Paris.

Les Biches.

Hintergrund für dieses Aquarell ist die Operette «Les Biches» von Francis Poulenc, die 1924 im Casino von Monte Carlo uraufgeführt wurde. «Les Biches» (wörtlich «Die Hirschkühe»), hat aber wenig mit dem Inhalt des Stücks zu tun, es ist ein surrealistischer Titel.

 

Les Biches ist eine Tanzsuite, die für das berühmte Ballet Russes geschrieben wurde. Darin geht es um Tanzen, Vergnügen, Flirten und um das mondäne Leben der modernen Frau.

 

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Marie Laurencin (1883-1956). Portrait de Madame Paul Guillaume, 1924. Musée de l'Orangerie Paris.

Madame Paul Guillaume.

Das Gemälde zeigt Juliette Lacaze (1898-1977), die in einem Kabarett in Montparnasse arbeitet, wo sie sich mit der künstlerischen Avantgarde-Szene trifft. Hier lernt sie Paul Guillaume kennen, einen aufstrebenden erfolgreichen Kunsthändler.

 

Er verliebt sich in sie, nennt sie Domenica. Die beiden heiraten 1920. Auch Marie Laurencin steht in Kontakt mit Paul Guillaume und beginnt zu dieser Zeit gerade mit der Porträtmalerei. Domenica lässt sich von ihr malen. Das Porträt strahlt Reichtum und gesellschaftliches Ansehen aus – genau das, was die ehemalige Kabarettistin durch die Heirat mit Paul Guillaume erwartet und auch bekommt.

 

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