Diego Velazquez (1599-1660).

 

Der berühmteste spanische Künstler in der Epoche des Barocks. Er legt eine atemberaubende Karriere hin: In wenigen Jahren vom «Küchenmaler» zum Star am Hof von König Felipe IV. Er porträtiert die Königsfamilie mit einzigartigem Geschick und hinterlässt Gemälde von historischem Wert.

 

Velazquez kommt 1599 in Sevilla zur Welt. Diegos Vater ist Anwalt und heisst Juan Rodriguez de Silva. Wieso aber heisst unser Künstler Velazquez? Er hat beim Eintritt in die Malerlehre den Namen seiner Mutter übernommen, einer geborenen Velazquez.

 

Bereits mit 10 Jahren beginnt er seine Malerlehre bei Francisco Herrera, danach arbeitet er in der Werkstatt von Francisco Pacheco del Río, wo er in realistischer Malerei ausgebildet wird. Sein frühes Werk besteht aus Stillleben und Porträts aus dem Alltag, so genannten «Bodegones», die man auch als Küchenstücke bezeichnet.

 

selbstportrait

Diego Velazquez, Selbstportrait, 1630.
Kapitolinische Museen, Rom.

 

 

1622, da ist Velazquez erst 23, zieht er nach Madrid. Hat er da bereits das Ziel im Kopf, Hofmaler zu werden? Jedenfalls will er im Escorial die dort ausgestellten Meisterwerke kennen lernen.

 

Am spanischen Hof ist ein blutjunger König im Amt: >Felipe IV. Er ist erst 17 und hat bereits vier Hofmaler in seinen Diensten. Als sein Lieblingsmaler stirbt, wird 1623 Velazquez an den Hof bestellt. Dort bekommt er sein Atelier und beginnt, Porträts der Königsfamilie zu malen.

 

1629 segelt er nach Italien. In Venedig fertigt er Kopien von Tintorettos Werken, in Rom solche von Raffael und Michelangelo.

 

Zurück am Hof in Madrid schafft er zahllose Porträts der Königsfamilie und staffiert den Prunksaal im Palast mit Gemälden aus. Er wird zum Kammerherr der Privatgemächer berufen, dann zum Assistenten des «Superintendenten für besondere Bauvorhaben».

 

1648 begibt sich Velazquez auf seine zweite Italien-Reise. Diesmal soll er im Auftrag des Königs Kunstwerke kaufen, die als Vorbilder für eine in Madrid geplante Kunstakademie dienen. Er bleibt bis 1651 in Italien. In Rom malt er eines der besten Papstporträts aller Zeiten: Es zeigt Innozenz X und ist heute ein Highlight im >Palazzo Pamphilj.

 

Kaum in Madrid zurück, steht ein Haufen Arbeit an: König Felipe IV heiratet zum zweiten Mal. Es ist Maria Anna von Österreich. Da braucht es eine Menge neuer Porträts. Velazquez wird zum Hofmarschall ernannt.

 

Trotz der vielen Porträts findet er noch Zeit, auch religiöse Bilder zu erschaffen, und auch sein einziges Aktbild entsteht jetzt: Die «Venus vor dem Spiegel». Sein unbestrittenes Hauptwerk ist aber «Las Meninas», das die königliche Familie abbildet. In einer Form, wie das bisher niemand wagte.

 

Die extremen Anstrengungen des inzwischen 60-jährigen Künstlers bleiben gesundheitlich nicht ohne Folge. Er zieht sich eine fiebrige Krankheit zu und stirbt am 6. August 1660. Er wird in der Nähe des Palastes in einer Pfarrkirche begraben, in der «Iglesia Parroquial de San Juan». 1809 wird diese Kirche abgerissen, es entsteht dort ein Platz. Velazquez' Gebeine sind seither verschollen. Dafür bekommt er ein Denkmal an prominenter Stelle vor dem Museo del Prado in Madrid.

 

 

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Velazquez-Denkmal vor dem Prado, Madrid.

 

 

 

>Museo del Prado, Madrid.

 

 

 

 

 

Titelbild (Ausschnitt)

Diego Velazquez (1599-1660).

The Toilet of Venus (The Rokeby Venus),
1647-51. National Gallery London.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Die Eierbraterin, 1618. Scottish National Gallery.

1618: Der Küchenmaler.

In Velazquez' Frühwerken spielen so genannte «Bodegones» die Hauptrolle – Szenen aus dem Alltagsleben. Wie die niederländischen und flämischen Künstler malt er diese in greifbar realistischem Stil. Man nennt diese Gemälde auch «Küchenwerke». In ihrer ausgeprägten Hell-dunkel-Malerei erinnern sie an Werke von Caravaggio.

 

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1620: Velazquez – das Portraitgenie.

Talent für die Portraitmalerei ist ihm scheinbar in die Wiege gelegt. Das kommt ihm später als Hofmaler bei König Felipe IV zugute. Aber schon in jungen Jahren zeigt er sein Können. Wie in diesem Beispiel eines unbekannten Mannes mit Spitzbart, das er als 21-jähriger malt. Museo del Prado, Madrid.

 

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Philip IV in Armor, 1628. Museo del Prado Madrid.

1623: Am Hof des jungen Königs Felipe IV.

Felipe erbt die Krone 1621 von seinem Vater Felipe III. Da ist er erst 16. Politisch zerreisst er keine Stricke, er ist er aber Kunstfan und beschäftigt bereits vier Hofmaler. Als sein Lieblingsmaler, Rodrigo de Villandrando, stirbt, ist das die Chance für Velazquez. Er wird an den Hof nach Madrid bestellt und bekommt sein Atelier. 1627 schreibt der König einen Wettbewerb unter seinen vier Malern aus: Velazquez gewinnt und geniesst fortan eine Vorzugsstellung im Palast.

 

Konkurrenz erhält Velazquez aber von ausserhalb des Hofes: Der Flame Peter Paul Rubens gewinnt das Vertrauen von König Felipe IV ebenso. Rubens darf nicht nur Porträts des Königs malen, er wird von Felipe IV auch mit diplomatischen Aufgaben betraut. >mehr

 

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Königin Isabel,
1632.
Kunsthistorisches Museum Wien.

 

1632: Königin Isabel, Felipes erste Gattin.

Eigentlich heisst sie Elisabeth de Bourbon und wird 1602 als Tochter des französischen Königs Henri IV in Fontainebleau geboren. Die Heirat mit dem spanischen König Felipe IV aus dem Hause Habsburg findet 1615 im Louvre in Paris statt. 1615 – da sind die beiden Vermählten noch Kinder: Elisabeth ist dreizehn, Felipe zehn Jahre jung.

 

Velazquez' Porträt von 1632 zeigt die Königin
im Alter von 30 Jahren.

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Prinz Baltasar Carlos zu Pferd, 1634-35. Museo del Prado Madrid.

 

1634: Prinz Baltasar Carlos.

Der einzige Sohn von Felipe IV und Isabel. Er wird 1629 geboren und wäre eigentlich zum Thronfolger bestimmt. Er stirbt aber mit 17 an Pocken – eine Tragödie für den Königshof und eine persönliche Katastrophe für den König, weil Baltasar Carlos der einzige männliche Nachkomme ist.

 

Velazquez malt eine ganze Serie von Porträts des Prinzen, die ihn als Kleinkind und als Teenager zeigen, auf der Jagd mit Hund und Gewehr, hoch zu Pferd und und.

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Krönung der Jungfrau, 1641. Prado, Madrid.

1641: Die Krönung der Jungfrau Maria.

Religiöse Werke schafft Velazquez' in dieser Zeit nur noch selten. Dieses hier wurde von Königin Isabel für den königlichen Alcazar in Madrid in Auftrag geben. Es strahlt eine aussergewöhnliche Natürlichkeit aus, obwohl barocke Elemente wie die Engel eingebaut sind. Aber die Hauptfiguren wirken nicht göttlich, sondern ausgesprochen realistisch und emotional. Jesus (links) und Gottvater setzen Maria die Krone auf, die Taube im Hintergrund verkörpert den heiligen Geist.

 

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The Toilet of Venus (The Rokeby Venus), 1648-51. National Gallery London.

1648-51: Venus vor dem Spiegel.

Auf seiner Italienreise 1648-1651 kommt Velazquez mit Tizians und Giorgiones Venus-Darstellungen in Kontakt. Er malt daraufhin seinen einzigen von ihm bekannten Akt. In Spanien dieser Epoche – es ist die Zeit der heiligen Inquisition – sind Akte verpönt und äusserst selten. In höfischen Kreisen sind sie allerdings beliebt. Diese Venus hängt bis 1813 in den spanischen Königshäusern. Dann kommt sie in den Rokeby Park, ein Landhaus in Yorkshire. 1906 wird sie von der >National Gallery erworben.

 

1914 wird das Gemälde durch die Frauenrechtlerin Mary Richardson in der National Gallery in London schwer beschädigt. Richardson schreibt: «I have tried to destroy the picture of the most beautiful woman in mythological history as a protest against the Government for destroying Mrs Pankhurst, who is the most beautiful character in modern history.» Emmeline Pankhurst hatte sich für das Frauenstimm- und Wahlrecht eingesetzt und wurde 1914 vor dem Buckingham Palast von der Polizei verhaftet, als sie König Georg V eine Petition überreichen wollte. Das Gemälde konnte erfolgreich restauriert werden.

 

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Papst Innozenz X, 1650. Galleria Doria Pamphilj, Rom.

1650: Papst Innozenz X.

Viele halten dieses Werk für das beste Papstbild aller Zeiten. Es zeigt den damals 75-jährigen Papst Innozenz X, der im Ruf stand, charakterfest und unbestechlich zu sein (was in jener Zeit eine Sensation war).

 

Velazquez gelingt mit diesem Bildnis eine treffliche Charakterdarstellung dieses Kirchenfürsten mit den wachsamen Augen. Der Künstler malt es während seiner Italienreise von 1648-1651 in Rom. «Troppo vero» (zu echt) , soll der Papst ausgerufen haben, als er das Bild zu ersten Mal sah. Zu sehen ist das Werk im >Palazzo Pamphilj in Rom.

 

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Las Meninas
oder Die Familie Felipe IV, 1656.
Museo del Prado
Madrid.

 

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Detail: Prinzessin Margarita.

1656: Las Meninas – Velazquez' Meisterwerk.

Sein berühmtestes Werk. Menina steht für «Edelfräulein». Es sollte die Königsfamilie abbilden – aber der Künstler nutzt es zur Selbstdarstellung. Seit er 1651 zum Palastmarschall ernannt wurde, sieht er sich als wichtige Figur am Hof. So bildet er sich auch ab: Der Meister thront über allen. Das Königspaar sieht man kaum, es kommt nur ganz klein an der Wand hinten in einem Spiegel vor.

 

Immerhin stellt Velazquez die niedliche 5-jährige Prinzessin Margarita in den Mittelpunkt. Links und rechts von ihr zwei Hofdamen.

 

Margaritas Mutter ist die zweite Gattin Felipes IV: Maria Anna von Habsburg. Die Heirat fand 1649 statt, fünf Jahre nach dem Tod der ersten Ehefrau, Isabel de Bourbon.

 

 

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Fotos / Diashow

 

   
   

 

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