Die «echte» Mona Lisa im Louvre...


Die Mona Lisa von >Leonardo da Vinci hängt im >Louvre in Paris und gilt als das berühmteste Gemälde der Welt.

 

Wer ist die geheimnisvoll lächelnde Frau? Wahrscheinlich ist es Lisa Gherardini, die Frau des Florentiner Kaufmanns Francesco del Giocondo. Deshalb nennt der Louvre das Bild «La Joconde» – für den Rest der Welt ist es die Mona Lisa.

 

 

 

Leonardo da Vinci (1452-1519).

La Joconde oder Mona Lisa, 1503-06.

77 × 53 cm. Öl auf Pappelholz.

Musée du Louvre, Paris (seit 1804).

 

 

Das geheimnisvollste Lächeln der Welt

 

 

Jahrhundertelang hängt die Mona Lisa in
Schlössern wie Fontainebleau und Versailles. Nach der Revolution von 1789 gelangt sie in den Louvre und ziert ein paar Jahre lang das Schlafzimmer Napoleons.

 

 

Mona Lisas Weg in den Louvre

 

 

Leonardo da Vinci malt das Bild zwischen 1503 und 1506 in Florenz. Im Auftrag des Seidenhändlers Francesco del Giocondo – für dessen Frau Lisa. Leonardo liefert es seinem Auftraggeber aber nie ab und behält es bis zu seinem Tod.

 

Kurz nach seinem Tod 1519 gelangt es in den Besitz des französischen Königs Franz I und gehört so fast 300 Jahre der französischen Krone. Die Mona Lisa hängt dann in Schlössern wie Amboise, Fontainebleau und Versailles. Nach der Französischen Revolution kommt das Bild 1793 in den Louvre, aber um 1800 holt sie Napoleon in seine privaten Gemächer im Tuilerien-Palast. Dort hängt sie vier Jahre lang in seinem Schlafzimmer. 1804 krönt sich Napoleon zum Kaiser – und bringt seine Mona Lisa wieder in den Louvre zurück. Seither ist sie dort permanent öffentlich ausgestellt und zieht jährlich Millionen von Besuchern an, die das «berühmteste Bild der Welt» sehen wollen.

 

 

Die Mona Lisa – gesichert hinter
Panzerglas in einer klimatisierten
Vitrine im Musée du Louvre in Paris.

 

 

>wie kam die Mona Lisa in den Louvre?

 

>mehr über den Louvre

 

 

 

 

 

 

 

...und die «Mona Lisa des Nordens»

 

Haben die beiden Gemälde überhaupt Gemeinsamkeiten? Nur wenige. Höchstens die, dass beides Auftragswerke sind, die nie zu ihren Auftraggebern gelangten, sondern im Besitz der Künstler blieben – bis zu deren Tod.

 

Die Biographien der beiden Gemälde könnten unterschiedlicher nicht sein. Leonardos Mona Lisa hatte ein königliches Leben. Sie wurde dreihundert Jahre lang von Königen verehrt und zierte französische Schlösser wie Fontainebleau und Versailles. Das hübsche Girl von Jan Vermeer dagegen war 200 Jahre lang verschollen und kam erst 1881 wieder an die Öffentlichkeit. Was verbindet die beiden Bilder also? Es ist ihr einzigartiger Liebreiz. Hier ein geheimnisvolles Lächeln, dort ein verführerischer Blick... Und beiden Gemälden ist gemein, dass sie heute die Highlights in ihren Museen sind.

 

 

 

Johannes Vermeer
(1632-1675). Girl with
a Pearl Earring, 1665.
Ausschnitt. Mauritshuis,
Den Haag.

 

Vermeers «Girl mit dem Perlen-Ohrring» ist das berühmteste und meist beachtete Bild im >Mauritshuis in Den Haag. Es wird heute als die niederländische Antwort auf die (noch) berühmtere Mona Lisa im Louvre bezeichnet: Als Mona Lisa des Nordens.

 

Natürlich stand da jemand Modell, aber wer das Mädchen war, ist bis heute unbekannt. War es vielleicht die Magd Griet – so wie sie im Roman von Tracy Chevalier «Das Mädchen mit dem Perlen-Ohrring» beschrieben wird? Der Roman wurde 2003 auch verfilmt.

 

Wer war der Auftraggeber?

 

Es gibt Hinweise darauf, dass das Bild für einen wohlhabenden Mäzen Vermeers entstanden sein könnte, vielleicht Pieter van Ruijven, Vermeers wichtigsten Gönner. Aber Belege dafür gibt es keine. Vermeer liefert das Bild nie ab, es bleibt in seinem Besitz bis zu seinem Tod 1675.

 

Heute geht man eher davon aus, dass es sich bei diesem Bild um ein Tronie handelt.

 

Was ist ein Tronie?

 

Man versteht darunter Kopf- oder Gesichts- studien, die keiner bestimmten Person zugeordnet werden. Der Ausdruck stammt aus den Niederlanden des 17. Jahrhunderts. In der Malerei bezeichnet es eine Studie von Physiognomie, Ausdruck, Haltung und Kostüm. Im Gegensatz zum Porträt steht nicht die Person oder deren Stellung in der Gesellschaft im Zentrum, sondern die Wirkung einer Figur. Tronies wurden als eigenständige Kunstwerke produziert und waren in den Niederlanden des >Golden Age weit verbreitet.

 

Johannes Vermeer
(1632-1675). Girl with
a Pearl Earring, 1665.
45 x 39 cm.
Öl auf Leinwand.

Mauritshuis, Den Haag
(seit 1903).

 

Ersteigert für
zwei Gulden und 30 Cents...

 

Rund 200 Jahre lang ist das Bild verschollen. Erst 1881 taucht das Gemälde an einer Auktion in Den Haag wieder auf. Niemand ahnt, dass es sich um einen echten Vermeer handelt. Ein Kunstsammler namens A.A. Tombe soll das Werk für zwei Gulden und 30 Cents ersteigert haben. Nach heutiger Kaufkraft vielleicht hundert Franken. In seinem Testament von 1902 vermacht Tombe das Bild dem Den Haager Museum >Mauritshuis.

 

Heute lässt sich der Wert dieses nur

45x39 cm kleinen Gemäldes gar nicht mehr bemessen. Es ist zum absoluten Tophit des Mauritshuis geworden und wird deshalb mit dem Ehrentitel «Mona Lisa des Nordens» beehrt.

 

 

Fantasie-Kopfbedeckung

 

Was hat es mit dem
Turban auf sich?

 

Turbane waren keine übliche Kopfbedeckung für Frauen und Mädchen in den Niederlanden des >Golden Age im 17. Jahrhundert. Die Kopfbedeckung des «Girls mit dem Perlen-Ohrring» ist vielmehr eine fantasievolle Ausstattung durch den Künstler. Damit verlieh Vermeer dem Mädchen einen exotischen, morgenländischen Touch. Der Turban war eine Hommage an das Interesse, das die Menschen im Golden Age allem entgegen brachten, was aus dem Morgenland kam. Die Türkenkriege waren gerade aktuell.

 

 

Ist der Ohrschmuck
eine Perle?

Ist der Ohrring
überhaupt eine Perle?

 

Nach einer in den Jahren 2018 bis 2020 gross angelegten wissenschaftlichen Untersuchung des Gemäldes im Labor des >Mauritshuis kamen Zweifel auf, ob der Ohrschmuck überhaupt eine Perle ist. Man kam zum Schluss, dass es sich wohl eher um eine optische Illusion handelt. Oder eleganter gesagt: um einen kühnen malerischen Trick. Zwei leuchtende Elemente sind so platziert, dass der Eindruck einer Perle entsteht.

 

Das leuchtende Objekt wurde etwas zu gross für eine Perle befunden, zudem fehlt auch der Haken für das Ohrgehänge. Was zeigt die Abbildung also? Einen Glasschmuck? Oder vielleicht doch eine Perle?

 

Die Untersuchung brachte auch noch an den Tag, dass der schwarze Hintergrund des Bildes ursprünglich ein grüner Vorhang war, dessen Farben inzwischen verblasst sind.

 

 

 

>wie kam das Bild ins Museum Mauritshuis?

 

>mehr über das Mauritshaus Den Haag

 

>mehr über Johannes Vermeer

 

 

 

 

Titelbild (Ausschnitt)

Jan Vermeer (1632-1675). Girl with a Pearl Earring, 1665.
Mauritshuis Den Haag.