Ausstellung Kunsthaus Zürich

vom 9.3. - 8.7.2018

 

Magritte, Dietrich, Rousseau
– und die visionäre Sachlichkeit.


Was ist eine visionäre Sachlichkeit? Vielleicht lässt sich das am Werk von Henri Rousseau «La promenade dans la forêt» erkennen: Da vermischt der Künstler durchaus sachliche Dinge mit seiner eigenen Vision. Der Wald ist (s)ein Fantasiegebilde; die elegant gekleidete Dame, die hier wie ein Fremdkörper wirkt, ebenso. Der Maler bildet zwar natürliche Dinge ab, aber diese sind seinem geistigen Auge entsprungen, seiner Vision. Oder vielleicht dem Traum.

 

 

rousseau

Henri Rousseau (1844-1910), La promenade
dans la forêt, 1886.

 

 

Die Moderne hat schon eine Menge neuer Stilrichtungen hervorgebracht. Und bringt laufend neue. Jetzt neue Sachlichkeit, visionäre Sachlichkeit. Wie soll man das abgrenzen? Vielleicht gar nicht. Eine schöne Definition finde ich diese: Es ist ein Versuch, die Abstraktion zu verhindern.

 

Die Ausstellung zeigt eine weitgefächerte Palette solcher Abbildungen von Mensch und Tier in einer Mischung von neuer und visionärer Sachlichkeit, von Symbolismus und Surrealismus. Es sind auch einige der ganz grossen Namen mit von der Partie: René Magritte, Salvador Dalì, Félix Vallotton.

Einige der Werke haben lange im Depot des Kunsthauses geschlummert und werden nun erstmals dem Publikum gezeigt. Eine interessante Ausstellung. Etwa 50 Werke von feiner Qualität.

 

 

plakat

Camille Bombois (1883-1970).
Selbstporträt, undatiert.

 

 

 

Titelbild: Félix Vallotton (1865-1925).

Le Bain au soir d'été, 1892.

Kunsthaus Zürich.

 

 

 

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dietrich

Seevögel, 1929.
 

Adolf Dietrich (1877-1957).

Geboren in Berlingen, Kanton Thurgau. Er wächst in ärmlichen Verhältnissen auf, bekommt nie eine akademische Ausbildung als Maler. Aber sein Zeichentalent reicht aus, um auch international anerkannt zu werden. Seinen Durchbruch schafft er 1937 an Ausstellungen in Paris, London und New York. Besonders faszinieren ihn Tiere. Diese malt er nie «plein air», sondern zuhause in der Wohnstube – nach Skizzen, die er bei seinen Ausflügen in die Natur anfertigt. Seine Tierabbildungen zeichnen sich durch äusserste Genauigkeit und Detailtreue aus. Er zählt zu den Vetretern der Neuen Sachlichkeit.

 

stoecklin

Bildnis seiner
Frau, 1930.

Niklaus Stoecklin (1896-1982).

Auch das ein Beispiel der «Neuen Sachlichkeit». Stoecklin wird in Basel geboren und lernt bei seinem Onkel das Handwerk des Kunstmalers. Bekannt wird er in Basel als Plakatgestalter und Laternenmaler für die Fasnacht. Für die Schweizer Post entwirft er Briefmarken. 1925 ist er der einzige Schweizer an der Ausstellung Neue Sachlichkeit in der Kunsthalle Mannheim. 1958 erhält er den Kunstpreis der Stadt Basel.

 

magritte

Les Grâces naturelles, 1964.

René Magritte (1898-1967).

Der bedeutendste Surrealist Belgiens. Ursprünglich malt er im Stil der Impressionisten, kommt dann aber 1927 in Paris mit den Surrealisten Joan Mirò, Hans Arp und André Breton in Kontakt. 1947 stellt er in New York aus und gewinnt 1956 den Guggenheim-Preis für Belgien. Sein Gemälde «Les Grâces naturelles» zeigt eine Landschaft mit Pflanzenblättern, die sich zu Tauben entwickeln und so den Weg in die Freiheit finden. >mehr über Magritte

 

bombois

Selbstportrait.

 

Camille Bombois (1883-1970).

Bombois Stil ist die «Naive Malerei». Als Sohn eines Binnenschiffers in der Bourgogne wächst er auf einem Schleppkahn auf. Mit 20 zieht er nach Paris und schlägt sich dort als Metroarbeiter durch. Er beginnt zu malen. 1922 werden seine naiven Landschaften, Jahrmarktszenen und Akte erstmals in Montmartre ausgestellt. 1955 ist er Teilnehmer an der ersten Documenta in Kassel.

 

vallotton

Le Bain au soir d'été, 1892. Kunsthaus
Zürich.

Félix Vallotton (1865-1925).

Visionäre Sachlichkeit oder Symbolismus? Darüber könnte man herrlich streiten. Unstrittig ist, dass Vallotton mit diesem Bild einen Skandal verursacht hat. Er zeigt es in Paris am Salon des Indépendents 1893 und entfacht einen Sturm: Einige der Damen, junge und ältere, glauben sich in diesem Bild in wenig vorteilhafter Pose zu erkennen. Für den Künstler ist das Werk ein Erfolg: Mit einem Schlag ist seine Karriere lanciert. >mehr über Félix Vallotton

 

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Fotos / Diashow Ausstellung

 

dali

Salvador Dalì (1904-1989)
Femme à tête de roses, 1935.

 

 

argus-artis

Inserat des Kunsthauses
Zürich im
Argus Artis,
1969.

 

 

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Das Geheimnis des geklauten Dalì.


«Femme à tête de roses» heisst dieses Gemälde Salvador Dalìs von 1935. Was die Besucher der Ausstellung auch noch über dieses Werk erfahren:
Es gehört seit 1957 dem Kunsthaus Zürich.

Aber was sie nicht wissen: Die «Frau mit Rosenhaupt» wurde im November 1968 aus dem Kunsthaus Zürich gestohlen.

 

Warum weiss das der Schreiber dieser Zeilen?
Weil er damals eine Zeitschrift herausgab, die sich ARGUS ARTIS nannte. Es war ein «Internationales Such- und Fahndungsblatt für Kunstgegenstände». Das Kunsthaus Zürich gab nach dem Diebstahl folgendes Inserat auf:

 

Gemälde von Salvador Dali (geb. 1904),
«Femme à tête de roses», 1935. Oel auf Holz,
35 x 27 cm, Wert sFr. 90'000.--. Aus dem Rahmen gebrochen, splitterte das Bild oben links ab. Grösse des Bildsplitters im Rahmen: ca. 5 mm breit, 7 mm lang. Gestohlen am 10. November 1968 im Kunsthaus in Zürich (Schweiz). Belohnung für Beibringung sFr. 10'000.--.

 

Ob das Inserat gewirkt hat? Jedenfalls hängt das Kunstwerk jetzt wieder im Kunsthaus. Und wie kam der Dalì wieder zurück? Das bleibt sein Geheimnis. Auf unsere Anfrage teilt der Sammlungskonservator mit, dass «das Kunsthaus Zürich über solche Fragen grundsätzlich keine Auskunft erteilt». Schade.

 

 

 

 

 

 

   
   

 

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