Joan Miró (1893-1983).


Zeichnen will er schon als Kleinkind, aber sein Vater hat dafür kein Verständnis. Joan soll vielmehr eines Tages das Goldschmiedegeschäft übernehmen, das die Familie in Barcelona betreibt. Eine kaufmännische Ausbildung ist angesagt. Und so arbeitet der 17-jährige zunächst als Buchhalter. Dann hat er einen Nervenzusammenbruch und erkrankt an Typhus. Sein Vater schickt ihn zur Erholung auf den neu erworbenen «Bauernhof» der Familie in Mont-roig. Und gibt seinen Widerstand auf. Joan darf sich endlich an einer privaten Kunstschule einzuschreiben.

 

1914 – nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges – muss er ins Militär, aber der Vater kauft ihn vom Dienst teilweise frei. 1915 richtet er sich in Barcelona sein erstes Atelier ein. Francis >Picabia führt ihn 1917 in die Welt des Dadaismus ein. 1918 bekommt Miró seine erste Einzelausstellung, an der er (noch) Landschaftsbilder und Stillleben präsentiert.

 

1924 dann die Wende. Miró fasst den Entschluss, sich von «den alten Bildkonventionen» zu lösen. Er schliesst sich der Gruppe der Surrealisten um André Breton und Louis Aragon an. 1927 zieht er nach Montmartre und kommt mit Max >Ernst, Hans Arp und René >Magritte in Kontakt. Später auch mit Salvador >Dalí. Dieser schliesst sich – auf Anraten von Miró – 1929 auch den Pariser Surrealisten an.

 

Mit Generalissimo Franco und dem Spanischen Bürgerkrieg will Miró nichts zu tun haben. Er lebt nun ab 1936 fix in Paris und stellt mit Dalí, Picasso, Giacometti, Ernst & Co an der «Exposition Surréaliste d'Objets» aus. Im gleichen Jahr sind Werke von ihm im Museum of Modern Art New York an der Ausstellung «Fantastic Art, Dada, Surrealism» zu sehen.

 

Nach der Besetzung Frankreichs durch die Deutschen im Zweiten Weltkrieg kehrt Miró 1940 nach Spanien zurück. Zuerst nach Mallorca, dann in seine Heimatstadt Barcelona. Hier beginnt er mit Keramikarbeiten. Nach dem Krieg arbeitet er kurz in den USA und stellt dann 1948 seine Keramikskulpturen in der Galerie Maeght in Paris aus.

 

1956 verlegt er seinen Wohnsitz definitiv nach Cala Major, in die Nähe von Palma de Mallorca. Es entstehen Skulpturen und Wandbilder, darunter die berühmte Mondwand für das UNESCO-Gebäude in Paris, später auch Wandbilder für die Weltausstellung in Osaka und für den Flughafen Barcelona.

 

 

miro_foto

Joan Miró um 1975.

 

 

1970 initiiert er seine Stiftung in Barcelona, die 1975 als «Fundació Joan Miró» eröffnet werden kann. Eine zweite Miró-Stiftung wird 1981 auf Mallorca gegründet, – die «Fundació Pilar i Joan Miró». Mit dieser will der Künstler verhindern, dass «eines Tages an dieser Stelle irgend einer dieser schrecklichen Wolkenkratzer gebaut wird».

 

Zu seinem 90. Geburtstag wird er weltweit gefeiert. Barcelona widmet ihm 1983 eine «Ehrenwoche», in der seine Monumentalskulptur «Frau und Vogel» offiziell eingeweiht wird. All diese Feierlichkeiten darf Miró noch erleben. Er stirbt am Weihnachtstag 1983 in Palma de Mallorca und wird auf dem Friedhof von Montjuic in Barcelona beigesetzt.

 

 

 

 

 

Titelbild

Joan Miró (1893-1983).
Figuren, Vögel, 1976.
Sammlung Nahmad.
Ausschnitt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

der_bauernhof

Der Bauernhof,
1921-22. National Gallery of Art, Washington.

 

 

mont-roig

Der «Bauernhof» der Familie Miró.
Foto E.J. Wiki-Commons.

 

1921: Der «Bauernhof» in Mont-roig.

Ein Frühwerk. Noch deutet nichts darauf hin, dass Miró dereinst ein fantasievoller und weltberühmter Surrealist werden sollte. Dieses Werk hat seine Wurzeln in der katalanischen Volksmalkunst. Mit einem Touch von Abstraktion. Das Gemälde bildet das Zweithaus von Mirós Eltern in Mont-roig del Camp ab – im Hinterland von Tarragona. Sie nennen es liebevoll «Bauernhof». Wie dieser wirklich aussah, zeigt die reale Fotografie.

 

Das Werk wird 1921 in einer Miró-Ausstellung in Paris präsentiert, in der Galerie La Licorne.

Die Ausstellung ist aber ein Flop, es werden nur wenige Bilder verkauft. Immerhin: Kein Geringerer als Ernest Hemingway kauft das Gemälde «Der Bauernhof». Es heisst, der brühmte Schriftsteller sei so klamm gewesen, dass er sich dafür Geld leihen musste.

hombre_con_pipa

Pintura (Hombre con pipa), 1925. Museo Reina Sofia, Madrid.

 

1925: Der Mann mit Pfeife.

1924 entscheidet sich Miró, «den alten Bildkompositionen» Adieu zu sagen. Seine Kontakte zu den Surrealisten um André Breton tragen Früchte, wie dieses Werk von 1925 zeigt. Der «Hombre con Pipa» trägt noch ein paar restliche, erkennbare «halb-realistische» Elemente: Das Männchen, das Gesicht und sogar die Pfeife sind erkennbar. Später wird das in seinen Werken immer weniger der Fall sein.

escargot

Escargot, femme, fleur, étoile,1934. Museo Reina Sofia, Madrid.

 

 

1934: Escargot, femme, fleur, étoile.

Das «Suchspiel», das Miró mit den Betrachtern seiner Werke spielt, kann beginnen. Okay, die Frau findet sich relativ leicht. Aber wo ist die Schnecke? Welches Gebilde könnte die Blume sein? Und ist die Figur oben links wirklich der Stern? Es ist letztlich egal. Aber das Suchen und Betrachten kommt beim Publikum gut an, bis heute. Weil sich das Auge daran erfreuen kann.

plakat

Aidez l'Espagne, 1937. Museo Reina Sofia, Madrid.

1937: Plakat gegen den Faschismus.

Miró ist kein Freund des Faschisten Francisco Franco. Mit Beginn des Bürgerkrieges verlässt er Spanien und zieht nach Paris. Von dort aus unterstützt er die Republikaner – immerhin mit Kunst. Er entwirft das Plakat «Aidez l'Espagne». Davon werden Siebdrucke erstellt, die zu 1 Franc verkauft werden. Der Erlös geht an die spanische republikanische Regierung. Es ist zu wenig, wie man heute weiss. Franco und seine Faschisten setzen sich durch.

pudernde_frau

Frau sich pudernd, 1949. Samml. Nahmad. Ausstellung 2016 Kunsthaus Zürich.

 

1949: Frau, sich pudernd.

Zu gerne würde man den Künstler fragen, welche Gedanken hinter diesem Bild stehen. Soll es eine Parodie auf die Kosmetiksucht der Frau sein? Oder ist es eine neue Art von Collage: Ölfarbe und Puder? Die Figuren könnten einer Kinderzeichnung entstammen. Jedenfalls lassen sie den Betrachter schmunzeln.

unesco

Mondwand, 1957. Fondation Maeght, Saint-Paul-de-Vence.

 

1957: Wand für das UNESCO-Gebäude.

Von der UNESCO erhält Miró den Prestigeauftrag für zwei grossflächige Wandreliefs in der Pariser Zentrale: Eine «Mondwand» und eine «Sonnenwand». Der Original-Entwurf für die Mondwand existiert noch. Er wurde an einer Miró-Ausstellung im Kunsthaus Zürich 2016 gezeigt. Für die beiden Wandreliefs wurde der Künstler 1958 mit dem «Internationalen Guggenheim-Award» ausgezeichnet.

 

E.T.

Personnage, 1970. Kendall Sculpture Garden, Purchase, NY. Foto D. Gabay, WikiCommons.

 

1970: E.T. in New York?

Der «Donald Kendall Sculpture Garden» liegt auf dem Gelände der Headquarters von Pepsi Cola. In Purchase, etwa 30 Meilen nördlich von New York City. Und wer ist Donald Kendall? Er war Chairman bei Pepsi Cola und CEO von 1971 bis 1986.

 

Die «Kendall Gardens» umfassen 45 Skulpturen berühmter Bildhauer wie Auguste Rodin, Henry Moore, Henri Laurens, Alexander Calder, Alberto Giacometti und weiteren.

 

Auch von Joan Miró ist ein Werk dabei: «Personnage» aus dem Jahr 1970. Ob die lustige Figur Steven Spielberg bei seinem Film E.T. als Vorlage gedient hat? Wer weiss.

 

Dona i Ocell

Dona i Ocell (Frau mit Vogel), 1982. Foto Slastic, WikiCommons.

1982: Dona i Ocell (Frau und Vogel).

Den Auftrag für die Ausführung dieser Monumentalskulptur erhält Miró zwei Jahre vor seinem Tod von seiner Geburtsstadt Barcelona. Er fertigt sie als 89-Jähriger.

 

Seinen 90. Geburtstag (28. April 1983), feiert die Stadt Barcelona mit einer «Ehrenwoche». In deren Verlauf wird die 22 Meter hohe Skulptur auf der Plaça de l'Escorxador offiziell eingeweiht.

more

 

Fotos / Diashow

 

   
   

 

titel_miro
dona i ocell
ET
mondwand
frau_sich_pudernd
plakat
escargot
hombre_con_pipa
bauernhof_foto
bauernhof