Ausstellung «Ikonen – ausgewählte Werke
der Sammlung», Kunsthaus Zürich
vom 11.9.26 bis 10.1.2027

 

 

Ikonen der Sammlung –
kompakt präsentiert

 

Was ist eine Ikone? Im ursprünglichen Sinn ein sakrales Werk, das Heilige abbildet. Die Ikonen im Kunsthaus Zürich dagegen sind Kunstwerke, die für diese Ausstellung speziell ausgewählt wurden. Weil sie zum Kunsthaus gehören, und das in doppeltem Sinn: Erstens sind es Highlights der Sammlung und zweitens sind alle im Besitz des Kunsthauses oder der Zürcher Vereinigung der Kunstfreunde.

 

 

Ausstellungsplakat

 

 

Zu sehen sind Highlights, die zwischen 1622 und 1998 enstanden sind. Kunstwerke aus vier Jahrhunderten, erschaffen von grossen Künstlern. Von Anker bis Warhol und von Alberto Giacometti bis Vincent van Gogh. Eine kompakte Zusammenstellung als Spiegel der Sammlung.

 

Einige der Werke sind mit Kommentaren
von bekannten und weniger bekannten Zürcher:innen versehen, die das Kunstwerk aus ihrer persönlichen Perspektive beschreiben.

 

 

 

Ernst Ludwig Kirchner (1880-1938).
Sertigtal, 1922. Kunsthaus Zürich.

 

 

Piet Mondrian (1872-1944). Composition
No 5 (with Blue, Yellow and Red), 1938-42.
Kunsthaus Zürich.

 

 

Max Beckmann (1884-1950). Zwei
Schauspielerinnen bei der Garderobe, 1946.
Kunsthaus Zürich.

 

 

Giorgio de Chirico (1888-1978). Le muse
inquietanti, 1918. Kunsthaus Zürich.

 


 

 

 

 

 

Titel (Ausschnitt)

Claude Monet (1840-1926).
Le Bassin aux nymphéas avec
iris, 1914-22. Kunsthaus Zürich.

 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Albert Anker (1831-1910). Die Dorfschule von 1848, 1895-96. Kunsthaus Zürich.

 

 

Albert Anker (1831-1910)

 

In diesem berühmten Gemälde zeigt Albert Anker, wie es in einer ländlichen Dorfschule von 1848 ausgesehen haben mag. Bei genauer Betrachtung ist es ein eher zeitgemässes Geschehen: Obwohl damals der Lehrer – vermeintlich – eine Autorität war, benehmen sich die Schüler:innen nicht viel anders als heute: nur wenige sind bei der Sache, die meisten sind mit sich selbst beschäftigt. Auch wenn es damals noch keine Handys gab.

 

 

Arnold Böcklin (1827-1901). Der heilige Antonius predigt den Fischen, 1892. Kunsthaus Zürich.

 

 

Arnold Böcklin (1827-1901)


Der Heilige Antonius von Padua (1195-1231) war ein grosser Redner. Aber selbst ihm hörten nicht alle aufmerksam zu, als er einmal in Rimini predigte. Also wandte er sich an die Fische. Der Legende zufolge sollen ihm diese so andächtig gefolgt sein – wie einst die Vögel dem heiligen >Franz von Assisi zugehört hatten.

 

Böcklin lässt in seinem Gemälde sogar den Hai die Flossen zum Gebet falten. Da der Künstler aber auch wusste, wie die Dinge in der Welt laufen, malte er im unteren Teil dann die weltliche Realität: Nach der Predigt folgt wieder das «grosse Fressen». 

 

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Auguste Rodin (1840-1917). Jean d'Aire (étude de nu pour le Bourgeois de Calais), 1887. Kunsthaus Zürich.

 

 

Auguste Rodin (1840-1917).
Le Monument des Bourgeois de Calais, 1889. Musée Rodin Paris.
 

 

Auguste Rodin (1840-1917)

 

Der nackte Jean d'Aire – ein Juwel im Kunsthaus Zürich. Diese Bronzestudie fertigte Rodin für seine berühmte Bürgergruppe von Calais. Allerdings sind alle Figuren der Gruppe bekleidet. Wie kommt das? Weil Auguste Rodin die Figuren zunächst nackt modellierte, um Körperhaltung, anatomische Spannung und seelische Verfassung unabhängig von Kostüm und historischer Ausstattung zu erfassen.

 

Das Gruppendenkmal erinnert an die Belagerung von Calais 1346/47: Sechs führende Bürger hatten sich bereit erklärt, sich dem englischen König Eduard III auszuliefern, um ihre Stadt zu retten. Sie sollten barfuss, im Büsserhemd und mit Stricken um den Hals erscheinen. Das Monument wurde 1892 in Calais enthüllt. Ein Bronzeguss steht auch im Musée Rodin in Paris.

 

Jean d’Aire gehört in Rodins Gruppe zu den besonders entschlossen wirkenden Gestalten, was besonders in der Akt-Fassung zur Geltung kommt. Die mächtige Bronzestatue im Kunsthaus ist eine Dauerleihgabe des Kantons Zürich seit 1949.

 

Exklusiv ist die Akt-Statue aber nicht: Bronzegüsse des nackten Jean d'Aire gibt es auch noch im Birmingham Museum of Art, Alabama; im North Carolina Museum of Art, Raleigh; im Musée Rodin in Paris und im Museum of Fine Arts, Calais. Die originale Gipsfassung ist im Besitz des >Musée Rodin.


 

Pablo Picasso (1881-1973).
Grand nu, 1964. Kunsthaus Zürich.

 

 

 

Pablo Picasso (1881-1973)

 

Ein Spätwerk des Jahrhundertkünstlers. 1964 war Picasso bereits 82 Jahre alt und arbeitete zurückgezogen in Südfrankreich. In seinem späten Werk kehrte er mit besonderer Intensität zu seinen Lieblingsthemen zurück: weibliche Akte und «Der Maler und sein Modell». Das Werk wurde 1969 über die Luzerner Galerie >Rosengart erworben. Seine Provenienz führt direkt von Picasso über die Luzerner Galerie zum Kunsthaus.

 

 

Paulus Moreelse (1571-1638). Eine Schäferin, 1622. Kunsthaus Zürich.

 

Paulus Moreelse (1571-1638)

 

«Eine Schäferin» ist das älteste Werk in der Ausstellung, geschaffen 1622. Der Zürcher Kunsthändler und Sammler David M. Koetser (1908-1992) erwarb das Bild 1981 an einer Auktion bei Sotheby in Amsterdam, überführte es in die Stiftung Betty und David Koetser und überliess es dann dem Kunsthaus Zürich als Leihgabe.

 

David Koetser stammt aus Amsterdam. Schon sein Vater war im Kunsthandel tätig und eröffnete dort noch vor 1914 eine Galerie.

Die Betty und David Koetser-Stiftung wurde 1975 errichtet. Zunächst ermöglichte sie jährlich den Ankauf eines Gemäldes Alter Meister zugunsten des Kunsthauses. 1986 brachte das Ehepaar den grössten Teil seiner Sammlung in die Stiftung ein. Sie umfasst rund 70 Gemälde, vor allem der niederländischen Malerei sowie des italienischen Barocks und des venezianischen Settecento.

 

 

Rudolf Koller
(1828-1905). Die Gotthardpost, 1873. Kunsthaus Zürich.

 

Rudolf Koller (1828-1905)

 

Eine echte Ikone im Kunsthaus! Das Gemälde entstand als Auftragswerk der Schweizerischen Nordostbahn und war als Abschiedsgeschenk für Alfred Escher bestimmt, der sich dem Bau und der Finanzierung der Gotthardbahn widmete. Der Gag des Bildes: Koller malte die Pferdepost auf der Passstrasse, doch sein Auftraggeber verkörperte die Moderne der Eisenbahn, welche die Postkutsche am Gotthard bald verdrängen sollte. Ein Schlüsselbild der Schweizer Malerei.

 

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Vincent van Gogh (1853-1890). Bauer und Bäuerin beim Kartoffelsetzen, 1885. Kunsthaus Zürich.

 

Vincent van Gogh (1853-1890)

 

«Bauer und Bäuerin beim Kartoffelsetzen» entstand 1885.

Also in einer Zeit, als Vincent van Gogh noch im niederländischen Nuenen (Brabant) arbeitete. In dieser Phase befasste er sich besonders intensiv mit bäuerlichen Sujets. Dabei war er inspiriert von Jean-François Millet (1814-1875), der als Erster das Bauernleben nicht als Idylle malte, sondern die harte und schwere Landarbeit und die Würde der Bauern abbildete.

 

Die gedämpften Farben passen zu Van Goghs niederländischer Frühphase. Sie steht in deutlichem Kontrast zu den lichterfüllten, farbintensiven Bildern, die der Künstler ab 1886 in Paris und vor allem in Südfrankreich in Arles malte.

 

 

Marc Chagall
(1887-1985). Les Amoureux en gris, 1956-60. Kunsthaus Zürich.

 

Marc Chagall (1887-1985)

 

Ein schwebendes Liebespaar, ein roter Mond, ein Blumenstrauss, Palme, Vogel, Kerzen... wahrscheinlich das liebreizendste Gemälde in der Sammlung des Kunsthauses. Marc Chagall schuf es zwischen 1956 und 1960.

 

Ins Kunsthaus kam es als Geschenk von Vava Chagall. Valentina Chagall (1905–1993) war die zweite Ehefrau von Marc Chagall. Die beiden heirateten 1952 und lebten bis zu Chagalls Tod 1985 in Südfrankreich, vor allem in Saint-Paul-de-Vence. Nach seinem Tod erbte Vava Chagall einen wesentlichen Teil seines künstlerischen Nachlasses. Sie war auch direkt an der Stiftung beteiligt, aus der das >Musée Marc Chagall Nizza hervorging.

 

 

Paul Gauguin (1848-1903).
La Barrière, 1889. Kunsthaus Zürich.

 

Paul Gauguin (1848-1903)

 

«La Barrière» ist ein Legat des Sammlerpaars Hilde und Alfred Hausammann und kam 1981 ins Kunsthaus. Das Bild zeigt nicht eine gewöhnliche bretonische Alltagsszene, sondern eine symbolisch aufgeladene Bildwelt. So bildet das Tor eine Art Grenze zwischen dem Betrachter und der weit entfernten Welt der Schweinehirtin. Das Werk stammt aus dem Umfeld der Schule von Pont-Aven. In der Bretagne entstand auch Gauguins «neuer Stil», der Cloisonismus: grosse Farbflächen werden von deutlich erkennbaren Konturlinien umschlossen.

 

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Johann Heinrich Füssli (1741-1825). Titania liebkost Zettel mit dem Eselskopf,
1793-1794.
Kunsthaus Zürich.

 

 

Johann Heinrich Füssli (1741-1825)

 

Nicht nur das Gemälde, auch der Autor selbst ist eine Ikone.
Eine Zürcher Ikone. Er wächst in Zürich auf, sein Vater ist der berühmte Schriftsteller Johan Caspar Füssli (1707-1782). Dieser möchte, dass sein Sohn Theologie studiert, obwohl er lieber Maler würde. Schliesslich wird er doch evangelischer Pfarrer. In dieser Funktion legt er sich mit einem Landvogt an und muss aus dem Land fliehen. In London malt er sich zu Ruhm. Man nennt ihn dort «The wild Swiss», er selbst nennt sich Henry Fuseli.

1788 wird er in die Royal Academy aufgenommen.

 

«Titania liebkost Zettel mit dem Eselskopf» von 1793-94 ist ein Thema aus der Komödie «Ein Sommernachtstraum» von William Shakespeare, uraufgeführt 1598.

 

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