Kunst über Mittag
2019

 


So heisst der Kurs, der von der Migros Klubschule angeboten wird. Eine interessante Formel! Einmal pro Woche trifft man sich über Mittag zwischen zwölf und ein Uhr im Kunsthaus Zürich, und wechselnde Referenten erläutern den Teilnehmern die Finessen eines einzelnen Werkes.

 

daniel_naef

 

Der Kurs findet zweimal jährlich während 12 Wochen statt, März bis Juni und Sepember bis Dezember.

Hier das «Protokoll» der besprochenen Werke in Kurzform.

 

 

 

 

 

 

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mondrian_naef

 

 

mondrian

Tableau No 1,
1925. Kunsthaus
Zürich.

 

mondrian_kubismus

Piet Mondrian.
Paysage avec
arbres, 1912, kubistisch.
Gemeente-Mu-
seum, Den Haag.

4. Juni 2019, Referent Daniel Näf

Piet Mondrian (1872-1944).
Tableau No. 1, 1925.

 

Der in den Niederlanden geborene Künstler ist weltberühmt für seine abstrakte Malerei und insbesondere für seine Werke im Stil des Konstruktivismus (auch >Konkrete Kunst), zu dem das vorgestellte Werk gehört. Mit solchen geometrischen Bildern begann Mondrian allerdings erst im Alter von fast 50 Jahren. Vorher malte er impressionistisch und im Stil der Kubisten.

 

Geometrisch geprägte Werke von Mondrian sind in fast allen Museen zu sehen. Die meisten bestehen aus den Grundfarben Blau, Rot, Gelb und sind rechteckig. Das vorgestellte Bild ist zwar auch rechteckig, aber es ist um 45 Grad gekippt. Der Inhalt ist allerdings in der herkömmlichen Art aufgebaut: Eine Horizontale (die für die Landschaft oder die Erde steht) und eine Vertikale, die normalerweise den Menschen verkörpert. Mondrians Werke sind selten symmetrisch, aber immer ausgewogen. Warum kommt das Tableau No. 1 gekippt daher? Es könnte ein Experiment sein und/oder beeinflusst von >Theo van Doesburg, der oft solche gekippten Werke erstellte. Über gekippte Darstellungen sollen sich die zwei Künstler öfter gestritten haben: Mondrian blieb beim Inhalt immer auf der Schiene horizontal/vertikal, während van Doesburg die geometrischen Formen auch manchmal innerhalb des Bildes um 45 Grad drehte.

 

Piet Mondrian und der etwas jüngere Theo van Doesburg (1883-1931) haben 1917 die niederländische Gruppe von Malern, Architekten und Designern unter dem Namen «De Stijl» gegründet. Ein weiteres Gründungsmitglied war Georges Vantongerloo.

vollmond

Vollmond, 2008.

 

 

first car

My First Car, 2001.

 

 

first car hoch

Eine Lampe projiziert die Weltkugel an die Leinwand.

28. Mai 2019, Referentin Martina Kaufmann

Zilla Leutenegger (1968).
Videoinstallationen Vollmond, 2008, und My First Car, 2001.

 

Die vorgestellten Werke der 1968 in Zürich geborenen Künstlerin werden im Rahmen der Ausstellung im Kunsthaus Zürich >Fly me to the moon
(bis 30.6.19) gezeigt. Es sollen nach ihren Worten «Fenster sein, die sich manchmal öffnen, um andere in ihre romantische Welt hineinschauen zu lassen». Im ersten Thema ist es der Vollmond, der in ihr Kinderzimmer scheint. Scherenschnittartig erscheint dabei eine sich bewegende Frau im Fenster, die vielleicht in Zillas Traumwelt gehört.

 

Zilla Leutenegger sagt, dass sie Aussagen wie «Kunst kommt von Können» gerne unterlaufen möchte. In ihren Installationen kommt das Können aber durchaus vor: Beim «Vollmond» ist es die sehr professionell wirkende Projektion der Frau, die von zwei Lichtquellen gesteuert ist. Und bei «My First Car» fährt ihr Traumauto in Endlosschleife durch eine virtuelle Wüste – dass es sich um eine Mondwüste handeln muss, erkennt man am Planeten Erde im schwarzen All. Die irdisch brummende Limousine mit Verbrennungsmotor nimmt – ziemlich raffiniert – nie den selben Weg um die Mondfelsen. Gekonnt gemacht und amüsant.

 

Zilla Leutenegger absolvierte in Chur die Handelsschule und studierte 1995 bis 1999 an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Zürich. Sie hatte Galerieausstellungen in der Schweiz, New York und Berlin und beteiligte sich an mehreren internationalen Gruppenausstellungen. 2006 bekam sie eine Einzelausstellung in Saarbrücken. Von der Stadt Zürich erhielt sie Stipendien für bildende Kunst. 2004 bekam sie den Manor Kunstpreis Chur und 2005 den Eidgenössischen Preis für Kunst. Zilla Leutenegger lebt und arbeitet in Zürich.

mirogarten

«Le chant des
voyelles» im
Mirò-Garten des Kunsthauses Zürich. 2020 dürfte sie in den Kunstgarten des Neuen Kunsthauses verlegt werden.

 

 

lipchitz

Typisch Lipchitz: Skulptur mit Durchblick und mit groben, improvisierten Oberflächen.

21. Mai 2019, Referentin Maya Karacsony

Jacques Lipchitz (1891-1973).
Le chant des voyelles, 1932. Bronze.

 

Die im Mirò-Garten des Kunsthauses Zürich platzierte Skulptur ist eine Schenkung der Schweizer Künstlerin und Kunstsammlerin Hélène de Mandrot (1867-1948). Sie hatte sich 1929 in Le Pradet (Südfrankreich, Nähe Toulon) von Le Corbusier ein Sommerhaus bauen lassen. Für ihren Garten kaufte sie «Le chant des voyelles» von Lipchitz. Voyelle steht für Vokal. Was es mit «Vokalen» auf sich hat, und was die Bronzeskulptur genau darstellt, bleibt im Dunkeln. Ist es ein Vogel? Ein Engel?

 

1948 schenkte Hélène de Mandrot die Skulptur dem Zürcher Kunsthaus. Die Bronze existiert in mehreren Güssen, in Zürich steht der Erste. Die weiteren drei, vier Ausführungen für die USA und für Frankreich bekamen einen Sockel, den der Künstler selbst entworfen hat. Ein Grund dafür könnte sein: Die «Zürcher» Skulptur stand einst im Garten von Hélène de Mandrot auf einer hohen Säule. Vielleicht hat das dem Künstler nicht gefallen, sodass er für die weiteren Bronzen seine eigenen Sockel baute und diese direkt ins Werk integrierte.

 

Lipchitz wurde 1891 in Russland geboren, auf dem heutigen Gebiet von Littauen. 1909 zog er nach Paris und studierte an der Ecole supérieure des beaux-arts. Beeindruckt war er von >Auguste Rodin, der auch eher Modellierer als Bildhauer war und lieber Bronzen herstellte – wie Lipchitz auch. Lipchitz hatte auch Kontakt zu den >Kubisten Braque, Gris und Picasso. Deren Stil floss eine zeitlang in Lipchitz' Arbeiten ein. Eines der Charakteristiken seiner Werke ist die offene Form: man kann durch sie hindurch blicken. Die Oberflächen seiner Werke sind meist grob und improvisiert. Ab 1925 entfernte er sich vom Kubismus und schuf mehr organische, runde Werke. Lipchitz sah sich nicht als Vertreter der abstrakten Kunst. 1941 musste er aus Frankreich fliehen, er zog nach New York. 1960 wurde er in die American Academy of Arts and Sciences gewählt. Er starb 1973 auf Capri und wurde in Jerusalem beerdigt.

 

napoletano

 

sebastiano

San Sebastiano.

 

napoletano

Johannes der Täufer.

 

14. Mai 2019, Referentin Andrea Sterczer

Francesco Napoletano (1460/70-1501).
Madonna in trono con San Giovanni Battista e Sebastiano, 1490-95.

 

Der in Neapel geborene Künstler ist kein berühmter Maler, man kennt nicht einmal sein Geburtsjahr. Er war auch in Venedig und in Mailand tätig und soll ein Schüler von Leonardo da Vinci gewesen sein. Zweifel sind angebracht. Eine Ähnlichkeit mit Leonardos Stil ist allenfalls in der Figur des San Sebastiano zu erkennen, die ziemlich feminin geraten ist. Dabei war Sebastian ein Hauptmann in der Prätorianergarde unter Kaiser Diokletian. In Gemälden wird er oft nackt mit Pfeilen im Körper abgebildet. Hintergrund: Um etwa 288 n.Chr. hatte er sich zum Christentum bekannt und wurde deshalb vom Kaiser zum Tode verurteilt. Die von Bogenschützen abgefeuerten Pfeile töteten ihn aber nicht. Die Heilige Irene pflegte ihn gesund. Sebastian kehrte zu seiner Truppe zurück und bekannte sich erneut zum Christentum. Daraufhin gab Diokletian den Befehl, ihn mit Keulen zu erschlagen. Die Christen beerdigten ihn in den Katakomben von Rom. Über seinem Grab wurde die Kirche San Sebastiano fuori le mura errichtet. Seit dem 4. Jahrhundert wird er als Märtyrer und Heiliger verehrt.

 

Am linken Bildrand ist Johannes der Täufer zu erkennen, typisch mit Stab und felligem Umhang. Oft wird er auch zusammen mit einem Schaf abgebildet. Geboren ist er zur gleichen Zeit wie Jesus, das Jahr ist unbekannt. Er war ein Bussprediger, der ein asketisches Leben geführt und sich viel in der Wüste aufgehalten hat. Um etwa 30 n.Chr. begann er zu predigen und zu taufen, er taufte auch Jesus. Kurz danach wurde er eingekerkert, weil er Herodes Antipas dafür kritisiert hatte, dass dieser die Frau seines Bruders geheiratet hatte. Herodes Tochter Salome forderte dann – angestiftet von ihrer Mutter – den Kopf Johannes' als Belohnung für eine Tanzvorführung. Johannes wurde geköpft, sein Haupt Salome auf einem Tablett überbracht. Johannes wird als Prophet und als Heiliger verehrt. >mehr über Johannes und Salome

 

Napoletanos Gemälde ist «gut, aber nicht so gut» (Andrea Sterczer). Es enthält einige Schwachstellen wie falsche Proportionen und unstimmige Perspektiven. Zudem ist der Aufbau sehr eng und mit zu vielen Details überladen.

falaise-dieppe

La Falaise à Dieppe, 1882.

 

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parlament

Parlament von London, 1904.

 

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7. Mai 2019, Referent Reto Bonifazi

Claude Monet (1840-1926).
La Falaise à Dieppe, 1862; Parlament London, 1904.

 

Es geht um die Frage, woran der Impressionismus zu erkennen ist, und wann es sich bei Monets Werken um Impressionismus handelt. Vier Gemälde werden besprochen. Zwei davon (Chaumière normande, 1885; und La Meule au soleil, 1891) wurden schon in «Kunst über Mittag» im November 2016 behandelt. >mehr

 

Die «Falaise à Dieppe» ist ein Spezialfall. Es handelt sich um ein teilweise impressionistisches Gemälde. Einige Stellen sind typisch «plein-air» (mit schnellen, groben Strichen), andere aber sehr detailliert ausgeführt. Das hängt damit zusammen, dass das Gemälde nicht wie sonst üblich in einer Stunde vor Ort fertig gestellt wurde, sondern dass der Künstler mehrere Tage daran gearbeitet hat. Gut kommt das zur Geltung auf der linken Seite der Falaise. Hier sind viele Details herausgearbeitet, sodass ein Eindruck der Dreidimensionalität entstanden ist. Aus der Nähe betrachtet (Detailbild) kann man davon kaum etwas erkennen, aus der Distanz aber sehr wohl.

 

Das «Parlament von London» ist auch ein Sonderfall. Monet hat die Stimmung von seinem Hotelzimmer aus eingefangen, aber nur in einem ersten Entwurf. Danach hat er jahrelang an diesem Werk weiter gearbeitet und es erst 1904 zum Abschluss gebracht. Heisst: Die Stimmung, wie sie hier präsentiert wird, dürfte nicht ursprünglich sein. Der Künstler hat sie nach und nach «entwickelt», wie es seinem Wunsch nach «Farbenmalerei» entsprach. Er hat den Dunst Londons, das Wasser und das Sonnenlicht so vermischt, dass das Gemälde schon fast abstrakt wirkt. Das Detailbild zeigt, mit wie vielen Farbtönen er den Sonnenreflex auf dem Wasser dargestellt hat. Auch hier: Von nahe kaum zu erkennen, worum es sich handelt, aber aus der Distanz ist die gesamte Stimmung voll zu erfassen.

 

>mehr über Claude Monet

bonnard

Signac et ses amis en barque 1924.

 

signac

Paul Signac (1863-1935).

 

hühner

Hühner an Bord.

30. April 2019, Referentin Susanne Huber

Pierre Bonnard (1867-1947).
Signac und seine Freunde im Segelboot, 1924.

 

Bonnard studierte an der Sorbonne Paris Rechtswissenschaft, wechselte dann aber in die Kunst. In der Pariser «Académie Julian» traf er auf den Maler Maurice Denis. Mit ihm und Paul Sérusier zusammen gründete er 1889 die Künstlergruppe der >Nabis (Ableitung vom hebräischen Wort nabi für Prophet). Diese setzte sich zum Ziel, die Malerei zu erneuern. Die Gruppe bestand bis etwa 1905. Den Künstlern ging es primär darum, ein Gemälde nicht als «Fenster zur Welt» zu sehen, sondern als autonomes Bild, als eine Art dekorative Anordnung von starken Farbflächen. Der Nabismus unterscheidet sich vom Impressionismus auch dadurch, dass es keine plein-air-Malerei ist. Das besprochene Bild wurde im Atelier gemalt – nach einer Skizze, die der Künstler während des Segelturns auf einem Zigarettenpapier angefertigt hat.

 

Bonnards Gemälde besteht aus dominierenden Farbflächen. Die Flächen Himmel und Meer bestehen aus mehreren Farbtönen, – sogar das «weisse» Segel weist zahlreiche Töne auf. Jede Fläche ist in einem anderen Duktus gemalt (in verschiedenen Pinselführungen). Das Blaulila des Himmels kontrastiert mit dem orangefarbenen Vordergrund des Schiffsdecks. Auf diesem sind zwei Hühner zu erkennen. Möglicherweise wurden diese als Haustiere mitgeführt, was zu jener Zeit Usus war.

 

Die bewusst herausgehobene Figur des Bildes ist Paul Signac: Er ist als einziger der abgebildeten Figuren zu erkennen. Das Gemälde ist denn auch dem Segler Signac gewidmet. Dieser besass in St. Tropez ein Haus und soll ein erfolgreicher Regattensegler gewesen sein.

 

>mehr über Bonnard

fuessli

 

fuessli_oberon

Oberon träufelt den Zaubersaft
in die Augen der schlafenden Titania.

 

esel

Titania liebkost Zettel mit dem Eselskopf.

 

fairy

Eine der Fairies, denen Füssli ein Gesicht gegeben hat.

 

23. April 2019, Referentin Gabriele Lutz

Johann Heinrich Füssli (1741-1825).
Oberon träufelt Blumensaft in die Augen der Titania, 1793-94.

Titania liebkost Zettel mit dem Eselskopf, 1793-94.

 

Füssli (in England Henry Fuseli) hat diese beiden Bilder im Auftrag von James Woodmason gemalt. Sie waren für die «Woodmason Shakespeare Gallery» in Dublin bestimmt, die insgesamt 20 Werke mit Shakespeare-Themen zeigte. Davon kamen fünf von Füssli; die hier besprochenen waren die Nummern 1 und 2. Ziel der Galerie war es, von allen Werken Kupferstiche und Gravuren zu verkaufen. Da der Erfolg in Irland ausblieb, eröffnete Woodmason die Galerie ein Jahr später in London (wo es bereits die Boydells Shakespeare Gallery gab, die den gleichen Markt mit gutem Erfolg bearbeitete).

 

Die Themen der beiden Füssli-Gemälde stammen aus einer Komödie von William Shakespeare: «Ein Sommernachtstraum», 1598 uraufgeführt und eines seiner meistgespielten Werke.

 

Das Stück spielt in einem Wald in Athen, der von seltsamen Wesen (Feen, fairies) verzaubert ist. Anlass ist ein Hochzeitsfest. Das erste Bild zeigt Oberon, den König der Feen, wie er seiner Gattin Titania einen Blütenzaubersaft in die Augen träufelt. Hintergrund: Die beiden hatten einen Ehekrach, bei dem es um Untreue geht, und er will sie bestrafen. Er lässt sich von Puck – einer dieser fairies, im Bild in der oberen rechten Ecke zu erkennen – einen Zaubersaft brauen. Der Saft soll Titania liebestoll machen und bei ihr bewirken, dass sie sich in die erste Kreatur verliebt, die sie nach dem Erwachen erblickt.

 

Das zweite Bild zeigt, wen die Feenkönigin Titania nach dem Erwachen aus dem Schlaf als Erste erblickt: Eine Kreatur mit Eselskopf. Dass es diese überhaupt gibt, ist auch Puck's Werk: Er hat einem am Fest tätigen Handwerker einen Eselskopf verpasst. Nun kann er Oberon berichten: «Die Königin liebt jetzt ein Menschenvieh».

 

Shakespeare lässt in seiner Komödie dutzende von fairies erscheinen. Füssli war der Erste, der diesen Feen, Elfen und Geisterwesen in seinen Gemälden ein Gesicht gab – nach seinen eigenen wilden Fantasien. In England nannte man ihn auch deshalb the «Wild Swiss Man».

 

>mehr über Johann Heinrich Füssli

 

stoskopff

Sébastien Stoskopff.

 

 

flasche

Detail.

 

 

korbflasche

Detail.

16. April 2019, Referentin Andrea Sterczer

Sébastien Stoskopff (1597-1657).
Schrankbild mit Trinkgeschirr und Spanschachteln, 1625-30.

 

Stoskopff kommt 1597 in Strassbourg zur Welt. Schon früh zeigt er Talent im Zeichnen und Malen. Sein Vater, als berittener Kurier der Stadt tätig, hat einen guten Draht zum Stadtrat. Er bittet diesen um Untersützung für seinen Sohn, damit dieser Maler werden kann. Beim Strassbourger Kupferstecher Friedrich Brentel erhält er Zeichenunterricht. Nach dem Tod des Vaters 1615 wird seine Mutter nochmals beim Stadtrat vorstellig. Diesmal erhält der jetzt 18-jährige eine Malerausbildung in Hanau beim Künstler Daniel Soreau. Als dieser vier Jahre später stirbt, übernimmt Stoskopff dessen Atelier.

 

Ab 1622 arbeitet Stoskopff 17 Jahre lang in Paris und ist vor allem mit seinen fein ausgearbeiteten Stillleben erfolgreich. Das besprochene Gemälde aus den Jahren 1625-30 ist ein starkes Beispiel dafür.

 

1639 kehrt er nach Strassbourg zurück. Dort tritt er in die Zunft zur Steltz ein und macht sich einen Namen als anerkannten Maler und schafft es zu Wohlstand. Mit 60 stirbt er in einem Wirtshaus mit Verdacht auf zu hohen Alkoholgenuss. Zwanzig Jahre später findet man heraus, dass er vom Wirt ermordet wurde.

 

Stillleben – auch Vanitas genannt – gibt es als eigenständige Gattung erst ab dem 17. Jahrhundert. Vorher waren Stillleben nur als Teil von religiösen Bildern bekannt. Bei den Vanitas (lateinisch für Eitelkeit) geht es um die Vergänglichkeit der irdischen Existenz. Leblose Gegenstände werden zu Sinnbildern für die Kurzlebigkeit und den Tod aller Dinge. Sie können auch für die Hoffnung stehen, dass nach dem Tod des Menschen die Seele weiterlebt. In den folgenden Jahrhunderten verlieren die Stillleben diese Bedeutung nach und nach und werden dann mehr mit dem Ziel gefertigt, die malerischen Fähigkeiten des Künstlers zu zeigen.

 

hoellentor

La porte de l'enfer.

 

hoellentor_detail

 

femme_accroupie

 

 

hand

9. April 2019, Referentin Maya Karacsony

Auguste Rodin (1840-1917).
Femme accroupie (Die Kauernde), 1882.

 

Mit einem seiner berühmtesten Werke, dem Höllentor (La porte de l'enfer), begann Rodin um 1880 und arbeitete bis fast zu seinem Tod 1917 daran.

 

Eigentlich wäre dieses Bronzeportal für das Musée des Arts Décoratifs in Paris bestimmt gewesen, aber es kam nie zur ursprünglich geplanten Ausführung. Erst 1926, also ein Jahrzehnt nach Rodins Tod, wurde der erste Bronzeguss gefertigt. Die Szenen und Figuren stammen aus Dante Alighieris «Göttlicher Komödie» und aus Charles Baudelaires «Die Blumen des Bösen».

 

Das Original des Höllentors steht im >Musée Rodin in Paris, ein Abguss vor dem Kunsthaus Zürich.

 

Aus dem Höllentor hat Rodin einige Figuren isoliert und als eigenständige Werke entstehen lassen. So zum Beispiel auch den weltbekannten «Denker» (Le penseur), von dem zahlreiche Versionen in vielen Grössen entstanden.

 

Eine dieser aus dem Höllentor isolierten Figuren ist auch im Kunsthaus Zürich zu sehen: Die Bronzeskulptur «Femme accroupie» (Die Kauernde) aus dem Jahr 1882. Im Höllentor selbst ist sie nur schwerlich zu erkennen, als eigenständige Figur dafür umso besser, zumal man sie im Museum von allen Seiten betrachten kann. Es wurden mehrere Bronzegüsse erstellt. Auch im Musée Rodin steht ein Abguss.

 

Als Ausgangsmaterial diente Rodin Terrakotta. Die Figur zeigt eine kauernde Frau in recht ungewöhnlicher Haltung. Damit weicht der Künstler bewusst von antiken Vorbildern ab. Sie ist ziemlich roh gearbeitet – (non finito als Stilmittel?) – was vor allem bei den Füssen und den Händen zum Ausdruck kommt, die recht klobig wirken. Anderseits ist der Rücken sehr fein gearbeitet, dort kann man sogar die Wirbelsäule detailliert erkennen.

 

>mehr über Auguste Rodin

petrini

Giuseppe Petrini
Hl. Lukas, die Madonna
malend, 1740.

 

weyden

Rogier van der
Weyden (1400-
1464). Lukas malt Madonna. Museum
Groeningen.
 

goessart

Jan Goessart
(1478-1542).
Lukas malt die
Madonna, 1520.
Kunsthistorisches
Museum, Wien.

 

2. April 2019, Referentin Andrea Sterczer

Giuseppe Antonio Petrini (1677-1759).
Der Heilige Lukas, die Madonna malend, um 1740.

 

Ob der Evangelist Lukas auch Maler war, ist nicht bekannt. Er war von Beruf Arzt und wirkte im 1. Jht n.Chr. in seiner Geburtsstadt Antiochia. Ihm soll in einer Vision die Madonna erschienen sein. Dieses Sujet wurde von vielen Künstlern verarbeitet. Petrinis Gemälde aus dem Jahr 1740 unterscheidet sich von älteren Werken dadurch, dass Lukas nicht malend dargestellt wird, sondern den Moment zeigt, in dem er die Vision hatte. Er blickt dabei den Betrachter des Bildes an und wirkt aufgeregt – von der Vision aufgewühlt. Das Bild entstand in der Barockzeit, also nach der Reformation. Die Kirche war jetzt bemüht, die Gläubigen mit solchen Bildern wieder für die Religion zu begeistern. Lukas wird meist in einem roten Umhang dargestellt. Er gilt auch als Patron der Maler. Daher kommt sein Name in den überall in Europa entstandenen «Lukas-Gilden» vor, wie sich viele Malergemeinschaften nannten. Lukas wird auch häufig als Stier abgebildet, dem Symbol der Evangelisten.

 

Der Barockmaler Giuseppe Antonio Petrini ist 1677 im Tessin geboren, das damals noch zu Italien gehörte. Er war vor allem in Lugano aktiv, aber auch in der Lombardei und im Veltlin. >mehr über Petrini (Link zu Historischem Lexikon der Schweiz)

 

Ältere Darstellungen des Sujets «Lukas malt die Madonna» zeigen dagegen nicht den Moment der Vision des Lukas, sondern die Handlung des Malens der Madonna. So im Gemälde von Rogier van der Weyden (frühes 15. Jht), wo der heilige Lukas zusammen mit Maria und dem Kind gezeigt werden, als ob sie real vorhanden wäre. Lukas hält ein Blatt vor sich, auf dem er die Madonna abbildet. Und dies nicht in seinem Atelier, sondern in häuslicher Umgebung. Dass Lukas eine Vision von Madonna hatte, muss der Bildbetrachter wissen, – das Bild erzählt diese Geschichte nicht.

 

Ganz anders im Werk von 1520 von Jan Goessart. Hier macht der niederländische Maler dem Betrachter mit der mystisch in Wolken gehüllten Madonna deutlich, dass der heilige Lukas eine Vision hat. Noch während der Vision malt er die Madonna mit Kind und Engeln.

taeuber

Sophie Taeuber.

 

 

doesburg

Theo van Doesburg.

 

doesburg_aubette

Theo van Doesburg. Aubette. Musée de Strassbourg. Foto Jean-Pierre
Dalbéra.

19. März 2019, Referentin Gabriele Lutz

Sophie Taeuber-Arp (1889-1943). Douze Espaces, 1939.

Theo van Doesburg (1883-1931). Komposition V., 1917-18.


Sophie Taeuber-Arp ist eine der meistverkannten Künstlerinnen der Schweiz. Sie war extrem vielseitig: als Textilgestalterin, Architektin, Innenarchitektin, Tänzerin, Lehrerin an der Kunstgewerbeschule Zürich. Etwas bekannter wurde sie erst, als sie auf der (alten) 50-Franken-Note verewigt wurde. In ihrem Spätwerk «Douze Espaces» löst sie sich von den geometischen Formen der >Konkreten Kunst und ergänzt diese durch freilaufende farbige Bänder. Auf die «zwölf Räume» kommt man, wenn man sich bei den Rechtecken, die den Hintergrund bilden, virtuelle Linien dazu denkt. Das ergibt dann drei vertikale Räume zu je vier «espaces».
>mehr über Sophie Taeuber-Arp: Film Sternstunde Kunst

 

Theo van Doesburg gilt als der Vater der Konkreten Kunst. Im hier vorgestellten Werk «Komposition V» von 1917-18 handelt es sich um einen Farbentwurf für ein Glasfenster, bestimmt für eine Villa in Holland. Über die Glasmalerei fand er den Zugang zu den geometrischen Formen und damit zur Konkreten Kunst.

 

Sophie Taeuber-Arp erhielt 1926 den Auftrag für die Ausgestaltung von zwölf Räumen für einen Vergnügungskomplex in Strassbourg, die «Aubette». Dieser enthielt u.a. eine Bar, Tanzräume, ein Billard-Zimmer, ein Kino. Der Auftrag für die zwölf Räume erschien ihr zu gross, sodass sie noch ihren Ehepartner Jean Arp und Theo van Doesburg zuzog. Als die zwölf Räume 1928 in Betrieb genommen wurden, gefiel dem Grossteil des Publikums das moderne Dekor nicht – die Zeit war dafür noch nicht reif. Der grösse Raum (Bild) wurde von Theo van Doesburg gestaltet. 1938 wurden alle Dekors von Taeuber, Arp und Doesburg entfernt. 2006 wurde das erste Geschoss des Aubette-Gebäudes restauriert, in den Originalzustand von 1928 versetzt und unter Denkmalschutz gestellt. Heute gelten die Räume als bedeutendes Werk der Moderne und können wieder besichtigt werden.

 

 

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