August der Starke –
halb Sonnenkönig, halb Henry VIII.


Politisch hat er keine Glanztaten vollbracht. Aber in Dresden ist er bis zum heutigen Tag der Superstar. Das verdankt er seinem Hang zur Prachtentfaltung. Der Stadt hat er die prächtigsten Bauten hinterlassen: das Residenzschloss, die Frauenkirche und vor allem seinen Vergnügungspalast, den Zwinger. Diesen liess er ausschliesslich für seine rauschenden Feste errichten, ganz im Sinne seines französischen Vorbildes, des >Sonnenkönigs Louis XIV.

 

Menschlich erinnert er eher an den englischen König >Henry VIII. Seine Gemahlin Christiane Eberhardine musste sich jahrelang mit seinen Mätressen demütigen lassen, während er sie auf Schloss Pretz an der Elbe verbannt hatte. Und eine seiner Ex-Geliebten verbannte er für Lebenszeit auf die Burg Stolpen. Immerhin liess er sie nicht köpfen, wie das Henry VIII mit einigen seiner Ex zu tun pflegte.

 

Legendär ist Augusts Leidenschaft für alles, was mit Türkischtum zu tun hat. Er verkleidete sich auch gerne als Sultan und rüstete ganze Infanteriebataillone mit türkischen Dolchen und Flinten aus. Seine Soldaten mussten sogar einen «moustache à la Turque» tragen. In seinem >Residenzschloss liess er die «Türckische Cammer» einrichten, in der er nicht nur kostbare Gewänder, Teppiche, Dolche, Brustpanzer und Pferdeschmuck, sondern auch osmanische Staatszelte mit reich bestickten Stoffen ausstellte (alles heute noch zu sehen). Auf seiner Wunschliste, die er nach Konstantinopel sandte, stand auch lebendes «Personal» wie Sklaven, Mätressen oder Eunuchen.

 

Geradezu krankhaft war seine Sammelleidenschaft für fernöstliches Porzellan. Einmal soll er beim Preussischen König Friedrich Wilhelm I sogar sechshundert seiner eigenen Soldaten (!) gegen 170 Chinagefässe und Monumentalvasen (so genannte «Dragonervasen») eingetauscht haben. Das zeichnet eben einen Feudalherrscher aus: Ihm gehört alles. Auch die Menschen. Also kann er damit tun, was er will. Die «gute alte Zeit» lässt grüssen.

 

 

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Ausschnitt aus dem über 100 Meter langen
Wandbild aus Porzellankacheln, auf dem Fürsten
aus sieben Jahrhunderten abgebildet sind. Im Ausschnitt August der Starke und sein Sohn.

 

 

 

 

 

Titelbild (Ausschnitt).

Die Fahne von August dem Starken.

Foto Kazimier Lachnovic,

WikiCommons.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Heinrich «Der Fromme» (1473-1541).

Der aus dem Hause der albertinischen Wettiner stammende Heinrich spielt in Sachsen eine wichtige Rolle: Er bekennt sich nämlich zur Lehre >Luthers und führt 1537-39 in Sachsen die Reformation ein. Damit setzt er sich vom katholischen >Kaiser Karl V ab. Herzog von Sachsen ist er nur zwei Jahre lang: von 1539 bis zu seinem Tode 1541.

 

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Herzog Moritz von Sachsen (1521-1553).

Sohn von Heinrich dem Frommen. Von ihm erbt er 1541 den Herzogstitel. Um die Reformation zu festigen, versucht er sich mit Kaiser Karl V gut zu stellen, was ihm als Verrat ausgelegt wird. Er nimmt an Karls Feldzügen gegen Türken und Franzosen teil. Moritz stirbt jung: Mit 32 fällt er in der Schlacht von Sievershausen. Seine Hinterlassungen sind Landesschulen und sein bis heute berühmtes Jagdschloss >Moritzburg.

 

 

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August der Starke. Kurfürst von Sachsen und König von Polen. Gemälde Burg Stolpen, Foto Ingersoll, WikiCommons.

 

Friedrich August I «Der Starke» (1670-1733).

Er gilt als der Begründer der prunkvollen barocken Metropole Dresden. Kurfürst ist er von 1694 bis zu seinem Tod 1733. Daneben auch König von Polen (als August II), von 1697 bis 1733. Um diesen Titel zu bekommen, tritt er zum Katholizismus über –was im protestantischen Sachsen nicht gut ankommt.

 

«Der Starke» heisst er, weil er offenbar über eine beachtliche körperliche Kraft verfügte. Er soll ein Hufeisen mit blossen Händen zerbrochen haben, sagt die Legende. Augusts Markenzeichen ist sein ausgeprägter Hang zum Absolutismus: Den Grundsatz «L'état - c'est moi» übernimmt er von Frankreichs Sonnenkönig. Ganz gelingt ihm das nicht, der sächsische Adel verhindert es. Dafür hält sich August der Starke mit höfischer Pracht und grandiosen Festen schadlos, baut Vergnügungspaläste wie den >Zwinger und widmet sich seiner Sammelwut von Porzellan, türkischen Kostbarkeiten und allerlei Krimskrams aus Gold, Silber, Diamanten, Elfenbein und Büffelhorn. Heute noch in unüberblickbarer Menge in den «grünen Gewölben» im >Residenzschloss zu bestaunen.

 

 

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Friedrich August II (1696-1763), 1715. Von Nicolas Largillière (1656-1746). National Gallery of Victoria, Melbourne.

 

Friedrich August II (1696-1763).

Sohn von August dem Starken. Kurfürst von Sachsen 1733-1763 und König von Polen als August III. Er missbilligt die Prunksucht und die Mätressenwirtschaft seines Vaters. 1719 heiratet er Maria Josepha von Österreich (die Tochter von Kaiser Joseph I).

 

Er gilt als grösster Kunstfreund seiner Zeit und ist begeisterter Opernfan (Opernhaus am Zwinger, eröffnet 1719). Als Gemäldesammler macht er sich einen Namen, als er die Sammlung des Herzogs von Modena erwirbt und die Bilder erstmals auch der Öffentlichkeit zugänglich macht. 1754 erwirbt er das bis heute berühmteste Bild der Dresdner Gemäldegalerie: Raffaels >Sixtinische Madonna

 

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Friedrich August III (1750-1827) als König von Sachsen (1806-1827). Von Carl Christian Vogel von Vogelstein (1788-1868). Galerie neue Meister Dresden.

Friedrich August III der Gerechte (1750-1827).

Kurfürst von Sachsen von 1763 bis 1806. 1791 wird auch noch zum König von Polen gewählt – aber er lehnt diese Krone ab, weil die politische Lage äusserst heikel ist (Preussen und Russland erheben Ansprüche auf Polen).

 

Friedrich verbündet sich mit Preussen und erleidet 1806 gegen Napoleon eine verheerende Niederlage (Schlachten von Jena und Auerstedt). Sachsen wird von französischen Truppen besetzt und muss sich dem von Napoleon befohlenen Rheinbund anschliessen (Friedensvertrag von Posen). Dafür wird er vom französischen Kaiser Napoleon 1806 zum ersten König von Sachsen gekürt. Diesen Titel hält er bis zu seinem Tod 1827, muss aber im Gegenzug akzeptieren, dass mehr als die Hälfte Sachsens an Preussen fällt.

 

Den Titel «der Gerechte» enthält er vor allem für den Wiederaufbau des Landes nach dem Siebenjährigen Krieg.

 

 

Weitere sächsische Könige

 

Anton (1755-1836), König von Sachsen 1827-1836.

 

Friedrich August II (1797-1854), König von Sachsen 1836-1854.

 

Johann (1801-1873), König von Sachsen 1854-1873.

 

Albert (1828-1902), König von Sachsen 1873-1901.

 

Georg (1832-1904), König von Sachsen 1902-1904.

 

Eduard (Edward) VII (1841-1910), König von England.

 

Friedrich August III (1865-1932), König von Sachsen 1904-1918.

 

Georg von Sachsen (1893-1943), Kronprinz bis 1923.

   
   

 

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