Cuno Amiet (1868-1961).


«Den Schweizer Expressionisten» nennt man ihn, weil er der einzige Schweizer in der Künstlergruppe >Brücke ist, die 1905 in Dresden gegründet wurde. Der Solothurner ist aber im Laufe seiner Malerkarriere in vielen Malstilen unterwegs. Und zählt zu den Wegbereitern der Schweizer Moderne.

 

 

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Cuno Amiet (1868-1961). Selbstbildnis,
1895. Bündner Kunstmuseum Chur.

 

 

Cuno Amiet kommt in Solothurn als Sohn eines Gerichtsschreibers zur Welt. Schon früh will er Künstler werden. Sein Vater ist zwar skeptisch, lässt ihn aber bei Zeichnungslehrer Heinrich Jenny und beim Maler >Frank Buchser Unterricht nehmen.

 

Nach der Matura zieht er nach München, um in der dortigen Kunstakademie zu studieren. Dort trifft er auf den Mitschüler >Giovanni Giacometti. Die beiden beschliessen, ihr Studium in Paris fortzusetzen: an der Académie Julian. In Paris teilen sie sich nicht nur die Wohnung, sondern auch das Atelier.

 

Nächste Station für Amiet ist das kleine Fischerdorf Pont-Aven in der Bretagne – das vor allem ein Künstler bekannt gemacht hat: >Paul Gauguin. Hier lernt Amiet ab 1892 auch die Malstile von Cézanne und van Gogh kennen. Auch der >Pointillismus beginnt ihn zu faszinieren.

 

1898 heiratet er die Wirtstochter Anna Luder und baut sich in Oschwand BE ein Jugendstilhaus, dem er später (1912) einen Bauernhof angliedert, wo er sein Atelier unterbringt.

 

1906 erhält er die Einladung, der Künstlergruppe >Brücke beizutreten, die sich dem Expressionismus verschrieben hat. 1908 bis 1911 zeigt Amiet seine Arbeiten in verchiedenen Ausstellungen in Zürich, Wien, München, Berlin, Köln und Rom.

 

1912 tritt er der Schweizer Künstlergruppe «Moderner Bund» bei. 1919 verleiht ihm die Universität Bern den Doktortitel honoris causa. Und das Kunsthaus Bern ehrt ihn mit einer Einzelausstellung, die ein grosser Erfolg wird.

 

1931 gehen über 50 seiner Gemälde in Flammen auf, als in München der Glaspalast durch einen Brand zerstört wird. Es sind vorwiegend Frühwerke. 1937 werden einige seiner Arbeiten durch die Nazis als «entartet» gebrandmarkt, beschlagnahmt und teilweise ins Ausland verkauft.

 

1938 – zu seinem 70. Geburtstag – bekommt Amiet Ausstellungen in Bern, Solothurn, Zürich und Basel, zudem wird er Ehrenbürger von Seeberg.

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg zeigt eine Stockholmer Ausstellung Amiets Werk im Rahmen einer Schau von Schweizer Künstlern. 1954 vertritt er die Schweiz an der Biennale in Venedig und bekommt Einzel-Ausstellungen in Wien und New York. Zu seinem 90. Geburtstag feiert ihn die Kunsthalle Bern mit einer umfassenden Retrospektive.

 

Cuno Amiet bleibt bis ins hohe Alter schöpferisch aktiv und stirbt am 6. Juli 1961 mit 93 Jahren. Sein Grabmahl auf dem Friedhof von Oschwand gestaltet der Zürcher Plastiker Otto Charles Bänninger.

 

 

 

 

 

Titelbild (Ausschnitt)

Cuno Amiet (1868-1961). Hausbau I,

1908. Bündner Kunstmuseum Chur.

 

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Cuno Amiet (1868-1961). Bretonischer Knabe, 1893. Kunsthaus Zürich.

 

1892: Amiet in der Bretagne.

Nach seiner Ausbildung an der Kunstakademie München und in der Académie Julian in Paris zieht Amiet ins kleine Fischerdorf Pont-Aven in der Bretagne. Paul Gauguin hat das Dorf bekannt gemacht.

 

Und in der «Schule von Pont-Aven» wird auch die Gruppe der Synthetisten rund um Paul Gauguin gegründet. Diesen geht es um die Einbringung der Gefühle in die Werke der Künstler. Amiets Bild des bretonischen Knaben wird diesem Stil zugerechnet.

 

>mehr über Synthetismus

 

In Pont-Aven kommt Amiet aber vor allem mit dem Malstil der >Divisionisten in Kontakt, die in der Folge seinen persönlichen Stil prägen werden: Reine, kräftige Farben, aufgeteilt in grobe Striche.

 

 

 

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Der grüne Hut, Bildnis Anna Amiet, 1897-98. Kunstmuseum Solothurn.

 

 

1898: Amiets Gattin Anna.

Anna, eine Wirtstochter aus Hellsau, wird seine Ehefrau. >Giovanni Giacometti ist Trauzeuge.

 

Amiet lässt sich mit seiner Gattin im oberaargauischen Oschwand (aber zum Kanton Bern gehörend) nieder. Dort baut er sich 1908 ein Haus im Jugendstil und fügt diesem später (1912) noch ein Bauernhaus an, in welchem er sein neues Atelier unterbringt.

 

Sein Haus in Oschwand wird später zum beliebten Treffpunkt vieler Freunde des Künstlers.

 

 

Divisionismus und Expressionismus

 

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Bauernfrau, 1906. Kunsthaus Aarau.

 

 

1906: Die gestrichelte Bauernfrau.

Eine eindrückliche Arbeit in ausgeprägtem Stil des >Divisionismus. Es besteht aus zahllosen groben Strichen in reinen Farben, die aus der Distanz betrachtet zu einer Einheit verschmelzen.

 

Zum Divisionismus zählt auch der Pointillismus. Bei diesem werden an Stelle von groben Strichen feine oder gröbere Punkte gemalt, die den gleichen Effekt erzielen. Auch in diesem Stil malt Amiet einige Werke. >Beispiel

 

 

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Ruhepause im Garten auf der Oschwand, 1911. Museum zu Allerheiligen Schaffhausen.

 

 

1911: Bei den Expressionisten.

Amiet erhält die Einladung zum Beitritt in die Dresdner Gruppe >Brücke.

 

Das Brücke-Mitglied Erich Heckel schreibt ihm 1906: «Mit Bewunderung und Begeisterung haben wir Ihre Werke gesehen, und wir erlauben uns, Sie zu fragen, ob Sie unserer Gruppe beitreten wollen. Wir haben in Ihnen einen der «Unsern» erkannt und hoffen, dass Sie unsere Sache als Bestrebung nach gleichen künstlerischen Zielen unterstützen werden». Noch im gleichen Jahr wird Cuno Amiet Mitglied dieser expressionistischen Kunstlervereinigung.

 

 

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Blühender Baum, 1916. Auktion Christie's Zürich 2019.

 

 

1916: Blühender Baum.

Die Gruppe «Brücke» löst sich zwar schon 1913 wieder auf, aber dem Expressionismus bleibt Amiet noch lange weiter verbunden.

 

Dieses Gemälde wird 2019 an einer Auktion von Schweizer Werken bei Christie's in Zürich angeboten. Der Katalog weist einen Schätzpreis von 500-600'000 Franken aus. Schliesslich geht es für CHF 420'000 als teuerstes Bild des Abends an einen (unbekannten) Käufer.

 

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Brustbild einer Dame, 1925. WikiArt Fair Use.

 

 

1925: Brustbild einer Dame.

Ein Werk aus den «Goldenen Zwanzigern», das bereits nicht mehr vom reinen Expressionismus geprägt ist.

 

Eine Annäherung an die >Neue Sachlichkeit?
Diese ist zwar keine Amiet-typische Stilrichtung, aber es zeigt doch, dass der Solothurner Künstler ausgesprochen vielseitig unterwegs ist und sich auch auf fremdes Parkett wagt.

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Blumengarten, 1936. WikiArt
Fair Use.

1936: Pointillismus im Blumengarten.

Auch mit Punkten – eine weitere Variante des Divisionismus – experimentiert der Künstler. In diesem Werk sind gleich mehrere Stile vermischt. Der obere Teil des Bildes besteht aus Elementen des Expressionismus und aus groben und feinen Strichen; die blaue (!) Wiese im Vordergrund setzt sich dagegen aus feinen Punkten zusammen, ganz im Stil des Pointillismus.

 

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Fotos / Diashow

 

   
   

 

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