Paul Signac (1863-1935).

 

Eine kunstakademische Laufbahn hat er nicht – nur eine malerische Ausbildung in einer Privatschule. Oft bezeichnet man ihn deshalb als Autodidakt.

 

Der in Paris geborene und in einfachen Verhältnissen aufgewachsene Paul Signac hätte eigentlich Architekt werden wollen/sollen. Aber den jungen Mann zieht es aufs Meer. Als begeisterter Segler kurvt er mit seinem Boot um die Küsten Frankreichs. Die Landschaften, die er dabei entdeckt, malt er. Im Stil, der da gerade in Mode ist: >Impressionismus.

 

Dann lernt er 1884 Georges Seurat kennen. Diesen bewundert er, weil er einen besonderen Malstil pflegt: den Divisionismus. Signac versucht sich auch darin und findet Gefallen daran. Jetzt malt er Punkte. Zuerst feine Pünktchen, wie Seurat, dann immer gröbere, wie kleine Mosaike. Erst im Auge des Betrachters und aus Distanz verschmelzen diese Mosaike zu einem Bild.

 

Noch im gleichen Jahr – 1884 – hilft Signac bei der Gründung der «Société des Artistes Indépendants» – besser bekannt als «Salon des Indépendants». In diesem können jene progressiven Künstler ausstellen, die beim akademisch geprägten >Salon de Paris keine Aufnahme finden.

 

Signacs Lieblingsmotive sind zeitlebens Küsten und Schiffe. Er hält sich in >Collioure und in St. Tropez auf. Dort kauft er sich ein Haus.

 

Ab 1892 beginnt Signacs Zeit als Segler. Sie führt ihn an alle Küsten und Häfen Frankreichs, nach Holland und schliesslich bis nach Konstantinopel. In jedem Hafen entstehen neue Aquarelle. Aus diesen Skizzen erstellt er später im Atelier jene Gemälde, für die er so berühmt ist: aus Punkten, aus mosaikartigen Farbquadraten.

 

Obwohl er nie wirklich Kunst studiert hat, beginnt er sich nun auch mit der Theorie der Malerei zu befassen. 1899 erscheint sein Buch «Von Eugène Delacroix zum Neo-Impressionismus».

 

Im Juni 1902 – Signac ist bereits 38-jährig – bekommt er seine erste Einzelausstellung. Sie findet in der Pariser Galerie Bing statt. Signac kann neun Gemälde, zwei Pastelle und rund hundert Aquarelle zeigen.

 

1908 wird er zum Präsident des Salons der Unabhängigen gewählt. Vorbild für jüngere Künstler ist er schon, jetzt wird er auch noch deren Förderer. Dem sechs Jahre jüngeren >Henri Matisse soll er als Erster ein Bild abgekauft haben. Zudem stellt er Werke der damals heiss umstrittenen >Fauvisten aus.

 

1911 wird er zum «Ritter der Ehrenlegion» ernannt und danach zum «Peintre Officiel de la Marine». Jetzt ist er auch noch offizieller Maler der französischen Marine im Offiziersrang.

 

Im Alter von 72 stirbt Paul Signac am 15. August 1935 in Paris an einer Blutvergiftung. Sein Leichnam wird eingeäschert und auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise beigesetzt.

 

 

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Paul Signac mit 60.
Foto©Bibliothèque Nationale de France,
Agence de Presse Meurisse.

 

 

 

 

Titelbild (Ausschnitt)

Paul Signac.
Rotterdam, La Meuse, 1906.
Kunsthaus Zürich.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Paul Signac,
Port-en-Bessin, Plage, 1884. Museo Thyssen-Bornemiszo, Madrid.

1880: Dank Claude Monet zur Kunst.

Claude Monet hat seine erste Einzelausstellung im Juni 1880 in den Räumen der Kunstzeitschrift «La Vie moderne». Dort sieht der 16-jährige Paul Signac dessen Werke. Und entscheidet sich, Maler zu werden. «Die Malerei von Detaille war mir zu schwierig, da erschien mir jene von >Monet schon einfacher», soll er gesagt haben. (Jean Baptiste Detaille war ein akademisch ausgebildeter Schlachtenmaler). So beginnt Signac im Stil des Impressionisten Monet. Küstenlandschaften, Meer und Himmel.

 

hutmacherinnen

Deux stylistes Rue du Caire, 1885-86. Sammlung Bührle, Zürich.

1884: Beflügelt von Georges Seurat.

Es fasziniert Signac, wie Seurat mit der Farbe umgeht. Der mischt sie nicht mehr auf der Palette, sondern setzt Punkte reiner Farbe nebeneinander. Signac versucht das jetzt auch. Sein Gemälde von 1885 «Deux stylistes, Rue du Caire» (auch «Die Hutmacherinnen») – das zuerst impressionistisch entworfen wird – überarbeitet er 1886 mit einer leicht pointillistischen Oberfläche. Und zwar mit ganz feinen Punkten, wie das auch Seurat macht. Es ist der Start zu einer Technik, der Signac sein Leben lang treu bleiben wird, auch wenn er sie noch weiterentwickelt, zum «echten», erkennbaren Pointillismus.

 

Divisionismus und Pointillismus

 

seurat

Georges Seurat (1859-1891). «Dimanche après-midi sur l'île de la Grande Jatte», 1884-86. Art Institute of Chicago.

 

signac

1898-Paul Signac Capo di Noli anagoria, 1898. Detail. Wallraf-Richartz Museum, Köln.

 

segantini

Giovanni Segantini (1858-1899). Alpweiden, 1893-94. Detail. Kunsthaus Zürich.

 

Der Divisionismus (auch: Chromoluminarismus) definiert sich durch die Trennung von Farben in einzelne Punkte. Durch das Zusammenfügen von Farbpunkten entsteht das Bild – technisch betrachtet ganz ähnlich wie beim Offsetdruck, bei dem das Bild vor dem Druck auch in Punkte aufgelöst werden muss, in so genannte Rasterpunkte.Der Pointillismus ist eine Unterform davon.

 

Georges Seurat (1859-1891) gilt als Begründer des Divisionismus. Mit seinem Gemälde «Un dimanche après-midi sur l'île de la Grande Jatte» (1884-86) bringt er den Stein ins Rollen. Er verwendet extrem kleine Punkte, die wie eine Rasterung daherkommen.

 

Als Seurat 1891 stirbt, wird Paul Signac (1863-1935) der Kopf dieser neuen Stilrichtung, die man jetzt als Pointillismus bezeichnet. Die Punkte in Signacs Werken sind anfänglich so fein wie jene bei Seurat, doch werden sie ständig gröber, wie kleine Mosaike, und sind so ab 1896 in den Gemälden gut von Auge auszumachen.

 

Weitere Divisionisten/Pointillisten sind Derain, Rysselberghe, Metzinger, Van Gogh, Delaunay, Mondrian, Segantini und andere. Jeder dieser Künstler trägt mit seiner eigenen Handschrift zu diesem Stil bei. Der eine malt feine Punkte wie Seurat, der andere grobe wie Signac, wieder andere verwenden extrem feine Striche wie Segantini oder grobe Striche wie Van Gogh.

 

 

 

rotterdam

Paul Signac. Rotterdam, La Meuse, 1906. Kunsthaus Zürich.

 

 

1906: Rotterdam, La Meuse.

Auf seinen Segelturns kommt Signac weit herum. Er befährt nicht nur das Mittelmeer, sondern auch den Atlantik. In jedem Hafen macht er seine Skizzen in Form von Aquarellen. Zuhause im Atelier verarbeitet er sie dann aufwändig im pointillistischen Stil mit tausenden von Punkten. Eines seiner schönsten Werke, «Rotterdam, La Meuse» von 1906, kann man im Kunsthaus Zürich bewundern.

 

türme

Antibes, Gewitter,
1919. Albertina,
Wien. Sammlung
Batliner.

 

1919: Immer gröbere Punkte...

Bei diesem Gewitter über Antibes ist gut zu erkennen, in welche Richtung sich Paul Signacs Pointillismus entwickelt: Seine Punkte werden immer gröber. Trotzdem schafft es der Künstler, seinen Bildern Stimmung zu verleihen – sofern man sie aus genügend Distanz betrachtet. Aus nächster Nähe hingegen sind nur noch rechteckige Farbkleckse zu erkennen.

marseille

Le vieux port de
Marseille, 1931. Musée Albert André, Bagnols-sur-Cèze.

1931: Die Freude am Aquarellieren.

Mit Aquarellen beschäftigt er sich schon seit 1892, dies allerdings parallel zu seinen pointillistischen Gemälden. Mit zunehmendem Alter findet er jedoch immer mehr Gefallen an der Wasserfarbe und malt mit grosser Freude die Ufer der Seine und der Rhône. «Weil man dabei so schön draussen sein kann». Zu seinen letzten Projekten gehört eine Serie von Häfen im Mittelmeer.

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Werke von Signac
und andere Divisionisten/Pointillisten

 

   
   

 

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