Hans «Jean» Arp (1886-1966).


Wenn sein Name fällt, denkt man sofort an die Dada-Bewegung, die er 1916 mitbegründet hat. Aber das Kunstschaffen des Hans «Jean» Arp ist viel weiter gefächert.

 

Als er am 16. September 1886 in Strassbourg zur Welt kommt, gehört das Elsass noch zu Deutschland. Ab 1901 besucht er die Kunstschulen Strassbourgund Weimar und studiert danach in Paris in der Académie Julian weiter.

 

 

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Hans Arp, 1910.

Foto© www.stiftungarp.de

 

 

1910 gründet er in Luzern zusammen mit Walter Helbig und Oscar Lüthy die Künstlervereinigung «Der Moderne Bund». In Berlin arbeitet er 1913 in Herwarth Waldens Galerie «Der Sturm».

 

Dann kommt die Dada-Zeit in Zürich. Hier gründet er 1916 zusammen mit Hugo Ball, Tristan Tzara u.a. diese skurrile Bewegung, die gleichzeitig Kunst bekämpft und Kunst neu schöpft. Er lernt >Max Ernst kennen und begründet mit diesem den Kölner Dadaismus; 1920 beteiligt er sich an der Internationalen Dada-Messe in Berlin.

 

In seiner Dada-Phase lernt er die Künstlerin Sophie Taeuber kennen. 1922 heiraten die zwei. Er hilft ihr 1926 bei der Innengestaltung des berühmten Strassbourger Vergnügungszentrums «Aubette» >mehr.

 

Dann bekommt Arp seine erste Einzelausstellung in Paris – dies in der Galerie der Surrealisten.

 

1930 wird er Mitglied der Kunstgruppe «Abstraction Création» und beginnt mit der Arbeit an seinen ersten Rundplastiken. An Ausstellungen im Museum of Modern Art in New York ist er vielseitig vertreten: bei den Kubisten, den Abstrakten, bei den Surrealisten und bei den Machern der Fantastischen Kunst.

 

Seit 1926 ist er zwar französischer Staatsbürger, aber 1940 wird es ihm zu heiss in Paris: Die Nazis haben seine Werke als «entartet» eingestuft. Er nennt sich nun «Jean» und flieht mit seiner Gattin nach Südfrankreich, dann 1942 in die Schweiz.

 

1943 stirbt Sophie Taeuber einen tragischen Unfalltod: Sie erleidet im Haus von >Max Bill in Zürich-Höngg eine Kohlenmonoxidvergiftung, weil ein Heizofen defekt ist.

 

Nach dem Krieg kehrt Jean Arp nach Paris zurück und arbeitet an seinen Plastiken weiter. 1949 hat er seine erste Einzelausstellung in den USA, und Walter Gropius (>Bauhaus) erteilt ihm den Auftrag für ein grosses Relief im Harvard Graduate Center in Cambridge.

 

Auf der Biennale in Venedig 1954 erhält er den Grand Prix für Plastik. Für die Universität Caracas (Venezuela) und für die UNESCO in Paris erstellt er grossformatige Wandreliefs. 1958 zeigt das Museum of Modern Art in New York die erste Retrospektive seines Werks.

 

1959 heiratet er seine zweite Frau Marguerite Hagenbach. Diese war ihm seit dem Tod von Sophie Taeuber 1943 eine grosse Stütze. Ab 1946 arbeitete sie bei Arp als Sekretärin, organisierte seinen Alltag und unterstützte ihn auch finanziell. 1959 erwerben die zwei im Tessin das Anwesen Ronco dei Fiori in Locarno-Solduno.

 

Am 7. Juni 1966 stirbt Hans «Jean» Arp in Basel an einem Herzinfarkt.

 

Nach seinem Tod fördert Marguerite Arp-Hagenbach die wissenschaftliche Forschung zu den Werken Arp und Taeuber. 1977 wird in Rolandseck bei Bonn die Stiftung Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp gegründet. 1979 folgt in Clamart/Paris die Fondation Arp.

 

Marguerite Arp überträgt 1988 ihre Sammlung an die von ihr gegründete Fondazione Marguerite Arp-Hagenbach in Ronco dei Fiori.

 

Marguerite Arp stirbt am 23. August 1994 in Locarno. Sie ruht mit Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp in einem gemeinsamen Grab auf dem Friedhof von Locarno.

 

 

>www.stiftungarp.de

 

>fondazionearp.ch/de/marguerite-arp

 

>www.fondationarp.org

 

 

 

Titelbild (Ausschnitt)
Hans Arp (1886-1966).

Grenouille lunaire, 1924.

Kunstmuseum Basel.

 

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Dada-Collage,
1919. Musée de Strassbourg. Foto Mathieu Bertola.

 

1916-1919: Die Dada-Zeit.

In Zürich gründet er die Dada-Bewegung zusammen mit Hugo Ball (Literat), Tristan Zara (rumänischer Schriftsteller), Richard Huelsenbeck (deutscher Schriftsteller und Psychoanalytiker) und anderen. Was die Dadaisten genau wollen, wissen sie selber nicht. Einfach irgendwie die alte Kunst bekämpfen und Neues schöpfen. Die Ideen sprudeln nur so, Hauptsache möglichst sinnfrei.

 

Arps Dada-Werke bestehen vor allem aus Holzschnitten, Collagen und Dichtungen. Er engagiert sich auch für die Dada-Gruppen in Köln, Hannover, Berlin und arbeitet eng zuammen mit Kurt Schwitters und Max Ernst. In der Dada-Zeit lernt er auch seine künftige Gattin, Sophie Taeuber, kennen.

 

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Sophie Taeuber
um 1920. Foto
Aargauer
Kunsthaus
Aarau.

1922: Heirat mit Sophie Taeuber.

Sie ist als Künstlerin vielseitig unterwegs: In Malerei, Zeichnung, Plastik, Architektur, Design und Tanz. Arp ermuntert sie, sich noch intensiver mit Kunst zu befassen. Zusammen erstellen sie Collagen, Plastiken und Textilentwürfe.

 

1916 nimmt Sophie auch noch Unterricht im Ausdruckstanz und hat ihre ersten Vorführungen im Cabaret Voltaire in Zürich. Im gleichen Jahr übernimmt sie an der Kunstgewerbeschule Zürich die Leitung der Textilklasse. 1918 wird sie Mitglied bei der Künstlervereinigung «Das Neue Leben».

 

Arp und Taeuber heiraten am 20. Oktober 1922
im Tessin.

 

>mehr über Dada und Sophie Taueber

 

 

 

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Hans Arp (1886-1966). Amphore Infinie, 1929. Kunst Museum Winterhur.

 

Hans Arp als Schriftsteller.

In seiner Dada-Zeit veröffentlicht er Gedichte und Textcollagen. Für Kurt Schwitters Merzverlag gibt Arp die dreisprachige Publikation «Kunstismen» heraus, in der die Hauptkunstrichtungen der Avantgarde aus der Zeit zwischen 1914 und 1924 beschrieben sind. In seiner Pariser Zeit veröffentlicht er Gedichte, darunter «weisst du schwarzt du», illustriert mit Bildern von Max Ernst.

 

Den Schmerz beim Verlust seiner Frau Sophie 1943 verarbeitet er schreibend. Er widmet ihr die Gedichte «Le siège de l'air». 1952 erscheint bei Curt Valentin sein Buch «Dreams and Projects» mit Texten und Holzschnitten. 1954 wird in den USA «Arp – on my way» und die Textsammlung «Zweiklang» publiziert. Darauf folgt das Werk «Arps Gesammelte Gedichte» in drei Bänden. Die französische Textsammlung «Jours effeuillés» wird wenige Wochen nach seinem Tod 1966 veröffentlicht.

 

holzschnitt

Jean Arp (1886-
1966). Femme,
1927. Centre
Pompidou, Paris.

Arps Frühwerk: Holzschnitte, Collagen.

Zu Beginn seiner Künstlerkarriere drückt sich Arp vor allem mit Holzschnitten, Reliefs, Collagen und Zeichnungen aus. Seine Arbeiten liegen zwischen Abstraktion und Surrealismus.

 

In Paris mieten Hans und Sophie Arp ein Atelier in der «Villa des Fusains» am Fusse des Montmartre. Zu ihren Nachbarn zählen Ernst und Miró.

 

1925 nimmt Arp in der Pariser Galerie Pierre an der ersten Ausstellung der Surrealisten teil. Mit von der Partie sind auch Giorgio de Chirico, Max Ernst, Paul Klee, Man Ray, Joan Miró und Pablo Picasso.

 

1926 werden Jean Arp und Sophie Taeuber-Arp französische Staatsbürger.

 

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Concrétion humaine, 1933. Kunsthaus Zürich.

 

 

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Stein, von Menschenhand geformt, 1939. Kunstmuseum Basel.

 

Ab 1930: Abstrakte Plastiken.

In den 30er-Jahren wendet sich Hans Arp den Plastiken zu. Bei der Fertigung seiner Skulpturen wendet er die so genannte «direkte Methode» an, d.h. ohne vorher Zeichnungen anzufertigen.

 

Er will in seinen Plastiken bewusst nicht die Natur abbilden, sondern abstrakt bleiben. Oder surreal, über der Realität stehend. So produziert er eine ganze Reihe von Werken mit organisch-fliessenden Linien, die «nichts» darstellen.

 

Aber es gibt Ausnahmen. Zum Beispiel die «Concrétion humaine» von 1933 im Kunsthaus Zürich. Diese zeigt durchaus erkennbare weibliche Rundungen.

 

1940 besetzt die deutsche Wehrmacht Paris. Arps Werke werden von den Nazis als «entartet» gebrandmarkt. Arp flieht mit seiner Gattin in den unbesetzten Teil Frankreichs nach Grasse in der Nähe von Nizza.

 

1949 hat Arp seine erste Einzelausstellung in den USA. Dank seines Galeristen Curt Valentin verkauft er seine Werke immer besser.

 

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Cloud Shepher, 1953. Central University of Venezuela. Foto Caracas1830, WikiCommons.

 

Ab 1953: Bronzeskulpturen.

Für den Campus der Universität von Caracas in Venezuela fertigt Arp eine etwa 1.50 m hohe Bronzeskulptur und nennt sie «Wolkenhirt» (Cloud Shepher).

 

Ein Abguss davon steht seit 1961 im Skulpturengarten des Kröller Müller Museums in Otterlo NL, und eine übergrosse Version in Stein im Centre Pompidou in Paris.

 

1954 erhält Jean Arp auf der Biennale in Venedig den Grand Prix für Plastik. Für die UNESCO in Paris fertigt er grossformatige Wandreliefs.

 

Seine erste Retrospektive bietet ihm das Museum of Modern Art in New York 1958.

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