André Derain (1880-1954).


Bei Derain denkt man in allererster Linie an seine bunten Werke, die er in der Zeit des >Fauvismus um 1905 schuf, als er sich mit >Henri Matisse und
>Maurice de Vlaminck in >Collioure aufhielt. Aber er ist nicht nur ein Fauvist, sondern zeitlebens auf der Suche nach seinem eigenen Malstil.

 

André Derain kommt 1880 in Chatou bei Paris zur Welt. Sein Vater, ein Konditor, sitzt dort im Stadtrat. Er will den jungen André zum Offizier machen und schickt ihn auf die Ecole des Mines in Paris. Aber in Paris entdeckt er die Kunst. Er besucht die Académie Camille, sein Lehrer ist Eugène Carrière. In Montmartre teilt sich Derain ein Atelier mit Maurice de Vlaminck. Seine Werke zeigt er am Salon des Indépendants.

 

1905 dann die Zeit in Collioure mit Matisse und de Vlaminck. Sie verursachen mit ihrem Fauvismus einen Riesenwirbel in Kunstkreisen. Die Kritiker zerreissen sie, als sie im Salon d'Automne in Paris ausstellen.

 

 

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André Derain um 1903.

 

 

Von 1907 bis zum Ersten Weltkrieg 1914 arbeitet er in Paris, lernt Picasso, Braque und den Kubismus kennen. Im Krieg dient er in einer motorisierten Einheit und fertigt Illustrationen. Nach seiner Entlassung 1918 tritt er in die Theater- und Ballettwelt ein und entwirft Bühnenbilder.

 

Sein Malstil verändert sich nun stark. Seine Werke aus den 20er-Jahren haben nichts mehr gemein mit der Avantgarde – sie gehen in Richtung Klassik und Realismus. Das bringt Derain viel Kritik ein. Der Künstler zieht sich nach und nach aus der Pariser Gesellschaft zurück. In den 30er-Jahren wirkt er für die Pariser Oper, wo er für Kostüme und Dekorationen zuständig ist.

 

Sein neuer Malstil aus den 20er- und 30er-Jahren gefällt immerhin den deutschen Besatzern von Paris, die seine Werke als «typisch französisch» feiern. Sie laden Derain 1941 nach Berlin ein – zu >Arno Breker, Hitlers Lieblingsbildhauer. Der wird von den Nazis für seine «deutsche Kunst» verehrt. Als Bildhauer schafft Breker nicht nur jede Menge «arischer» Heldenskulpturen, sondern auch eine Büste des Führers.

 

Nach der Befreiung von Paris 1944 wirft man Derain vor, ein Kollaborateur der Deutschen gewesen zu sein. Man ächtet ihn, und er erhält keine öffentlichen Ausstellungen mehr in Frankreich. André Derain stirbt 1954 in Garches bei Paris.

 

 

 

>War Derain ein Kollaborateur?

 

>Wer war Arno Breker?

 

 

 

 

Titelbild (Ausschnitt)

André Derain, Les Quais de
La Tamise, 1906-07.
Centre Pompidou, Paris.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

pointillismus

Bäume bei Morgenlicht, 1904. Albertina-Batliner Wien.

 

1904: Divisionismus / Pointillismus.

Mit seinem Freund Maurice de Vlaminck erforscht er in Paris ab etwa 1900 neue Kunstformen wie den Divisionismus. Dabei werden reine Grundfarben verwendet, um ein Bild aus Punkten zu malen. Als Begründer dieses Stils gilt Paul Seurat (1859-1891); später ist es Paul Signac (1863-1935), der diese Malform Pointillismus nennt.

 

>mehr über Pointillismus

collioure

Collioure, 1905. National Galleries
of Scotland, Edinburgh.

1905: In Collioure mit den Fauvisten.

Den Sommer 1905 verbringt Derain mit den Künstlern >Henri Matisse und >Maurice de Vlaminck in einem kleinen Fischerdorf am Mittelmeer,
in >Collioure. Die drei Avantgardisten entwickeln dort einen Stil, der als Fauvismus in die Kunstgeschichte eingeht. Die Bezeichnung Fauvismus stammt vom Wort «fauve» ab, was in etwa «wilde Bestie» heisst.

 

>mehr über den Fauvismus

 

londonbrindge

London Bridge, 1905-06. Merzbacher Sammlung.

1905/1906: London in bunten Farben.

Der Fauvismus wird harsch kritisiert. Ein Kunsthändler erkennt allerdings, dass hier eine bedeutende Stilrichtung entstanden ist: Ambroise Vollard. Dieser nimmt Derain unter Vertrag und kauft seine Werke. 1905 und 1906 arbeitet Derain auch in London und schafft dort eine Serie von Bildern in fauvistischem Stil.

 

baeume

Paysage à Cassis, 1907. Musée d'art moderne de Troyes.

1907-1914: Der neue Pariser Einfluss.

In Montmartre trifft Derain jetzt auf Picasso, Braque und van Dongen. Deren Einflüsse bleiben nicht verborgen, Derain versucht sich auch im Kubismus und liefert Werke ab, die dem Postimpressionismus nahe stehen.

 

Während des Ersten Weltkrieges – er dient an der Front – fertigt er Illustrationen und stellt diese 1916 in der Gallerie Paul Guillaume in Paris aus.

 

akt

Nu à la Cruche,
1925. Orangerie
Paris.

 

frau-mit-hut

Portraitde de
Madame Paul
Guillaume au
grand chapeau,
1928-29.
Orangerie Paris.

 

 

1922-1939: Die grosse Stilwandlung.

Mit dem Pointillismus, dem Fauvismus und dem Kubismus schliesst Derain ab. Auf der Suche nach einem eigenen Stil findet er den Weg in eine spezielle Art, die manchmal an Cézanne und Renoir erinnert, mal hart, mal soft daher kommt oder gar der «Neuen Sachlichkeit» zugerechnet werden kann. Er verkauft seine Werke immer noch gut, aber es hagelt Kritik von allen Seiten. In der Pariser Zeitschrift «Chroniques du Jour» erscheint sogar eine Sondernummer, die sich mit der Frage befasst «Pour ou contre Derain?».

 

Was hat den Stil-Umschwung verursacht? Möglicherweise ein Besuch Roms in den Jahren 1921-22 und die dort angetroffenen klassischen Werke. Was seinen eigenen Stil betrifft, ist sich Derain selbst nie ganz sicher, er greift jedes Thema seiner Stimmung entsprechend auf. So pendeln die Stile zwischen Klassik, Realismus, Idealismus und detaillierter Sachlichkeit.

 

Zitate: «Ich fühle mich keinem Prinzip verpflichtet – ausser dem der Freiheit». Und: «Ich male einfach so gut ich nur kann. Der Jammer ist, daß viel zu viele Theorien in Umlauf sind und nicht genug Leidenschaft, sie zum Leben zu erwecken.»

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