Artemisia Gentileschi (1593-1654).


Die bedeutendste Malerin des italienischen Barocks. Sie kommt in Rom zur Welt, als Tochter des bekannten Malers >Orazio Gentileschi (1563-1639), der vor allem am Königshof London seine küstlerischen Spuren hinterlassen hat. Er erkennt rasch das Talent seiner begabten Tochter und unterrichtet sie in Malerei. Sie ist so erfolgreich, dass sie ihren Vater schon bald in den Schatten stellt.

 

 

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Artemisia Gentileschi (1593-1654).

Selbstporträt, 1638-39. British Royal
Collection. Foto WikiCommons.

 

 

Papa Orazio schickt seine Tochter zur weiteren Ausbildung zu seinem Malerkollegen Agostino Tassi (1580-1644). Der scheint aber auch noch andere Dinge im Kopf zu haben und vergewaltigt die 18-jährige. 1612 wird ihm deswegen der Prozess gemacht. In diesem wirft er der jungen Frau vor, eine Prostituierte zu sein. Sie – nicht er! – wird einer peinlichen Befragung unterzogen und sogar gefoltert, aber schliesslich überführt man Tassi der Tat und verurteilt ihn zu fünf Monaten Zwangsarbeit.

 

Artemisia heiratet dann den Florentiner Maler Pietro Antonio di Vicenzo Stiattesi und zieht nach Florenz. 1616 wird ihr die Ehre zuteil, als erste Frau in der Accademia dell'Arte aufgenommen zu werden.

 

Ihre ersten Aufträge als Künstlerin erhält sie von einem Grossneffen Michelangelos: Buonarroti dem Jüngeren (1568-1646), Dichter und Schriftsteller.

 

Gefördert wird sie aber vor allem von >Cosimo II, dem Grossherzog der Toskana (1590-1621) aus dem Hause der >Medici. Cosimo ist ein Unterstützer von Galileo Galilei. Auch Artemisia verkehrt mit Galileo.

 

Furore macht sie mit ihrem blutdrünstigen Gemälde «Judith enthauptet Holofernes». Ihr Name wird so bekannt, dass sie schon bald in Rom Aufträge erhält: von Kardinal Francesco Barberini, einem Neffen von Papst Urban VIII (auch ein Barberini).

 

1630 zieht sie nach Neapel und führt dort ihr eigenes Atelier. Nun ist sie so erfolgreich, dass sie bereits bessere Honorare erzielt als viele ihrer männlichen Kollegen. 1635 erhält sie eine Einladung an den Hof des englischen Königs Charles I nach London, wo ihr Vater Orazio Gentileschi eine zeitlang Hofmaler war.

 

In ihren letzten Lebensjahren leidet sie unter gesundheitlichen und finanziellen Problemen. Artemisia Gentileschi stirbt am 31. Januar 1654 in Neapel.

 

 

 

 

Titelbild (Ausschnitt)
Artemisia Gentileschi (1593-1654). Venus and Cupid, (Sleeping Venus), 1625-30. Virginia Museum of Fine Arts, Richmond. Foto WikiCommons.

 

 

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La Vergine col Bambino, 1609. Palazzo Pitti, Firenze.

1609: Madonna mit Bambino.

Ein Frühwerk, das sie im zarten Alter von 16 Jahren schafft. Wie ihr Vater >Orazio Gentileschi (1563-1639) ist sie eine Anhängerin des Malstils von >Caravaggio, der für sein «chiaro-scuro» mit sehr starken Lichtkontrasten berühmt ist.

 

Madonnenbilder malt sie in der Folge kaum noch. Dafür erzählt sie mit Begeisterung Geschichten aus dem Alten Testament und aus der griechisch-römischen Mythologie. Diesen Themen bleibt sie ein Leben lang treu.

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Susanna and the
Elders, 1610.
Schloss Weissen-
stein, Bayern.

 

1610: Susanna und die zwei alten Richter.

Eine Geschichte, die von zahllosen Künstlern in Gemälden beschrieben wird – manchmal heisst sie auch «Susanna im Bade». Sie stammt aus der Bibel (Buch Daniel, 13) und handelt von zwei alten Richtern, die Susanna nachstellen.

 

Nachdem sie sich verweigert, klagen sie sie des Ehebruchs an. Susanna wird zum Tod verurteilt. Doch der Prophet Daniel hat eine Eingebung: Er lässt die Richter verhören und findet heraus, dass sie lügen. Am Ende wird Susanna entlastet und die beiden Richter zum Tode verurteilt. >mehr

 

 

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Judith und Holofernes, 1620. Galleria degli Uffizi, Firenze.

 

1620: Die Enthauptung des Holofernes.

 

Wahrscheinlich ihr berühmtestes Bild: «Judith enthauptet Holofernes». Artemisia Gentileschi beschreibt die Szene blutdrünstig wie kaum ein anderer Künstler.

 

Es geht um die schöne und gottesfürchtige Judith, die sich für ihr Volk der Israeliten einsetzt. Die Assyrer greifen an und Judith schleicht sich ins Heerlager ihrer Feinde. Dort tötet sie den Anführer, General Holofernes.

 

 

>wie andere Künstler das Thema angingen

 

 

 

venus

Venus and Cupid, 1630. Virginia Museum of Fine Arts, Richmond. WikiCommons.

 

1630: Venus und Amor.

In der römischen Mythologie ist Venus die Göttin der Liebe und der Schönheit. Sie ist die Mutter des Amor (lat. Liebe). Manchmal trägt er auch den Namen Cupido (Begierde, Lust).

 

>mehr über Amor und Venus

 

In diesem Werk zeigt die Künstlerin Venus als Schlafende unter einem Samthang. Die Bettdecke ist in Ultramarin gemalt, einem teuren Pigment aus Lapislazuli. Hinter ihr schwingt Cupido einen Pfauenfederfächer, um seine Mutter vor nervenden Insekten zu schützen.

 

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Lot und seine Töchter, 1635. Toledo Museum of Art, Ohio. WikiCommons.

 

1635: Lot und seine Töchter.

Eine Geschichte aus dem jüdischen Tanach. Gott will Sodom zerstören, weil es eine sündige Stadt ist. Der fromme Lot – ein Neffe Abrahams – flieht aus der Stadt und versteckt sich mit seinen Töchtern in einer Höhle.

 

Diese befürchten, dass es keinen Mann gäbe, der mit ihnen Nachkommen zeugen könnte. Deshalb machen sie ihren Vater betrunken und lassen sich von ihm begatten. So wird Lot zum Vater (und Grossvater) der Söhne Moab und Ben-Ammi, aus denen die Völker der Moabiter und Ammoniter entstehen.

 

>mehr über Sodom und Gomorrah

 

 

bathseba

Bathsheba, 1637. Columbus Museum of Art. WikiCommons.

 

1637: Die schöne Bathseba.

 

König David hat schon viele Ehefrauen, aber eines Tages sieht er von seinem Palast aus die schöne Bathseba und begehrt sie. Blöd nur, dass sie schon verheiratet ist. Und erst noch mit einem Soldaten aus Davids Armee, Uria heisst er. David aber will die Frau und macht sie zur Witwe – mit einem ziemlich geschmacklosen Trick: Er schickt Uria an die Front, und dort kommt dieser wie geplant in der Schlacht um.

 

So kommt David an Urias Witwe ran. Er macht Bathseba zu seiner achten Ehefrau. Gott ist mit Davids Vorgehen nicht glücklich, – und er bestraft Bathseba mit dem Tod ihres Erstgeborenen. Das zweite Kind kommt dann zur Welt: es ist Solomo, der neue König von Israel.

 

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Sansone et Dalila, 1638. Banco Commerciale Italiana. WikiCommons.

 

1638: Samson und Delilah.

Noch ein Held aus dem Alten Testament. Samson ist von Gott mit unbesiegbarer Stärke ausgestattet. Er hat nur einen Schwachpunkt: Nie darf eine Schere an sein Haar gelangen, sonst verliert er seine Kraft.

 

Dann verliebt sich der Held in Delilah. Samsons Feinde versuchen über Delilah an das Geheimnis seines Schwachpunkts zu kommen, sie bestechen Delilah. Samson verrät ihr sein Geheimnis, sie gibt es an die Philister weiter. Im Schlaf schneidet man ihm die Haare ab und blendet ihn.

 

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Fotos / Diashow

 

   
   

 

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