Sein Name taucht vor allem im Zusammenhang
mit der in den 1930er-Jahren gebildeten Künstlergruppe der >Zürcher Konkreten auf, deren Mitglied er war.
Er gilt als bedeutender Vertreter der konstruktiv‑
konkreten Kunst und war ein Pionier der modernen Schweizer Grafik.
Richard Paul Lohse, 1982.
Foto©Hans-Peter Siffert, Zürich.
Paul Lohse-Stiftung.
Lohse wurde 1902 in Zürich in bescheidene familiäre Verhältnisse geboren. Gerne wäre er Maler geworden, aber das liessen die finanziellen Umstände nicht zu. Also absolvierte er ab 1918 eine Lehre als Reklamezeichner im Werbeatelier Max Dalang. Parallel zur Gebrauchsgraphik entwickelte er sich autodidaktisch als Maler, zunächst mit expressiven Stillleben und Landschaften.
In den 1930er-Jahren entwickelte er sich als Grafiker zu einem der Pioniere der modernen Schweizer Sach- und Gebrauchsgrafik. 1937 gründete er zusammen mit Leo Leuppi die Künstlervereinigung «Allianz», in deren Umfeld sich die «Zürcher Konkreten» formierten.
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1943 schaffte er den Durchbruch in die Malerei. Er entwickelte modulare, serielle Farb‑ und Formsysteme, mit denen er zum international bekannten Repräsentant der systematisch‑konstruktiven Malerei wurde.
Als Mitredaktor der Zeitschriften «Bauen+Wohnen» und «Neue Grafik» in den 1950er-Jahren prägte er zudem die Theorie und Praxis des modernen Grafikdesigns der Nachkriegszeit.
International bekannt wurde Lohse vor allem durch Ausstellungen in wichtigen europäischen Museen.
Seine erste Retrospektive hatte er 1961 im Stedelijk
Museum in Amsterdam. 1965 bespielte er mit Jean Tinguely den Schweizer Pavillon an der 8. Biennale von São Paulo. Von besonderer Bedeutung waren zudem seine Teilnahmen an der documenta 4 in Kassel im Jahr
1968, an der 36. Biennale von Venedig 1972, bei
der er die Schweiz vertrat, sowie seine erneute
Beteiligung an der documenta im Jahr 1982.
Richard Paul Lohse starb 1988 in Zürich.
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Ausstellung Haus Konstruktiv.
Foto©Haus Konstruktiv, Zürich.
Sie wird in Kooperation mit der Richard Paul Lohse-Stiftung, dem MASI Lugano, dem Josef Albers Museum, Bottrop, und dem Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen am Rhein ausgerichtet. Die Ausstellung zeigt rund fünfzig Werke, die zwischen 1942 und 1987 entstanden sind und dokumentiert damit sein Schaffen, das sich von abstrakten Ansätzen hin zu einer geometrisch-systematischen Bildsprache entwickelte.
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Titelbild (Ausschnitt)
Richard Paul Lohse (1902-1988). Serielles
Reihenthema in achtzehn Farben,1981-82,
Format 198x594cm.
Richard Paul Lohse-Stiftung.
Konkret oder Konstruktiv?
Eigentlich zählt Lohse zu den konkreten Künstlern – aber er bevorzugte stets den Begriff «Konstruktiv». Damit verwies er auf einen konstruktiven, seriellen Ordnungscharakter seiner Bilder. Er führte das serielle Prinzip ein, das alle Elemente des Bildes gleichartig behandelt. Farbbändern, die in einem Raster formaler und
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Richard Paul Lohse (1902-1988). Dynamische Konstruktion, 1942. Privatbesitz.
Richard Paul Lohse (1902-1988). Verwandlung |
1942: Lohses erste dynamische Konstrukte
Seine frühesten Arbeiten sind dynamische Konstruktionen. Diese Bilder gehen aus freier Abstraktion hervor und führen später zum modularen Ordnungssystem, für die der Künstler besonders bekannt ist.
Diese dynamischen Konstruktionen der experimentellen Abstraktion verbinden sich später mit der seriellen Systematik.
Die in der Ausstellung präsentierten Bilder zeigen frei im hellen Raum schwebende Dreiecke in Rot, Gelb, Blau und Schwarz. Es sind gewisse Anklänge an >Kasimir Malewitschs suprematistische Werke zu erkennen. Die Werke weisen eine dynamische Diagonalität auf, die sich von den späteren, streng vertikal‑orthogonalen Feldern unterscheidet.
Noch im selben Jahr verabschiedet sich Lohse vom Dreiecksmotiv und richtet den Fokus auf die Vertikale.
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Richard Paul Lohse (1902-1988). Vertikal Rhythmus, 1942. Richard Paul Lohse-Stiftung.
Richard Paul Lohse (1902-1988). Konkretion I, 1945-46. Richard Paul Lohse-Stiftung. |
1942: Der vertikale Rhythmus
Dieses Bild gehört zu den frühesten Arbeiten, in denen Lohse die Vertikale als zentrales Strukturelement einsetzt. Feine, eng gesetzte vertikale Linien gliedern sich in einem hellen Bildgrund und erzeugen eine gleichmässig pulsierende Bildfläche, die keinen privilegierten Bildbereich kennt. Das Bild verzichtet auf diagonale oder figürliche Bezüge und konzentriert sich auf ein orthogonales, strikt vertikal organisiertes Linienfeld. (Orthogonal bedeutet rechtwinklig und sagt aus, dass zwei Linien sich im 90‑Grad‑Winkel schneiden, also senkrecht zueinander stehen).
Konkretion I. Die Komposition besteht aus dem seriellen Fortlauf identischer linearer Elemente, die ein orthogonales System andeuten. In theoretischen Texten wird betont, dass Lohses «logische Malerei» mehr will als das Bebildern mathematischer Gesetze: Sie soll Strukturen sichtbar machen, die sich auf reale gesellschaftliche Ordnungen beziehen – was immer das heisst.
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Richard Paul Lohse (1902-1988). Fünfzehn systematische Farbreihen mit zentraler vertikaler und horizontaler Verdichtung nach unten, 1943-68. Richard Paul Lohse-Stiftung.
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1943: Systematische Farbreihen
Das Bild zeigt eine komplexe Anordnung von Fünfzehn chromatischen Reihen, die jeweils nach einem festen Zahlensystem organisiert sind. Die Reihen sind so versetzt und verschränkt, dass keine Farbe eine dauerhafte Dominanz erhält.
Verdichtung heisst das kompositorische Prinzip, nach dem sich Farbfelder zur Bildmitte und nach unten hin häufiger und enger gruppieren.
Das Werk gehört zu Lohses sogenannten «seriellen Ordnungen», in denen er mehrstufige Farbskalen in Rasterstrukturen einsetzt, um Gleichheit, Variation und Rhythmus innerhalb eines streng kontrollierten Systems zu untersuchen.
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Richard Paul Lohse (1902-1988). Rhythmisches System horizontaler Teilungen, 1949-54. Richard Paul Lohse-Stiftung.
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1949: Horizontale Teilungen
Der Titel verweist auf zwei Kernelemente: «System» und «horizontale Teilungen». Gemeint ist eine Bildstruktur, die aus waagerecht geschichteten Zonen oder Bändern besteht, die nach festen Regeln gegliedert sind. Die Datierung 1949–54 markiert eine Übergangsphase: Lohse lässt die linearen Vertikalbilder der frühen 1940er hinter sich und entwickelt nun modulare Systeme aus rechteckigen oder quadratischen Farbfeldern, die sich in Gruppen und Reihen ordnen lassen. |
Richard Paul Lohse (1902-1988). Farbgruppen um ein rotes Zentrum, 1952-75. Richard Paul Lohse-Stiftung. |
1952: Modulare Ordnungen
Dieses Werk gehört zu den modularen Ordnungen, in denen Lohse Farbgruppen um einen klar definierten chromatischen Mittelpunkt organisiert – hier ist es ein zentrales Rotfeld.
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Richard Paul Lohse (1902-1988). Sechzehn asymmetrische Farbstufengruppen innerhalb eines symmetrischen Systems, 1963. Richard Paul Lohse-Stiftung. |
1963: Asymmetrische Abstufungen
Ein Lehrstück dafür, wie Lohse asymmetrische Farbgruppen in ein streng ausbalanciertes, symmetrisches Gesamtgefüge einspannt. Der Titel
Damit thematisiert das Bild programmatisch die Spannung zwischen lokaler Asymmetrie und globaler Symmetrie: Das Element bleibt unregelmäßig, die Gesamtordnung bleibt ausgewogen.
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Richard Paul Lohse (1902-1988). Serielles Reihenthema in achtzehn Farben, Variation A, 1981-1982, Format |
1981: Serielles Reihenthema
Lohse vertritt 1972 an der Biennale von Venedig die Schweiz und beteiligt sich dann 1982 an der documenta in Kassel. Dort zeigt er u.a. seine drei
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Richard Paul Lohse (1902-1988). Fünfzehn systematische Farbreihen mit heller Betonung, 1987. 150x150cm. Privatsammlung. |
1987: Exemplarisches Spätwerk
Dieses 150x150cm grosse Bild ist ein Spätwerk des Künstlers, es entstand etwa ein Jahr vor seinem Tod. Jede Reihe enthält alle fünfzehn Farben derselben Palette, jedoch jeweils in zyklisch verschobener Reihenfolg.
In dieser Phase geht es dem Künstler weniger um das Erfinden neuer Systeme, als vielmehr um das Ausloten der farblichen Spielräume mit nuancierten Varianten. Das Bild zeigt exemplarisch, wie konsequent Lohse sein Programm bis zum Lebensende durchzieht.
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Fotogalerie Richard Paul Lose
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