Andrea Mantegna (1431-1506).


Er zählt zu den bedeutendsten Malern der
italienischen Frührenaissance. Weltberühmt ist er vor allem für seine Fresken, die er in Mantua hinterlassen hat – im Palazzo der Grafenfamilie Gonzaga.

 

 

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Andrea Mantegna, Selbstbildnis
ca. 1504. Bronze, Cappella di
Giovanni Battista, Sant'Andrea,
Mantua.

 

 

Andrea Mantegna kommt 1431 in der Provinz Padua zur Welt (ca. 60 km nordwestlich Venedigs). Sein Vater ist ein einfacher Schreiner. Klein-Andrea muss als Kind Vieh hüten. Mit zehn Jahren ist er bereits Vollwaise und kommt als Elfjähriger in die Malschule von Francesco Squarcione in Padua. Später kann er in der Werkstatt des berühmten Bildhauers >Donatello arbeiten. Donatello gilt als Mantegnas wichtigster Lehrmeister.

 

In Padua liefert er seine ersten Werke ab. In Form von Altartafeln und Fresken für eine Grabkapelle.

 

Mit 29 Jahren wird er 1460 Hofmaler der Familie Gonzaga in Mantua, im Palazzo Ducale. Diesen Posten hat er fast fünf Jahrzehnte lang inne, bis zu seinem Tod 1506.

 

 

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Castello di San Giorgio, Teil des Palazzo
Ducale in Mantua. Foto beniculturale.it

 

 

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Mantua. Foto GoogleEarth.

 

 

Hauptwerk im Palazzo Ducale – genauer: im Castello di San Giorgio – ist die «Camera degli Sposi» mit ihren gewaltigen Fresken – die grösste Touristenattraktion der Stadt. Daran arbeitet Mantegna neun Jahre lang, bis 1474.

 

Der Tod seiner Gattin 1470 trifft ihn schwer. Er malt eines seiner stärksten Bilder: Die Beweinung Christi. Ein Auftraggeber ist nicht bekannt, wahrscheinlich malte er es für sich selbst. Man findet das Werk erst nach seinem Tod im Atelier.

 

Zwischen 1488 und 1490 hält sich Mantegna in Rom auf, wo er für Papst Innozenz VIII (1432–1492) an den Fresken der Cappella Belvedere im Vatikan arbeitet. Diese fallen 1780 einem Feuer zum Opfer.

 

In seinen letzten Lebensjahren arbeitet er auch an Grisaille-Gemälden (Werke in weiss, grau und schwarz) und wendet sich hier antiken und mythologischen Themen zu.

 

Mantegna verstirbt am 13. September 1506 und wird in der Basilica di Sant Andrea in Mantua in einer prächtigen Grabkapelle beerdigt. Er soll sie selbst entworfen haben.

 

 

 

 

 

 

 

Titelbild (Ausschnitt)
Andrea Mantegna (1431-1506).

Mars et Venus, 1497.

Musée du Louvre Paris.

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Cappella Ovetari, 1448. Chiesa degli Eremitani, Padua. Foto Web Gallery of Art.

 

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Der heilige
Markus, 1450. Städelsches Kunstinstitut.

 

1448: Erste Werke in Padua.

Bereits als 17-jähriger malt er für die Kirche der Heiligen Sofia in Padua Altartafeln.

 

Seine ältesten erhaltenen Werke gibt es in der Grabkapelle Ovetari der Chiesa degli Eremitani in Padua zu sehen. Es sind Fresken, die er im Auftrag der Witwe des Notars Antonio Ovetari anfertigt. Sie wurden im Zweiten Weltkrieg grossteils zerstört.

 

Eine der teilweise erhaltenen Szenen zeigt die Fortbringung des Körpers des heiligen Christophorus. Mantegna setzt die Szene in eine seiner Fantasie frei entsprungene Stadt mit Elementen aus der Antike und des Quatrocento.

 

Ein schönes Beispiel seiner Fähigkeiten als Porträtmaler ist das ausgesprochen lebhaft wirkende Gemälde auf Leinwand des heiligen Markus. Als er dieses malt, ist er erst 19-jährig.

 

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Darbringung
Christi im Tempel,
1453-54.
Gemäldegalerie
Berlin.

 

 

1453: Schwager von Giovanni Bellini.

Andrea Mantegna vermählt sich mit Nicolosia Bellini, einer Halbschwester des venizianischen Malers Giovanni Bellini (1437-1516). Durch diese Verbindung erschliesst sich Mantegna einen Kreis von venezianischen Auftraggebern.

 

1454 kommt sein Sohn zur Welt. Zu diesem Anlass schafft er das Gemälde «Presentazione di Gesù al Tempio». Eines seiner berühmtesten Werke.

 

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Palazzo Ducale,
Mantua.

 

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Markgraf Ludovico III
Gonzaga.

 

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Camera picta oder Camera degli Sposi.

 

 

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Mantua (Film).

 

 

ab 1460: Am Hof der Gonzaga in Mantua.

Markgraf Ludovico III Gonzaga (1412-1478) ernennt Mantegna 1460 zum Hofmaler. Er erteilt ihm den Auftrag für die Deko der Schlosskapelle, für Wandteppiche und für Tafelbilder. Davon sind keine mehr erhalten.

 

Dafür wirkt sein grösstes Werk umso imposanter: Die «Camera degli Sposi» (auch Camera picta genannt) im Castello di San Giorgio, das zum Palazzo Ducale gehört. Ein Brautpaar kommt zwar darin nicht vor, dafür aber die glorreiche Präsentation der Gonzaga-Familie.

 

Der richtige Name für den Raum im Palazzo wäre eigentlich Camera picta – bemaltes Zimmer – was der Sache schon näher kommt. Anlass für die Errichtung des quadratischen Raumes von über acht Metern ist die Ernennung von Francesco Gonzaga (Sohn des Markgrafen Ludovico III) zum Kardinal im Jahr 1461.

 

Mantegna beginnt mit der Anbringung der Fresken in der Camera picta 1465. Die Arbeiten dauern neun Jahre, bis 1474. Heute sind diese Fresken das absolute Highlight des Palazzo Ducale und die grösste Touristenattraktion Mantuas.

 

 

>Film Palazzo Ducale Mantua (YouTube)

 

>mehr über Mantua und die Gonzaga

 

 

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Familie Gonzaga.

 

 

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Westwand.

 

 

 

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Deckenfresko.

 

1465-1474: Die Fresken der Camera picta.

In diesem Ausschnitt der Nordwand stellt Mantegna den Kern der Familie Gonzaga dar. Das Oberhaupt, Ludovico III, ist im Gespräch mit seinem Sekretär, nachdem er eben einen Brief erhalten hat. Neben ihm sitzt seine Gattin, Barbara von Brandenburg, umgeben von ihren Nachkommen Ludovico, Rodolfo und Paola.

 

An der Westwand befindet sich rechts aussen die «Meeting-Szene». Sie zeigt Ludovico im Gespräch mit seinem zweiten Sohn Francesco Gonzaga, der eben Kardinal geworden ist und die Hand seiner Frau hält. Sie werden von ihren Kindern Francesco und Sigismondo begleitet.

 

Das Deckenfresko Mantegnas ist eine wunderbare Spielerei des Künstlers. Im Zentrum der Okulus, der den Blick in einen blauen Himmel simuliert, in dem sich – genial verkürzte – Putten in einer fiktiven Balustrade tummeln, als ob sie sich auf dem Dach des Palazzo befinden würden. Die Höflinge, die ebenso fiktiv in den Raum unter sich blicken, scheinen mit den Besuchern zu kommunizieren.

 

 

   

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Beweinung Christi, 1470-74. Pinacoteca di Brera.

1470: Der «verkürzte Christus».

Eines der bekanntesten Werke Mantegnas. Er malt es nach dem Tod seiner Gattin – für sich selbst. Man findet es in seinem Atelier nach seinem eigenen Tod. Sein Sohn verkauft es an Kardinal Sigismondo Gonzaga, später kommt es auf den Antiquitätenmarkt und verschwindet bis anfangs des 19. Jahrhunderts. 1824 kauft es die Pinacoteca di Brera.

 

Das Thema «Beweinung Christi» ist alt, aber die Darstellung ist revolutionär, vor allem zu diesem frühen Zeitpunkt der Renaissance. Mantegna zeigt den toten Christus von unten und perspektivisch perfekt verkürzt. Ein absoluter Höhepunkt in seinem Schaffen.

 

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Battle of Sea Gods, 1480. WikiArt.

1475: Kupferstiche.

Es heisst, dass Mantegna am Hof in Mantua seinen Lohn nicht immer bekommen habe. Deshalb muss er sich nach anderen Einnahmequellen umsehen. Er wendet sich dem noch jungen Medium Druckgrafik zu und entwirft Stiche, die er in der Regel von Spezialisten in Druckplatten umsetzen lässt. Dieses Sujet «Kampf der Seegötter» soll er allerdings eigenhändig verarbeitet haben. Mantegna betreibt die erste Kupferstecherwerkstatt in Italien.

 

parnassus

Mars et Venus, 1497. Musée du Louvre Paris.

1497: Mars und Venus für Isabella.

Mantegna malt dieses Bild für Isabella d'Este, genauer: für ihr Cabinetto im Castello von Mantua.

 

Isabella d'Este ist die Tochter des Herzogs von Ferrara und wird 1490 als 16-jährige mit dem Markgrafen von Mantua, Francesco II Gonzaga, verheiratet. Als Mantegna dieses Bild malt, wohnt Isabella noch in Ferrara. Der Künstler schreibt ihr, das Werk sei fertig und könne jetzt besichtigt werden.

 

Isabella ist sehr kunstsinnig, belesen, musizierend und spielt Schach, weiss aber auch ihre politischen Geschäfte als Stellvertreterin ihres Mannes zu führen. Nach seinem Tod 1519 regiert sie auch für ihren Sohn, Federico II Gonzaga. Zudem ist sie eine wichtige Mäzenin für verschiedene Künstler.

 

>mehr über Isabella d'Este

 

Das Gemälde zeigt die ehebrecherischen Götter
Mars und Venus auf einem Felsenbogen, hinter ihnen das symbolische Bett. Der gehörnte Ehemann, Vulkan, stürmt aus seiner Schmiede und zeigt drohend auf das Paar. Unten tanzen die Musen, von Mantegna höchst fröhlich und elegant dargestellt.

 

 

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Andrea Mantegna (1430-1506). Samson and Delilah, 1500. National Gallery London.

 

1500: Grisaille-Malerei.

Man steht vor dem Bild – es hängt in der National Gallery in London – und denkt: Aha, ein Entwurf. Ist es aber nicht. Es ist ein fertiges Bild in Grisaille-Technik.

 

In seinen letzten Lebensjahren beschäftigt sich Mantegna mit diesem speziellen Malstil. Unter Grisaille (abgeleitet von gris, grau) versteht man Bilder, die nur aus Weiss, Schwarz und Grau bestehen. Durch das Abstufen von verschiedenen Grautönen erreicht man den Eindruck einer gewissen Dreidimensionalität. Ideal für die Darstellung von skulpturalen und kirchlichen Werken.

 

Mantegna verwendet hier Grisailletechnik am mythologischen Thema von Samson und Delilah, kann aber offenbar der Versuchung nicht ganz widerstehen, doch noch etwas Farbe ins Bild zu bringen.

 

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Fotos / Diashow

 

   
   

 

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