François Boucher (1703-1770)


Mit dem Namen Boucher sind drei Begriffe eng verbunden: Rokoko, erotische Bilder und Madame Pompadour. Er gehört zu den drei Grossen des französischen >Rokoko, zusammen mit >Watteau
und >Fragonard.

 

 

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François Boucher um 1741. Von

Gustav Lundberg (1695-1786).

Musée du Louvre Paris.

 

 

François Boucher kommt 1703 in Paris zur Welt. Sein Vater ist Möbeldesigner und Dekorateur. Mit 17 startet er seine künstlerische Ausbildung im Atelier von François Lemoyne (1688-1737), einem der führenden Dekorationskünstler in der Zeit des Rokoko. Malerisch orientiert sich Boucher aber eher an >Tizian und >Veronese.

 

Nach drei Jahren Lehrzeit gewinnt er 1723 den begehrten «Prix de Rome», eine Auszeichnung der «Académie royale de peinture et de sculpture», die ihn zu einem Kunststudium in Rom berechtigt. Dieses schiebt er zwar noch auf und verdient sein Geld zunächst als Grafiker und fertigt Radierungen nach Werken von >Antoine Watteau. 1727 tritt er dann aber sein vierjähriges Studium in Rom an, wo er sich auf Werke alter Meister des Barocks und der italienischen und niederländischen Landschaftmaler konzentriert.

 

1731 kehrt er nach Paris zurück und widmet sich der in Rom gelernten Historienmalerei und mythologischen Themen. Jetzt erhält er die offizielle Anerkennung in Form einer Mitgliedschaft an der Académie Royale de Peinture et de Sculpture. Damit zeichnet man ihn für das Gemälde «Rinaldo et Armida» aus. Heute im Louvre zu sehen.

 

1734 wird er zum Professor der Akademie ernannt und übernimmt später die Leitung der «Manufacture royale des tapisseries» in Beauvais. Etwa gleichzeitig erhält er eine Reihe bedeutender Aufträge des Königshofs. König Louis XV sowie dessen «offizielle Mätresse», die Marquise de Pompadour, gehören zu seinen Unterstützern. Aber auch Kunstsammler aus der Bürgerschaft schätzen seine Werke – darunter auch Graf Carl Gustav Tessin, der schwedische Botschafter in Paris.

 

Ab 1741 ist Boucher auch an Dekorationsarbeiten in den Schlössern Versailles und Fontainebleau beteiligt, ebenso am Medaillenkabinett der Nationalbibliothek, und ab 1750 kreiert er zahlreiche Bühnenbilder für Theater und Oper.

 

1765 beruft man Boucher in die angesehensten Positionen des französischen Kunstbetriebs: Er wird «Premier Peintre du Roi» (erster Maler des Königs) und Direktor der Königlichen Akademie.

 

Seit Beginn des >Klassizismus etwa um 1750 ist sein Rokoko-Malstil etwas aus der Mode gekommen – Boucher bleibt diesem aber bis zu seinem Tod treu und stellt seine Werke auch immer wieder im >Salon de Paris aus.

 

François Boucher stirbt am 30. Mai 1770 im
Alter von 66 Jahren in Paris.

 

 

 

 

 

 

 

 

Titelbild (Ausschnitt)

François Boucher (1703-1770).

Pan and Syrinx, 1759. National Gallery London.

 

 

 

 

 

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François Boucher (1703-1770). Rinaldo et Armida, 1734. Musée du Louvre, Paris.

 

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François Boucher (1703-1770). Geburt und Triumph der Venus, 1740. Schwedisches Nationalmuseum Stockholm.

 

Start mit Historienmalerei

 

In Rom studiert Boucher die Meister des Barocks und die Geschichtsmalerei. Zurück in Paris malt er das Bild «Rinaldo et Armida» und wird dafür mit der Aufnahme in die «Académie Royale de Peinture et de Sculpture» ausgezeichnet.

 

Die Szene stammt aus dem berühmtesten Werk des italienischen Dichters Torquato Tasso (1544-1595), «La Gerusalemme liberata» (Das befreite Jerusalem). Es spielt während des 1. Kreuzzugs der Christen im Jahr 1095. General Goffredo verspricht seinem besten Krieger Rinaldo die Hand seiner Tochter Almirena als Siegesprämie. Die Zauberin Armida, eine Muslima, raubt Almirena aus den Armen Rinaldos. Er will seine Braut befreien, gerät aber auch in Gefangenschaft. Nun verliebt sich Armida in den Helden – doch der liebt nur Almirena. Aber auch Rinaldo und Almirena müssen sich schon bald wieder trennen, da Rinaldo seinen Auftrag erfüllen muss – den Christen zum Sieg über die Muslime zu verhelfen.

 

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François Boucher (1703-1770). Leda und der Schwan, 1742. Nationalmuseum Stockholm.

 

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François Boucher (1703-1770). Hercules et Omphale, 1735. Puschkin Museum Moskau.

Mythologische Themen und Erotik

 

Die mythologischen Geschichten des antiken Griechenlands sind ein Steilpass für den Künstler, der gerne erotische Szenen malt. Während in biblischen Werken nackte Haut nur spärlich oder gar nicht eingesetzt werden darf, kann er hier aus dem Vollen schöpfen. Er produziert zahllose Werke mit Venus-, Diana- und Amordarstellungen. Auch der notorische Schwerenöter Zeus darf da nicht fehlen. Im Gemälde «Leda und der Schwan» hat sich Zeus in einen Schwan verwandelt, um an die schöne Leda ranzukommen...

 

>mehr über Leda und der Schwan

 

Eine spannende Geschichte aus der griechischen Mythologie ist auch Herkules und Omphale. In der ergeht es Herkules zunächst ziemlich schlecht: Er wird zum Sklaven der Omphale und von dieser bös gedemütigt, bis ihm endlich die Augen aufgehen...

 

 

>mehr über Herkules und Omphale

 

 

 

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François Boucher (1703-1770). Porträt Madame Pompadour,
1750-58. Scottish National Museum, Edinburgh.

 

 

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François Boucher (1703-1770). Madame de Pompadour, 1756. Alte Pinakothek München.

 

 

Günstling der Madame Pompadour

 

Eigentlich heisst sie ja Marquise de Pompadour und ist die Mätresse von König Louis XV – aber zum Künstler François Boucher entwickelt sie eine spezielle Beziehung. Sie kommt 1721 in Paris zur Welt, ihr Vater ist (wahrscheinlich) ein Banker. 1741 heiratet sie einen wohlhabenden Seigneur. 1745 trifft sie an einem Maskenball bei Kronprinz Louis Ferdinand den >König Louis XV. Der scheint ziemlich begeistert von ihr zu sein. Er macht sie nicht nur zu seiner offiziellen Mätresse («maîtresse en titre»), sondern adelt die Bürgerliche sogar zur «Marquise de Pompadour».

 

Als offizielle Mätresse des Königs fördert sie nun Intellektuelle wie Denis Diderot oder auch Künstler wie François Boucher. Sie ist selbst auch am Malen interessiert und lässt sich von ihm unterrichten.

 

Im Auftrag des Königs malt Boucher sie mehrfach – stets in prachtvollem Ornament, in royaler Umgebung (hier im Schloss Versailles) und stark idealisiert. Madame Pompadour sitzt nur wenige Stunden Modell – für ihr Antlitz. Das prunkvolle Kleid mit all den Ornamenten entsteht später im Atelier des Künstlers.

 

 

   

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François Boucher (1703-1770). L'Odalisque Brune, 1745. Musée du Louvre Paris.

Die verführerische Odaliske

 

In der Epoche des Rokoko braucht es kaum noch «mythologische Ausreden», um Akte zu malen. Boucher malt solche mit Vorliebe.

 

Seine «Odalisque brune» ist nur eine von zahlreichen solcher verführerischer (oder voyeuristischer?) Darstellungen. Im Wortsinn ist eine Odaliske zwar eine Haremsdame, aber es besteht die Vermutung, dass die hier Abgebildete Bouchers Ehefrau Marie Jeanne ist, mit der er seit 1733 verheiratet ist. Von diesem Sujet gibt es noch eine weitere Version, die in München hängt. Eine dritte malt er 1752, diesmal ist seine Odalisque blond und zeigt eine Frau, die König Louis XV verführt haben soll (Marie-Louise O'Murphy).

 

François Boucher (1703-1770). Junge Frau mit Rosenbukett, 1760. Musée Cognacq-Jay, Paris.

Die unterschwellige Erotik des Rokoko

 

In Bouchers Werken gibt es aber auch eine Reihe von Bildern, die sich nicht der nackten Haut bedienen, um Erotik auszustrahlen. Das Gemälde «Junge Frau mit Rosenbukett» ist ein gutes Beispiel dafür. Es (oder ist es die Dame?) fasziniert mit «délicatesse» und zarten Fabtönen.

 

Die Frau, die dieses erotische Selbstbewusstsein ausstrahlt, ist wahrscheinlich die zwanzigjährige Tochter des Künstlers: Marie-Emilie Boucher, verheiratet mit Pierre Antoine Baudouin.

 

 

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Fotos / Diashow

 

   
   

 

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