Klassizismus 1750-1820


Der Klassizismus entsteht im Zeitalter der Aufklärung, die vor allem von Frankreich ausgeht: «Liberté, Egalité, Fraternité»... In der Malkunst heissen die Ideale Vernunft und Rationalität. Damit bildet dieser neue Stil einen Gegenpol zum vorher herrschenden spielerisch-leichten >Rokoko.

 

Der Klassizismus sucht die Harmonie, aber auch eine rationale Nüchternheit, Sachlichkeit und Strenge. Klassizistische Werke zeichnen sich in der Regel durch einfache und klare Formen aus.

 

Das Ziel der Künstler besteht darin, eine die Natur idealisierende Vollkommenheit zu erreichen. Die Kunstwerke sollen «schön und edel» sein – Vorbild ist die Antike. Es geht weniger um die Abbildung der Realität, als vielmehr um die Idee der Aussage.

 

 

ingres

>Jean Auguste Dominique Ingres.
Jupiter und Thetis, 1811.
Musée Granet, Aix-en-Provence.

 

 

gerard

François Gérard (1770-1837).
Amor und Psyche, 1798.

Musée du Louvre, Paris.

 

 

 

tischbein

Johann Heinrich Wilhelm Tischbein

(1751-1829). Goethe in der Campagna,

1787. Städel Museum Frankfurt.

 

 

 

 

Zeitliche Abgrenzungen von Stilepochen sind extrem schwierig und ungenau. Es gibt immer wieder Überlappungen und Ausreisser. Also brauchte es eine Art Übereinkunft der Kunsthistoriker, um die Zeiträume zu erfassen und festzulegen. Nach der heute üblichen «Ordnung» endet der Klassizismus etwa um 1820, es folgt >Die moderne Kunst.

 

 

 

 

Titelbild (Ausschnitt)

Jacques-Louis David (1748-1825).

Napoleon am Grossen Sankt Bernhard, 1801.
Museum Belvedere Wien.

 

 

 

 

 

 

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Jacques-Louis David (1748-1825). Abschied von Telemachus von Eucharis, 1818. Getty Center, Los Angeles.

 

 

Zeitliche Einordnung Klassizismus

 

1300 - 1600 >Renaissance

1520 - 1600 >Spätrenaissance/Manierismus

1600 - 1750 >Barock

1730 - 1780 >Rokoko

1750 - 1820 Klassizismus

1820 - 1850 >Romantik

1850 - 1880 >Realismus

1860 - 1900 >Symbolismus

1870 - 1900 >Impressionismus

 

1900 - 1950 >Moderne Kunst ab 1900

 

 

>Stilepochen im Überblick

 

 

   

Französische Künstler in der Zeit des Klassizismus

 

vien

Joseph-Marie Vien (1716-1809). Deux femmes au bain, 1763. Musée Henri-Martin, Cahors.

 

Joseph-Marie Vien (1716-1809).

In Frankreich sieht man den in Montpellier geborenen Vien als Vorreiter des Klassizismus.

 

1750 gründet er in Paris seine eigene Malschule. 1775 wird er mit der Leitung der französischen Schule in Rom betreut. 1789 wird er in Paris Hofmaler von >König Louis XVI. Nach der Revolution ernennt ihn Napoleon zum Senator.

 

Einer der bedeutendsten Schüler von Vien ist Jacques-Louis David.

 

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Jacques-Louis David (1748-1825). Schwur der Horatier, 1784. Musée du Louvre Paris.

 

 

 

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Jacques-Louis David (1748-1825). Napoleon am Grossen Sankt Bernhard, 1801. Belvedere Wien.

 

 

 

Jacques-Louis David (1748-1825).

 

Er lebt in einer spannende Epoche: Als er 20 ist, kommt gerade Napoleon zur Welt. Mit 40 ist er mitten drin in der französischen Revolution. Als feuriger Anhänger der Republikaner wird er selbst politisch aktiv. Schafft es bis weit nach oben, wird Mitglied des Nationalkonvents. Und stimmt schliesslich mit diesem für die Hinrichtung des Königs.

 

Sein Gemälde Schwur der Horatier gilt als eine Art Gründungswerk des Klassizismus. Es trägt Züge, die man bei David immer wieder findet: Hang zum Pathetischen, zum Tragischen. Was eigentlich nicht so zum Klassizismus passt, der doch eher den Idealen der Aufklärung entsprechen sollte.

 

Zu Napoleon hat David einen speziellen Draht. Er malt ihn in Heldenposen und in Kaiserornament, zeigt ihn bei der Krönung der Kaiserin Josephine (Davids berühmtestes Bild im Louvre). Napoleon macht ihn zu seinem «Hofmaler». Aber nach seinem Niedergang 1815 herrscht wieder ein König, Louis XIII, und der verbannt den Künstler aus Frankreich.

 

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ingres

Jean Auguste Dominique Ingres (1780-1867). Napoleon auf dem Kaiserthron, 1806. Musée de l'Armée, Paris.

 

 

Jean Auguste Dominique Ingres (1780-1867).

Ingres ist ein Schüler von Jacques-Louis David. Von diesem erlernt er die Malerei des Klassizismus.

 

Kaiser Napoleon möchte von Ingres ein feudales Einzelporträt. Ingres trägt ganz dick auf. Der Thron wirkt wie ein Heiligenschein. Der Samtmantel ist mit Hermelin besetzt, darüber das Kreuz der Ehrenlegion. Das kaiserliche Haupt wird von einem goldenen Lorbeerkranz geschmückt. In seiner Rechten hält er das Zepter Karls des Grossen, in seiner Linken die Hand der Gerechtigkeit. Auf den Armlehnen zwei Elfenbeinkugeln. Sie stellen die Welt dar, die nun erobert werden soll. Das Bild strotzt nur so von Machtsymbolen.

 

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gerard

François Gérard (1770-1837). Portrait de Juliette Récamier, 1802-05. Musée Carnavalet, Paris.

François Gérard (1770-1837).

Auch er ist ein Schüler von Jacques-Louis David. Dieser verschafft ihm einen Platz im Revolutionstribunal. Nach der Retablierung der Monarchie wird Gérard 1819 von König Louis XVIII zum Baron geadelt und erhält von ihm den Posten eines Hofmalers und das Kreuz der Ehrenlegion.

 

Madame Récamier war eine der attraktivsten Frauen ihrer Zeit und führte einen Salon in Paris, der ein wichtiger gesellschaftlicher Treffpunkt für Napoleon-Kritiker war. Napoleon liess den Salon schliessen und verbannte sie aus Paris. Nach seinem Sturz 1815 kam sie zurück und nahm ihre gesellschaftliche Rolle wieder auf.

 

 

KünstlerInnen Deutschland, Schweiz, Spanien

mengs

Anton Raphael Mengs (1728-1779). Hesperos als Verkörperung des Abends, 1765. Palacio de Moncloa, Madrid.

 

Anton Raphael Mengs (1728-1779).

Der aus Böhmen stammende Maler ist einer der wichtigsten Vertreter des deutschen Klassizismus. Er ist international tätig und macht sich auch einen Namen in Italien und Spanien.

 

Zu seinen Auftraggebern gehört sogar die Zarin Katharina II. Beim König von Polen >August III ist er Hofmaler. Diesen Posten bekleidet er auch von 1761 bis 1777 beim spanischen Königs Carlos III.

 

Mengs verfasst auch Sachbücher («Gedanken über die Schönheit und über den Geschmak in der Malerey», 1762). Er gilt für viele als «grösster Maler seiner Zeit».

 

kauffmann

Angelika Kauffmann (1741-1807). Amor und Psyche, 1795. Bündner Kunst-museum Chur.

 

Angelika Kauffmann (1741-1807).

Die Schweizerin macht eine für damalige Zeiten beispiellose Karriere: In London gehört sie zu den Gründungsmitgliedern der Royal Academy und wird eine der berühmtesten englischen Malerinnen des 18. Jahrhunderts.

 

Die griechische Mythologie spielt in Kauffmanns Schaffen eine grosse Rolle. Bei >Amor und Psyche geht es um die Liebesbeziehung des geflügelten Gottes Amor mit der sterblichen Königstochter Psyche.

 

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goya

Francisco de Goya (1746-1828).
Lot und seine Töchter, 1774. Privatsammlung. WikiCommons.

Francisco de Goya (1746-1828).

Der spanische Superstar hinterlässt eine ganze Reihe von weltberühmten Werken. Darunter «Die Erschiessung der Aufständischen vom 3. Mai 1808», die von Napoleons Gräueln berichtet. Oder das Skandalbild >Die nackte Maja, deretwegen er vor die spanische Inquisition gezerrt wird. Er wird zwar nicht verurteilt, verliert aber seinen Posten als Hofmaler von Fernando VII.

 

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Fotos / Diashow Klassizismus

   
   

 

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