Anthonis van Dyck (1599-1641).


Der Sohn eines wohlhabenden Antwerpener Seidenhändlers ist ein ausgesprochen Frühreifer.
Schon mit 14 malt er erstaunliche Porträts und hat bereits als Teenager sein eigenes Atelier. Noch bevor er volljährig ist, führt ihn die Standesorganisation der Maler, die Lukasgilde, als anerkannten Meister.

 

1616 nimmt ihn Peter Paul Rubens als Lehrling auf. Der junge van Dyck lebt in Rubens >Palazzo in Antwerpen und arbeitet in seiner Werkstatt.

 

Eines Tages kommt ein kunstsinniger englischer Earl bei Rubens zu Besuch. Er ist von dem jungen van Dyck beeindruckt und verschafft ihm Zugang zum englischen Könighaus. 1620 zieht van Dyck nach London. King James I – Sohn der schottischen Königin Maria Stuart – lässt ihn wichtige Persönlichkeiten des Königshofs malen. Obwohl er in England gut entlöhnt wird, bleibt er nur ein halbes Jahr.

 

1621 zieht es ihn nach Italien. Von Genua aus reist er nach Rom, Sizilien und Venedig, immer auf der Suche nach den grossen italienischen Vorbildern. Vor allem Veronese und Tizian begeistern ihn – und nehmen ihn etwas aus dem Einflussbereich Rubens.

 

 

 

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Anthonis van Dyck,
Selbstbildnis mit etwa 36 Jahren.
Rubenshaus Antwerpen.

 

 

 

1627 kehrt er nach Antwerpen zurück, arbeitet aber auch am Königshof in Den Haag. In dieser Zeit entstehen vermehrt biblische Werke für Altäre – jetzt wieder mehr in Rubens pathetisch-schwülstigem Stil.

 

1632 übersiedelt van Dyck nach England. Diesmal kommt er in die Dienste des Königs Charles I (auch ein Stuart, Sohn von James I), der von seinem Maler so begeistert ist, dass er ihn in den Adelsstand erhebt. In seiner zweiten England-Phase entstehen die ausgefeiltesten Porträts. Insgesamt soll er in seinem Leben etwa 280 Porträts gemalt haben.

 

Anthony van Dyck, wie er in England genannt wird, stirbt am 9. Dezember 1641 in London im Alter von nur 41 Jahren. Der zum Ritter geschlagene Maler wird in der St. Pauls Cahtedral beigesetzt, was über seine Bedeutung als Künstler alles sagt.

 

 

 

 

 

 

Titelbild (Ausschnitt)
Anthonis van Dyck (1599-1641).

William II and his bride Mary Stuart, 1641.
Rijksmuseum Amsterdam.

 

 

 

 

 

 

 

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Anthonis van
Dyck. Selbst-
porträt, 1614. Sammlung Akademie,
Wien.

 

1616: Der frühreife Künstler.

Schon als 10-jähriger geht Anthonis van Dyck bei Hendrik van Balen in die Lehre. Dieser ist auf kleinformatige Historienszenen spezialisiert, die auf Kupfer gemalt wurden. Nicht die Richtung, die van Dyck später einschlagen wird – aber Zeichnen und Malen lernt er hier.

 

Mit vierzehn malt er sein erstes signiertes Männerporträt, mit 15 dieses Selbstporträt. Drei Jahre später wird er in die Antwerpener Malergilde aufgenommen (Lukasgilde) – weit früher als üblich. Da er noch nicht volljährig ist, braucht er die Unterschrift seines Vaters.

 

 

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Rubenshaus.

 

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Peter Paul
Rubens
(1577-1640).
Jagd auf Nilpferd
und Krokodil,
1616. Alte
Pinakothek
München.

 

 

1616-1620: in Rubens Werkstatt.

Der arrivierte Meister Rubens erkennt das Talent des jungen van Dyck sofort und holt ihn zu sich in sein Haus und seine Werkstatt in Antwerpen. Zwar anfangs als Lehrling, er wird aber schon bald als Mitarbeiter in der Werkstatt eingesetzt.

 

Kunstforscher glauben Belege dafür gefunden zu haben, dass van Dyck an einigen Gemälden von Rubens beteiligt war. So zum Beispiel an der «Amazonenschlacht», an der «Blumenkranz-Madonna» und am Gemälde «Jagd auf Nilpferd und Krokodil».

 

>mehr über Peter Paul Rubens

 

 

Anthonis van Dyck arbeitet für Rubens Werkstatt auch an den Deckengemälden der Antwerpener Jesuitenkirche.

 

 

   

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Anthonis van Dyck (1599-1641). Cornelis van der Geest, 1620. National Portrait Gallery, London.

1620: Porträts für den englischen König.

Unter den Kunden von Rubens Werkstatt ist der Kunstkenner Thomas Howard, Earl of Arundel. Der erkennt rasch, dass in van Dyck ein Talent heran wächst. Auf seine Vermittlung hin tritt van Dyck im Herbst 1620 in London in die Dienste von König James I (1566–1625) und porträtiert in dessen Auftrag Persönlichkeiten des Stuart-Hofes.

 

Das Porträt von Cornelis van der Geest entsteht noch in Antwerpen, ist aber ein gutes Beispiel für die herausragenden Fähigkeiten des Künstlers. Cornelis van der Geest war ein wohlhabender Gewürzhändler und Kunstsammler.

 

genuesischer Herr

Anthonis van Dyck (1599-1641). Bildnis eines genuesischen Herrn, 1621-23. Gemäldegalerie Berlin.

 

1621-1626: Weiterbildung in Italien.

Mit Erlaubnis des englischen Königs reist Anthonis van Dyck nach nur einem halben Jahr in London nach Italien, um sich dort fortzubilden.

 

Er lebt zwischen 1621 und 1626 in Genua, Rom, Sizilien und Venedig, studiert italienische Meister und perfektioniert seine Porträtkunst.

 

Das Studium der italienischen Renaissancekünstler wie Tizian oder Veronese hat zur Folge, dass sich sein Malstil nach und nach von seinem Lehrmeister Rubens löst. Seine Abbildungen werden feiner, präziser und reicher an Details.

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Charity, 1627-28. National Gallery, London.

1627: Zurück in Antwerpen.

Nach seiner Rückkehr aus Italien zeigt sich, dass van Dyck den «Stil Rubens» nicht verlernt hat – seine Werke mit biblischen Motiven wie zum Beispiel «Charity» und mehrere Arbeiten für Altäre beweisen es. Der Pathos ist noch da.

 

Ab 1629 ist er auch am Hof in Den Haag tätig, wo er für den Statthalter der Niederlande, Frederick Hendrick von Oranien (Sohn Wilhelms I von Oranien) Porträts malt. Porträtssind seine Leidenschaft – da ist er in seinem Element.

 

 

 

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Nicolas Lanier,
1632.
Kunsthistorisches
Museum Wien.

 

1632: Hofmaler für King Charles I.

Als van Dyck 1632 ein Porträt des in Holland lebenden englischen Komponisten Nicolas Lanier malt, hat das Folgen.

 

Der Musiker, der eben den Titel «Master of the King’s Music» bekam, schreibt dem König nach England, dass van Dyck «wieder bereit wäre, erneut nach London zu kommen».

 

Tatsächlich übersiedelt van Dyck noch im gleichen Jahr nach England und tritt dort als Hofmaler in die Dienste von König Charles I.

 

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King Charles I, 1635. Royal Collection UK, Windsor.

Das Tripleporträt des Königs.

King Charles I (1600-1649) ist ein Sohn von James I, der 1625 verstorben ist. Schon für James I war van Dyck bei seinem ersten London-Aufenthalt tätig, um 1620.

 

King Charles I muss von seinem Hofmaler restlos begeistert gewesen sein. Er stellt van Dyck eine Wohnung im königlichen Sommerpalast von Eltham in Kent (heute nicht mehr erhalten) zur Verfügung und schlägt ihn 1632 zum Ritter – damit gehört der Künstler jetzt dem Adelsstand an.

 

 

   

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William II and his bride Mary Stuart, 1641. Rijksmuseum Amsterdam.

1641: Die grosse Kunst des Porträtierens.

Anthonis van Dyck ist auf dem künstlerischen Zenith seines Schaffens, als er dieses Doppelporträt malt, das mit feinster Detailausführung brilliert. Es entsteht in seinem Todesjahr.

 

Es zeigt den 14-jährigen niederländischen Prinzen William und die 9-jährige (!) englische Prinzessin Mary anlässlich ihrer Hochzeit am 2. Mai 1641 im Whitehall-Palast in London.

 

William (1626-1650) ist der Sohn von Frederik Hendrick von Oranien. Mary Henrietta Stuart (1631–1660) ist die Tochter des englischen Königs Charles I und der Prinzessin Henrietta Maria von Frankreich.

 

Ein Jahr nach der Hochzeit zieht Maria mit ihrer Mutter nach Holland. William wird nach dem Tod seines Vaters 1647 mit 20 Jahren Statthalter der Vereinigten Niederlande, als William II.

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Fotos / Diashow

 

   

 

 

Grosse Porträtmaler

 

 

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