Palazzo Barberini, Rom

(Galleria Nazionale d'Arte Antica).


Der Name «antica» ist etwas verwirrend. Er bedeutet hier nicht «antik», sondern einfach nur «alt». Das Museum zeigt keine römisch-griechischen Werke, sondern Kunst vom 13. bis 17. Jahrhundert.

 

Maffeo Barberini entstammte einer reichen Florentiner Kaufmannsfamilie. Zunächst studierte er Recht, schlug dann aber eine kirchliche Laufbahn ein, die ihn bis ins oberste Amt aufsteigen liess: 1623 wurde er Papst. Er nannte sich Urban VIII. Nun brauchte er einen Palast, um seine Stellung und seine Macht zu demonstrieren. Dafür wählte er einen erhabenen Ort: den Hügel des Quirinals von Rom.

 

Den Auftrag zum Bau seines gewaltigen Palazzo erteilte er zunächst den gelernten Architekten Carlo Maderno und Francesco Borromini (1599 im Tessin geboren). Als Maderno 1629 starb, wäre eigentlich Borromini der Chef geworden, aber der Papst setzte diesem seinen Lieblingskünstler vor die Nase: >Gianlorenzo Bernini. Zwischen Borromini und Bernini begann hier ein lebenslanges Zerwürfnis.

 

Im Palazzo Barberini sind die beiden allerdings auf eine spezielle Art wieder vereint: Gut sichtbar an zwei komplett verschiedenen Treppenhäusern – ein spiralförmiges von Borromini, ein klassisches von Bernini.

 

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Das Treppenhaus des Gianlorenzo Bernini.

 

 

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Palazzo Barberini, Fassade von Bernini.

 

 

Die Kunstsammlung gehörte noch bis 1870 dem so genannten Kirchenstaat* – heisst: dem Papst. Heute ist das prächtige Gebäude ein Museum. Es gehört seit 1949 dem italienischen Staat und ist seit 1953 der Öffentlichkeit zugänglich. Es heisst jetzt «Galleria Nazionale d'Arte Antica».

 

*

Unter «Kirchenstaat» versteht man das
Herrschaftsgebiet des Papstes, der ab
dem 8. Jht auch Einfluss in die weltliche
Macht nahm. Erst 1870 ging der
Kirchenstaat im neu gegründeten Königreich
Italien auf (das von 1861 bis 1946 bestand).

 

In den «Lateranverträgen» von 1929 wurde
dann die staatliche Souveränität des Vatikans

als weltlicher Sitz des Papstes anerkannt.

Der heutige Vatikan ist also so etwas wie
der Nachfolgestaat des Kirchenstaates –
nur viel kleiner.

 

 

 

Titelbild (Ausschnitt):

Filippo Lippi (1406-1489).

Annuciazione e due donatori.

Um 1440.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

urbanVIII

Gianlorenzo Bernini (1598-1680). Papst Urban VIII, 1632.

Maffeo Barberini, Papst Urban VIII (1623-44).

Seinen Palazzo lässt er da bauen, wo schon etwas steht: Auf dem Hügel Quirinal – es ist die Villa von Kardinal Sforza. Als dessen Familie verarmt, muss er sie 1625 verkaufen. Maffeo Barberini greift zu und integriert das Gebäude in seinen Palazzo.

 

Urban VIII ist vor allem für den Künstler >Bernini ein Glücksfall. Der Papst wird sein grösster Fan und wichtigster Auftraggeber. Nicht nur beim Bau seines mächtigen Palazzo Barberini, auch bei zahlreichen Kunstwerken wie z.B. der Tritonenbrunnen an der Piazza Barberini. >mehr über Urban VIII

 

lippi

Annuciazione e due donatori.

Filippo Lippi (1406-1489), Annunziazione.

Ein bildschöner Engel verkündet Maria, dass sie Jesus gebären werde. Das Werk, datiert auf etwa 1440, wurde für die Kirche Sant'Egidio in Florenz geschaffen. Im Stil nähert sich Lippi jenem von Fra Angelico (1386-1455) an. Die beiden Auftraggeber des Bildes sind rechts kniend zu sehen, gemalt vermutlich von einem Assistenten.

raffaello

Raffaello (1483-1520). La Fornarina, 1520.

Das Gemälde entstand im Todesjahr Raffaels. Es zeigt seine Geliebte, die «fornarina» (die kleine Bäckerin), von der man glaubt, dass es sich um Margherita Luti handelt. Nach dem Tod Raffaels blieb das Bild in seinem Atelier. Einer seiner Studenten hat es dann teilweise übermalt und verkauft. Der Hintergrund zeigte ursprünglich eine Landschaft. >mehr über Raffael.

 

holbein_henryVIII

 

Hans Holbein d.J. (1497-1543). Henry VIII.

Holbein war Hofmaler beim englischen König Henry VIII. Das Ursprungsbild zierte einst den Whitehall Palace in London, es existiert aber nicht mehr. Dafür gibt es mehrere Versionen dieses Gemäldes (ein weiteres im Museo Thyssen-Bornemisza in Madrid). Die Barberini-Version zeigt Henry VIII im Kostüm, das er bei der Hochzeit mit Anna von Kleve trug.

>mehr über Holbein.

 

caravaggio

 

 

Caravaggio (1571-1610). Judith u. Holofernes.

Der richtige Titel heisst «Judith enthauptet Holofernes». Ein ständig wiederkehrendes Thema in der Kunst, das von allen grossen Künstlern bearbeitet wurde, vom Mittelalter bis ins 20. Jht. Wer war Judith? >mehr.

 

maddalena

Guido Reni (1575-1642). Maddalena.

«Santa Maria Maddalena penitente» (die Reuige). Reni malte das Bild für Kardinal Antonio Santacroce – zu den Barberini kam es 1641. Die «reuige Sünderin» war als Sujet sehr beliebt, weil man sie auch nackt darstellen konnte, ohne die Kirche zu beleidigen. Warum die arme Magdalena «reuig» sein soll, ist bis heute unklar. Magdalena war die Frau, der Jesus nach seiner Auferstehung als Erste begegnete. Ihr trug er auf, die Botschaft seiner Auferstehung an die Jünger zu verbreiten.

 

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Fotos Palazzo Barberini

 

daumenrunter

Die «Galleria Nazionale d'Arte Antica»
hat ennet des Tiber noch einen kleineren Ableger: Im PALAZZO CORSINI. Hier sind nur wenige bekannte Werke zu sehen. Und zudem in einer unglücklichen Präsentationsform: Die Gemälde hängen dicht an dicht – bis oben zur Decke hin. Heisst: Jene in den oberen Reihen sind kaum zu erkennen. Man steht vor ihnen und sieht sie doch nicht richtig. Zudem ist die Beschriftung mangelhaft – oder überhaupt nicht vorhanden.

daumenhoch

Fazit: Wer gerne alte Gemälde anschaut, ist mit dem PALAZZO BARBERINI viel besser bedient. Hier sind die Werke gut präsentiert und sauber beschriftet. Tipp: CORSINI auslassen und dafür mehr Zeit im BARBERINI verbringen.

 

 

>Museen Rom im Überblick

 

   

 

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