Ausstellung «Imagination? Realität?»

Galerie kunstzürichsüd, Adliswil

1. bis 31. Oktober 2026

 

 

Imagination? Realität?

 

Das Thema der Oktober-Ausstellung macht
Kunst spannend, denn es richtet sich nicht allein an die Künstler, sondern vielmehr noch ans Publikum. Imagination, Kopfarbeit und Vorstellungskraft sind gefragt, um die Kunstwerke zu verstehen.

 

 

 

 

Die ausstellenden Künstler:innen

 

 

Zum Beispiel die Installation der jungen Künstlerin Elin Nielsen. Wer ihr Werk und dessen Titel verstehen will, muss seine Gehirnzellen ganz schön ankurbeln.

 

Elin Nielsen (2004). The absent referent,
yearning for the tender, consuming the
fragment. Dyed textile, epoxy,
meathooks, chains, 2026.

 

Caroline Micaela Hauger. Insideout IV.
Fine Art Print, Alu Dibond. Hahnemühle
Papier. Edition 1/1. 80x60cm.

 

 

Etwas weniger Kopfarbeit, dafür mehr Fantasie erfordern die spektakulären gespiegelten Fotografien von Caroline Micaela Hauger. Und wer ganz einfach nur in Bildern und herrlichen Berglandschaften schwelgen möchte, kommt an dieser spannenden Herbstausstellung auch auf die Rechnung.

 

 

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Titelbild (Ausschnitt)

Walter Diem. Finsteraarhorn Nr. 4.
Feinpastell auf Papier. 50x70cm.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Joel Branden-berger (1952)

 

 

 

Joel Brandenberger. Das Ofenhorn.
Öl auf Leinwand, 100x80cm.

 

 

Joel Brandenberger. Mystic Island.
Öl auf Leinwand, 140x100cm.
 

 

Joel Brandenberger

 

Was der Künstler für diese Ausstellung abliefert, deckt sich
perfekt mit dem vorgegebenen Thema. Seine Werke oszillieren wunderbar zwischen Realität und Imagination.

 

Seine realistisch-naturalistischen Bergwelten begeistern. Kein Wunder, denn beim Malen von Bergen fühlt sich der Künstler in seinem Element, es ist seine Lieblingsdisziplin. Seine Ölgemälde wirken so naturecht, dass es auch Fotografien sein könnten – aber durch die Ölfarben werden sie noch eindrücklicher. Sein 100x80cm grosses Gemälde Das Ofenhorn beeindruckt nicht nur durch seine realistische Darstellung, sondern auch durch seine prachtvolle Herbststimmung. Als Betrachter wünscht man sich förmlich, direkt vor dieser Traumkulisse zu stehen.

 

Joel Brandenberger kann aber auch anders. In seinem Werk
Mystic Island bringt er dem Publikum das Gruseln bei. Er führt es in eine surreal-gespenstische Welt. Auf ein karges, abweisend-kaltes winziges Eiland, das aus nacktem Felsen besteht. Nichts da von Trauminsel mit Palmenstrand. Dafür enge, düstere Steinbehausungen mit eingesperrt wirkenden Menschen. Und was, wenn da noch Sturm aufkommt und das Eiland überschwemmt? Dann wird der eh schon trostlose Ort zur Albtraum-Insel.

 

Der 74-jährige Künstler stammt aus dem Zürcher Weinland.
Er war rund fünfzig Jahre lang als Elektroingenieur in der Medizinaltechnik tätig. Malen war schon früh seine Leidenschaft, aber seit seiner Pensionierung hat er nun die Musse und die Zeit, seine Kreativität in der Kunst auszuleben. Oder in seinen eigenen Worten ausgedrückt: «Ich male, was ich sehe oder mehr noch, was ich gerne sehen würde, und manchmal sind es einfach reine Fantasien».

 


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Walter Diem (1947)

 

 

Walter Diem. Eiger, Mönch, Jungfrau. Mixed Media auf Leinwand. 70x100cm.

 

 

Walter Diem. Eiger. Mixed Media auf Leinwand. 70x100cm.
 

 

 

Walter Diem


Wer wie Walter Diem im achtzigsten Lebensjahr steht und immer noch für die Zukunft plant, verdient Hochachtung. Der Präsident des Künstler:innen-Vereins kunstzürichsüd wurde eben in die >Gilde Schweizer Bergmaler aufgenommen. Um dieser Ehre gerecht zu werden, hat er sich das Ziel gesetzt, künftig noch einen Zahn zuzulegen und seine «Bergkunst» weiter zu entwickeln. Noch ein bisschen mehr in Richtung Abstraktion, aber ohne die Abbildung nach der Natur zu vernachlässigen. Vor allem aber will er neue Materialien in seine Bilder einbringen, um die Dramatik der Bergwelt zu betonen. Heisst: Statt nur mit Farben zu malen, sollen die Bilder künftig zusätzlich gespachtelt und mit Sand, Kreide oder Marmormehl ergänzt werden.

 

Ein schönes Beispiel dafür ist das Werk Eiger, Mönch, Jungfrau. Die drei Bergspitzen entsprechen noch der Natur, aber der untere Teil des Gemäldes – es stellt den Rücken des Männlichen dar – kommt schon ziemlich abstrahiert daher und grenzt sich dadurch dramatisch ab, insbesondere durch die Verwendung von Struktur bildenden Materialien wie Sand und Kreide. Im Gemälde Eiger kommt sogar Vulkanerde aus La Palma zum Einsatz.

 

Walter Diem ist ein extrem vielseitiger Künstler. Er zeichnet und malt seit seiner Kindheit. «Ich male nicht, was ich sehe, sondern was ich empfinde», sagt er selbst. «Ich konzentriere mich auf das Wichtigste und lasse Überflüssiges weg, dafür überhöhe ich meine eigenen Empfindungen bewusst». Dieses Credo setzt er bei allen seinen Arbeiten ein, seien es Landschaften, Natur- und Bergwelten, Pop-Art-Bilder oder Akte >mehr

 


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Juyeon Gächter (1965)

 

 

Juyeon Gächter. Salut Pierre (nach Pierre Bonnard, Femmes au jardin, 1890-91).
Öl auf Leinwand, 80x100cm.

 

 

Juyeon Gächter. My Favourite Things. Acryl auf Leinwand, 80x80cm.

 

 

Juyeon Gächter

 

Juyeon kam 1965 in Seoul zur Welt. Dort studierte sie Sozialpsychologie und Biologie, dann war sie Produktmanagerin in der Modebranche. Seit fast dreissig Jahren lebt sie in der Schweiz.

 

Bei den Werken, die sie in der Ausstellung zeigt, fällt sofort die Vielfalt auf. Da gibt es Figuratives, Abstraktes, Menschliches, Tierisches – mal in bunten, satten Farben gemalt, mal in feinen Pastelltönen, alles dabei. Einen eigenen, klar definierten Malstil scheint die Künstlerin nicht zu haben. Das passt zu ihrer Aussage: «Ich male, was ich sehe und was ich empfinde».

 

Wahrscheinlich hat Juyeon kürzlich im Kunsthaus Zürich Pierre Bonnards «Femmes au jardin» von 1890/91 gesehen. Das vierteilige Werke muss sie beeindruckt haben >mehr

 

Nun hat sie unter dem Titel Salut Pierre eine Kopie davon gemalt, aber nicht als «Kopie», sondern in ihrem eigenen Stil: Noch eine Spur moderner als Bonnard, der ja eigentlich als >Nabis schon zu den Avantgardisten zählte. Als unbefangener Betrachter darf man sagen: Juyeons Version übertrifft in ihrer Wirkung das Original – sorry Pierre.

 

Ihr Acryl-Gemälde My Favourite Things widerspiegelt ihre Freude am Malen. Es ist eine Kompilation all ihrer Lieblingsdinge, die ihre Wohnung zieren. Von einer (echten) Katze über verschiedene Puppen, Nippsachen, Kleinode, Bücher bis hin zu Pflanzen – und als Pièce de résistance ihr blauer Lieblingsfauteil, der das Bild dominiert. Es besteht die Vermutung, dass sie das bunte Werk nicht verkaufen möchte. Deshalb hat sie den Preis so hoch angesetzt, dass es wohl kaum einen Käufer finden wird: 6000 Franken. Ähnliches hat sie an ihrer letzten Ausstellung schon einmal so gemacht. Damals war es ihr Stillleben mit Chrysanthemen... >mehr

 


>weitere Werke von Juyeon Gächter (PDF)

 

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Caroline Micaela Hauger (1967)

 

 

Caroline Micaela Hauger. Insideout I. Fine Art Print, Alu Dibond. Hahnemühle Papier. Edition 1/1. 80x60cm.

 

Caroline Micaela Hauger. Insideout III. Fine Art Print, Alu Dibond. Hahnemühle Papier. Edition 1/1. 80x60cm.

 

Caroline Micaela Hauger

 

Mit Bergen kennt sie sich aus. Die begeisterte Alpinistin hat schon zwanzig Viertausender bestiegen, darunter auch den Mont Blanc. Und weil sie eines Tages ihre Berge auch von oben sehen wollte, liess sie sich zur Pilotin ausbilden. Nun kreist sie über den Alpen und sucht die spektakulärsten Berggipfel, die sie als professionelle Fotografin (sie ist Botschafterin für Olympus-Kameras) ablichtet. >mehr

 

Der Mont Blanc mit seinen 4805 Metern war ihr nicht gut genug. Nun hat sie auch noch Europas höchste Spitze erklommen, den Elbrus mit 5'642 Metern. Dieser liegt am östlichen Ende Europas, im russischen Kaukasus, nahe der Grenze zu Georgien. Ziemlich hoch, so über 5600 Meter, ist die Luft da nicht sehr dünn? «Mit der Höhe hatte ich keine Probleme», sagt die erprobte Alpinistin, «aber es war saukalt, zweistellige Minusgrade».

 

Am Fusse des Elbrus schlug dann ihr Fotografenherz höher. Während des Marsches fielen ihr immer wieder spezielle Formationen von Baumstämmen, Steinen und Pflanzen am Wegrand oder in Flussbetten auf. Ausgerüstet mit einer Kamera, die symmetrische Spiegelungen erzeugen kann, machte sie sich auf die Suche nach geeigneten Motiven. Was dabei heraus kam, zeigt die Künstlerin nun in dieser Ausstellung.

 

Ist der komische Kauz im Bild Insideout I ein Dämon?
Nein, bloss ein Stück Baumrinde, das durch die Spiegelung zum Vogel wird. Und die vermeintlich gespreizten Beine mit einem erotischen Touch sind auch nur Baumstämme oder Steine. Was immer man beim Betrachten aus den Bildern lesen will – dass kann jede/r selbst entscheiden.

 

Wie fand die Fotografin ihre Motive? «Ganz einfach durch das Anvisieren im Sucher. Die Umwandlung zum symmetrischen Objekt nimmt die Kamera automatisch vor. Heisst: Geduldig durch den Sucher blicken, bis sich etwas Attraktives ergibt, und dann blitzartig abdrücken».

 

Zum Schluss gibt die Profi-Fotografin noch einen Tipp: «Man kann diese Spiegelungen auch mit dem eigenen iPhone machen, dafür gibt es spezielle Apps». Na denn, ausprobieren!

 

 

>weitere Werke von Caroline Hauger (PDF)

 

>Website der Künstlerin

 

 

Elin Nielsen (2004)

 

 

Elin Nielsen. The absent referent, yearning for the tender, consuming the fragment, 2026. Dyed textile, epoxy, meathooks, chains.

 

 

Elin Nielsen. The absent referent, yearning for the tender, consuming the fragment, 2026. Dyed textile, epoxy, meathooks, chains.

 

Elin Nielsen

 

Elin ist 22-jährig und hat eben ihren Bachelor of Fine Arts bei der ZHDK (Zürcher Hochschule der Künste) gemacht. Einen Teil ihrer Abschlussarbeit präsentiert sie nun an der Ausstellung in Adliswil. Was es mit der komplexen Installation aus blutrotem Epoxidharz und Textilien auf sich hat, erklärt der etwas sperrige Titel nicht wirklich: «The absent referent, yearning for the tender, consuming the fragment». Der Text lässt sich zwar übersetzen mit «Das abwesende Referenzobjekt, sehnsüchtig nach dem Zarten, das Fragment konsumierend» – aber hilft uns das weiter?

 

Was hilft, ist der Hinweis auf ein Buch der 1951 geborenen
US-amerikanischen Feministin und Autorin Carol J. Adams, die sich primär für Tiere und Veganismus einsetzt. In ihrem Buch aus dem Jahr 1990 The Sexual Politics of Meat stellt sie einen Zusammenhang zwischen der Nutzung von Tieren für Fleisch und der Unterdrückung von Frauen her (oder wie man das an der ZHDK lehrt: von weiblich gelesenen Personen).

 

Beim Fleischkonsum gerät das Tier als lebendiges Wesen in den Hintergrund. Man sieht nur ein Stück Fleisch, aber nicht mehr das Tier, von dem es stammt. Adams nennt das Tier deshalb einen «abwesenden Referenten»: Das Tier ist zwar der Ursprung des (oftmals abgepackten) Fleisches, wird aber als Wesen nicht mehr gesehen. Gemäss Adams gilt das auch für Frauen. Durch Sexualisierung und die Konzentration auf einzelne Körperteile (Fragmente) werden Frauen auf etwas Konsumierbares oder Verfügbares reduziert.

 

Damit wird die Installation (teilweise) verständlich: Die an Fleischerhaken hängenden Elemente könnten geschlachtete, noch ausblutende Rinder darstellen. Und die zarten Textilien, Ton in Ton mit dem blutfarbenen Epoxidharz, könnten vielleicht den Weg weisen zum Titelelement «Yearning for the tender».

 

Elin Nielsen steht ein spannendes Künstlerleben bevor, in dem noch manche Frage zu beantworten sein wird. Man darf ihr auf ihrem Weg alles Glück wünschen.

 

 

>weitere Werke von Elin Nielsen (PDF)

 

>Website Elin Nielsen

 

 

 

Roland Reinert (1951)

 

Roland Reinert.
Ei-Fluss. Acryl
auf Leinwand, 40x30cm.

 

Roland Reinert.
Der Optimist. Mixed Media, 40x30cm.
 

 

Roland Reinert


Die Besucherinnen und Besucher in Roland Reinerts Galerieraum sind gut gelaunt. Sie erfreuen sich an seinen spassigen Ei-Kompositionen, an seinen pfiffigen Metaphern und Kalauern.

«Ei-Phone», «Ei-Fos», «Ei-Licht», überall spielt der Künstler mit dem Ei, denn schliesslich spielt das Ei die entscheidende Rolle bei der grössten aller Fragen dieser Welt: Was war am Anfang? Was war zuerst da, das Ei oder das Huhn? Der Künstler liefert eine verblüffend einfache, aber schlüssige Antwort: «Zuerst war das Ei da, dann das Spiegelei». Echt witzig.

 

Aber Roland Reinert ist kein Spassvogel. Ihn, den Denker und Nachdenker, plagt die Entwicklung, die gerade weltweit im Gange ist. Er sorgt sich um die Menschen, die irren Staatsmännern und wahnwitzigen KI-Milliardären ausgeliefert sind. Die dafür sorgen, dass wir nicht mehr wissen, was Fakt und was Fake ist. Die die Welt manipulieren, Unsicherheit und Ängste verbreiten. Die auf die Entwicklung der Menschheit Einfluss (Ei-Fluss...) nehmen, um ihren schon obszönen Reichtum noch zu vermehren.

 

Reinerts surrealistische Bilder-Botschaften sind nicht immer auf Anhieb zu verstehen. Es lohnt sich aber, sich mit ihnen auseinander zu setzen. Mal sind sie politischer Natur, mal peilen sie die nicht immer erfreulichen technischen Entwicklungen an, mal geht es um die ständig wahrscheinlicher werdende Klimakatastrophe.

 

Sein Werk Der Optimist ist ein schönes Beispiel dafür. Der Titel ist natürlich ironisch gemeint, denn das Bild symbolisiert eine düstere, pessimistische Endzeitstimmung. Es zeigt aus der Luftperspektive eine ausgetrocknete Wüstenlandschaft, in der noch ein letztes winziges Wasserloch geblieben ist. Ein einsamer Fischer – der Optimist – hofft, hier noch einen Fisch zu angeln. Eine wahrhaft apokalyptische Bilderbotschaft.

 


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