Kunstmuseum Thurgau
in der Kartause Ittingen.


Eine Kartause ist ein Kloster des Kartäuserordens. Lange davor stand hier eine Burg, in der die Herren von Ittingen lebten. Eine Adelsfamilie. Diese machten um 1150 aus ihren Besitztümern ein Kloster, genauer: ein Chorherrenstift nach den Regeln des heiligen Augustinus. Diesem trat die Familie auch selber bei. Als Frauenfeld im 14. Jahrhundert zum Habsburger Verwaltungszentrum wurde, stand das Kloster in voller Blüte – aber schon bald wurde es vernachlässigt.

 

Um eine Auflösung des Klosters zu verhindern, übernahm der Kartäuserorden das Anwesen. Weil dessen Kirche aber nur für Angehörige des Ordens – und auch nicht für Frauen – zugänglich war, kam es zu Protesten in der Bevölkerung. Diese gipfelten 1471 in einem Sitzstreik der Frauen. Die eidgenössische Tagsatzung musste eingreifen. Sie verpflichtete die Karthäuser, in Warth eine Kirche für alle zu bauen und einen Pfarrer einzustellen.

 

Im Zuge der Reformation unter Zwingli kam es 1522 zu Bilderstürmen und zu Plünderungen; 1524 wurde das Kloster von aufständischen Bauern in Brand gesetzt. Drei der Anführer wurden hingerichtet.

 

 

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Aufständische Bauern setzen 1524 das Kloster
in Brand. Miniatur von Heinrich Thomman, 1605.

 

 

Erst im 18. Jahrhundert ermöglichten Stiftungen und eine erfolgreiche Landwirtschaft den Neubau. Damals erhielt das Kloster seine heutige Form. Weinbau und Weinhandel wurden zur Haupteinnahmequelle.

 

1798 – während der Helvetischen Republik – brachen schwere Zeiten an. Der neu geschaffene Kanton Thurgau beschlagnahmte Teile des Klosters und belegte den Rest mit hohen Steuern. 1836 verloren die Mönche ihre Eigenständigkeit, und 1848 beschloss der Thurgauer Grosse Rat die Aufhebung der Klöster. Mit dem klösterlichen Leben war in Ittingen nach 700 Jahren Schluss.

 

 

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Die Klostergüter wurden an Private verkauft. Diese nutzten das Anwesen für Landwirtschaft und als herrschaftlichen Wohnsitz. Seit 1977 gehört der Gebäudekomplex der neu gegründeten Stiftung Kartause Ittingen. Sie bewirtschaftet heute ein Gastwirtschafts- und Kulturzentrum.

 

Das Kunstmuseum Thurgau besteht seit 1983 und zeigt Werke aus der kantonalen Kunstsammlung. Zudem werden ständig wechselnde Ausstellungen veranstaltet, vor allem auch aus dem Bereich der zeitgenössischen Kunst.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Der heiiige Bruno mit Gefährten.

 

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Im 18. Jht zur Rokoko-Kirche umgebaut.

 

Der Kartäuserorden – ein Einsiedlerleben.

Bruno von Köln gilt als Gründer des Ordens. Er zog sich 1084 mit sechs Genossen in ein Bergtal bei Grenoble zurück. Dort entstand das erste Kloster, die Grande Chartreuse. Die Hauptregeln des Ordens heissen: Einsamkeit und Schweigen, völlige Hingabe an Gott und Entsagung der Welt. Bruno gründete dann 1091 eine weitere Kartause, am Südzipfel von Italien, in La Torre, Kalabrien. Dort lebte er bis zu seinem Tod im Jahr 1101. Heilig gesprochen wurde er 1514 von >Papst Leo X (aus der Familie der Medici) für den Orden; 1622 von Gregor XV für die ganze katholische Kirche.

 

Die Blütezeit und seine grösste Ausbreitung hatte der Kartäuserorden im 15. Jahrhundert. Da existierten weltweit über 200 Kartausen. Heute leben noch etwa 300 Mönche in zwanzig Kartäuser-Klostern.

 

Die hübsche Kirche in der Kartause Ittingen erhielt ihr heutiges Aussehen am Ende des 18. Jhts. Sie wurde 1763 bis 1797 im Stil des Rokoko umgebaut.

 

Die Kunstsammlung des Kantons Thurgau

 

Das Kunstmuseum Thurgau spezialisiert sich auf einheimische Künstler. So gehören die naive Kunst und die Art Brut des Berlinger Malers Adolf Dietrich ebenso zur permanenten Sammlung wie die expressionistischen und abstrakten Werke der Kreuzlingerin Helen Dahm. Das Museum bietet aber auch Raum für Wechselausstellungen und für zeitgenössische Kunst.

 

 

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im Frühling,
1939. Kunstumuseum Thurgau.

 

Adolf Dietrich (1877-1957).

Geboren in Berlingen, Kanton Thurgau. Er wächst in ärmlichen Verhältnissen auf und bekommt nie eine akademische Ausbildung als Maler. Aber sein Zeichentalent reicht aus, um auch international anerkannt zu werden. Seinen Durchbruch schafft er 1937 an Ausstellungen in Paris, London und New York. Besonders faszinieren ihn Tiere. Diese malt er nie «plein air», sondern zuhause in der Wohnstube – nach Skizzen, die er bei seinen Ausflügen in die Natur anfertigt. Seine Abbildungen zeichnen sich durch Genauigkeit und Detailtreue aus. Er zählt auch zu den Vetretern der Neuen Sachlichkeit.

 

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Selbstbildnis, 1953. Kunsthaus Zürich.

Helen Dahm (1878-1968).

Auch sie hat ihre Wurzeln im Thurgau: Sie kommt 1878 in Egelshofen zur Welt, einem Ortsteil von Kreuzlingen. 1897 zieht sie nach Zürich, dann nach München. Dort studiert sie an der Akademie der Bildenden Künste und kommt mit dem Expressionismus und den >Blauen Reitern in Kontakt. Als Frau hat sie es schwer in der männlichen Welt der Kunst, lange wird sie als Malerin nicht anerkannt. Aber dann kann sie 1954 als erste Frau überhaupt den Zürcher Kunstpreis entgegennehmen, da ist sie schon 76 Jahre alt.

 

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Ohne Titel, o.J. Collection de l'Art Brut, Lausanne.

Hans Krüsi (1920-1995).

Er wächst im Waisenhaus von Speicher AR auf. Mit 16 wird er Bauernknecht, später Gärtnergehilfe. Dann verkauft er Blumen: Er reist täglich mit dem Zug von St. Gallen nach Zürich und bietet seine Blumen an der Bahnhofstrasse an. Erst mit 55 beginnt er zu malen und zu zeichnen, 1975 bekommt er seine erste Ausstellung in St. Gallen.

 

1981 – nach einer Ausstellung in Genf in der Galerie Anton Meier – wird seine naive Kunst einem breiteren Publikum bekannt. 1995 gewährt ihm das Kunstmuseum der Kartause Ittingen eine Retrospektive. Er zählt auch zu den Vertretern der >Art Brut.

 

 

Sonderausstellungen

 

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Konstellation 10 – Nackte Tatsachen

Ausstellung vom 7. September 2019
bis 13. April 2020. Zeichnungen, Aquarelle,
Gemälde und Skulpturen von Schweizer Künstlerinnen und Künstlern.

 

>Fotogalerie

magdalena

Helen Dahm – Ein Kuss der ganzen Welt.

Sonderausstellung vom 2. September 2018
bis 25. August 2019. Eine Kooperation mit dem Helen Dahm Museum in Oetwil am See. Gezeigt werden rund 170 Werke aus allen Schaffensepochen der Künstlerin.

 

>Fotogalerie

 

 

   
   

 

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