Pariser Kunstakademien,
Schulen und Salons


Die Mutter aller Pariser Kunstakademien ist die «École des Beaux-Arts», deren Gründung bis ins Jahr 1648 zurück reicht, als der Sonnenkönig Louis XIV die «Académie Royale de peinture et de sculpture» ins Leben rief.

 

Heute heisst die Akademie «Ecole Nationale Supérieure des Beaux-Arts» und hat ihren Sitz im Quartier Saint-Germain-des-Prés. In direkter Nachbarschaft zum Louvre – auf der anderen Seite der Seine, an der Rive Gauche. Hier entstand schon 1795 das erste öffentliche Museum Frankreichs, gegründet vom französischen Archäologen Alexandre Lenoir (1761-1839), der die bedeutendsten Skulpturen der Öffentlichkeit zugänglich machte. 1816 wurde das Gebäude dann der Kunsthochschule zugewiesen.

 

 

Bewegte Geschichte

 

Als 1789 die Revolution ausbrach, gerieten alle königlichen Einrichtungen unter Beschuss – auch die Kunstakademie. Dabei spielte der einstige Hofmaler des französischen Königs Louis XVI und Mitglied der Kunstakademie, Jacques-Louis David (1748-1825), eine bedeutende Rolle. Er unterstützte die Republikaner und Napoleon, wurde Mitglied des Nationalkonvents und trat vehement für eine Reorganisation des französischen Kunstbetriebs ein.

 

>mehr über Jacques-Louis David

 

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Jacques-Louis David (1748-1825).

Selbstportrait, 1794. Louvre Paris.

 

 

Unter seiner Führung wurde der Nationalversammlung eine Petition unterbreitet, die mehr Demokratie in der Struktur der Kunstakademie forderte: Alle Mitglieder – und nicht nur die Funktionäre – sollten an den Entscheidungsprozessen beteiligt werden.

 

Die Reformierung der Akademie war zwar schon 1791 abgeschlossen, aber die Gruppe um David forderte noch mehr: Die Auflösung der Akademie und die vollkommene Freiheit für alle Künstler. Zunächst wurde die Öffnung des >Salons de Paris für alle einheimischen und ausländischen Künstler durchgesetzt – ob Akademiemitglied oder nicht – dann folgte zwei Jahre später, 1793, die Auflösung aller königlichen Akademien durch den Nationalkonvent. Der Direktorenposten wurde abgeschafft und die Leitung der Einrichtung direkt der Regierung unterstellt.

 

 

 

Die älteste Kunstschule der Welt

 

Als Nachfolgeorganisation der «Académie Royale» von 1648 ist sie heute nicht nur eine Ausbildungsstätte, sondern enthält auch eine Sammlung von mehr als 450'000 Kunstwerken (es ist die zweitgrösste Sammlung von Zeichnungen, Gemälden und Skulpturen nach dem Louvre) und hat eine der grössten Bibliotheken Frankreichs für zeitgenössische Kunst.


Derzeit sind an der Schule über 500 Studenten und 80 Dozenten aktiv. Die Schule nimmt nur zehn Prozent der Kandidaten auf, die sich über eine Aufnahmeprüfung durchsetzen müssen.


Nach einem fünfjährigen Studium finden die grossen Diplomprüfungen statt. Ziel ist die Erlangung des «Diplôme national supérieur d’art plastique», was einem staatlichen Hochschuldiplom für bildende Kunst beziehungsweise einem «Master-of-Arts»-Abschluss entspricht.

 

 

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Innenhof der «École nationale Supérieure

des Beaux-Arts», Paris. Photo by KoS,

WikiCommons.

 

 

 

 

 

 

Titelbild (Ausschnitt)

L'Académie Julian, 1881. Gemälde von
Marie Bashkirtseff (1858-1884).

Dnipropetrovsk State Art Museum.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Ecole Nationale Supérieure des Beaux-Arts, Paris. Photo by KoS, WikiCommons.

 

 

École des Beaux-Arts Paris

 

So hiess die berühmteste Kunstschule von Paris bis 1968. Danach und bis heute «École nationale supérieure des Beaux-Arts».

 

Sie besteht seit 1797 und geht sogar auf die
1648 von König Louis XIV (der «Sonnenkönig») gegründete «Académie Royale de peinture
et de sculpture»
zurück. Die Schule liegt in direkter Nachbarschaft zum Louvre – auf der anderen Seite der Seine an der Rive Gauche (im Quartier Saint-Germain-des-Prés) – und hat eine lange Geschichte >mehr

 

 

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L'Académie Julian, 1881. Von
Marie Bashkirtseff (1858-1884). Dnipropetrovsk State Art Museum.

 

 

Académie Julian

 

Sie war eine der beliebtesten und bekanntesten privaten Kunstschulen von Paris und unterrichtete in den 1880er-Jahren bis zu 600 Schüler. Einer der wichtigsten Gründe für ihren Erfolg: Es gab keine Zugangsbeschränkungen. Auch Ausländer hatten Zutritt, selbst wenn sie kein Französisch sprachen. Im Gegensatz zur École des Beaux-Arts nahm sie auch Studentinnen an. Frauen wurden die gleichen Klassen wie Männern angeboten, sogar zur Akt-Malerei.


Ihren Namen hat diese 1868 gegründete Kunstakademie vom Maler Rodolphe Julian (1839-1907). Sie unterhielt mehrere Ateliers und bestand bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs. >mehr

 

 

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«Monsieur Suisse», 1861. Gemälde von Gustave Cour- bet (1819-1877).

 

Académie Suisse

 

Die Bezeichnung «Académie» lässt auf eine klassi- sche Malschule schliessen – das war sie aber nicht. Eher ein Treffpunkt für Künstler, die sich kein eigenes Atelier und keine Modelle leisten konnten. Die Académie Suisse bot beides gegen geringes Entgelt.

 

Gegründet wurde die Einrichtung 1815 von

Martin-François Suisse (1781- 1859). Der ist allerdings kein Schweizer, sondern ein Pariser, der früher dem grossen Meister Jacques-Louis David (1748-1825) Modell gestanden hatte. >mehr

 

 

colarossi

Filippo Colarossi, 1881. Gemälde von Helene Schjerfbeck (1862-1946). Foto UKdk-boy, WikiCommons.

 

 

Académie Colarossi

 

Die Akademie des italienischen Bildhauers
Filippo Colarossi (1841-1914) führte ab 1871 das Atelier der Académie Suisse weiter. Im Gegensatz zur Académie Suisse war sie aber auch eine Ausbildungsstätte – eine Alternative zur staatlichen Kunstschule «École des Beaux-Arts».

 

Sie förderte progressive junge Künstler und zog viele ausländische Studenten an. Sie nahm auch Studentinnen an, denen sie das Malen nach männlichen Aktmodellen gestattete. >mehr

 

 

 

gleyre

Der Gründer Charles Gleyre (1806-1874).

 

 

École Charles Gleyre

 

Der Waadtländer Maler Charles Gleyre (1806- 1874) spielte eine bedeutende Rolle für die Entwicklung des Impressionismus. In der von ihm 1843 in Paris gegründeten Schule unterrichtete er über einen Zeitraum von zwanzig Jahren heute berühmte Malergrössen wie Monet, Renoir, Sisley, Whistler, aber auch Klassiker wie Albert Anker.

Gleyre stand für grosse künstlerische Freiheit und unterstützte seine Schüler in der Entwicklung ihres eigenen, frei wählbaren Malstils. >mehr

 

 

 

barbizon

Schulgebäude von Barbizon, heute ein Museum.

 

Schule von Barbizon

 

«Schule» im eigentlichen Sinne ist falsch. Was also war es? Eine Art Künstlerkolonie. Oder besser gesagt ein Kollegenkreis von Malern, die sich ab den 1830er-Jahren in der Umgebung von Barbizon trafen – zum Malen in der freien Natur.

 

Als Gründer der Kolonie gilt Théodore Rousseau (1812-1867). Ihm ging es darum, sich von den historischen, religiösen oder mythologischen Themen zu lösen, wie sie damals von der Akademie gefordert wurden. Rousseau schwebte eine kleinformatige, einfache Landschaftsmalerei vor, die er «paysage intime» nannte. Anstelle der bisherigen idealisierten Landschaften sollten realistische Abbildungen treten. >mehr

 

 

 

picasso

Pablo Picasso (1881-1973). Autoportrait (Yo Picasso), 1901. Kunsthaus Zürich.

 

 

 

 

 

 

 

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Ausstellung
La Escuela de
Paris.

 

Pariser Schule / École de Paris

 

Ein verwirrlicher Begriff – der mit einer
«Schule» nichts zu tun hat
. Man bezeichnet damit bestimmte Gruppen von Künstlern, die in einer Epoche das Pariser Kunstgeschehen geprägt haben. Nicht nur französische Künstler, auch internationale, die in Paris wirkten. Unterschieden werden diese zwei Epochen:

 

Moderne École de Paris

Diese umfasst die Zeit von etwa 1890 bis 1945. Wichtigste Vertreter sind Picasso, Modigliani, Gris, Braque, Matisse, Derain, Mirò, Bonnard und viele weitere.

 

Nouvelle École de Paris

Beginn etwa nach dem Zweiten Weltkrieg, also 1946, diese umfasst die Gegenwartskunst mit allen neuen Kunsttechniken.

 

Der Begriff «École de Paris» wird oftmals auch für Ausstellungen verwendet, die Pariser Künstler zeigen. Wie zum Beispiel die Ausstellung von 2016 «La Escuela de Paris» im

 

>Guggenheim-Museum von Bilbao

 

 

 

 

Salon de Paris / Salon des réfusés / Salon des Indépendents

 

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Die Hängung im Salon de Paris. Gemälde von
Edouard Dantan (1848-1897).

 

Salon de Paris, das Original

 

Das Ziel aller Künstler, die um Anerkennung kämpften. Den Salon gab es seit 1673.
Als Begründer gilt König Louis XIV. Im 19. Jht war der Salon die grosse Bühne des französischen Kunstbetriebs. Bei der letzten Austragung, die seitens des Staates organisiert wurde – das war 1880 – stellten nicht weniger als 5184 Künstler aus. >mehr

 

 

cezanne

Paul Cézanne, einer der «Refusierten».

 

Salon des Réfusés, die Parallel-Ausstellung

 

Der Salon des Refusés stand neben dem offiziellen «Salon de Paris» jenen Künstlern offen, deren Werke von der Salon-Jury abgelehnt oder zurückgewiesen wurden.

 

Den «Salon des Réfusés» gab es ab 1863, weil zahlreiche Künstler gegen die Praxis der Salon-Jury protestiert hatten >mehr

 

 

 

independents

Im Grand Palais stellten die «Indépendents» aus.

 

Salon des Indépendents

 

Zur Gründung der Société des Artistes Indépendants kam es, weil die Künstler genug hatten von den Fehlentscheidungen der Salon-Jury und von der ständigen Abweisung moderner Gemälde. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten die heute berühmten Georges Seurat, Odilon Redon und Paul Signac. Der erste «Salon des Indépendants» fand 1884 statt. >mehr

 

   
   

 

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