Gustave Moreau (1826-1898)


Er gilt als Vater des französischen >Symbolismus
und ist berühmt für seine mystischen und geheimnisvollen Werke aus der Welt der griechisch-römischen Mythologie – aber ebenso für seine blühende Fantasie und seine erfundenen Fabel- und Mischwesen.

 

 

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Gustave Moreau (1826-1898).

Selbstporträt, 1850. Musée
Gustave Moreau Paris.

 

 

Gustave Moreau kommt 1826 in Paris zur Welt. Sein Vater ist ein erfolgreicher Architekt und arbeitet für das Bauministerium; die Mutter eine Tochter des wohlhabenden Bürgermeisters von Douai, Besitzer eines Schlosses. Aber nicht nur das. Die Moreaus

verfügen auch über eine umfangreiche Bibliothek. Gustave liest gern – vor allem Werke über die griechisch-römische Mythologie, über Architektur und über die Kunst der Renaissance.

 

Schon früh weiss er, dass er Künstler werden will. Seine Eltern unterstützen ihn. Um 1844 beginnt er eine Lehre beim neoklassizistischen Maler Francois-Edouard Picot – ein Fan von >Jean-Auguste-Dominique Ingres. Moreau kopiert grosse Meister und malt seine ersten Akte. Von seinem Lehrer Picot wird er für die Aufnahmeprüfung an die >Ecole des Beaux-Arts in Paris vorbereitet. Moreau besteht auf Anhieb und beginnt dort 1846 mit dem Kunststudium.

 

1849 verlässt er die Akademie und macht sich selbständig. Die guten Verbindungen, die sein Vater hat, kommen ihm dabei zunutze. Am >Salon de Paris von 1852 kann er sein erstes Werk ausstellen: eine klassizistische Pietà.

 

1857 bis 1859 reist Moreau in Italien – Rom, Florenz, Siena, Pisa, Mailand, Venedig, Neapel – und studiert die Techniken der Renaissancemaler. In der Villa Medici in Rom lernt er >Edgar Degas kennen und reist eine Weile mit ihm durchs Land.

 

Zurück in Paris ab 1860 malt Moreau einige Zeit ohne auszustellen und entwickelt in dieser Phase seinen einzigartigen, persönlichen Stil. Er befasst sich auch mit dem Studium persischer, indischer und japanischer Drucke und entlehnt daraus Motive für seine eigenen Visionen.

 

Im Salon de Paris von 1864 darf Gustave Moreau sein Gemälde «Ödipus und die Sphinx» ausstellen – es wird ihn berühmt machen. Nun ist er als Künstler anerkannt, stellt bis 1869 jedes Jahr im Salon aus und wird für seine Arbeiten gefeiert.

 

Ab den 1870er-Jahren fertigt er Kunstwerke, die heute als Vorboten des Expressionismus gelten oder sogar als Vorläufer der >Fauves.

 

1888 wird Moreau in die Académie des Beaux-Arts gewählt und 1891 zum Professor in der Ecole des Beaux-Arts. Dort gilt er bis heute als der «letzte grosse Meister». Er unterrichtet u.a. >Henri Matisse und Georges Rouault und ermutigt diese neuen Talente, die Farben kräftig und fantasievoll einzusetzen.

 

1895 baut Moreau sein Pariser Haus im Arrondissement de l'Opéra in ein vierstöckiges Gebäude um, um ein Museum für seine Werke zu schaffen.

 

Am 18. April 1898 stirbt er in Paris an Magenkrebs. Moreau hinterlässt dem Staat sein Haus und rund 1'200 Gemälde und Aquarelle und etwa 10'000 Zeichnungen. Zu seinen Lebzeiten konnte er rund 500 Werke verkaufen.

 

 

 

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Musée Moreau Paris

 

 

>Website Musée Moreau Paris

 

 

 

Titelbild (Ausschnitt)

Gustave Moreau (1826-1898).

Ödipus und Sphinx, 1864. Detail.

Metropolitan Museum of Art New York.

 

 

 

 

 

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Gustave Moreau (1826-1898). Apollo und die neun Musen, 1856. Privatsammlung.

 

 

 

1856: Apollo und die neun Musen

 

Wer beim >Salon de Paris anerkannt werden will, muss akademisch-klassische Werke abliefern. Am besten biblische oder mythologische Szenen. Auch Gustave Moreau setzt sich das Ziel, vom Salon angenommen zu werden. 1852 schafft er es ein erstes Mal mit einer klassischen Pietà.

 

Zu den klassischen Themen gehört auch der griechische Gott Apollo, den der Künstler in diesem Werk als echten Schönling malt. Die neun Musen im Hintergrund sind da nur noch Beiwerk.

 

 

>wer waren Apollons neun Musen?

 

 

 

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Gustave Moreau (1826-1898). Ödipus und die Sphinx, 1864. Metropolitan Museum of Art New York.

 

1864: Ödipus und die Sphinx

 

Wahrscheinlich das berühmteste Werk von Gustave Moreau. Er kann es am Salon von 1864 ausstellen und bekommt dafür glänzende Kritiken.

 

Was steckt hinter der Story? Eigentlich könnte die Geschichte ja Blut triefend enden, aber der Künstler macht daraus so etwas wie eine Liebesszene. Die Sphinx, ein Mischwesen aus halbnackter Frau und Löwenkörper, schmiegt sich liebevoll an Ödipus und himmelt diesen geradezu an. Obwohl sie ja in diesem Moment noch nicht wissen kann, ob Ödipus ihre Rätselfrage wird beantworten können – heisst: ob sie ihn töten und auffressen muss wie viele Reisende vor ihm. Dass es die Sphinx damit ernst meint, zeigt der Künstler mit einigen herumliegenden Leichenteilen, die er am unteren Bildrand platziert.

 

 

>mehr über Ödipus und die Sphinx

 

 

   

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Gustave Moreau (1826-1898). Leda, 1865-75. Musée Gustave Moreau Paris.

 

 

1865: Leda und der Schwan

 

Auch das ein Klassiker und eine stete Quelle der Inspiration für Künstler, die gerne Akte malten. Solche Geschichten aus der griechischen Mythologie boten ihnen einen willkommenen Vorwand dafür. Und was hat es mit der Geschichte auf sich?

 

>mehr über Leda und den Schwan

 

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Gustave Moreau (1826-1898). Prometheus, 1868. Musée Gustave Moreau Paris.

 

1868: Das grauslige Leiden des Prometheus

 

Kaum ein Künstler, der sich mit klassischen Themen befasst und diese blutdrünstige Geschichte auslässt. Moreau zeigt den nackten Prometheus sehr realistisch am Abgrund an einen Felsen geschmiedet. Sein «Adler», der sich an Prometheus Leber gütlich tut, sieht eher aus wie ein Geier.

 

Hinter diesem grausligen Akt steck Göttervater Zeus. Der ist auf Prometheus sauer, weil dieser den Menschen das Feuer bringen will. Zur Strafe lässt er ihn im Kaukasus an einen Felsen schmieden und täglich lässt er einen Adler herbei fliegen, der ein Stück aus Prometheus Leber rauspickt...

 

>mehr über Prometheus und den Adler


 

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Gustave Moreau (1826-1898). Salome tanzt vor Herodes, 1875. Musée Gustave Moreau Paris.

1875: Salome tanzt vor Herodes Antipas

 

Das Drama um Salome und Johannes dem Täufer verarbeitet Moreau in verschiedenen Werken. Natürlich fehlen auch bei ihm die grausligen Szenen nicht, in denen Salome den abgeschlagenen Kopf Johannes' auf einer Schale darreicht.

 

In diesem Gemälde zeigt er aber einen vorgelagerten Teil der Geschichte: Hier tanzt die schöne Salome für ihren Vater, Herodes Antipas. Allerdings stellt Moreau die Szene nicht wie üblich dar. Im «Original» findet der Tanz nämlich an einem Geburtstagsfest Herodes' statt – hier sitzt er im abgedunkelten Hintergrund auf dem Thron und schaut mit düsterer Miene zu.

 

>mehr über Salome und Johannes

 

 

 

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Gustave Moreau (1826-1898). Phoebus und Boreas, 1879. Musée Gustave Moreau Paris.

 

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Gustave Moreau (1826-1898). Hélène glorifiée, 1897. Privatsammlung.

 

Spätwerk: Vorläufer der Expressionisten?

 

In seinem Spätwerk ab den 1870er-Jahren – da ist er schon über fünfzig – werden die Werke bunter und zeigen Ansätze zum >Expressionismus, der ja eigentlich erst nach der Jahrhundertwende aufkommt.

 

Das Werk Phoebus und Boreas ist eine Fabel aus der Feder des französischen Dichters Jean de La Fontaine aus dem Jahr 1668. Es geht dabei um den Sonnengott Phoebus (auch Helios) und den Windgott Boreas. Die beiden streiten darüber, wem es als Erstem gelingen würde, einen Wanderer dazu zu bewegen, seine Kleider abzulegen. Der Wind bläst wie verrückt, aber der Wanderer drückt seinen Mantel noch fester an sich. Die Sonne dagegen hat leichtes Spiel – dem Mann wird so heiss, dass er sich des Mantels aus freien Stücken entledigt.

 

In einem anderen bunten Werk zeigt der Künstler die Heilige Helena umgeben von skurrilen (christlichen?) Gestalten und von Engeln. Helena soll die Mutter des römischen Kaisers Konstantin gewesen sein, der sich 313 zum Christentum bekehrte. Helena soll bis 329 n.Chr. gelebt haben. Die im Südpazifik gelegene Insel St. Helena wurde nach ihr benannt. Dort starb Napoleon in englischer Gefangenschaft im Jahr 1821.

 

 

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Werke chronologisch geordnet

 

   
   

 

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