Robert Zünd (1827-1909)


Der Luzerner zählt zu den bedeutendsten Landschaftsmalern des 19. Jahrhunderts. Seine akribischen Darstellungen von Wäldern, Bäumen und Blättern haben die Menschen schon damals fasziniert.

Robert Zünd entstammt einer gutbürgerlichen Familie und besucht das Gymnasium Luzern. Einen ersten Unterricht in Zeichnen und Malen bekommt er bei Jakob Schwegler, 1847 weilt er kurze Zeit bei Joseph Zelger in Stans. Auf dessen Anregung hin übersiedelt er 1848 nach Genf und arbeitet zuerst bei François Diday, anschliessend bei >Alexandre Calame.

 

1851 lernt er >Rudolf Koller kennen, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verbindet. Die beiden Künstler malen zusammen und begutachten gegenseitig ihre Werke.

 

1852 reist Zünd erstmals nach Paris und studiert im Louvre Bilder niederländischer und französischer Meister des 17. Jahrhunderts. Von den Zeitgenossen schätzt er vor allem Camille Corot.

 

1860 entsteht ein erstes Hauptwerk: «Die Ernte» (heute im Kunstmuseum Basel). Im selben Jahr folgt ein Studienaufenthalt in Dresden, wo er in der >Gemäldegalerie Werke von Claude Lorrain, Jakob van Ruisdael und Paulus Potter kopiert.

 

1863 lässt er sich bei Luzern nieder. Zu dieser Zeit malt er auch einige Szenen mit biblischen Figuren, aber im wesentlichen ist seine künstlerische Entwicklung abgeschlossen – er bleibt fortan seiner eigenen Linie treu. Sein Markenzeichen: Detailgetreue Abbildungen und gleichzeitige Idealisierung der Natur.

 

1882 vollendet er den «Eichenwald», eines seiner bekanntesten Werke (heute im Kunsthaus Zürich). Der Eichenwald wird 1883 an der Landesausstellung in Zürich ausgestellt und macht Schlagzeilen. Man zeigt auch eine schwarz-weisse Fotoreproduktion davon – die prompt für eine Fotografie des (nicht existierenden) Waldes gehalten wird.

 

1883 lernt Robert Zünd den Winterthurer Unternehmer und Kunstmäzen Theodor Reinhart (Vater des berühmten Kunstsammlers >Oskar Reinhart) kennen und kann ihm einige seiner Werke verkaufen. Zünds weiterer Kundschaftskreis stammt im wesentlichen aus dem schweizerischen Bürgertum.

 

1906 ernennt ihn die Universität Zürich zum Ehrendoktor. Robert Zünd stirbt am 15. Januar 1909 in Luzern, dort ist er auch beerdigt. In der Nähe des Hauptbahnhofs Luzern ist eine Strasse nach ihm benannt.



 

 

Titelbild (Ausschnitt)

Robert Zünd (1827-1909).

Eichenwald, 1881-82.

Kunsthaus Zürich.

 

 

 

 

 

 

eichenwald

Robert Zünd (1827-1909). Eichenwald,
1881-1882.
Kunsthaus Zürich.

 

 

eichenwald-detail

Eichenwald,
1881-1882.
Detail.

 

 
detail2_eichwald

Eichenwald,
1881-1882.
Detail.

 

Der Meister der Wald-Malerei.

 

Schon zu seinen Lebzeiten nennt man ihn den «Meister des Buchenblattes». Er ist berühmt für seine akribischen und detailverliebten Darstellungen von Wäldern, Bäumen und Blättern. Sie sind so perfekt abgebildet, dass es Fotografien sein könnten.

 

Einige Ansichten stammen aus dem Luzerner Umland, die meisten können aber keinem bestimmten Ort zugeordnet werden, sondern sind «idealisierte Natur». Das heisst: Sie sind nicht vor Ort entstanden, sondern entspringen der Fantasie des Künstlers, gemalt im Atelier.

 

 

Der Eichenwald, 1881-82.

Ein Beispiel dieser «idealisierten Natur» ist Zünds Werk «Eichenwald» von 1881-82. Auch dieses ist im Atelier entstanden. Neu komponiert aufgrund von Skizzen und Studien.

 

>Arnold Böcklin (1827-1901) soll über dieses Gemälde gesagt haben: «Vor lauter Bäumen sieht man den Wald nicht». Andere meinten, man hätte das genau so gut fotografieren können. Was aber unmöglich ist, denn diesen Wald gibt es nirgends, er ist ein Fantasieprodukt des Künstlers.

 

>Gottfried Keller sieht das nochmals anders. Für ihn ist es ein Gemälde von «idealer Reallandschaft oder realer Ideallandschaft».

 

 

   

zünd_die-ernte

Robert Zünd (1827-1909).
Die Ernte, 1860. Kunstmuseum Basel.

 

reiter-im-wald

Robert Zünd (1827-1909). Herbst, 1868. Kunstmuseum Bern.

Die Ernte, 1860.

Ein frühes Hauptwerk des Luzerner Malers, und eines seiner bekanntesten. Es besticht durch die Darstellung von reiner, unberührter Natur.

 

Die ausserordentlich detaillierte Ausfertigung zeichnet nicht nur dieses Bild aus, sondern auch alle seine kommenden Werke.

 

 

Keine winterliche Ansichten.

Bemerkenswert ist, dass sich Robert Zünd in bezug auf die Jahreszeiten Grenzen setzt: Er malt seine Landschaften nur im Licht von Frühling, Sommer und Herbst, nie aber im Winter.

 

Der Herbstwald, 1868.

Auch dieses Gemälde glänzt durch seinen Detailreichtum. Jedes einzelne Blatt ist akribisch «nach der Natur» gemalt. Es ist Realismus und Naturalismus pur. Entstanden ist das Werk aber nicht in der Natur direkt vor Ort, sondern nach detaillierten Skizzen und Studien im Atelier.

 

 

kornfeld-mit-eichen

Robert Zünd (1827-1909). Kornfeld mit Eichen, 1875.
Privatsammlung.

 

ochsengespann

Robert Zünd (1827-1909). Bauern mit Ochsengespann beim Eggen, 1868. Privatsammlung.

 

Kornfeld mit Eichen, 1875.

Dieses spätsommerlich Gemälde einer sehr naturalistischen Erntezene samt Bauern, Wagen und Pferden wird bei einer Auktion von Phillips, de Pury & Company im Jahr 2002 von einem Schweizer Privatsammler für 360'000 Franken erworben.

 

Der Kauf setzte eine (damalige) Rekordmarke für Werke des Luzerner Malers. Der bisherige Höchstpreis lag bei 300'000 Franken für das Werk «Eichenwald» und wurde bei Sotheby's in Zürich erzielt. Bis 2020 kletterten die Preise der begehrten Zünd-Werke bereits auf über 600'000 Franken.

 

Bauern mit Ochsengespann, 1868.

Ebenfalls bei bei einer Auktion von Phillips, de Pury & Company kommt dieses stimmungsvolle Gemälde «Bauern mit Ochsengespann beim Eggen» von 1868 unter den Hammer und geht schliesslich für 340'000 Franken an einen unbekannten Privatsammler.

 

gang-nach-emmaus

Robert Zünd (1827-1909).
Der Gang nach Emmaus, 1877. Kunstmuseum St.Gallen.

 

Biblische Figuren in der Landschaft.

In den 1860er-Jahren erweitert Zünd seine Landschaften gelegentlich mit biblischen Gestalten. Eines seiner bekanntesten biblischen Werke, entstanden 1877: «Der Gang nach Emmaus».

 

Der Künstler versetzt das Geschehen von der biblischen Wüste in eine Waldlandschaft. Auch in diesem Gemälde kommen seine exklusiven Fähigkeiten bei der Darstellung von Bäumen zur Geltung. Der Künstler beweist damit aber gleichzeitig, dass er auch mit der Abbildung von Figuren keine Mühe hat.

 

>mehr über den Gang nach Emmaus

 

 

 

meninas_zünd

Robert Zünd (1827- 1909). Las Meninas, Kopie nach Velazquez. Kunstmuseum
Luzern.

 

meninas_original

Diego Velazquez (1599-1660). Las Meninas oder Die Familie von König Felipe IV, 1636. Museo del Prado Madrid.

 

 

Zünds Kopie von Velazquez' Meninas.

 

Wenn Künstler Werke grosser Meister kopieren, dann tun sie dies, um von diesen zu lernen und gleichzeitig ihre eigenen Fähigkeiten zu zeigen. Auch Robert Zünd kopierte Werke von Mantegna, Lorrain, Ruisdal oder auch Veronese. Er hatte eine Vorliebe für Werke des 17. Jahrhundert.

 

Das berühmte Werk Velazquez' «Las Meninas» hat Robert Zünd nie im Original gesehen. Er reiste nicht gerne und war nie in Madrid. Es ist nicht bekannt, was er als Vorlage benutzt hat. Vielleicht die Kopie eines anderen Künstlers, vielleicht eine Fotografie. Allerdings steckte zu seiner Zeit die Farbfotografie noch in den Kinderschuhen.

 

Das Original von >Velazquez im Prado in Madrid misst stolze 3.2 x 2.7 Meter; Zünd begnügte sich mit einem Format von 52 x 45 cm. Dass der Landschaftsmaler Zünd sich an eine so schwierige Figurengruppe wagte, ist an sich schon verwunderlich. Noch erstaunlicher ist, wie nahe seine Kopie an das Original heran kommt.

 

Das Bild zeigt Prinzessin Margarita mit ihren Hofdamen, den Meninas. Im Hintergrund erkennt man im Spiegel das Königspaar.

 

 

more

 

Fotos / Diashow

 

   
   

 

zünd_titel