Kunst über Mittag
2020

 


So heisst der Kurs, der im Kunsthaus Zürich stattfindet – organisiert von der Migros Klubschule. Jeden Dienstag treffen sich Kunstfreunde über Mittag im Kunsthaus. KunstexpertInnen erläutern die Finessen einzelner Werke.

 

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Der Kurs findet zweimal jährlich statt. Im Frühjahr von März bis Juni, im Herbst von September bis Dezember. Je zwölf Wochen.

 

 

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Aufgrund der Corona-Pandemie konnte der Frühjahrskurs nicht durchgeführt werden.
Der Start ins Kursjahr 2020 erfolgte deshalb erst am 22. September 2020.

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Bruce Naumann (1941). Model for Tunnel. 1981. Kunsthaus Zürich.

 

 

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Bruce Naumann (1941). Model for Outdoor Piece, 1976. Kunsthaus Zürich.

 

 

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>Carl Andre (1935), Glarus Copper Galaxy, 1995. Kunsthaus Zürich.

1. Dezember 2020, Referentin Maya Karacsony

Wie definiert man den Kunstbegriff «Installation» ?

 

Die Referentin nimmt Bezug auf die Definition gemäss Wikipedia:
«Die Installation ist in der bildenden Kunst ein meist raumgreifendes, ortsgebundenes und oft auch orts- oder situationsbezogenes dreidimensionales Kunstwerk. Der im Hinblick auf die Kunst seit Ende der 1970er Jahre gebräuchliche Begriff wird inzwischen auch für frühere raumexpandierende Inszenierungen angewendet.»

 

Weitere Merkmale:

– Installationen können aus jedem erdenklichen Material bestehen,
dazu gehören auch Licht und Töne.

– Installationen sollten ihren eigenen Raum haben.

– Installationen sollten betretbar und/oder begehbar sein.

– BetrachterInnen sind Teil einer Installation, sie entwickeln Emotionen zum Kunstwerk.

– BetrachterInnen sollten sich bewegen, so verändern sich
Perspektive und Proportion des Werkes.

– Installationen sollten keinen Sockel haben, heisst: sie sollten nicht
aufs Podest gehoben werden.

 

Die ersten Installationen entstanden in der Zeit nach 1920 (zum Beispiel Kurt Schwitters Merzbau, einem raumfüllenden Kunstwerk).

 

In den 1970er-Jahren begann man, in den Begriff Installationskunst
auch Kunst-Events und die Konzeptkunst zu integrieren.

 

Eine prägende Figur für Installationen und Events der Gegenwartskunst ist >Joseph Beuys. Unter den Schweizer Installations-KünstlerInnen stechen die Namen Katarina Fritsch, Roman Signer und >Pipilotti Rist hervor.

 

Beispiele für Installations- und Eventkunst sowie eine umfassende Liste von internationalen InstallationskünstlerInnen gibt es unter diesem Link:

 

>https://de.wikipedia.org/wiki/Installation_(Kunst)

 

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Grosse liegende Frauenfigur, 1957. Kunsthaus Zürich.
 

24. November 2020, Referentin Maya Karacsony

Henry Moore (1898-1986). Reclining Figure, 1975-77.

 

Der englische Bildhauer hat eine Schwäche für liegende Figuren. Er meint dazu, dass die liegende Haltung ihm die grössten Möglichkeiten und Freiheiten bei der Gestaltung eines Werkes biete.

 

An der besprochenen Gipsfigur (bemalt) fällt der sehr kleine Kopf auf. Für Moore ist das nicht untypisch – bei einigen seiner Figuren verzichtet er ganz auf einen Kopf. Bemerkenswert ist zudem, dass der offensichtlich weibliche Körper auch deutlich männliche Elemente aufweist. Zum Beispiel kräftige Schultern, wie man sie von Michelangelo kennt.

 

Es besteht die Vermutung, Moore könnte bei einem Besuch in Florenz Michelangelos liegende Figur >Morgenröte (in den Medici-Gräbern der Basilica San Lorenzo) als Vorbild oder mindestens als Inspiration genommen haben. Gesichert ist, dass er schon in seinen jungen Jahren im British Museum in London antike liegende Figuren studiert hat. Diese hat er im Laufe der Zeit nach und nach über die «Natur-Analogie» (kein Naturalismus, aber eine an die Natur angelehnte Darstellung) in immer weiter gehende Abstraktionen geführt.

 

Eine punkto Abstraktion weit fortgeschrittene liegende Figur von Henry Moore war lange Zeit vor dem Kunsthaus Zürich ausgestellt: Die «Grosse liegende Frauenfigur» aus dem Jahr 1957. Im Moment ist sie im Depot des Kunsthauses eingelagert.

 

In Zürich gibt es sogar eine komplett abstrakte Plastik von Henry Moore zu sehen, und zwar im öffentlichen Raum: Das >Sheep Piece aus dem Jahr 1969, das an der Seepromenade im Zürichhorn steht. Dort weilt das fast sechs Meter grosse Kunstwerk seit 1976. Es ist eines von vier Bronzegüssen. Die anderen drei stehen in Kansas, New York und Perry Green (Moore Foundation).

 

>mehr über Henry Moore

 

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Die Bekehrung des Paulus auf dem Weg nach Damaskus, ca. 1640.

 

 

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17. November 2020, Referentin Andrea Sterczer

Benjamin Gerritsz Cuyp (1612-1652). Bekehrung des Paulus, 1640.

 

Das ziemlich grosse Gemälde hängt zur Zeit nicht im Kunsthaus und wurde extra für «Kunst über Mittag» bereitgestellt. Es stammt vom niederländischen Künstler Benjamin Gerritsz, der zur Malerfamilie der Cuyps gehört. Ihr berühmtester Spross ist Aelbert Jacobsz Cuyp (1620-1691), der sich mit Landschaftsgemälden einen bedeutenden Namen geschaffen hat. Benjamin Gerritsz ist wahrscheinlich ein Neffe von Aelbert und erreichte dessen Status nie. Er malte hauptsächlich biblische Motive.

 

Dieses hier zeigt die Wandlung von Saulus zu Paulus, wie sie in der Apostelgeschichte der Bibel beschrieben wird (Apg 9, 1-9) >mehr

 

Saulus ist beauftragt worden, nach Damaskus zu reisen, um dort die Christen zu verfolgen und zu verhaften. Kurz vor Damaskus wird er von einem Licht geblendet. Er stürzt vom Pferd und hört eine Stimme sagen: «Saul, Saul, warum verfolgst du mich?». Es ist Jesus, der mit ihm spricht. Drei Tage lang ist Saulus blind. Nach der Begegnung mit Jesus lässt er sich taufen, nennt sich Paulus und wird selbst zum Verkünder des christlichen Glaubens. Als Missionar zieht er durch das ganze römische Reich und verkündet das Evangelium. Paulus lebte von 10 bis 60 n.Chr.

 

Das Gemälde zeigt den Moment, in dem Saulus vom Pferd stürzt und er die Stimme Jesus' vernimmt. Der Künstler arbeitet mit dramatischen Wolken und gleissendem Licht, aus dem Jesus spricht, bildet diesen aber nicht ab. Das Licht verursacht einen gewaltigen Tumult unter den Begleitern. Um die Hauptfigur Saulus herauszuheben, hat ihm Gerritsz ein weisses Pferd verpasst – so wird der Blick automatisch an die wichtigste Stelle gelenkt, zum gestürzten Helden.

 

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Fleur masquée,
1958.
 

 

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10. November 2020, Referentin Gabriele Lutz

Meret Oppenheim (1913-1985). Fleur masquée, 1958.

 

Es ist sozusagen eine «Präsntation aus gegebenem Anlass»: Masken sind derzeit in. Anti-Corona-Masken. Für Meret Oppenheim hatten Masken zeitlebens eine überragende Bedeutung. Sie war nicht nur aktiv in Basler Fasnachtscliquen, sondern verstand die Maske auch im Sinne von Verschleiern, Schminken, Verstecken, Grenzen verwischen. Zudem stand sie philosophisch C.G. Jung sehr nahe und seiner Theorie, dass in jedem Menschen ein zweites Ich steckt. Diese andere Seite wollte Oppenheim auch in sich erkennen. Bei ihr manifestierte sich das in ihrem androgynen Wesen, das weibliche und männliche Seiten offenbarte.

 

Was ist in ihrer Skulptur «Fleur masquée» zu erkennen? Natürlich mal die Blume, wie schon der Titel sagt. Aber ist da nicht auch noch eine Kobra zu sehen? Oder ein weiblicher Torso mit Décolleté und Collier?

 

Die Skulptur wirkt wie aus Gips gefertigt – es ist aber geschnitztes Lindenholz, mit Gouache weiss bemalt. Aus nächster Nähe betrachtet ist gut zu erkennen, dass es sich um eine Schnitzarbeit handelt. Ob die Künstlerin diese selbst ausgeführt hat oder ob sie die Arbeit in Auftrag gegeben hat, ist nicht bekannt. Auch der Sockel ist reinste Natur – es ist eine Wurzel mit der Form eines Schuhs.

 

Die Natur spielte bei Meret Oppenheim ein wichtige Rolle. Schon in ihrem berühmtesten Werk aus dem Jahr 1936 >Frühstück im Pelz kam die Natur zum Zuge: Tasse, Untertasse und Löffel, alles in Naturpelz verhüllt – und auch hier wieder die von der Künstlerin so geliebte Maskerade.

 

Auch beim >Oppenheim-Brunnen, der seit 1983 in Bern in der Nähe des Kunstmuseums steht, hat die Künstlerin die Natur mit einbezogen. Das Kunstwerk selbst besteht zwar aus hartem Beton, aber die Natur darf sich darauf frei entfalten: mit wachsendem Tuffstein und zahllosen zugeflogenen wilden Pflanzen.

 

>mehr über Meret Oppenheim

 

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Albert Anker (1831-1910).
Die Ziviltrauung, 1887. Kunsthaus Zürich.

 

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Albert Anker (1831-1910).
Zwei schlafende Mädchen auf der Ofenbank, 1895.
Kunsthaus Zürich.

3. November 2020, Referent Reto Bonifazi

Albert Anker (1831-1910). Die Dorfschule von 1848, 1895-96.

 

Das Gemälde hängt neu im Kunsthaus, es stammt aus einer Privatsammlung und ist eine langfristige Leihgabe. Albert Anker hat es 1895-96 gemalt, da war er schon 65 und möglicherweise nicht mehr auf der Höhe seiner Schaffenskraft. Obwohl es ein starkes Bild ist, kann man es nicht zu seinen besten Meisterwerken zählen.

 

Das Bild zeigt eine Dorfschule, wie sie 1848 ausgesehen haben könnte – gemalt wurde es ein halbes Jahrhundert später. Anker befasste sich intensiv mit dem Unterrichtswesen – er war auch Schulpfleger in Ins – und präsentierte diese Schulszene von 1848 als Negativbeispiel: So sollte nicht unterrichtet werden! Zuviele Kinder, die der Lehrer nicht unter Kontrolle haben kann, und ein Lehrer, der mit seinem Stöckchen wie ein Dompteur wirkt. Zur Zeit der Entstehung des Werkes, also gegen Ende des 19. Jahrhunderts, da hatte sich das Schulwesen mit dem Primarschulgesetz von 1870 schon merklich modernisiert und verbessert, auch die Sekundarschule war kurz danach eingeführt worden.

 

Wie ist dieses Werk künstlerisch zu bewerten? Grossartig dargestellt sind die einzelnen Kinderfiguren, in denen alle erdenklichen Charaktere und Emotionen zur Wirkung kommen. Kinderdarstellungen waren ja Ankers grosse Stärke. Einzeln betrachtet, sind sie meisterhaft abgebildet. Was dem Gemälde aber abgeht, ist die Einheit: jede Kindergruppe agiert für sich selbst.

 

Ganz anders im Gegenbeispiel, auf das der Referent hinweist: Im Gemälde «Die Ziviltrauung», das der Künstler ein Jahrzehnt vorher gemalt hat. Hier interagieren alle Personen und sind einheitlich auf die Hauptaussage gerichtet: Den Akt der Unterzeichnung bei der Trauung. Alle Gesichter sind auf diese Handlung konzentriert. Zudem sind die Figuren detaillierter ausgearbeitet und auf die Ausführung kleiner Details hat der Künstler grösste Sorgfalt gelegt.

 

Könnte es sein, dass sich Anker bei der Arbeit an der «Dorfschule 1848» weniger wohl gefühlt hat, weil diese Schulszene nicht seinem Ideal entsprach? Das würde dann die These widerlegen, dass er nicht mehr auf dem Höhepunkt seines künstlerischen Vermögens stand. Immerhin hat er zur gleichen Zeit, 1895, noch ein weiteres Meisterwerk abgeliefert: «Zwei schlafende Mädchen auf der Ofenbank».

 

>mehr über Albert Anker

 

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David Teniers d.J. (1610-1690). Der Künstler mit Erzherzog Leopold Willhelm in dessen Galerie in Brüssel, 1650-52. Kunsthistori-sches Museum, Wien.

 

27. Oktober 2020, Referentin Andrea Sterczer

David Teniers d.J. (1610-1690). Interieurszene mit drei rauchenden Bauern vor einem Kaminfeuer, 1645-1650.

 

David Teniers kommt in Antwerpen zur Welt. Die Ausbildung zum Maler erhält er von seinem Vater, David Teniers d.Ä. (1582-1649). Mit 23 Jahren wird er in die Lukasgilde aufgenommen. 1637 heiratet er Anna Brueghels, eine Tochter von >Jan Brueghels d.Ä.

 

Teniers ist ein sehr vielseitiger Maler und schafft in seinen 80 Jahren über 800 Werke (Historiengemäle, religiöse Bilder, Landschaften, Stillleben, Genrebilder), von denen noch hunderte erhalten sind. 1651 wird er Hofmaler in Brüssel und von Erzherzog Leopold Wilhelm – der Statthalter der spanischen Niederlande – beauftragt, als Kurator für diesen eine Kunstsammlung aufzubauen. Das Gemälde unten links zeigt ihn zusammen mit dem Erzherzog in dessen Galerie in Brüssel.

 

1664 gründet David Teniers die Antwerpener Akademie, in der junge Künstler ausgebildet werden.

 

Das besprochene Gemälde ist ein sehr kleines Bild. Es ist eher atypisch für den Künstler, der sonst bevorzugt Genre-Bilder von Aristokraten und gutbetuchten Bürgern in vornehmer Umgebung malt. Dennoch hat sich Teniers einen Namen als Maler von Bauern- und Wirtshausszenen gemacht. Allerdings stellt er diese in nicht so deftiger Form dar wie viele seiner Malerkollegen aus der Epoche, die grobe Trinkgelage, Sturzbetrunkene und Schlägereien in den Schenkstuben zeigen.

 

Im Gegensatz dazu stellt Teniers seine drei Bauern in diesem Gemälde schon fast gesittet dar. Sie trinken und rauchen zwar – was als Sünde gilt – aber der Besen in der Ecke links zeigt symbolisch an, dass hier trotzdem Sauberkeit herrscht. Das Moralin der Bildaussage heisst: Um gottgefällig zu leben, soll man die Zeit vernünftig nutzen und sie nicht mit Wirtshausaufenthalten und Rauchen vergeuden.

 

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Glarus Copper
Galaxy, 1995.

 

 

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20. Oktober 2020, Referent Daniel Naef

Carl Andre (1935). Glarus Copper Galaxy, 1995.

 

Der in Quincy (Massachusetts, USA) geborene Bildhauer ist ein Vertreter der >Minimal Art. In dieser Kunstgattung wird immer auch der Raum mit einbezogen. Sein Werk aus Kupferblech italienischer Herkunft wurde in der Schweiz hergestellt. Wie kommt der Amerikaner auf die Schweiz? Und wieso heisst das Werk «Glarus Galaxy»? Das hängt damit zusammen, dass es erstmals in Glarus ausgestellt wurde. Viele Künstler, die solche Werke fabrizieren lassen, wählen die Schweiz, weil es hier offenbar noch die idealen Produzenten für solche Arbeiten gibt. Tüftler, die die Werke mit viel Liebe und technischem Sachverstand herstellen können. Welche Schweizer Fabrik die «Galaxy» produziert hat, ist unbekannt. Galaxy heisst es, weil es in der Form an eine Galaxie erinnert. «Unsere» Milchstrasse ist eine Galaxie, eine riesige Ansammlung von Sternensystemen und Planeten.

 

Werke wie dieses brauchen viel Raum. Je nachdem, aus welcher Distanz man es betrachtet, wechselt es seine Form und Farbe. Es sollte so platziert werden, dass man es umlaufen kann, nur so kommt die Lichtspielerei zur Geltung. Mit dem Raum kann der Künstler spielen, mit der Grösse des Objektes nicht. Diese ist durch die Form vorgegeben. Würde man sie auseinanderziehen oder enger gestalten, würde die runde Form verloren geben. Und ist der Untergrund vom Künstler vorgegeben? Darüber liegen keine Infos vor, – bei der ersten Präsentation in Glarus war es auch ein Parkettboden, wie hier im Kunsthaus Zürich. Es wären aber auch andere Unterlagen denkbar, zum Beispiel Beton.

 

Und wer kauft solche Kunstwerke? Kaum je Privatpersonen, sondern grosse Firmen wie Banken oder Versicherungen, die den notwendigen Platz zur Verfügung haben.

 

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Chaumières à Chaponval, 1890.

 

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13. Oktober 2020, Referentin Stefanie Faccani

Vincent van Gogh (1853-1890). Strohdächer in Chaponval, 1890.

 

Die blühenden Aprikosenbäume (Eintrag 6. Okt 2020) malte er 1888 im Süden. Inzwischen ist viel passiert. Nach seiner >Selbstverletzung in Arles 1889 lässt er sich in die Nervenheilanstalt von Saint-Rémy-de-Provence einweisen. Dort malt er unentwegt weiter, stets in der Angst, es könnte sein letztes Bild sein.

 

Nach seiner Entlassung aus der Klinik fährt er im Mai 1890 in den Norden, nach Auvers-sur-Oise in der Nähe von Paris. Seiner Mutter schreibt er: «Ich habe hier sogar in meinen ärgsten Krankentagen weiter gemalt, unter anderem eine Erinnerung an Brabant: Hütten mit bemoosten Dächern und Buchenhecken».

 

Sein Seelenzustand ist düster, – so malt er auch. Die bemoosten Strohdächer wirken finster, seine Lieblingsfarbe gelb wendet er nur noch spärlich an, die beiden Kinder am linken Bildrand zeigt er bedrückt. Und die von oben links schräg nach unten fallenden Konturen der Dächer passen zu seiner Lage: Alles rutscht ab, alles ist deprimierend.

 

Während er dieses Bild malt – es ist eines seiner letzten überhaupt –, kommt in Paris der Sohn seines Bruders Theo zur Welt: Vincent Willem. Für van Gogh ist das wenig Grund zur Freude, ganz im Gegenteil. Er macht sich nun Sorgen, ob es seinem Bruder gelingen wird, die gewachsene Familie durchzubringen. Und ob er von ihm weiterhin mit finanzieller Hilfe rechnen kann. Ein paar Monate später sind diese Sorgen passé: Van Gogh schiesst sich am 27. Juli 1890 in Auvers-sur-Oise eine Kugel in die Brust und stirbt zwei Tage danach >mehr

 

Der im Mai 1890 neugeborene Neffe Vincent Villem wird dereinst van Goghs Erbe antreten und 1960 zweihundert Gemälde in eine Stiftung einbringen. >mehr über Vincent Villem

 

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Abricotier en fleurs, 1888.

 

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6. Oktober 2020, Referentin Stefanie Faccani

Vincent van Gogh (1853-1890). Blühender Aprikosenbaum, 1888.

 

In Paris war er nicht glücklich. Also reiste er in den Süden Frankreichs. >mehr. Im Februar 1888 kam van Gogh im «Licht des Südens» in Arles an. Und war von Anfang an von diesem «Farbenrausch» erfasst.

 

Sein Werk vom Frühjahr 1888 mit dem blühenden Aprikosenbaum sollte eigentlich naturalistisch sein – ist es aber nicht wirklich. Van Gogh hat ihm seinen eigenen Stil verpasst. Er übersetzt gewissermassen die natürlichen Farben in solche, wie er sie sieht.

 

Er verwendet dabei vorzugsweise Komplementärfarben und bringt diese mit schnellen, groben Strichen an (eine Form des >Divisionismus.) Aus der Nähe betrachtet sind denn auch keine einzelnen Aprikosenblüten zu erkennen – erst aus der Distanz wächst das Ganze zu einem blühenden Baum. Wie gekonnt er mit den Farben umgeht, zeigt auch die an sich gelbe Bretterwand (oder ist es ein Hag?), die bei ihm aus zahllosen Farbtönen – blau, grün, violett, gelb, rot etc – besteht.

 

Das Bild könnte auch von japanischen Holzdrucken inspiriert sein. Darauf hin deutet die Wahl des Ausschnittes: Zum Beispiel ist der einzeln stehende Baum nicht zentriert, und die hintere Baumreihe lässt erkennen, dass sie sich links wie rechts neben dem Bild fortsetzt.

 

Es ist ein relativ kleines Bild. Das hat auch damit zu tun, dass grosse Leinwände teuer waren, und der Künstler litt unter ständiger Geldnot. Er musste stets von seinem Bruder Theo finanziell unterstützt werden, weil er zu Lebzeiten kaum Bilder verkaufen konnte. Erst Jahrzehnte nach seinem Tod reagierte der Kunstmarkt,– dann aber vehement. Dass seine Gemälde heute Spitzenpreise erzielen, ist auch das Verdienst seiner Schwägerin Johanna, die Gattin seines Bruders Theo. >mehr

 

>mehr über Vincent van Gogh

 

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Fischli/Weiss. Chamer Raum, 1991. Kunsthaus Zürich.

 

 

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Nichts ist echt...

 

 

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...alles aus Polyurethan.

 

 

 

 

>Details (PDF)

29. September 2020, Referentin Maya Karacsony

Peter Fischli (1952) und David Weiss (1946-2012).
Rauminstallation «Chamer Raum», 1991.

 

Der Raum im Kunsthaus Zürich ist nicht betretbar, man kann ihn nur von aussen durch eine Glasscheibe betrachten. Der erste Eindruck: Was für eine Grümpelkammer! Oder ist es eine Garage? Und was für eine Sauordnung! Wo bleibt da die Kunst?

 

Auf den zweiten Blick sieht alles anders aus. Der Aufbau des «Grümpels» ist ein organisiertes Durcheinander, und Grümpel ist es schon gar nicht. Denn jedes einzelne Teil ist ein von Hand gefertigtes Kunstwerk. Keines der Teile ist echt, weder die Pneus noch der Hammer noch der Schwamm noch die schweren Ketten. Alles Fakes! Alles aus Polyurethan gefertigt und bemalt – und für ihren eigentlichen Zweck völlig unbrauchbar. Ihre künstlichen Gegenstände und Werkzeuge seien jetzt «keine Sklaven» mehr, monieren die Künstler – weil sie zu nichts zu gebrauchen sind.

 

Fischli/Weiss verfolgen stets das Ziel, die Kunstwelt auf den Kopf zu stellen. Mit hintergründigem Humor bauen sie aus banalen Dingen des Alltags Installationen auf, in denen nichts real und alles Kunst ist.

 

Die von Marcel Duchamp erfundenen >Ready-Mades werden parodiert und ins Gegenteil verkehrt: Fischli/Weiss verwenden keine fertigen Dinge, sie bauen sie neu.

 

Das Künstlerduo arbeitete von 1979 bis 2012 zusammen (bis zum Tod von David Weiss). Ihr Tätigkeitsfeld war fast grenzenlos. Sie kneteten, schnitzten und gossen, sie fotografierten, filmten, erstellten Multimedia-Installationen und Kunstbücher. Eines ihrer bekanntesten Werke ist der Film >Der Lauf der Dinge aus dem Jahr 1987.

 

Fischli/Weiss vertraten die Schweiz an der Biennale Venedig 1995.
2003 erhielten sie den Goldenen Löwen für ihren Beitrag Questions (1981–2002). 2016 präsentierte das Guggenheim Museum ihre dritte Retrospektive unter dem Titel «How to work better».

 

Seit dem Tod von David Weiss 2012 ist Peter Fischli als Künstler solo unterwegs. Vom 12.9. bis 29.11.2020 bietet ihm das Kunsthaus Bregenz eine eigene Ausstellung. >mehr

 

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Das Skandalbild von 1893.

 

 

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Göttliche Strahlen.

 

 

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Der Pekinese.

 

 

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22. September 2020, Referentin Gabriele Lutz

Félix Vallotton (1865-1925). Le bain au soir d'été, 1892-93.

 

Das Werk ist eine Leihgabe der Gottfried Keller-Stiftung und kam 1965 ins Kunsthaus Zürich. Zum ersten Mal dem Publikum gezeigt wurde es am Salon des Indépendents Paris 1893. Und es wurde zum Skandal. Weil der Künstler badende Frauen in einer Form darstellte, die vom gängigen Ideal abwich: antinaturalistisch, in vereinfachten Formen, dazu in flächig aufgetragenen Farben. Ganz im Stil der 1889 gegründeten Künstlergruppe «Nabis» um Paul Sérusier und Pierre Bonnard.
>mehr über die Nabis
Bei den Nabis hatte Vallotton den Übernamen «Le nabis étranger» – als einziger Schweizer unter all den Franzosen.

 

Vallottons Bild zeigt keine «normale» Badeszene, sondern stellt jede der Frauen posierend dar, dazu auch noch parodierend und karikierend. Zu erkennen sind auch Einflüsse des Holzschnittes und der japanischen Malerei. Vallotton bringt auch noch eine spirituelle Ebene mit ins Spiel – durch die stilisierten goldenen Sonnenstrahlen im Stil biblischer Darstellungen aus dem Mittelalter. Die verklärt wirkende Frau auf der Treppe scheint die göttlichen Strahlen zu empfangen.

 

Das Gemälde könnte auch als Jahreszeitendarstellung (Sommer) gedeutet werden. Oder als Darstellung der verschiedenen Lebensalter. Der Künstler scheint auch Anleihen beim berühmtesten Bild von Lucas Cranach gemacht zu haben, beim >Jungbrunnen von 1546.

 

Um eine perfekte Perspektive kümmert sich Vallotton nicht gross. Die Frauen bewegen sich gewissermassen auf einer einzigen Ebene, obwohl davon mehrere vorhanden sind: Vorne das Schwimmbad, dann die Backsteinmauer, Liegefläche und Wiese. Und was hält die nackte Hauptfigur im Vordergrund in der Hand? Es ist ein Hündchen, genauer: ein Pekinese.

 

>mehr über Félix Vallotton

 

 

   
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